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Dienstag den 21. August

Nr. 194.

Amtliches.

^tadt^reiö ^anau.

Nachstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.

Hanau am 17. August 1894.

Königliche Polizeidirektion.

P. 8735 I. A.: Dr. Köhler, Regierungsaffesfor.

Bekanntmachung.

Am 21. Juli d. Js. wurde hier oberhalb der englischen Gasfabrik die Leiche eines unbekannten Mannes im Alter von 28 bis 30 Jahren, mittelgroß, mit dunklen Haaren, röthlichem Schnurr- und kurzge­stutztem Vollbart, aus dem Main geländet.

Bekleidet war die Leiche mit stahlblauem Schiffmannsrock und Weste, grauen Hosen, weißleinenen Unterhosen, grauen Socken, genagelten Halb­schuhen, weißen Patentgummihosenträgern mit braunen Streifen, weißem Hemd anscheinend Soldatenhemd mit blauen Streifen, gezeichnet T. R. P. T. R. Nro. 8497, wollenem Unterhemd, um den Hals ein blaugestreiftes Taschentuch. Die Leiche mag etwa 23 Wochen im Wasser gelegen haben. Weitere Effekten wurden bei der Leiche nicht gefunden.

Um Anzeige wird ersucht, falls der Verstorbene bekannt sein sollte.

Die Kleidungsstücke werden zur eventuellen Jdentifizirung der Leiche hier aufbewahrt.

Frankfurt a. M. den 3. August 1894.

Der Polizeipräsident

Frhr. von Müffling.

Wegen Ausführung der Sielbauarbeiten in der Steinheimer Land­straße ist die Absperrung derselben für den Fuhroerkehr vom 22. d. Mts. ab angeordnet.

Für den Fährverkehr bleibt die Mainstraße offen.

Hanau am 21. August 1894.

Königliche Polizeidirektion.

P. 8861 v. Oertz en.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Krankenkassenbuch der Metallarbeiter für August Fröhlich aus Wahlen. Eine goldene Broche. Ein Regenschirm. Ein französisches kleines Vokabelbuch. Eine große Kanne von einem Metzger­wagen.

Verloren: Eine goldene Brille.

Hanau am 21. August 1894.

Slerdlkveis ^anau.

* Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Vor bent Kanalthor Nr. 1, gleicher Erde, sind nach der Straßenseite zwei neuhergerichtete ineinandergehende Stuben vom 1. September d. J. an zu vermiethen.

Näheres Stadtbauamt, Zimmer Nr. 24 im Rathhaus".

Hanau am 13. August 1894.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebes chus. 10448

Diejenigen Steuerzahler der hiesigen Stadt, welche noch mit Zahlung der Einkommen- und Gewerbesteuern für das 2te Quartal des Etatsjahres 1894/95 im Rückstände sind, werden an alsbaldige Einzahlung derselben mit dem Bemerken erinnert, daß die Zahlungstermine bereits am 18. d. M. verstrichen sind.

Hanau am 20. August 1894.

Der Königliche Rentmeister

Kiel.

Die Abwehr umstürzlerischer Bestrebungen.

Die öffentliche Meinung beschäftigt sich unausgesetzt mit der Gefahr, die der staatlichen Ordnung und der bürgerlichen Sicherheit durch umstürz-

1894.

lerische Bestrebungen droht. Man ist sich darüber einig, daß die beiden feindlichen Gewalten, die es auf den Umsturz des Bestehenden abgesehen haben, die Propagandisten des Wortes wie die Propagandisten der That, nach demselben Maße gemessen werden müssen. Beide mißbrauchen die staatsbürgerlichen Freiheiten, um den Staat zu verhöhnen, sein Ansehen zu untergraben; nur daß die gewandtere Sozialdemokratie dabei behende durch die Maschen des Strafgesetzbuchs hindurchzuschlüpfen versteht, während der gewaltthätigere Anarchismus nicht vor einem kecken Einbrüche zurück­scheut und vermeint, die Maschen des Gesetzes zerreißen zu können. Ueberall regt sich in bürgerlichen Kreisen der ehrliche Zorn darüber, daß es Agitatoren, die jeglichen sittlichen und patriotischen Gefühls bar sind, verstattet sein kann, die Revolution zu predigen, die große Menge mit Hirngespinnsten zu erfüllen, welche Unmündige und Urtheilslose nur allzu­willfährig in Gewaltthat und Aufruhr zu bethätigen bereit sind. Man erwartet vom Staate, daß er, wie jeder Hausherr, sein Hausrecht übe und alle Störenfriede, welche Orduung und Sicherheit des Hauses bedrohen, unschädlich mache: nicht bloß die, welche sich anschicken, den rothen Hahn aufs Dach zu setzen, sondern auch die, welche leichtsertig mit dem Feuer umgehen.

Nachdem die Frage, ob etwa die bestehende Gesetzgebung auf dem Gebiete des Strafrechts und der Presse zu verschärfen sei, vielfach erörtert worden ist, hat neuerdings dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" auf die Möglichkeit hingewiesen, das preußische Vereins- und Versammlungsrecht abzuändern. Dieser Gedanke ist von der Presse mit großer Lebhaftigkeit ausgenommen und weitergesponnen worden. Daß die Umsturzparteien selbst sehr unwirrsch darüber sind, braucht nicht erst versichert zu werden. Auch die freisinnige und die ultramontane Demokratie urtheilen abfällig; sie wittern eine reaktionäre Absicht. Die übrigen Parteien aber begrüßen den Gedanken zustimmend; der weite und kräftige Wiederhall, den er gefunden, beweist, daß er durchaus den Anschauungen und Ueberzeugungen aller bürgerlichen Kreise entspricht.

Ein Einwand gegen den Gedanken, das Vereinsgesetz abzuändern, ist, daß das nicht Sache Preußens als Einzelstaat, sondern Sache des Reiches sei. Allerdings unterliegen nach der Reichsverfassung die Bestim­mungen über die Presse und das Vereinswesen der Gesetzgebung des Reiches. Da indessen das Reich von dieser Befugniß noch keinen Gebrauch gemacht hat, so besteht die Zuständigkeit der Landesgesetzgebung auf diesem Gebiete fort. Der Vorwurf aber, daß eine solche Gesetzänderung die Reaktion be­deuten würde, weil er nur ein Versuch sei, den Sozialrevolutionären mit Polizeimaßregeln entgegenzutreten, ist übel angebracht einer Regierung gegenüber, die seit einem Jahrzehnt so viel Thatsächliches und Gegenständ­liches für die Sozialpolitik, für die materielle und geistige Hebung der unteren Klassen gethan hat. Durch Verschärfungen des Vereins- und Versammlungsrechts, welche die Befugnisse der Polizei als der Hüterin der öffentlichen Sicherheit erweitern könnten, würden doch nur Ausschrei­tungen getroffen werden. Will man diese energisch bekämpfen, so muß man auch die entsprechenden Mittel anwenden. Bringt das gewisse Be­schränkungen und Unbequemlichkeiten mit sich, so müßten sie eben mit in den Kauf genommen werden. Es wäre kurzsichtig und unpatriotisch, die Sorge vor diesen Unbequemlichkeiten höher anzuschlagen, als die Sorge vor der Gefahr der sozialen Revolution.

Tagesschau.

Berlin, 20. Aug. Seine Majestät der Kaiser und König hörten am Sonnabend Nachmittag den Vortrag des Reichskanzlers. Um 6 Uhr fand im Neuen Palais das Paradediner statt. Vorher sprachen Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin dem österreichisch-ungarischen Bot­schafter und den Herren der Botschaft Ihre Glückwünsche zu dem Geburts­tag Seiner Majestät des Kaisers von Oesterreich, Königs von Ungarn, aus, dessen Wohl Seine Majestät bei der Tasel ausbrachten. Gestern Mittag empfingen Seine Majestät den neu ernannten serbischen Gesandten Boghitchevitch in Antrittsaudienz. Heute Morgen hörten Allerhöchstdieselben den Vortrag des Chefs des Zivilkäbinets und nahmen sodann die Marine­vorträge entgegen.

Berlin, 20. Aug. Gegenüber der Blättermeldung, daß die von der russischen Regierung beabsichtigte Aufhebung der Halbpäffe für die