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Hanauer Anzeiger.

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30

Nr. 165.

Mittwoch den 18. Juli

1894.

Amtliches.

Von beachtenswerther Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen feil gehaltenen Mineralwässer, wie Selterser, Soda­wasser u. a. m., an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.

Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineralwässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwaffertemperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 10° Gels. abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Biers, insbesondere aber der Mineralwässer gewarnt.

Cassel am 17. Oktober 1892.

____________Der Regierungspräsident. J. V.: v. Pawel.__________

^fadi&retö ^arvait.

In Folge Einführung der Sielbauarbeiten in der Marienkirchgasse, zwischen Kleine Sandgasse und Altstädter Markt und der kleinen Strecke auf dem Platze östlich der Marienkirche ist die Absperrung dieser Straßen bezw. Straßenstrecken für den Fuhrverkehr vom 19. d. M. ab und für die kurze Strecke auf dem Platze westlich der Marienkirche und in der Wolfs­gasse vom 23. d. M. ab angeordnet. Für leichtes Fuhrwerk soll der Ver­kehr im Zuge Badergafse — östlich der Marienkirche — Kleine Sand­gasfe—Altstädter Heumarkt soweit als thunlich offen gehalten werden.

Hanau am 17. Juli 1894.

Königliche Polizeidirektion.

P. 7462 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsasfesfor.

Am Donnerstag den 19. d. M. wird in der Dammstraße mit den Sielbauarbeiten begonnen und wird dadurch die Sperrung dieser Straße sowohl, als auch des Zufahrtweges zum Güterbahnhof des Westbahnhofes, von der Dammstraße aus, für den Fuhrverkehr angeordnet.

Hanau am 16. Juli 1894.

Königliche Polizeidirektion.

P. 7441 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsasfesfor.

Nachstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht. Hanau am 14. Juli 1894.

Königliche Polizeidirektion.

P. 7383 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

Bekanntmachung.

Am 23. dss. Mts., nachmittags 7’/a Uhr, ist hier ca. 400 Meter oberhalb der Kaiserlay die Leiche eines unbekannten Mannes aus .dem Main geländet worden.

Der Verstorbene ist 26 bis 30 Jahre alt, mittelgroß, hat dunkle Haare, röthlichen Schnurrbart und Mücke. Er war bekleidet mit schwarzer Kammgarnweste, dunklen Buxkinhosen, grauen Gummihosenträgern, grauen Strümpfen, Zugstiefeln, weißem Hemd, weißem Umlegekragen und schwarzem ' Shlips.

Bei der Leiche wurden vorgefunden: Ein Taschenmesser mit weißer Hornschale, ein desgl. mit brauner Hornschale und Messingbeschlag, ein Schrankschlüssel, eine hölzerne Zigarrenspitze und ein Stück Radirgummi.

Die Leiche kann ca. 3 Wochen im Wasser gelegen haben.

Die Kleidungsstücke werden zur eventuellen Agnos- zirung hier aufbewahrt.

Um Anzeige wird ersucht, falls die Persönlichkeit des Verstorbenen bekannt sein sollte.

Frankfurt a. M. den 29. Juni 1894.

Königliches Polizeipräsidium.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei Peitschen. Ein Hundemaulkorb. Ein Gewinde von einer Hemmvorrichtung. Ein silbernes Bröschchen.

Z u g e f l o g e n: Eine weiße Taube.

Verloren: Ein Granatarmband. Ein schwarzseidener Sonnen- schirm. Ein Hundemaulkorb mit Marke Nr. 265.

Hanau am 18. Juli 1894.

VfsräsvsrstckarungKvsrvm für den ßandkreis Hanau.

In der heutigen Vorstandssitzung ist beschlossen worden, pro II. Semester d. I.

40/0 Nachzahlung! """ neu zugehenden Mitgliedern zu erheben, wovon hiermit Kenntniß gegeben wird.

Die Herren Taxatoren ersuche ich um baldgefällige Abschätzung der Pferde und Einsendung der Listen an mich.

Hanau am 14. Juli 1894.

Der Vorsitzende

H. Jung. 9271

t Die sozialdemokratischen Agitatoren haben cs in diesem Sommer besonders daraus abgesehen, ihre Propaganda aufs Land hinauszutragen. Auf den provinziellen Parteitagen wird überall eifrigst berathen, wie man, den besonderen Verhältnissen in der Provinz angemessen, am besten der Landbevölkerung beikommen könne. Aber all überall stellt sich heraus, und auch die Berichte der sozialdemo­kratischen Presse bestätigen es. daß die Agitation wenig Erfolg hat. Ver­sammlungen zusammenzubringen, will nirgends gelingen, und die Agita­toren beschränken sich daraus, in den Dörfern Flugblätter zu zerstreuen. Hierbei machen sie aber vielfach üble Erfahrungen; man weist sie von der Thür, und werden sie zudringlicher, so haben sie thätliche Zurückweisung zu gewärtigen. Die Flugblattvertheiler klagen, daß man ihnen im Magde­burgischen mit der Heugabel gedroht habe, und die Führer kommen zu dem Schluß, daß sie im Schlesischen z. B. selbst mit großen Geldmitteln nur wenig hätten ausrichten können. Es stellt sich in allen Theilen Deutsch­lands heraus, daß die Gebiete des Ackerbaus gleichsam eine natürliche Grenze um sich haben, die wie ein Deich das Hereindringen der trüben sozialistischen Fluth hindert.

Auch in einigen Jndustriebezirken, wo die Sozialdemokratie durch Veranstaltung von Arbeitsausständen für sich zu wirken hoffte — so bei den Zimmerern in Danzig, bei den Schuhmachern in Burg, bei den Glasarbeitern in Oldenburg — ist die Erwartung der Agitatoren fehlge­schlagen. Die Ausstände gingen verloren, und die sich ihnen anschlossen, mußten ihre Bündel schnüren, weil sie arbeitslos blieben. Anderseits haben sich infolge dieser Erfahrungen vielfach Arbeitervereine gebildet, die keine Sozialdemokraten aufnehmen. Die Arbeiterschaft selber setzt also Zwang gegen Zwang, boykottirt die Sozialdemokraten selber, und man kann ihr nicht absprechen, daß sie ein gutes Recht zu dieser Selbsthülfe besitzt.

Das sind einige erfreuliche Erfahrungen gegenüber den letzten Er­folgen der Sozialdemokratie bei Reichstagswahlen; Erfahrungen, die den Ansporn geben müssen zu weiterer, reger Thätigkeit, um aus dem Volke heraus die Sozialdemokratie zu bekämpfen.

Tagesschau.

Berlin, 17. Juli. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind nach kurzem Aufenthalt in Molde und Romsdal gestern früh in Drontheim eingetroffen und von den Spitzen der Behörden empfangen worden.

Berlin, 17. Juli. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Nach den Er­gebnissen des Reichshaushaltsetats von 1893/94 stellen sich die Ueberwei- sungen an die Bundesstaaten auf 338 758 801 Mark, d. h. auf 10459 199 Mark weniger, als im Etat vorgesehen sind.

Berlin, 16. Juli. Wie der „RH. K." aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist die kürzlich in zahlreichen Blättern erschienene Mittheilung über eine beabsichtigte anderweite Organisation der indirekten Steuerverwaltung unrichtig. In Rücksicht auf die noch schwebenden Steuerprojekte, welche im nächsten Reichstage zur Vorlage kommen werden, wird vielmehr an der seither bewährten Verwaltungseinrichtung und dem dabei erfolgreich thätigen Beamtenpersonal fcstgehalten werden.