zu neimert, nichts wie Regen unb Regen, und schwere Gewitter folgten auf- i einander. Das Grummetgras, das zum großen Theile schon abgemacht I war, ist an vielen Stellen fast ganz gefault, der Obststand wurde durch die tagelang anhaltenden heftigen Stürme sehr reduzirt.
Marburg, 8. Septbr. Ergebniß der Wasseruntersuchung). Das Lahnwasser ist jetzt untersucht und als stark verdächtig befunden worden. Es wird daher vor dem Gebrauch desselben gewarnt.
Frankfurt a. M., 9. Septbr. (Jubiläumsfeier). Gestern Abend hielt die Rudergesellschaft „Germania" im großen Saale des Palmengartens die Vorfeier des Festes ihres 25jährigen Bestehens ab. Um 7 Uhr versammelten sich nach und nach in dem mit Wimpeln, Fahnen, Lorbeeren und Palmen geschmückten Raume die Festgenossen. Unterhalb des Orchesters war eine Ehrentafel gebildet worden für die Würdenträger der Gesellschaft, und hinter dieser war der enorm reiche Prei schätz des Klubs ausgestellt worden. Da standen Humpen, Becher, Aufsätze, Ehrenschilde, Trinkhörner und mancher andere kostbare Gegenstand, der in siegreichen Rennen als Preis errungen wurde und von denen manche Könige und Fürsten gestiftet hatten. Um 7 Uhr 40 Minuten begann mit der Jubel- ouverture von Weber die Feier; an das Musikstück schloß sich ein von Mitgliedern des Sängerchors des Lehrervereins vorgetragenes Lied, und nach diesem bestieg der Präsident der Gesellschaft die Rcdnerbühne. Er entwarf eine kurze Geschichte der Entwickelung des Klubs und pries den Nutzen des Rudersports für Körper und Geist. Nachdem der Sängerchor abermals ein Lied vorgetragen hatte, brachten die Vertreter der hiesigen und vieler auswärtigen Vereine (von Hanau Herr Dietrich von der 1879er Rudergesellschaft) der „Germania" ihre Glückwünsche und Ehrengeschenke dar. Den Reigen eröffnete der Senior des Deutschen Ruderverbandes, der mit warmen, herzlichen Worten die gedeihliche Wirksamkeit der „Germania" schilderte und ihre Bedeutung für den Rudersport pries. Ihm schlossen sich wohl dreißig Redner und Abgeordnete der Vereine in allen Gauen des Reichs an; der hohe Norden und der ferne Osten hatten Vertreter gesandt, und der Ehrentisch brach fast unter der Last der Ehrengaben, der silbernen und grünen Lorbeerkränze, der Diplome und Pokale. Zum Schlüsse wurde der Gesellschaft von ihren Gründern ein silberner Lorbeerkranz gespendet, und die Ehrenmitglieder weihten einen schweren Pokal und eine silberne Münze, als jedes Jahr für Mitglieder der Germania zu erkämpfende Preise. Nach diesem Gratulantendefilee erhob sich noch einmal der Präsident und dankte im Namen der Gesellschaft für die erfahrenen Beweise von Sympathie und Freundschaft. Der Germaniamarsch schloß die Feier, der sich ein solennes Festbanket anreihte. — Heute wurde das Jubiläum durch die Abhaltung einer Regatta gefeiert. Trotz der Ungunst der Witterung wohnten Tausende den interessanten Wettkämpfen bei. Nach Schluß der Regatta fand eine Auffahrt statt, die, wenn auch durch das Wetter beeinträchtigt, -einen schönen Verlauf nahm. Das Rennen, an welchem die Hanauer Rudergesellschaft von 1879 (s. auch unter „Rudersport") betheiligt war, nahm folgenden Verlauf: Einser. Mainpokal, Wanderpreis. 1) Georg Stocker, Hanauer R.-G. von 1879, 7 Min. 533/5 Sek. 2) Jak. Diehl, Frankfurter R.-V. 7 Min. 53^5 Sek. 3) Ph. Rumblar 8 Min. 11 Sek. Mit einer Viertellänge sicher gewonnen.
Griesheim, 6. Septbr. (Schrecklicher Unfall.) Der Landwirth Heinrich Leber IV. in der Parisergasse hier, ein Familienvater Ende Ser 50er Jahre, fand heute Morgen vor 7 Uhr an einem Bahnübergang, einem sogenannten Triller, in der Nähe der hiesigen Station der Hess. Ludwigsbahn durch den 6 Uhr 35 Min. von Darmstadt abgehenden Perso- menzug einen schrecklichen Tod. Nach Angaben von Augenzeugen wurde Ser Verunglückte, der auf der Schulter eine Sense trug und neben den Schienen ging, von der Maschine erfaßt und noch ca. fünf Schienenlängen weit sortgeschleift und sein Körper durch das öftere Aufschlagen zerschmettert. Der Tod trat sofort ein.
Mainz, 8. Septbr. (Theure Probe). Bei allen Proben des 'Weinbaukongresses wurden keine so probaten Mittel angewandt, sich in den 'Besitz eines angemessenen Quantums der edlen Flüssigkeiten zu setzen, wie gestern in einer hiesigen Weinhandlung. Kommen da zwei schlanke Burschen gegangen, die mit der größten Unverfrorenheit behaupten, sie seien aus Warschau, Besitzer einer großen Delikatessen- und Weinhandlung, und weilten gegenwärtig, um sich wieder etwas zu kräftigen, in Nauheim zur Kur. Sie wollten aber jetzt der renommirten Firma die Ehre einer persönlichen Bestellung zu Theil werden lassen. Allen ihren Behauptungen suchten sie durch Vorzeigung von gedruckten Geschäftskarten einen glaub- 1 aften Untergrund zu schaffen. In Erwartung kommender Aufträge reichte Ser Kellermeister sehr befriedigt den russischen Herren Probe auf Probe. Und die Herren kosteten das kostbare NH, und kosteten in vollen Zügen, Senn das kostete nichts. Dem Kellermeister fiel dies natürlich auf, und in seiner Seele stieg ein furchtbarer Verdacht auf. Die beiden Gentleinen bestellten nun zwei Faß Wein mit dem Bemerken, daß sie ein paar Flaschen gleich mimet) men wollten. Als Bezahlung reichten sie dem Kellermeister ein blinkendes Zwanzigmarkstück. Dieser ging jedoch von der 'Ansicht aus, „das nicht alles Gold ist, was glänzt" und wies das Geldstück zurück, mit dem Bemerken, daß er nicht herausgeben könnte. Nun wurde er mit klingendem Silber befriedigt. Die edlen „Russen" schlugen beim Ausgang eine rasche Gangart an, und „Herren und Flaschen sah man niemals
wieder". Der Kellermeister besah sich sodann das Geld der „Kunden" etwas genauer, und da fand er falsche Zweimarkstücke. Er brachte sie sofort den Inhabern der Firma, die jedoch auch nur konstatiren konnten, daß die Silberstücke keine Idee von Silber enthielten. Alle angestellten Recherchen blieben erfolglos, man erfuhr nie, woher sie kamen der Fahrt, noch wie ihr Nam', und Art.
Holzminden, 7. Septbr. (Werthvolle Lumpen). Einen recht vortheilhaften Einkauf, ohne es zu wissen, hat vor Kurzem ein im benachbarten Riddagshausen ansässiger Lumpensammler in einem Hause gemacht. Dort hatte er alte Lumpen eingekauft, die er achtlos zu den bereits gesammelten Produkten warf. Einige Tage nach diesem Verkauf vermißte man in dem betreffenden Hause ein Päckchen mit 16 Hundertmarkscheinen, und als man trotz eifrigen Suchens das Geld nirgends finden konnte, wurde schließlich eine Durchsuchung der kürzlich verkauften Lumpen veranlaßt, in denen sich denn auch das werthvolle Päckchen vorfand.
Frankfurter Theater-Repertoir.
Opernhaus. Dienstag, den 11. September: „Troubadour".— Mittwoch, 12.; „Excelsior". — Donnerstag, 13.; „Rheingold". — Freitag, 14.; „Walküre". — Samstag, 15.: „Freischütz". — Sonntag, 16.; «Figaros Hochzeit". — Montag, 17.: „Götterdämmerung".
Schauspielhaus. Dienstag, den 11. Septbr.: „Talismann." — Mittwoch, 12 ; „Freund Fritz" und „Taube der Messalina". — Donnerstag, 13.: „Madame Sans-Gtzne." — Freitag, 14.: Zum ersten Male: „Das Wort des Erlösers". Hierauf zum ersten Male: „Das Recht der Liebe". Hieraus zum ersten Male: „Die Braut des Herrn von Merian". — Samstag, 15.; „Die Haubenlerche". — Sonntag, 16., nachmittags 31/a Uhr: „Madame Sans-Gtzne". Abends 7 Uhr: „Die Haubenlerche". — Montag, 17.; „Das Wort des Erlösers". „Das Recht der Liebe". „Die Braut des Herrn Merian".
Litterarisches.
Der „Gartenlaube-Kalender" für das Jahr 1895 ist soeben von der Verlagshandlung der „Gartenlaube", Ernst Keil's Nachfolger iu Leipzig, herausgegeben worden. Es ist ein lieber hochgehaltener Gast, den wohl jedcr von unsern Lesern kennt und freudig bei seinem Erscheinen begrüßt. Führt er sich doch selber mit einem treuherzigen „Grüß Gott!" ein, das ihm die Herzen von vornherein gewinnt, wie der fröhliche prächtige Bursch aus den Alpen unter dessen das Buch eröffnenden Konterfei jene Worte stehe.
Ernster muthet uns das Bild des kernigen Landwehrmannes an mit den gewichtigen Worten des Dichters Anton Ohorn, erinnernd an die großen Tage von 1870, die vor 25 Jahren dahinrauschten und in denen die deutsche Landwehr mit nerviger Faust „Geschichte machen" half. Aus dem Volk und für das Volk schreibt dieser Kalender, und allen voran W. Heimburg, die warmherzige Erzählerin mit ihren lebendigen, packenden Schilderungen aus dem deutschen Familienleben, von denen die diesjährige unter dem Titel „Der silberne Hirschfänger" uns ganz besonders ergreifend erscheint. Nicht minder lebenswahr schildert Johannes Wilda in seiner Novelle „Kapitänlieutenant Bacchus" die gesunde sittliche Lebenskraft, die im deutschen Volke wurzelt und die hier den Mann der sogenannten besseren Stände durch die Hand eines Arbeiterkindes auf den Pfad der Pflicht zurückführt, als er verzweiflungsvoll von demselben abirrte. Der heiteren Seite des Lebens wird die reizende Humoreske „Der erste Patient" von Ernst Lenbach in köstlicher Weise gerecht, und zahlreiche, hübsch illustrirte Schnurren und Schwänke unterstützten sie in diesem Bestreben. Hübsche sinnige Gedichte, interessante Anekdoten wechseln ab mit erprobten Rathschlägen für das praktische Leben, mit volksthümlich behandelten wissenschaftlichen Thematen, allerlei nützlichen Notizen u. s. w. Ein reich illustrirter Rückblick aus die Tagesgeschichte, ein überaus vollständiges Kalendarium, eine Menge wichtiger statistischer Mittheilungen gestalten den „Gartenlaube-Kalender" zu einem unentbehrlichen Nachschlagebuch, dessen Preis von 1 Mark es jedem zugänglich macht, der auf ein nützliches und gediegenes, fein und geschmackvoll ausgestattetes Buch Werth legt.
Schiffsbericht.
Der Hamburger Doppelschrauben - Schnelldampfer „Columbia", Kapitain Vogelgesang, welcher am 31. August von Southampton abgegangen, ist am 7. September, 10 Uhr morgens, wohlbehalten in New- Aort eingetroffen.
Wetterbericht des „Hanauer Anzeiger" vom 9 September.
Nach Beobachtungen des hies. VerschönerungS-Berems am Wetterhäuschen am kaiserl. Postgebäude.
Barometer: morgens 753, mittags 755, abends 7(6
Thermometer: morgens + 9,0° C„ mittags + 13,0 0.. abends -V 10,5 U
Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser): morgens 82, mittags 56, abends <4.
Lambrecht's Patent-Wettertelegraph (im RathhauShof): Am 1v. September. Bevänderlich. , <
Der Zeiger am Fuß des Wettertelegraphen gibt den Stand von etwa 8 Uhr morgens atu