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Amtliches $rgon für Ktaöt- irnö Lcrnökreis Karrau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Freitag den 10. August
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1894.
v Amtliches.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: 1 Taschenmesser. Hundezeichen Nr. 773, 787 und eins ohne Numnrer.
Zugeflogen: 2 Kanarienvögel.
Hanau am 10. August 1894.
Tagesschau.
Berlin, 9. August. Seine Majestät der Kaiser und König befuhren, wie der „Reichsanzeiger" aus Cowes meldet, gestern früh, trotz des anhaltenden Regens, in der Pinasfe der Macht „Hohcnzollern" die Rhede. Später gingen Seine Majestät an Land und besuchten den Klub des Machtgeschwaders. Ein Rennen fand gestern nicht statt, da die erforderliche Zahl von drei Machten nicht am Start erschienen war. Das Diner nahmen Seine Majestät am Abend bei Ihrer Majestät der Königin Viktoria in Osborne ein. Unter den Anwesenden befand sich auch Seine Königliche Hoheit der Prinz von Wales. Nachher sand bei Ihrer Majestät ein Empfang statt, dem auch die Offiziere der deutschen, britischen und amerikanischen Kriegsschiffe beiwohnten.
Berlin, 9. Aug. Der leitende politische Redakteur der „Nordd. -/ Allg. Ztg." hat einen Korrespondenten verschiedener auswärtiger Blätter ermächtigt, zu erklären, daß die Dualismusartikel des Blattes keineswegs von dem Grafen Caprivi eingegeben seien und durchaus nicht gegen Herrn Miquel gezielt hätten. Die Artikel seien seiner eigensten Initiative ent- X sprungen und wendeten sich lediglich gegen angeblich halbosfiziöse Publizisten. Herr Miquel sei fortgesetzt persona gratissima beim Kaiser und denke nicht an den Rücktritt.
Berlin, 9. Aug. Der „Reichsanzeiger" stellt gegenüber der „Freisinnigen Zeitung" fest, daß im Jahre 1893 nicht 1008 Renteugüter mit 8213 Hektaren Flächeninhalt, sondern 1490 mit 13296 Hektaren endgiltig gebildet sind. Thatsächlich waren Ende 1893 5555 Rentengüter mit 56265 Hektaren eingerichtet. Zur weiteren Austheilung standen am 1. Januar 1894 114000 Hektar zur Verfügung. Es fehle nicht fowohl an Rentengutsnehmern, als an Kräften, um die gewaltige, durch das Gesetz vom 7. Juli 1891 erwachsene Arbeit zu bewältigen.
Wie die „Börsenztg." erfährt, dürfen die großen Privatmarineetablissements in Kiel und Wilhelmshaven und die hanseatischen Engroshandlungshäuser weder Waffen noch Munition oder andere Kriegskontre- bandeartitcl nach Japan oder China verladen. Der Reichskanzler soll eine strenge Durchführung der bezüglichen völkerrechtlichen Bestimmungen angeordnet haben.
Der autzerordentliche Aufschwung, welchen die deutsche überseeische Handelsschifffahrt genommen hat, wird am besten gekennzeichnet durch die ungemein großen Neuanlagen und Wasserbauten, welche im letzten Jahrzent theils begonnen, theils vollendet worden sind und welche zum überwiegenden Theil dem überseeischen Verkehr dienen. Als einer der wesentlichsten Erfolge auf diesem Gebiete darf die Korrektion der Weser angesehen werden. Seit ihrer Vollendung erreichen die transatlantischen Dampfer des Norddeutschen Lloyd den Freihafen von Bremen-Stadt, wäh- _ rend dieselben früher von Bremerhaven oder Geestemünde abgefertigt wurden. Von besonderem Werth ist dies für die Dampfer der Roland-Linie des Norddeutschen Lloyd, welche bekanntlich dem Zwischendecks- und Frachtverkehr zwischen Bremen und Newyork dient, und für die Salondampfer der argentinischen Linie des Lloyd. Die Dampfer beider Linien erreichen selbst bei 19 Fuß Tiefgang mühelos Bremen-Stadt und werden von dort abgeferiigt. Im Anschluß an die Korrektion der Weser gehen gegenwärtig die großen neuen Hafenbauten in Bremerhaven ihrer Vollendung entgegen. Nach ihrer Fertigstellung werden die mächtigen Schnelldampfer des Lloyd von der Linie Bremen-Newyork direkt vom Quai aus abgefertigt; die Extrazüge des Norddeutschen Lloyd fahren bis an die Danipser heran. Aehnlich günstige Verhältnisse finden sich höchstens an einzelnen Quais in Liverpool. Die neuen Bauten geben Zeugniß von der außerordentlichen Ausdehnung, welche der transatlantische Verkehr über Bremen erreicht hat. (Orig.-Mitth. ü. Marin.)
Bochum, 8. August. Die Delegirtenkonferenz des Gesammtvor- staudes -evangelischer Arbeitervereine Deutschlands berieth heute über ihre
Stellungnahme zu den Lohnforderungen der Bergarbeiter des rheinisch- westfälischen Kohlenreviers und zur Beschickung des am 26. ds. Ms. in Essen stattfindenden christlichen Bergarbeiterkongresses. Von sämmtlichen Rednern wurde die Nothwendigkeit der Beschickung des Kongresses empfohlen und demgemäß beschlossen, jedoch mit der Maßgabe, daß der Aufruf zu dem Kongreß von einer aus Evangelischen und Katholiken gebildeten Kommission einer Prüfung unterzogen werde. Eine solche gemischte Kommission soll am nächsten Sonntag in Essen zusammentreten. Der Verhandlung wohnten im Auftrag der Bergbehörde Oberbergrath Reuß (Dortmund) und Knappschaftsdirektor Gerstein (Bochum) bei, welche beide erklärten, daß sobald als möglich die Forderungen der Arbeiter berücksichtigt werden sollten. (K. Tgbl.)
In den letzten Tagen haben sich in Eisleben die Erschütterungen in der Oberstadt wieder öfter und stärker gezeigt. Kürzlich sind wieder fünf Mal Erschütterungen verspürt worden. Es wurde ein förmliches Knistern und Rascheln in den Häusern der Zeisigstraße gehört, und nach einer Erschütterung sprang die städtische Wasserleitung an zwei verschiedenen Stellen.
Pest, 9. Aug. (Saatcnstandsbericht.) Wegen der anhaltenden Dürre sind die Aussichten für Mais, Futterstoffe, Erdäpfel und Tabak schlechte; Weizen und Roggen sind in der Qualität vorzüglich. Der Weizenertrag wird auf 38 bis 39 Millionen Meterzentner, der Roggenertrag auf 14 bis 15, Gerste auf 12, Hafer auf 10 geschätzt. Die Qualität der Gerste ist größtentheils gut. In einigen Landestheilen wird Futtermangel befürchtet.
Catania, 9. Aug. Nach den letzten Nachrichten wurden bei dem Erdbeben in der Nähe des Aetna 13 Personen getödtet und 29 verwundet. Die Häuser, welche einzustürzen drohen, sollen niedergelegt werden. (Rh. K.)
Auf die Stimmung der französischen Arbeiterbevölkerung wirft ein Kommunique des Präfekten des Departements du Gard, wonach in diesem Departement und besonders in Aigues-Mortes wegen des Zuzugs fremder Arbeiter zu den Salinen, wie solcher jedes Jahr zur Zeit der Salzgewinnung stattftndet, ein besonderer Sicherheitsdienst eingerichtet wurde, ein charakteristisches Schlaglicht. Als unter den angckommenen Fremden am Sonntag Abend von der Menge neun Italiener erkannt wurden, wurden diese verhöhnt und mußten Aigues-Mortes verlassen. Mißhandlungen Fremder oder andere Zwischenfälle sind nicht vorgekommen.
London, 9. Aug. Der Handelsverkehr Großbritanniens verzeichnet für den Monat Juli eine Abnahme der Ausfuhr um 6*/* pCt. und eine Abnahme der Einfuhr um ^U pCt.
London, 9. Aug. Die Kriegserklärung Japans an China hat, so schreibt man der „Pol. Korr." von hier, in den polititischen Kreisen Englands, wo man bis zum letzten Augenblick noch auf den Erfolg der Vermittlungsbemühungen Lord Kimberley's hoffte, einen bedeutenden und deprimirenden Eindruck hervorgerufen, und die Frage, welche Konsequenzen diese Wendung haben wird und namentlich inwieweit die englischen Interessen bei dem kriegerischen Konflikt in Ostasien in Mitleidenschaft gezogen werden können, drängt hier augenblicklich alle anderen politischen Angelegenheiten in den Hintergrund.
Petersburg, 9. Aug. Das Departement für Handel und Manufakturen bezeichnet im „Regierungsanzeiger" das im Auslande verbreitete Gerücht, in Nischnij-Nowgorod sei die Cholera aufgetreten, als unbegründet. Weder in Nischnij-Nowgorod noch auf der Messe sei irgend eine Cholera- erkrankung beobachtet worden. Der Besuch der Messe sei in diesem Jahre zahlreicher als im Vorjahre.
Philadelphia, 7. Aug. Der Senat hat die Anarchistenbill genehmigt. Danach darf kein Anarchist in einem Hafen der Vereinigten Siaaten landen. Unberührt aber sollen politische Flüchtlinge fein, die keine Anarchisten sind. Es soll eine gehörige Untersuchung stattsinden, ehe ein Einwanderer zurückgewiesen wird., Kommt ein zurückgewiesener Anarchist wieder, so bekommt er vier Jahre Gefängniß. In den Auswandererhäfen werden amerikanische Inspektoren darüber urtheilen, ob ein Auswanderer passend ist oder nicht. Die Verantwortlichkeit der Dampfschiffsgesellschaftcn wirb dadurch in keiner Weise gemildert.
Bremen, 7. August. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Weimar" ist gestern in New-Mork angekommen.