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Kr. 197.
Freitag den 24. August
1894.
Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein weißer Hund mit braunem Kops, m. Geschl.; Empfangnahme bei Maria Bauscher zu Niederdorfelden.
Verloren: Ein s. g. Wetterhäuschen.
Gefunden: Ein Damenschuh von Tuch. Ein Kinderschuh. Ein rothes Taschentuch. Ein goldener Ring mit Steinen.
Hanau am 24. August 1894.
Auch die deutsche« Turner
machen erfreulicher Weise entschieden Front gegen das Bestreben der Sozialdemokratie, in ihre Reihen einzudringen. In einer Ende Juli in Breslau abgehaltenen Sitzung des Ausschusses der Deutschen Turnerschaft ist unter anderem über die Aufgabe der Deutschen Turner- schaft gegenüber der Agitation der „Freien Turner", d. h. des sozialdemokratischen Arbeiterturnbundes, berathen worden. Der Geschäftsführer Dr. Götz führte aus, daß die „Freien Turner" absichtlich darauf ausgehen, die bisherige Entwickelung des deutschen Turnvereinslebens dadurch zu stören, daß sie parteipolitische Tendenzen in die Vereine hineintragen. In den Turnvereinen dürfe aber Parteipolitik nicht geduldet werden; diejenigen, die das Turnen zur Magd einer Partei machen wollen, gehörten nicht in j, die Reihen der deutschen Turner. Der Ausschuß der Deutschen Turnerschaft habe erkannt, daß gegen das Umsichgreifen sozialdemokratischer Tendenzen, wie sie der „Arbeiter-Turnerbund" verfolgt, in bestimmter Weise Stellung zu nehmen sei, und in der Ausschußsitzung wurde daher der An- trag gestellt, bestimmte Gesichtspunkte für die Satzungen der Turnvereine zu empfehlen. Hiernach soll in das Grundgesetz die Pflege vaterländischer Gesinnung als Zweck ausgenommen werden. Ferner hat man Bestimmungen angeregt, die den Ausschluß von Mitgliedern ermöglichen wegen eines Verhaltens, welches das turnerische Leben gefährdet oder politische Umtriebe begünstigt. Ueber den Ausschluß von Vereinen aus der Deutschen Turnerschast, sowie über die Pflege vaterländischer Gesinnung und das Fernhalten von politischen Bestrebungen wird dem nächstjährigen Turntag eine Vorlage gemacht werden.
Tagesschau.
Berlin, 23. August. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vorinittag im Neuen Palais den Vortrag des Reichskanzlers, des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabinets entgegen.
Berlin, 23. Aug. Der Kaiser hat seinem hohen Interesse für den akademischen Rudersport erneuten Ausdruck gegeben, indem derselbe anregt, nach englischem Vorbilde einen Ehrenpreis zu stiften, der von einer Universität zur andern wandert und um den von Jahr zu Jahr gekämpft werden soll. Aehnliche Einrichtungen sollen für alle höheren Lehranstalten getroffen werden. Berlin soll damit beginnen. (K. Tbl.)
Berlin, 23. August. Das „Marine-Verordnungsblatt" enthält in 'der Nr. 15 vom 21. d. M. eine Nachweisung derjenigen Stellen, welche zur Ertheilung von Urlaub an Beamte der Kaiserlichen Marine berechtigt sind, sowie der Zeiträume, für welche Urlaub gewährt werden darf. Alle dieser Nachweisung widersprechenden bisherigen Vorschriften werden damit außer Kraft gesetzt.
Berlin, 22. Aug. Ueber eine Randbemerkung des Kaisers in den kriegsgerichtlichen Akten gegen einen Offizier weiß die „Staatsbürger Ztg." folgendes zu berichten: Der Offizier hatte sich der vorschriftswidrigen Behandlung zur Uebung eingezogener Volksschullehrer durch Schimpfworte schuldig gemacht und war durch kriegsgerichtliches, der Bestätigung des Kaisers unterbreitetes Erkenntniß zu mehrmonatlicher Festungshaft verur- theilt worden. Der Kaiser schrieb an den Rand: „Ich glaubte nicht, einen solchen ungebildeten Offizier in meiner Armee zu haben." Jener Offizier wurde nach Verbüßung seiner Strafe veranlaßt, seinen Abschied zu nehmen.
Berlin, 23. Aug. Die Zahl der preußischen Gerichtsassessoren hat in der letzten Zeit etwas abgenommen, hauptsächlich weil die Vermehrung der Richterstellen und ein ziemlich bedeutender Abgang älterer Richter einer großen Zahl von Assessoren zur Austelluug verhalfen hat; auch ist die Zahl der Ernennungen von Referendaren zu Assessoren etwas geringer geworden. Zu Anfang August d. J. waren in Preußen 1794 Assessoren
vorhanden gegen 1855 zu Anfang August 1893 und 1925 zu Anfang August 1892. Es hat also in den letzten zwei Jahren eine Abnahme um 131 stattgefunden.
Berlin, 22. Aug. Den „Neuesten Nachrichten" zufolge lehnte, entgegen einer Vorstellung des Kultusministers, die Berliner Universität ein Einschreiten gegen den sozialdemokratischen Privatdozenten für Mathematik, Dr. Arons, ab.
Berlin, 22. Aug. Der preußische Landwirthschaftsminister hat von den landwirthschaftlichcn Zentralvereinen eine gutachtliche Aeußerung darüber eingefordert, ob sie die Errichtung einer Zwangsvcrsicherung oder einer staatlichen Entschädigung für an Maul- und Klauenseuche gefallenes Rindvieh für nothwendig erachten.
Berlin, 22. Aug. Ein Kongreß der Baptisten tagt gegenwärtig in Berlin. Er wurde am Montag Mittag durch ein gemeinsames Mittagessen der aus allen Staaten des Kontinents und selbst aus England und Amerika herbeigeeilten Delegirten im Böhmischen Brauhause eingeleitet. Mehr als 400 Delegirte, darunter auch eine Anzahl Damen, nahmen an dem Kongreß theil.
Breslau, 23. August. Das Eisenbahnbetriebsamt Breslau-Tarno- witz macht bekannt: Am 21. d. M., nachts 11 Uhr, entgleiste auf der Strecke Oels—Jarotschin zwischen Kraßnitz und Militsch ein Güterzug infolge Achsenbruchs. Zwölf Güterwagen wurden mehr oder minder erheblich beschädigt. Personen sind nicht verletzt worden. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten.
Thorn, 22. Aug. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten verlas der Bürgermeister ein Schreiben des Hofmarschalls, wonach der Kaiser die gelegentlich der Festungsmanöver beabsichtigte Festlichkeit ablehnt, dagegen einen Ehrentrunk am Rathhause annimmt.
Wien, 23. Aug. Der bekannte Mitbegründer und frühere Chefarzt der Retlungsgesellschaft, Baron Mundy, erschoß sich heute Nachmittag unter der Donaubrücke. Die angebliche Ursache ist eine eingebildete schwere Krankheit. (Fr. N.)
B«dapeft, 23. Aug. Der „Budapester Korrespondenz" zufolge verbrannten beim Fiumaner Magazinbrande 57 000 Meterzentner verschiedener Waaren, besonders Mehl, Zucker, Pflaumen und Wolle.
Antwerpen, 22. August. Bei Versuchen mit einem neu erfundenen Zünder auf dem Polygon in dem benachbarten Brasschaet zersprang, wie der „K. Ztg." gemdeldet wird, eine Granate. Drei Artilleristen wurden schwer und ein Offizier leicht verletzt.
Paris, 23. Aug. Die Minister des Krieges und der Marine haben einen Ausschuß ernannt, welcher den Auftrag erhalten hat, alle Fragen in Betreff der Betheiligung der beiden Departements des Krieges und der Marine bei der Ausstelluug von 1900 zu studiren und den Ministern eingehend zu berichten.
Petersburg, 23. Aug. An die Stelle der abbestellten großen Smolensker Manöver treten kleinere lokale Uebungen.
Sofia, 23. Aug. Da der Orientexpreßzug von Konstantinopel bis zur bulgarischen Grenze keinen Aufenthalt hat, ist von der Sanitätsbehörde eine einfache ärztliche Untersuchung in Harmanli und für die in Bulgarien bleibenden Reisenden eine fünftägige Beobachtung angeordnet worden. (Rh.K.)
Ncwyork, 23. August. Während der gestern hier abgehaltenen Regatta ist die Dacht „Primrose" untergegangen. Acht an Bord befindliche Personen sind ertrunken.
Chicago, 23. Aug. Pullmann erklärt die Nachricht der bevorstehenden Verlobung seiner Tochter mit dem Prinzen Isenburg für unbegründet.
Bremen, 22. August. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Dresden" ist gestern in Baltimore angekommen.
Hamburg, 22. August. Der Postdampfer „Cremon" von der Hamburg-Amerikanischen Packetsahrt-Aktiengesellschaft ist von Hamburg vorgestern in La Guayra angekommen.
London, 22. August. Ter Union-Dampfer „Trojan" ist auf der Ausreise vorgestern in Kapstadt eingetroffen.
Depeschen-Brrrearr „Herold".
23. August, abends 9 Uhr:
Berlin, 23. August. Eine Alarmirung der Berliner Garnison soll auf Befehl des Kaisers in der nächsten Zeit erfolgen. Die Alar-