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Jir. 187.

Montag den 13. August

1894.

Amtliches.

cSartö&rets ^artait. Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Von dem Königlichen 1. Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 81 wird am 13., 14., 15., 16., 17., 20., 21., 22. und 23. d. Mts. ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharfen Patronen östlich von Bergen in der Richtung nach dergroßen und kleinen Lohe" abgehalten. Das Schießen beginnt'morgens um 8 Uhr und dauert voraussichtlich bis nachmittags 2 Uhr. Das Gelände, welches während des Schießens nicht betreten wer­den darf, wird durch die Ortschaften Bergen, Bischofsheim, Hochstadt, Wachenbuchen, Mittelbuchen, Kilianstädten, Oberdorfelden, Niederdorfelden und Gronau begrenzt und durch Sicherheitsposten abgesperrt. Den Wei­sungen der letztem ist unbedingte Folge zu geben.

Es wird noch bemerkt, daß die Anwesenheit von Zuschauern wie solche trotz der ergriffenen Maßregeln beim Schießen im Februar d. I. sich eingefunden hatten, schon im Interesse der eigenen Sicherheit der Leute unter allen Umständen verboten ist.

Die Ortsvorstände wollen dies alsbald veröffentlichen lassen.

Hanau am 8. August 1894.

P. 8393 Der Königliche Landrath

v. Oertzen.

f Auch ein Jubiläum.

Die deutsche Sozialdemokratie rühmt sich dessen, daß sie dieser Tage ihr 25jähriges Bestehen als offizielle Partei, nämlich der am 8. August 1869 zu Eisenach gegründetensozialdemokratischen Arbeiterpartei" feiern konnte. Sie brüstet sichdie größte kulturfördernde Macht des neun­zehnten Jahrhunderts zu sein, welche das im Elend dahinleidende Prole­tariat aufgerüttelt, mit Kampfesmuth, Bildungsdurst und Lebensfreude er­füllt habe."

Traurig, daß man es wagt, dem deutschen Volke dies zu bieten, und noch trauriger, daß es von so und so viel tausenden irregeleiteter Menschen geglaubt wird! Was hat denn die Sozialdemokratie bisher für die arbei­tende Bevölkerung geleistet? Nichts. Sie hat nur Unzufriedenheit gesäet und geschürt, und Verachtung jeder göttlichen und menschlichen Autorität zu verbreiten gesucht. Gewiß hat sich die wirthschaftliche und sittliche Lage des deutschen Handarbeitsstandes gehoben, aber an der sozialen Gesetz­gebung, der das zu danken ist, hat die Sozialdemokratie keinen Antheil; sie hat sich im Gegentheil jeglichem Fortschritt des großen Werkes, das auf Grund des sozialpolitischen Programms weiland Kaiser Wilhelms I in Angriff genommen wurde, auf das Heftigste widersetzt, weil damit ihren umstürzlerischen Bestrebungen entgegengearbeitet wurde. Wenn heute das Kind des Arbeiters unentgeltlich guten Unterricht genießt, wenn die jugend­lichen Arbeiter bei ihrem Eintritt in den Lebensberuf vor Ueberbürdung bewahrt werden, wenn dem Arbeiter überhaupt an der Arbeitsstätte jede mögliche Fürsorge zur Erhaltung von Gesundheit und Leben zu Theil wird, wenn er für den Fall der Invalidität und der Arbeitsunfähigkeit vor Mangel bewahrt wird und auch seinen alten Tagen ohne bittere Sorge entgegensehen kann, so ist das der herrschenden staatlichen Ordnung und dem willigen Entgegenkommen gerade auch der besitzenden Stände zu danken, und nicht der Sozialdemokratie, die mit ihren Hirngespinsten von der Verstaatlichung aller Gewerbe, von der Enteignung der Güter, vom allgemeinen Achtstundentage u. s. w. nur unklare Köpfe noch verwirrter macht.

Heißt das den Arbeiter mit Kampfesmuth erfüllen, wenn man ihn zu Ausständen und zu gewaltthätiger Auflehnung aufreizt? Den wahrenKampfes- muth für's Leben besitzt allein derjenige, desfen Grundsätze einer religiösen und sittlichen Unterlage nicht entbehren, der sich bewußt ist, nicht blos Ansprüche, sondern auch Pflichten gegen Staat, Gesellschaft und Familie zu haben. Vom Pflichtgefühl aber steht im sozialdemokratischen Katechismus kein Wort zu lesen. Ebenso stehts mit dem Bildungsdurst, den die Sozialdemokratie nur solchen Leuten zuerkennt, die ihren Aufhetzereien und dem gottesleug- nerischen Materialismus ihrer Weltanschauung zugänglich sind. Und Le­bensfreude kann auf dem Boden der Sozialdemokratie nicht erwachsen, die

die Herzen nur mit Verbitterung und Haß zu erfüllen trachtet und, wenn sie von ihrem Reiche der Gleichheit und Freiheit spricht, nur an die Zwangs­und Schreckensherrschaft denkt, welche die Führer über das unmündige Volk ausüben möchten. Die Sozialdemokratie ist und bleibt der heftigste Feind der staatlichen Ordnung, der Gesittung und der Kultur. Wenn sie sich berühmen darf, seitdem sie in das deutsche Volk wie eine Seuche ein­gedrungen ist, Millionen von Wahlstimmen auf ihre Reichstagskandidaten vereinigt zu haben, so muß das eine ernste Mahnung für die Ordnungs­parteien sein, Alles aufzubieten, um ihr entgegenzuarbeiten. Die Ver­schärfung der Energie, die sie zu ihrem Jubiläumstage wahrlich kein Ehrentag für das deutsche Volk und die deutsche Kultur ihren An­hängern predigt, muß auch bei allen Patrioten und guten Bürgern Platz greifen, damit der stärkste und gefährlichste Feind unseres Volkslebens überwunden und unschädlich gemacht werde.

Tagesschau.

Berlin, 11. Aug. Am 6. Januar 1895 beginnt auf der Kriegs­schule zu Potsdam und am 13. Januar auf der Kriegsschule zu Cassel ein neuer Kursus. Die Anmeldungen zum Eintritt haben bis zum 1. Dezem­ber d. J. zu erfolgen.

Berlin, 11. August. Offiziös wird bestätigt, daß der Entwurf einer Militärstrafprozeß-Ordnung den verbündeten Regierungen noch nicht vorgelegt ist, da der Kaiser hierüber noch keine Entscheidung getroffen hat. Man könne jedoch daraus, daß dem Bundcsrath der Entwurf noch nicht vorgelegt wurde, keinerlei Schlüsse ziehen.

Berlin, 11. August. Bei Beleidigungen von Reserveoffizieren wegen deren Benehmen im Zivilleben ist, sofern sich die beleidigende Kritik gegen die Betreffenden nur gegen ihre Eigenschaft als Reserveoffizier richtet, nach einem Urtheil des Reichsgerichts der Kriegsminister zur Stel­lung des Strafantrags befugt.

Berlin, 11. August. Die Morgenblätter melden aus Hamburg: Auf der Gebietsgrenze des Freihafens sind umfangreiche Kaffeeschmuggeleien entdeckt worden; 9 Personen sind in Untersuchung.

Berlin, 11. August. Der große, 14 000 Kilogramm schwere Granitblock, der zum Andenken an die Leitung der Schlacht vom 18. August (Wörth) durch Kaiser Wilhelm I. auf dem Schlachtfelde gesetzt worden ist, wird, nach denFr. N.", am 18. August d. I. feierlichst eingeweiht. In goldener, weithin sichtbarer Schrift zeigt der Stein die Worte:Von dieser Stelle aus leitete König Wilhelm am 18. August die Schlacht." Der Granitblock hält 6 Kubikmeter.

Berlin, 12. Aug. Nach einer telegraphischen Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Iltis", Kommandant Korvetten­kapitän Graf von Baudisstn, am 10. d. M. in Chemulpa eingetroffen.

Wilhelmshaven, ll. August. Die erste Devision des Manöver­geschwaders traf gestern Nachmittag, die zweite Division heute früh hier ein. Die Schulschiffe werden in der nächsten Woche hier erwartet.

Unserer Weichselschifffahrt nach Rußland steht ein empfindlicher Wettbewerb bevor, nachdem die Verwaltung der russischen Südwestbahnen ermächtigt worden ist, Agenturen in den Häfen Riga und Libau zu er­richten. Diese Agenturen werden die vom Auslande ankommenden Waaren annehmen und für ihre Beförderung nach dem Innern sorgen, wobei billige Sondertarife zur Anwendung kommen sollen. Für den Fracht­verkehr auf der Weichsel dürfte das eine wesentliche Einschränkung herbeiführen.

Hamburg, ll. Aug. DieHamb. Börsenhalle" schreibt: Die Nordatlantic-Dampferkonferenz hat gestern hier getagt. Die damit von Berliner Blättern in Verbindung gebrachte Paffagierfahrpreiserhöhung ist jedoch gegenstandslos; es hat sich vielmehr in den Preisverhältnissen der Nordatlantic-Dampferkonferenz durch die gestrige Tagung ^nichts geändert.

Madrid, 11. Juli. Unter den marokkanischen Stämmen in der Umgegend von Mazagan herrscht eine bedeutende Bewegung. Der Gouver­neur befürchtet einen Angriff. Die europäischen Kolonien bitten um Ent­sendung von Kriegsschiffen.

Paris, 11. August. Am Luzanosee hatte ein Mitarbeiter des ,Matin" mit dem Generaladvokaten Gori, welcher als Cascrio'sanar-