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Die Lspalt. Zeile 20 -5.
Die Sspcilt. Zeile 30
Kr. 199.
Montag den 27. August
1894.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Postpacketverkehr mit den Niederländischen Antillen und mit Niederländisch- Guyana.
Vom 1. September ab treten die Niederländischen Antillen und Ni ed erländisch-Gupana der Wiener Postpacketüber- einkunft vom 4. Juli 1891 bei, und es sind infolgedessen Postpackete bis zum Gewicht von 5 kg unter den Bedingungen des Vereinsdienstes nach diesen Gebieten zulässig. Die Taxe beträgt im Verkehr mit den Niederländischen Antillen auf dem Wege über Hamburg 3 M., sonst 3 M. 40 Pf.; mit Niederländisch-Gupana stets 3 M. 40 Pf.
Ueber die näheren Vorschriften ertheilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.
Berlin W., 19. August 1894.
Der Staatssekretär des Reichspostamts von Stephan.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
i Vom Wasenmeister am 25. ds. Mts. eing efangen: Ein gestreifter dänischer Doggenhund m. Geschl. Ein gelber desgl. w. Geschl.
Zugelaufen: Ein junger schwarzer Pudel mit weißen Abzeichen, m. Geschl.
, G efunden: Ein Manschettenknopf mit Mechanik. Von der Post einige Briefmarken von verschiedenem Werth.
Verloren: Am 25. ds. Mts. im Zirkus hierselbst eine Remon- toiruhr. Ein goldener Zwicker mit goldenem Kettchen (von der Kinzigbrücke bis Kinzigheimerhof).
Hanau am 27. August 1894.
^taöt&reis ^anaxt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeifteramtes.
Der am 7. März 1866 in Hanau geborene Kaufmann Heinrich Christian Eberhard hat um Entlassung aus dem preußischen Staatsverband nachgesucht.
Hanau am 24. August 1894.
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
Die Landagitation der Sozialdemokratie.
Wenn auch bekannt ist, daß die sozialdemokratische Agitation bei ihrem Bemühen, in die ländliche Bevölkerung einzudringen, überaus schwere und zumeist fruchtlose Arbeit findet, so darf mau doch nicht glauben, daß der Muth der Agitatoren erlahmte. So zähe das Landvolk in seiner Unzugänglichkeit erscheint, so zähe sind auch die Agitatoren, und die sozialdemokratischen Blätter zeugen fast in jeder Nummer davon, daß die studir- ten Köpfe der Partei sich alle Mühe geben, zunächst in jeder Provinz und Landschaft die thatsächlichen Verhältnisse zu erkunden, daraus Schlüsse zu ziehen, wo und auf welche Art der Hebel zunächst angesetzt werden könne, und den Genossen die Früchte ihrer Forscherarbeit nicht vorzuenthalten. So findet sich in einem Blatte eine Darlegung der Verhältnisse in Mitteldeutschland, insbesondere in der mittleren Lahngegend, deren Verfasser allen Scharfsinn auswendet, herauszufinden, was dort dem Eindringen der Sozialdemokratie schädlich sei und nützlich werden könne.
Er beginnt mit der allen Klage der Sozialdemokratie: daß bei ihrer „Arbeit" auf dem Lande Naturpoesie und Kulturprosa aufeinander prallten. Die Grundforderung des sozialistischen Programms — die Umgestaltung des Verhältnisses des Arbeitenden zu den Arbeitsmitteln, die kollektivistische Gestaltung des Arbeitslebens — erweise sich zu spröde in ihrer Anwendung auf das Land: „Ich sehe, wie die Männer in deiC blauen Kitteln, die schon halb gewonnen schienen, mich mit verständnißlosem Kopfschütteln anhören, sich dann verständnißvoll einander zurauncn: Doas üs nant fer ais. (Das ist nichts für uns.) Dann wenden sie den breiten Rücken ilnd schreiten ihrem friedlichen Heim zu." Man sieht, es ist dem Agitator
der größte Aerger, daß der Landmann noch immer ein friedliches Heim hat und sein Bischen Wohlstand in diesem friedlichen Heim allen Glückseligkeiten vorzieht, die ihm mit dem Kollektivismus des Zukunftsstaates versprochen werden — wo der Fleißige und der Träge den Verdienst in die gemeinsame Kasse werfen und dann aus einem gemeinsamen Topfe speisen sollen.
Mit den Berufsbeamten auf dem Lande, dem Förster, Bürgermeister, Pfarrer, Lehrer u. s. w., ist für den Agitator wenig oder nichts anzufangen. Man könne diesen Männern gegenüber höchstens den Antikapitalismus ausspielen; aber auch das sei nur prekär. Selbst der Lehrer sei in der Lahngegend durchaus nicht immer ein armer Schlucker, sondern gar häufig nebenbei durch die Heirath ein wohlhabender Bauer geworden. Eher gehe es noch von den Schranken zu reden, die durch den Beruf und die amtliche Stellung dem Einzelnen gezogen sind. Ob sich bamit aber mehr erreichen läßt? Ein jeder Beamter, mag er auch in bescheidener Stellung sein, kennt seine Standesehre, die Rechte und Pflichten, die ihm der Dienst auferlegt. Wenn ein Höherer über ihm steht, ihn zu befehlen hat, so weiß er, daß das in einem großen Organismus nicht anders geht, wo Einer nicht Alles übersehen kann und der Höherstehende auf die zuverlässigen Augen des Untergebenen angewiesen ist, der wieder seinen Bereich für sich hat und seinen Stolz darin setzt, sein Amt musterhaft und zum Gedeihen des Ganzen zu verwalten. Daß diese Ordnung im Zu- kunftsstaate in politischer und wirthschaftlicher Hinsicht gebessert, die unvermeidliche Unterordnung weniger drückend gemacht werden kann, das wird sich ein Beamter, der seine Lebens- und geschäftliche Erfahrung hat, nicht so leicht weis machen lassen.
Auch vom Geschäftsmann und Handwerker auf dem Lande hofft der Sozialdemokrat wenig; ihr Interesse ist zu sehr mit dem der Kundschaft aus dem Besitzerstande verschmolzen und zumal das Kleinhandwerk, das in der Stadt den wirthschaftlichen Halt mehr und mehr verliert, hat auf dem Lande noch sehr wohl seinen goldenen Boden. „Junge, in der Stadt ausgebildete Handwerker kehren in das Heimathsdorf zurück und gründen dort ihre Existenz." Das ist ein wichtiges Zugeständniß.
Die Bauerschaft, „die den maßgebenden Kern, die mächtigste Schicht unserer Landbevölkerung bildet", ist erst recht nicht zu haben; die Gründe dafür brauchen nicht erst erörtert zu werden. Es bleiben also nur die Landarbeiter übrig. Von diesen scheiden aber wiederum die eigentlichen Feldarbeiter aus, die, wenn sie sich auch bescheiden durchschlagen müssen, doch an ihrem kleinen Eigen- oder Pachtbesitz einen wirthschaftlichen Halt haben, und die „Fabriker", die in die Stadt zur Arbeit gehen und dort eher in Gasthäusern und Versammlungen bearbeitet werden können, sind schließlich die einzige Klasse, bei der sich zuverlässig etwas machen läßt.
Man sieht, der «Sozialdemokrat stellt seinen Genossen die Aussichten der Partei auf dem Lande nicht rosig dar. Aber er weiß ein Mittel: man dürfe nicht erlahmen, Mißtrauen gegen Arbeiter und Höhergestellte — von Stufe zu Stufe herauf — zu säen, die Unzufriedenheit zu schüren. Die Agitatoren sprechen gern von dem „Evangelium des Sozialismus". Evangelium heißt Heilsbotschaft; das ist eine eigene Artz Heil zu verkünden, indem man nur die kleinlichen und schlechten Eigenschaften, die im menschlichen Charakter wurzeln, pflegt und die Leute lehren will, die Sorge und Mühe, die das Leben mit sich bringt, mit dem Vergrößerungsglase anzusehen, und nicht so, wie sie schlecht und recht in Wirklichkeit sind. Unterwühlen, zerstören und einreißen ist Alles, was die Sozialdemokratie versteht und unternimmt, während sie glauben machen möchte, daß sie das Aufbauen eines besseren Gebäudes verstände. Das geht auch aus den höchst wissenschaftlichen Darlegungen des hessischen Agitators hervor, dessen Weisheit der Mann im blauen Kittel nicht thörichter, sondern sehr verständiger Weise den breiten Rücken zeigt.
Tagesschau.
Berlin, 25. Aug. Seine Majestät der Kaiser und König empfingen im Neuen Palais heute Vormittag 9 Uhr den Chef des Generalstabs der Armee, General der Kavallerie Grafen von Schliessen und sodann den Chef des Militärkabinets General der Infanterie von Hahnke zum Vortrags .