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Nr. 191.
Freitag den 17. August
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1894.
t Zum 18. Slugust.
Die Erinnerungstage an unsere großen Siege bei Metz, die am K 18. August mit der Schlacht bei Gravelotte ihren glänzenden Abschluß fanden, sind abermals — nun schon vierundzwanzig Mal — wiedergekehrt. Wer immer im Geiste in jene Zeit sich wieder zurückversetzt, wo alle deutschen Stämme sich einmüthig erhoben und das deutsche Volk in Waffen mit Begeisterung dem Rufe des großen Königs und späteren Kaisers Wilhelm folgte, wo Vaterlandsliebe.und Opferbereitschaft, wo Hingebung und Pflichtgefühl, wo militärischer Gehorsam und Kriegstüchtigkeit mit ihren Thaten die Welt in Staunen setzten, der wird von dem erhebenden Bewußtsein der Dankbarkeit und der Bewunderung für das erfüllt, was Gottes Gnade das deutsche Volk in jenen großen Tagen erringen ließ.
Diese Gefühle von Neuem zu erwecken und zu beleben, dazu soll uns die Wiederkehr dieser Tage dienen. Und wir haben die Erneuerung dieser Gefühle wahrlich recht nöthig. Wie viel kleinlicher Unverstand, wie viel engherzige Auffassung, wie viel Voreingenommenheit und Urtheilslosigkeit hat nicht schon oft versucht, uns die Freude an dem, was uns geworden, zu vergällen! Da will der Eine einen Rückgang des Ansehens des deutschen Reichs nach außen hin beobachtet, der Andere ein Nachlassen des nationalen Gedankens bemerkt, der Dritte eine Verschlechterung aller unserer öffentlichen und politischen Verhältnisse wahrgenommen haben, und Jeder ist nur noch ein Lobredner der Vergangenheit. Aber wir brauchen wahrlich nicht beschämt die Augen niederzuschlagen, wenn wir uns die Gegenwart , ansehen. Ein Reich des Friedens ist Deutschland nach des großen Kaisers Wort geworden; mehr als dreiundzwanzig Jahre ist der Friede in Ehren erhalten geblieben, und ungemindert steht das Ansehen des Reichs im Rathe der Völker da. Enge Bande der Freundschaft umschließen es mit Oesterreich- Ungarn und Italien, mit unserem Nachbarn Rußland haben wir zur Begleichung mancher wirthschaftlichen Gegensätze noch in diesem Jahr einen Handelsvertrag abgeschlossen; Frankreich hat in seiner Trauer dankbar die Zeichen der Theilnahme empfunden, die Deutschland hochherzig ihm cnt- gegenbrachte; England hat uns erst noch jüngst durch Verzicht auf eine Vereinbarung, die das Interesse Deutschlands in Afrika geschädigt hätte, bewiesen, welchen hohen Werth es auf unsere Freundschaft legt.
Und im Innern? Nun, unsere Hecreseinrichtungen sind den fortschreitenden Bedürfnissen entsprechend verbessert und vervollkommt worden, mit einer umfassenden Sozialreform ist Deutschland allen Staaten als Beispiel vorangegangen. Unsere wirthschaftlichen Verhältnisse freilich lassen noch zu wünschen übrig. Aber diese Verhältnisse beschränkten sich nicht allein auf Deutschland; alle Staaten leiden in gleicher Weise. Unausgesetzt ist bei uns das Streben, die wirthschaftliche Lage zu sördern und zu heben. Alles was an Verstimmung vorhanden sein mag, hat schließlich in wirthschaftlichen Dingen seinen Ursprung. Dieser Verstimmung, die nur zu sehr durch Elemente der Unzufriedenheit geschürt und zur Verhetzung der Massen ausgebeutet wird, Herr zu werden, haben wir dringende Veranlassung, und in der gedeihlichen Entwickelung, die sich sonst in den letzten Jahren allenthalben offenbart hat, finden wir auch allen Grund, gegen alle jene Versuche, die uns die Freude an dem, was wir geworden, in kurzsichtiger ' Weise verkümmern wollen, entschieden Front zu machen.
Möchte die Erinnerung an die Wiedergeburt des Reiches diese wahrhaft patriotischen Gefühle und Gesinnungen stärken; möchte sie eine Quelle der Kraft werden, mit der wir nicht nur unsere staatliche und gesellschaftliche Ordnung vertheidigen gegen die Angriffe der zügellosen Gegner, son- ■ dern diese selbst auch allmählich zum Besseren lenken und bekehren. Den Kopf hoch und die Augen offen, mit frohem Muth und ernster Zuversicht mögen wir uns in vollem Vertrauen auf unseren Kaiserlichen Herrn, der mit kräftiger Hand und kundigem Auge das Steuer des Staatsschiffs lenkt, ben, Aufgaben der Gegenwart zuwenden, stets in Erinnerung dessen, welche große Verantwortung auf unseren Schultern ruht, damit wir das Reich Kaiser Wilhelms I. seiner Verheißung gemäß unseren Nachkommen hinterlassen als ein „Reich des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung!"
Tagesschau.
Berlin, 16. Aug. Die „Kreuzztg." meldet: Dem Vernehmen nach wurde als Tag der Einberufung der außerordentlichen Generalspnode für die Berathung des Agendenentwurses der 27. September in Aussicht genommen.
Berlin, 16. Aug. Die „Nationalzeitung" bestätigt die Verhaftung von 40 Anarchisten, darunter eine Frau. Auf dem Polizeipräsidium wurde dieselbe photographirt und anthropometrisch gemessen. Fünf Anarchisten wurden wieder entlasten. Der Anarchist Schemen, welcher die beiden Polizeibeamten verwundete, spielte in der Bewegung eine große Rolle. In der Versammlung der revolutionären Metallarbeiter wurde derselbe in das Komitee gewählt, um die Bildung eines Vereins vorzubereiten, derselbe kam nicht zu Stande. . (Fr. N.)
Berlin, 16. August. Der Gauner, welcher am 1. August auf dem Bahnhof Zürich den Koffer des Führers der Londoner Rundreisegesellschaft stahl, ist im hiesigen Stangen'schen Reisebureau verhaftet worden, als er ein gestohlenes Rundreisebillet zu verwerthen suchte.
Potsdam, 16. Aug. Ihre Majestät die Kaiserin ist mit den kaiserlichen Kindern nachmittags 5 Uhr hier eingetroffen und wurde von dem Prinzenpaar Friedrich Leopold am Bahnhöfe empfangen.
Königsberg i. Pr., 16. Aug. Nachmittags fand, nach den „Fr. N.", in Berfchcreck's Feuerwerkslaboratorium in Vorderhufen eine Explosion statt. Eine Frau und zwei Kinder wurden getödtet, Berschereck trug lebensgefährliche und sechs andere Personen mehr oder minder erhebliche Verletzungen davon.
Köln, 16. August. Der eine hier vorgekommene Fall von Cholera, welcher heute Morgen zum Tode des Erkrankten führte, hatte in weiten Kreisen der Bevölkerung Besürchtnngen hervorgerufen, die absolut unbegründet sind. Die von ängstlichen Leuten kolportirten Gerüchte, daß weitere Erkrankungen eingetreten, sind unwahr und zurückzuweisen, da die städtische Polizeiverwaltung von allen hier vorkommenden Fällen asiatischer Cholera, wie dies auch bei dem erster; geschehen, dem Publikum sofort durch amtliche Bekanntmachung Kenntniß gibt. Im Uebrigen sind die weitweitgehendsten Vorsichtsmaßregeln getroffen. (K. Tbl.)
Crefeld, 15. Aug. Der Kaiser hat der hiesigen altkatholischen Gemeinde ein Gnadengeschenk von 15000 Mk. zum Kirchenbau bewilligt.
Dresden, 16. Aug. Heute Mittag ging hier ein schweres Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagelschlag nieder. Ein Mann wurde auf der Falkenbrücke vom Blitze erschlagen. (Rh. K.)
Hamburg, 15. Aug. Die hiesige sozialdemokratische Vereinsbäckerei hat abgewirthschaftet, wie sich in der vor einigen Tagen abgehaltenen Generalversammlung ergab. Der Geschäftsführer hat seinen Posten plötzlich quittirt und ist abgereist. Die Mehrheit der Versammlung neigt der Ansicht zu, daß cs am zweckmäßigsten sei, zu liquidiren, und wurde zu diesem Behufe eine Kommission eingesetzt.
Bremen, 15. Aug. Die Dampfpacht des Erbgroßherzogs von Oldenburg „Lensan", über deren Ausbleiben beunruhigende Gerüchte umliefen, ist nach einer Depesche des „Boesmann'schen Bureaus" heute Nachmittag kurz nach 3 Uhr von Tönning in See gegangen und dürfte heute Nacht in Elsfleth eintreffen.
Wien, 16. Aug. Auf dem 8. internationalen Kongresse für Hygiene und Demographie, welcher vom 1. bis 9. September in Pest ab- gehalten werden wird, soll auch die Frage der Volks- und Jugendspiele eine hervorragende Besprechung finden. Den neuen deutschen Bestrebungen soll hierbei eine besondere Beachtung zugewendet werden. Von dem Exekutivkomitee ist daher Deutschland der Ehrenvorsitz in der 6. Sektion zugetheilt und dieser dem Landtagsabgeordneten v. Schenckendorf übertragen worden. Derselbe wird dieser Einladung folgen und dem Kongresse behufs Information über die außerdeutschen Bestrebungen beiwohnen. Eine internationale Ausstellung von Spielgeräthcn und Einrichtungen der verschiedensten Art ist mit dem Kongreß verbunden.
Tromsö, 16. Aug. Die Theilnehmer an der Wellmann'schen Expedition sind gestern hier an Bord der „Walfischfänger" eingetroffen. Wellmann will nächsten Somnier wieder versuchen, Spitzbergen zu erreichen.
Paris, 15. Aug. Heute fand das jährliche Bonapartistenfest unter Vorsitz von Prinz Viktor statt. Gegen 700 Personen waren zugegen. Quentin, Bauchard und Baron Legoux hielten Reden, stellten das Wieder- crwachen der napoleonischen Gedanken fest und sagten die demnächstige Umgestaltung der Verfassung voraus. Schließlich wurde Prinz Viktor eine Adresse überreicht, in der verlangt wird, daß ihm seine Herrscherrechte zurückgegeben würden.
London, 15. Aug. Wie die „World" mittheilt, hat die Königin ihrem Enkelsohne, dem Kaiser Wilhelm, bedingungsweise versprochen, im