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Amtliches ^rgcm für Ma-t- und Landkreis Kcrrrcru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Gsnv- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 207. Mittwoch den 5. September 1894.

Amtliches.

DiWstmthrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein seidener brauner Damenschirm ohne Stiel.

Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund (Bastard) mit braunen Beinen, w. Geschl.; Empfangnahme bei Johann Schmidt auf der Bloch­mühle bei Niederissigheim. Ein gelb gestreifter Hund mit weißer Brust, weißen Vorderpfoten, gestutzten Ohren, m. Geschl., trug Maulkorb und Halsband mit Marke Nr. 635 1894/95; Empfangnahme bei Karl Wald­schmidt zu Dörnigheim.

Gefunden: Ein Regenschirm. Ein Henkelkorb. Eine Peitsche. Ein Geldstück. Ein goldener Kinderohrring. Ein hellgrauer Damenhand- schuh (linker).

Hanau am 5. September 1894.

■ ^tadi&rew ^anau.

Nânntmachimgen des Oberbürg ermeifteramtes.

Oie vom Stadtrath und Gemeindeausschuß geprüfte Rechnung der städtischen Sparkasse pro 1893 wird nach §. 90 der Gemeindeordnung zur Einsicht der Gemeindeglieder vom 5. September cur. an acht Tage lang im Rathhause offen liegen.

Tie Gemeindeglieder können zu dieser Rechnung Bemerkungen bei­fügen, von welchen der Gemeindeausschuß geeigneten Gebrauch machen wird.

Hanau am 30. August 1894.

Der Ausschußvorsteher

Nickel. 11411

Stadtkasse.

Alle Diejenigen, welche mit Umlage und Schul­geld noch im Rückstände sind, werden an alsbaldige Zahlung mit dem Bemerken erinnert, daß bis 10. September d. I. Zahlung bis September ein­schließlich zn leisten ist und daher vom 11. Sep­tember an die Beitreibung auf die Monate Juli bis einschließlich September 1894 sich erstrecken wird.

Hanau am 30. August 1894.

St'adtkasse. 11189

Auf dem deutschen Katholikentage,

der jüngst in Köln versammelt war, nahm Freiherr von Schorlemer-Alst das Wort zu einer Rede über die sozialen Aufgaben der Gegenwart, die — wenn man auch in Einzelheiten anderer Meinung sein wird — doch in ihrem Grundton den aufrichtigen Beifall aller wahren Freunde unseres Volkes verdient und finden wird.

Vor allem betonte er die Nothwendigkeit, daß die christlichen Kon­fessionen in Lösung der sozialen Aufgaben Hand in Hand gehen möchten, statt sich gegenseitig zu befehden. Man braucht nicht zu erwarten, daß man der Lauheit beschuldigt wird, wenn man konfessionelle Streitigkeiten vermeidet und statt dessen in friedlichem Geiste gemeinsam mit den Ver­tretern der anderen christlichen Konfessionen den Weg sucht, auf welchem eine soziale Hebung der Gesellschaft auf christlicher Grundlage würde ge­lingen können. Tie konfessionellen Streitigkeiten kommen ebenso wie der Kampf der staalserhaltenden politischen Parteien nur den gemeinsamen Gegnern zu Gute und schwächen die Kräfte, die zur Abwehr der dem Staat und der Gesellschaft drohenden Gefahren berufen sind und deren Bethä­tigung jetzt mehr wie je erforderlich ist. Herr von Schorlemer hält mit Recht die Aufgabe der sozialen Hebung der Gesellschaft für so groß und schön, daß es sich lohnen würde, darob das Trennende bei Seite zu lassen. Man kann nur wünschen, daß diese Gesinnung in allen Kreisen mehr und mehr zur Geltung und Herrschaft gelange.

Der Redner ging dann auf die sozialen Aufgaben selbst über und befürwortete eine Organisation der Gesellschaft nach Berufsständen, wie

dies ja and), schon von bedeutenden Sozialpolitikern, z. B. von Schäfsle oft genug geschehen ist. Was er darunter meint, geht aus seinen Aus- lasfungen über die Nothwendigkeit der Kräftigung des Mittelstandes hervor, zu welchem er den mittleren und kleineren Landwirth und Grundbesitzer, den Kaufmann und Handwerker rechnet. Dem Plane, alle Menschen wirthschaftlich, gleich zu machen — das ist ja das Ziel der Sozialdemo­kratie , will er in Berufsgenossenschaften die Verbindung des Gleich­artigen entgegensetzen. Der Drang nach Vereinigung und die Anfänge zu einer solchen seien überall vorhanden; aber es fehle ihnen die Organisation. Und nun weist er im Besonderen aus die Land wirth sch ast hin, für deren Organisation in den Landwirthschaftskammern der erste Anfang ge­macht ist Die Landwirthschaft, in sich aufgebaut in Provinz, Staat und Reich, würde vor allem eine Regelung der Verschuldungssrage, die Er­setzung des Hppothekenwesens durch das Rentenprinzip, die Errichtung und Erweiterung von Kreditanstalten, die Erhaltung des Grundbesitzes durch Erbrecht, Agrargerichte, Reform der Gesindeordnung, Mitaufsicht an der Getreidebörse in den Kreis ihrer Wirksamkeit zu ziehen haben. Aber man müsse auch mit den Reformen vorsichtig sein und keine Fehler machen. Man dürfe nicht etwa den Staat zum Getreidehändler machen wollen, sei es, daß man das Einfuhrmonopol bezwecke, sei es, daß man vorschlage, der Landwirth solle seine Steuern in natura zahlen. Dies könnte man doch auch den Handwerkern und Kaufleuten nicht versagen, und welche wunderbaren Magazine würden alsdann bei dem Steuerempfänger ent­stehen! Dergleichen laufe auf Staatssozialismus hinaus, an dem wir schon genug hätten.

Ebenso fordert Herr v. Schorlemer eine Organisation des Hand­werks, für die er auch eine Reihe von Aufgaben als von ihr zu lösen vorschlägt, z. B. Einschränkung des Zwischen- und Hausirhandels, Be­kämpfung der leichtsinnigen Konkurse, Sicherstellung der Forderungen der Bauhandwerker u. s. w.

Gegen alle diese Gedanken und Vorschläge wird sich sofort der Ein­wurf erheben, es werde dadurch alle wirthschaftliche Freiheit vernichtet. Im Gegentheil — sagt der Redner zutreffend — es wäre hiermit erst die Freiheit hergestellt und sichergestellt; denn eine Freiheit ohne Schranken führe zur Vernichtung aller wirthschaftlich kleinen Existenzen, und diese zu erhalten, müsse unsere Hauptsorge sein. Nicht um einseitige Interessenver­tretungen handelt es sich, nicht um einen Kampf der Interessen; sondern das Ziel ist ein Ausgleich der Interessen unter den gleichberechtigt neben­einander^ stehenden Berufsgenossenschaften. Weil gerade der Mittelstand dem^ Aufsaugungsprozeß am schnellsten verfällt, muß dieser an erster Stelle gestützt werden. Für die Lösung dieser sozialen Aufgabe sich mehr und mehr zu erwärmen und dafür in Wort und That einzutreten, erscheint in der That als eine Pflicht Aller, welche überzeugt sind, daß ein stärkeres Gegengewicht und Bollwerk gegen die herandringenden Fluthen sozialer Auflösung errichtet werden muß.

Sparkassen und Arbeitertvohnnngen.

Landgerichtsrath Simon-Hannover stellt in der „Sparkasse" folgendes Programm für das Vorgehen der Sparkassen auf dem Gebiete der Woh­nungsfrage auf: Die Sparkasse baut Häuser mit Wohnungen, die genau nach den Bedürfnissen der kleinen Leute hergestellt sind. Vermiethet wird nur an solche, die ein gewisses Guthaben bei der Sparkasse haben. Das Guthaben muß mindestens dem Betrage einer halbjährigen Miethe gleich­kommen und ist insoweit, und zwar auch rücksichtlich der Zinsen der Ver­fügung des Buchinhabers entzogen. Es dient der Sparkasse als Kaution. Wird die am Schluffe eines Vierteljahres zu zahlende Miethe nicht oder nicht voll bezahlt, so gilt damit die Wohnung ohne weiteres als zum Schluffe des kommenden Vierteljahres gekündigt. Die Sparkasse hält sich wegen des Ausfalles an die Kaution. Letztere reicht aus zur Deckung der fälligen und der bis zum Ende des kommenden Vierteljahres fällig werden­den Miethe. Kleinere Schäden, die dem Miether zur Last fallen, können aus den Zinsen der Kaution beglichen werden. Damit erscheint die Spar­kasse vor Verlusten geschützt. Die Miethen müssen selbstverständlich mäßig sein, gleichwohl wird sich das Geschäft für die Sparkassen voraussichtlich rentabel erweisen. Sie werden regelmäßig billiger bauen als der Privat-