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Nr. 169.

Montag den 23. Juli -Z

1894.

Amtliches, ^artö&rew ^ana u.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Im Auftrage des Herrn Regierungspräsidenten zu Cassel mache ich auf einen im nichtamtlichen Theile der Nr. 152 des Reichs- und Staats­anzeigers veröffentlichten Artikel über den im Reichsamt des Innern aus­gearbeiteten Entwurf von Ausnahmebestimmungen, betreffend die Sonntags­ruhe für Cichoriendarren, Spiritusraffinerien sowie für Brauereien, welche innerhalb eines Jahres nicht länger als 6 Monate im Betriebe sind, mit dem Anheimstellen aufmerksam, etwaige Wünsche auf Abänderung und Er­gänzung des Entwurfs aus den Kreisen der Betheiligten spätestens bis zum 25. d. M. dahier schriftlich vorzubringen.

Hanau am 21. Juli 1894.

Der Königliche Landrath.

V. 6178 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

Dienstuachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei Päckchen schwarze Einfaßschnur. Ein s. g. Brodbuch mit der Aufschrift H. Bächle. Ein Päckchen, enthaltend eine schwarzseideUe unfertige Schürze, ein Kindersocken und weißes Wollengarn nebst Strickstöcken. Auf dem letzten Wochenmarkt ein Butterweck. Ein Ziehbeutel mit Geld. Ein reparirter Ackerpflug. Ein Paar gelbe Damen­handstauchen. Ein halbseidener Damenregenschirm (auf dem hiesigen Wochenmarkt stehen geblieben).

Vertauscht: Am 21. d. Mts. in der Wirthschaft bei Kaiser in Kleinsteinheim ein Herrnhut mit den Bubstaben P. B.

An getrieben: Am 16. d. Mts. bei Großkrotzenburg ein Boden Floßholz (9ter); der Eigenthümer kann sich beim Herrn Bürgermeister dortselbst melden.

Verloren: Am 22. d. Mts. auf dem hiesigen Westbahnhofe ein Portemonnaie mit ca. 17 Mk.

Hanau am 23. Juli 1894.

Tagesschau.

Berlin, 21. Juli. Seine Majestät der Kaiser und König ver­blieben am Donnerstag wegen der eingetretenen ungünstigen Witterung in Merok. Auch am gestrigen Vormittag wurde die Weiterreise des Regens wegen vorläufig verschoben. *

Berlin, 21. Juli. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" theilt mit: Der Kaiser übersandte auf die ihm während der Nordlandfahrt über­mittelte Nachricht von dem italienischen Siege bei Kassala an den König von Italien einen telegraphischen Glückwunsch.

Berlin, 21. Juli. Der Reichskanzler hat mit Rücksicht auf das Auftreten der Pest in Ostasten den Regierungen der Bundesstaaten em­pfohlen, die aus Südchina kommenden Schiffe einer peinlichen sanitäts­polizeilichen Untersuchung zu unterwerfen.

Berlin, 21. Juli. DasKöln. Tbl." schreibt: Bereits im Jahre 1884 hatten die preußischen Minister des Innern und des Handels in einem gemeinschaftlichen Erlasse auf Schädigungen hingewiesen, die manche Personen dadurch erleiden, daß sie bei dem Erwerbe von Lotterieloosen und Jnhaberpapieren mit Prämien oder von Antheilen solcher Loose und Papiere durch gewissenloose Gewerbetreibende und deren Agenten in unred­licher Weise übervortheilt werden. Das in dem Erlaß gekennzeichnete Ge­schäft wurde von inländischen wie von ausländischen Firmen, von letzteren insbesondere von derKommanditbank Baermann, v. Bruck u. Co." in Brüssel, und von der ehemaligenBrüsseler Zentralbank" betrieben, die seit einiger Zeit ihr Unwesen unter der FirmaAllgemeine Prämien- und Rentenbank" von Rotterdam aus fortsetzt. Das Geschäft vollzog sich früher hauptsächlich in der Art, daß die Loose, Papiere und Antheile gegen Ratenzahlungen zu schwindelhaften, den wirklichen Werth oder den Börsen­kurs um das Doppelte, Dreifache und mehr, ja nicht selten zum Zehnfachen übersteigenden Preisen an unerfahrene und leichtgläubige Personen abgesetzt wurden, die sich durch betrügerische Anzeigen und Versprechungen hatten an­locken und verblenden lassen.

Berlin, 21. Juli. Wie derLokalanzeiger" aus Charkow meldet, ist das Territorium zwischen den Stationen Jlowaja und Petrowskaja der Kursk-Charkowbahn von einem furchtbaren Hagelwetter heimgesucht worden.

Eine angebaute Fläche von etwa 30 000 Deßjatinen wurde total vernichtet. Viele Bauernhäuser wurden durch Blitz angezündet, acht Menschen getödtet.

Berlin, 21. Juli. DieStatistische Korrespondenz" beziffert den Saatenstand in Preußen Mitte Juli: Winterweizen 2,7, Sommerweizen 2,6, Winterspelz 2,0, Sommerspelz 2,0, Winterroggen 2,5, Sommerroggen 2,7, Sommergerste 2,3, Hafer 2,3, Erbsen 2,4, Kartoffeln 2,7, Klee 3,1, Wiesen 2,5. Die Ernteaussichten gestalteten sich besser als nach den Juni­berichten erwartet wurde. Die warme Witterung und erheblicher Regen übten einen günstigen Einfluß aus. Mit dem Mähen des Roggens wurde in den meisten Bezirken angefangen. Die Sommergerste verspricht eine zufriedenstellende Ernte. Der Hafer ist meist kurz im Stroh, die Erbsen sind fast ausnahmslos vom Mehlthau befallen, die Kartoffeln vielfach lückenhaft aufgegangen, der zweite Schnitt Klee berechtigt zu guten Hoff­nungen.

Breslau, 22. Juli. Nachdem gestern im Laufe des Nachmittags mächtige Extrazüge mit auswärtigen Turnern hier angelangt waren, wurde um 8 Uhr abends durch den Oberpräsidenten Dr. v. Seydewitz das 8. deutsche Turnfest offiziell feierlichst eröffnet. Zuerst begrüßte Oberbürger­meister Bender die Turner namens der Feststadt, sodann brachten General von Lewinski das Hoch auf den Kaiser Wilhelm und Oberpräsident von Seydewitz das auf dessen treuen Freund und Bundesgenossen Kaiser Franz Josef von Oesterreich aus. Oberbürgermeister Bender übergab hierauf die Leitung des Festes dem stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses, Pro­fessor Böthke aus Thorn. Dieser dankte namens der Turnerschast für den Herzlichen Empfang. Rechtsanwalt Wetzel aus München übergab sodann das Bundesbanner an die Feststadt Breslau. 4.46 Nachm. Der heutige Festzug fand bei dem günstigsten Wetter statt und nahm einen glanzoollen Verlauf. 16 000 Turner, 12 Prunkwagen, und 17 Musik­chöre nahmen theil. Die Einwohnerschaft erging sich in begeisterten Ova­tionen. 11.16 Nachm. Zum 8. Deutschen Turnfest sind ungefähr 15 000 Turner eingetroffen. Die Stadt ist außerordentlich prächtig ge­schmückt. (Fr. Ztg.)

Köln, 21. Juli. Am 14. d. M. wurde, wie bereits erwähnt, auf einem hiesigen Postamt ein Einschreibebries abgegeben, welcher für ea. 30000 Mark Werthpapiere enthielt und nach Koblenz adressirt war. Der Ab­sender hatte jedoch die Unvorsichtigkeit begangen, die in dem Einschrei­bebrief enthaltenen Werthpapiere nicht zu deklariren. Der Brief ist zwar in Koblenz angekommen, aber ohne seinen Inhalt. Den Bank­instituten und Effektengeschäften, welche von dem Verschwinden des Geldes in Kenntniß gesetzt und denen die Nummern der Scheine bekannt gegeben sind, wird es ein Leichtes sein, die Werthpapiere anzuhalten und den Vor­zeiger derselben der Polizeibehörde zu übergeben. Bankgeschäfte oder Privat­personen , bei welchen solche Papiere vorgezeigt werden, sind ersucht, hiervon bei der 4. Kriminalsektion Eintrachtstraße 6668 Anzeige zu erstatten.

Braunschweig, 21. Juli. Eine hier stattgehabte zahlreich be­suchte Versammlung der Gastwirthe von Braunschweig und Umgebung nahmen einstimmig eine Resolution an, in welcher der Bierboykott als ein unberechtigter Eingriff in die Geschäftsführung der Brauereien bezeichnet und die Aufforderung eines sozialdemokratischen Blattes, die Wirthe sollten sich gegen die Brauereien erklären, mit Entrüstung zurückgewiesen wird; die Wirthe erklärten vielmehr ausdrücklich ihre vollste Sympathie mit den Brauereien.

München, 21. Juli. Nach amtlicher Feststellung sind bei dem Zyklonunglück in Schwaben drei Personen schwer und fünf leicht verletzt worden.

München, 21. Juli. Der Saatenstand in Bayern war Mitte Juli günstig. Der Stand des Winterweizens war 1,89, des Sommer­weizens 2,28, des Winterroggens 1,81, des Sommerroggens 2,15, der Gerste 2, des Hafers 2,08, der Kartoffeln 2,33, der Futterrüben 2,07, der Wiesen 1,88, des Hopfens 2,22, des Tabaks 1,86 re. Die Neuesten Nachrichten" übergaben dem Regierungspräsidenten 35 000 Mark für die Nothleidenden in dem vom Zyklon heimgesuchten Bereiche. Der gestrigen Hilfskomiteesitzung wohnte der Minister des Innern bei. Die staatliche Hagelversicherung konstatirte, daß im Jahre 1894 ein Sechstel aller bayerischen Gemeinden verhagelte. (Fr. N.)

Bern, 21. Juli. Der Bundesrath hat den zur Zeit in Gens ver­hafteten französischen Anarchisten Joseph Charles Hinaut alias Monnet