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nungen direkt an die städtische Wasserleitung angeschlossen sind. Anderen­falls bleibt der alte Tarif bis zum erfolgten direkten Anschluß bestehen."

Hanau am 24. Juli 1894.

Der Oberbürgermeister.

I. V.: Heraeus. 9804

t Die Agitation auf dem Lande macht den Führern und Gelehrten der Sozialdemokratie fort und fort Kopfzerbrechens. Wenn auch, so sagen sie, ihrer Agitation zu Hilfe komme, daß sich in vielen Plattlandgebieten an Stelle des Bauernstandes immer mehr ein starkes Landproletariat gebildet habe, so sei trotzdem der Land­proletarier nicht leicht zu gewinnen. Er sei zu unwissend in politischen Dingen das soll heißen, im Gebrauch der Brille, welche die Sozial­demokratie dem Volke aufsetzen möchte, damit es durch diese Brille die politischen Dinge betrachte. Dann aber sei der Landproletarier auch allzu abhängig von seinem Brodherrn und klebe allzusehr an der Scholle fest.

Ob der ländliche Arbeiter dadurch gewinnt, wenn er seine Abhängig­keit von dem Brodherrn gegen eine Abhängigkeit von den sozialdemokra­tischen Führern vertauscht? Die Abhängigkeit vom Brodherrn wurzelt in der uralten Interessengemeinschaft, die auf dem Lande besteht. Eine gute und einträgliche Ernte, die der Arbeitgeber macht, bietet auch dem Arbeiter eine gute und einträgliche Ernte; denn er hat dann reichliches Brod und reichlichen Verdienst. Fällt das Jahr schlecht aus, so müssen Beide sich knapper einrichten, und dann ist es der vermöglichere und widerstandsfähigere Arbeitgeber, der sichs angelegen sein läßt, seinen Leuten mit durchzuhelfen. Das lehren Fälle, die doch in allen Provinzen nicht so selten sind, wie es die Sozialdemokraten glauben machen möchten, die im Gegentheil die Regel sind. Es ist eine ungeheure Uebertreibung und wissentliche Unwahrheit, behaupten zu wollen, eine Mehrzahl unserer Grundbesitzer lasse sichs an der vollen Tafel wohl sein, während die Arbeiter darben müßten. Der hohe Antheil an rüstigen und gesunden jungen Leuten, den das Land all­jährlich zum Heere stellt, bezeugt, daß unsere ländliche Jugend in guter Lebenshaltung ausgewachsen ist. Wenn dem nicht so wäre, brauchten die Sozialdemokraten nicht Klage zu führen, daß siemit Knütteln und Hunden" verscheucht werden, wenn sie mit ihren Flugblättern voller Volksbeglückung ins Dorf gezogen kommen; denn nur der wirkliche Proletarier, der nichts zu beißen und zu brechen hat, ist für die Zukunftsschildereien der Sozial­demokratie empfänglich.

Was würden anderseits diejenigen Landarbeiter gewinnen, die sich in Abhängigkeit von der sozialdemokratischen Führerschaft bringen lassen? Man muß in die Großstädte schauen, wo diese Abhängigkeit herrscht. Den Arbeitern werden Parteisteuern auferlegt, die alle Spargroschen in Anspruch nehmen; die großen Summen, welche die Parteiagitation verschlingt, zeigen, daß dieseParteiregierung" die theuerste aller Regierungen ist, zudem sie ihr ganzes Budget nur durch Einkünfte aus den ärmeren Volksklasfen deckt. Und dabei dürfen dieorganisirten Genossen" nicht etwa thun, nicht einmal denken, was sie wollen; von der vielgepriesenenFreiheit" ist für sie nichts zu spüren. Die Parteileitung übt ein strenges Regiment; wer sich dem nicht fügt, wird ausgemerzt und verfolgt. Es ist härter, auf Befehl nicht arbeiten zu dürfen, als auf Befehl arbeiten zu müssen. Ist ein Ausstand verfügt, so heißt es: Nicht gemuckt und den Leibriemen einen Zoll enger schnallen, damit der Magen nicht knurrt! Untersteht sich aber Einer, den das darbende Weib und die darbenden Kinder jammern, doch zur Arbeitsstätte zu gehen, so hat er von den Aufpassern der Partei thät­liche Abwehr zu gewärtigen. Wie oft haben bei Ausständen solche Ar­beiter, die arbeiten wollten, durch die bewaffnete Macht vor den An­griffen ihrer gefeierten Genossen geschützt werden müssen! Nur wenige, und keinen einzigen, bei dem dieser Erfolg ein dauerhafter gewesen wäre.

Die Kopfschmerzen, die sich die Sozialdemokratie darüber macht, wie sie mehr und mehr das Land gewinnen könne, zeigen die Wege zu ihrer Abwehr an. Die Sozialdemokratie findet nur Eingang, wo ein wirkliches Proletariat besteht. Die Bildung und das Anwachsen eines Proletariats zu hindern, muß die erste Sorge aller ländlichen Sozialpolitik bleiben. Aus allen Provinzen mehren sich die Stimmen erfahrener Männer, die be­tonen, daß die Seßhaftmachung des Arbeiterstandes das beste Mittel ist, die ländliche Arbeiterfrage zu lösen; dazu tritt die Forderung, daß inan zur Naturallöhnung zurückkehren möge, wo diese Löhnungsweise aufgehoben worden ist. Grade sie erhält die Interessengemeinschaft zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer. Es ist das beste Mittel, den Arbeiter in der Heimath zu halten, wenn ihm die Scholle, an die und durch die er gebunden ist, zu einem sichern unb traulichen Aufenthalt macht, deren Werth sich grade in wirthschaftlich schlechter Zeit bewährt. Dann wird der Arbeiter gegen die Verführungen der Sozialdemokratie und der Agen­ten, die ihn in die Städte verlocken, indem sie ihm gewissenlos goldene Berge versprechen, widerstandsfähig werden und bleiben.

Tagesschau.

Berlin, 30. Juli. Seine Majestät der Kaiser und König ver­ließen, wie demReichsanz." berichtet wird, gestern Morgen um 8V2 Uhr Oldören, nachdem Allerhöchstdieselben zuvor den Gottesdienst an Bord der NachtHohenzollern" abgehalten hatten. Die Fahrt ging durch den Jn-

vikfjord und den Nordfjord an der Nordwestküste Norwegens entlang und beim Lognefjord vorüber nach Bergen, woselbst Seine Majestät gestern Abend eintrafen. Den heutigen Tag über gedachten Seine Majestät in Bergen zu verweilen. Das Wetter ist prachtvoll.

Berlin, 30. Juli. Der Generalfelvmarschall Graf Blumenthal trat heute (Montag) in sein 85. Lebensjahr ein. Unter den aktiven Ge­nerälen nimmt der greise Generalfeldmarschall die erste Stelle ein; er ist am 30. Juli 1810 zu Schwedt a. d. O. geboren und kann auf eine Dienstzeit von 67 Jahren zurückblicken. Den Rang eines Generalfeld­marschalls bekleidet er seit dem 15. März 1888.

Berlin, 29. Juli. Zum Kommandeur der Schutztruppe in Kame­run, zu deren Anwerbung und Organisirung sich der kürzlich zurückgekehrte , Hauptmann.Morgen nach Afrika begeben hatte, ist der bayerische Chevaux- legcrsrittmeister Freiherr v. Stetten ernannt worden. Der neue Kom­mandeur war früher bereits zwei Jahre in Kamerun und hat vor Jahr und Tag die bekannte Expedition nach Aola geleitet. Er gilt für einen in den afrikanischen und vorzüglich in den fametunet Verhältnissen sehr bewanderten Offizier.

Berlin, 30. Juli. Zu dem deutsch-portugiesischen Grenzstreit in Ostafrika erhält dasB. Tgbl." von hiesigen, angeblich gut unterrichteten Kreisen folgende Mittheilung: Die Feindseligkeiten im Jahre 1887 zwischen Portugal und dem Sultan von Zanzibar wurden auf Einsprache Eng­lands und Deutschlands eingestellt, endeten jedoch nicht mit einem Friedens­schluß zwischen den kriegführenden Parteien. Infolgedessen behielt der Sultan von Zanzibar Ansprüche auf Kionga, die dann durch Vertrag im Jahre 1890 auf Deutschland übergingen, aber erst im Jahre 1892 geltend gemacht wurden, einerseits weil man dem Landstriche keine Wichtig­keit schenkte, andererseits weil man noch mit Einsetzung der Verwaltung der übrigen mitübernommenen Ländereien zu sehr in Anspruch genommen war. Erst jetzt sah man sich durch den auf dem Fluß Rovuma getriebenen Schmuggel mit Waffen und Munition genöthigt, die Ansprüche auf Kionga geltend zu machen, um die Schifffahrt auf dem genannten Flusse beherr­schen zu können. Der offizielle Bericht des Gouverneurs v. Scheele über die Besetzung wird, wie schon gemeldet, in den nächsten Tagen erwartet.

Berlin, 30. Juli. Wie dieBerliner Neuesten Nachrichten" mel­den, war Prof. Schweninger am Freitag den 27. in Darzin anwesend, wodurch möglicherweise thatsächlich Anlaß zu den beunruhigenden Gerüchten gegeben sei. ^

DasKöln. Tbl." schreibt: Vom Bunde der Landwirthe hat sich der Deutsche Bauernbund, der seiner Zeit dem Bunde der Landwirthe mit seiner ganzen Mitgliederzahl beigetreten war, seit einiger Zeit wieder abgezweigt, weil im Bund der Landwirthe zunächst die Interessen des i Großgrundbesitzers vertreten würden. Dagegen nehmen die Antisemiten mit dem Deutschen Bauernbunde Fühlung.

Berlin, 30. Juli. DerNordd. Allg. Ztg." gehen von sachkun­diger Seite Mittheilungen zu betreffs der Besetzung der Station Kionga, worin an der Hand des Vertrags nachgewiesen wird, daß Deutschland als Rechtsnachfolger des Sultans von Zanzibar, unter dessen Hoheit Kionga vorher gestanden, nur Deutschland zustehende Rechte ausgeübt. In bet Besetzung liege kein Eingriff in die Rechte Portugals.

Berlin, 30. Juli. Laut telegraphischer Meldung an das Ober­kommando der Marine ist S. M. S.Sachsen", Kommandant Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, am 27. b. M. in Kopenhagen eingetroffen und beabsichtigte heute von dort aus wieder in See zu gehen.

Breslau, 29. Juli. Die Sanitätskolonne behandelte auf dem Turnfestplatze 768 Fälle, darunter 3 Knochenbrüche, 6 Verrenkungen, 21 Verstauchungen, 23 Kontusionen, 11 Muskelzerrungen, 3 schwere Hitz- schläge, 3 Gehirnerschütterungen, 144 Hautabschürfungen, 133 Hautent­zündungen, 20 Fälle von Sonnenbrand. Außerdem wurde sie während des Festzuges in 134 Fällen in Anspruch genommen. (B. T.)

Danzig, 30. Juli. Hier verlautet, daß die russische Zentralstelle zugesagt habe, die von dem Zollamte in Nieszawa erlassene Zollverordnung wegen Hinterlegung der Zollgebühren für nach Rußland eingehend Schiffe zunächst auf einen Monat außer Kraft zu setzen.

Bei einem dieser Tage in Essen abends in ungewöhnlicher Stärke niedergegangenen Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und Hagel schlug der Blitz dreimal in die dichtbesetzren Wagen der seit Jahresfrist im Be- 4 trieb befindlichen elektrischen Straßenbahn. Mehrere derselben mußten in­folge der durch den Strahl erlittenen Beschädigungen außer Betrieb gestellt werden, bte Passagiere kamen glücklicher Weise mit einem allerdings nicht geringen Schrecken davon.

Wien, 30. Juli. Erzherzog Wilhelm, welcher, wie gestern gemeldet, am Sonntag Vormittag zu Baden bei Wien gelegentlich eines Spazierrittes verunglückte, der jüngste Sohn des am 30. April 1847 verstorbenen Erz­herzogs Karl und dessen am 29. Dezember 1829 verstorbenen Gemahlin, geborenen Prinzessin von Nassau-Weilburg, war am 21. April 1827 ge­boren und unvermählt. Höchstderselbe bekleidete in der österreichischen Armee den Rang eines Generalfeldzeugmeisters und war Generalinspekteur der Artillerie, sowie Inhaber des Infanterieregiments Nr. 4 Hoch- und Deutsch­meister, des Infanterieregiments Nr. 12 und des Korpsartillerieregiments Nr. 3. Ferner war der Erzherzog Wilhelm Chef des Königlich preußischen