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Nr. 164.
Dienstag den 17. Juli
1894.
Amtliches, ^anö&rettp ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Wittwe des verstorbenen Dienstmanns Nr. 24 Johann Heinrich Grähling, Anna, geb. Kleinstüber, hier hat um Rückgabe der von ihrem Ehemann hier hinterlegten Kaution gebeten.
Interessenten werden aufgesordert, ihre Ansprüche binnen 14 Tagen im Polizeisekretariat anzumelden, widrigenfalls die Kaution zur Auszahlung gelangt.
Hanau am 9. Juli 1894.
Der Königliche Landrath.
P. 7336 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Dimstllllchrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein kathol. Gebetbuch mit der Inschrift Ferdinand Buschmann. Ein Schein über versicherte Schweine für H. Altvater in Ostheim. Einige Bogen Briefpapier nebst Kouverte. Ein Paar braune Damenhandschuhe. Eine goldene Broche. Ein Zwicker mit Futteral. Eine Brille. Eine Pferdedecke.
Verloren: Auf dem Festplatz in Kesfelstadt ein schwarzseidenes Spitzentuch; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein silbernes Kettenarmband.
Hanau am 17. Juli 1894.
^taöfRrew ^anau,
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Die Hundesteuer für das Steuerjahr 1. Juni 1894/95 ist binnen 8 Tagen unter Vorlage der städtischen Abgabenzettel anher zu entrichten.
Hanau den 16. Juli 1894.
Stadtkaste.9212
Parlamentsferien.
Endlich sind auch die Kammern in Rom und Madrid in die Sommerferien gegangen, nur in Paris und London wird noch weiter getagt. Der italienische Ministerpräsident Crispi schließt die Session insofern, wenigstens äußerlich, mit Erfolg, sogar mit einer Art Knallessekt und einer Stärkung seiner Position ab — die sich auch in seiner Beglückwünschung durch König Humbert kennzeichnet — als er in den letzten Tagen gleich drei Anarchistengesetze verhältnißmäßig leicht und mit großer Mehrheit durchbrachte, nachdem er persönlich vor Kurzem einem anarchistischen Attentate glücklich entgangen und vorher schon die Finanzvorlagen schlecht und recht gesichert waren. Indessen ist die wirkliche Lage Italiens wie seiner Regierung nach n^ie vor eine höchst bedenkliche. Ob die beschlossenen, gegenüber dem Sonnino'schen Programm vom Februar reduzirten Steuer- erhöhungen rc. genügen werden, um das enorme Desizit im Staatshaushalt zu beseitigen, ist ungewiß; der Kredit Italiens im Auslande hat schwer gelitten durch die wortbrüchige Kouponkürzung, die in letzter Stunde noch eine Verschlimmerung durch das von der Regierung gebilligte Amendement Antonelli erfuhr, wonach sogar in Fällen, wo sich die schuldnerischen italienischen Städte, Eisenbahnen rc. verpflichtet haben, etwaige künftige Stenererhöhungen selber zu tragen, diese auf die Gläubiger abgewälzt werden. Im Senat schwebt zwar die Sache noch, es ist aber so gut wie sicher, daß sie nicht zu einem für die ausländischen Besitzer italinischer Werthe befriedigenden Abschluß kommt. In Sizilien ist die Lage trostlos, die Gährung dort scheint von neuem zu beginnen, das ganze Königreich leidet unter einer wirthschaftlichen und finanziellen Krise, die nöthigen Reformen in der viel zu kostspieligen inneren Verwaltung rc. sind noch keineswegs gesichert; so find die Aussichten für den Wiederzusammentritt der Kammer auf Monte Citorio im Herbst höchst trübe. — Beim spanischen Parlamentsschluß interessirt uns zumeist, daß damit der deutsch-spanische Handelsvertrag, den die beiderseitigen Regierungen schon im Sommer vorigen Jahres abgeschlossen hatten, vollständig hinfällig wird und nun mit einer längeren Dauer des Zollkrieges zu rechnen ist. Während der deutsche Reichstag den Vertrag schon im vorigen Dezember ohne Weiteres genehmigte,
wußten die spanischen Schutzzöllner im Bunde mit den dem liberalen Ka- binet Sagasta feindlichen Konservativen im spanischen Senat dessen Erledigung ins Unendliche hinauszuzögern, wobei auch politische, aus Sagastas Sturz hinzielende Motive mitspielen mochten. Nach Bewilligung einer Reihe immer erneuter Provisorien verlor mit Recht die deutsche Reichsregierung die Geduld und erklärte den Vertrag für hinfällig, wenn ihn die spanischen Cortes nicht in ihrer gegenwärtigen Tagung genehmigten. Das ist nicht geschehen, obwohl Sagasta kürzlich daraus eine Kabinetsfrage machte, die er indeß selbst nicht allzu ernst zu nehmen scheint. Im Uebrigen mag hervorgehoben werden, daß das spanische Parlament vor seinem Auseinandergehen gleichfalls gegen die Anarchisten gerichtete Maßnahmen genehmigt hat. (Köln. Tbl.)
Tagesschau.
Berlin, 16. Juli. Ueber die Reise Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin wird dem „Reichsanz." gemeldet: Am 13. d. M. blieb die Kaiserliche Pacht „HohenzolleriU im Hafen von Bergen vor Anker. Nachmittags besuchten Ihre Majestäten gemeinschaftlich die Stadt. Vorgestern Morgen 9 Uhr wurde bei schönem Wetter die Reise nach Dront- heim fortgesetzt. Um 1 Uhr nachts erfolgte die Ankunft in Molde. Nach dem gestern Morgen von Seiner Majestät dem Kaiser abgehältenen Gottesdienst fuhr die „Hohen,zollern" weiier bis Näs, von wo Ihre Majestäten nachmittags einen Ausflug in das Romsdal unternahmen.
Berlin, 15. Juli. Ueber die Stellung der Regierung zu der Frage, wie ein rechtlicher Schutz der Bauhandwerker gegen Ausfälle bei Neubauten herbeigeführt werden körnte, wird geschrieben: „Die Regierung hält die Einführung eines privilezirten Pfandrechts der Bauhandwerker, das allen ^eingetragenen Hypotheken vorgeht, für unausführbar, wenn man nicht die Sicherheit des Hypothekewerkehrs in äußerst bedenklicher Weise gefährden will. Da jedoch die restliche Lage der Bauhandwerker in mancher Beziehung eine besondere ist mb eine gewisse Berücksichtigung durch die Gesetzgebung verdient, so will oie preußische Regierung auch fernerhin dahin wirken, daß den Bauhandrerkern im bürgerlichen Gesetzbuch das Recht auf Eintragung einer Sichrungshypothek gewährt werde. Es ist wahrscheinlich, daß das bürgerlich Gesetzbuch schließlich eine solche Bestimmung aufweisen wird."
Berlin, 16. Juli. In dm Befinden des Geheimraths v. Helmholtz hat die Besserung erfreulich Fortschritte gemacht. Bei der letzten Berathung der Aerzte konnte eine Abnahme der Lähmung der linken Seite, in welcher der Kranke wieder etwcs Gefühl zeigte, festgestellt werden.
Das „Köln. Tbl." fdreibt: Der deutsch-spanische Zollkrieg, dessen Ende nunmehr gar nicht ahusehen ist, wird von beiden Seiten mit der äußersten Strenge geführt. De spanischen Zollbehörden bestehen durchaus auf konsularisch beglaubigte: Ursprungszeugnissen. Die Handelsbeziehungen zwischen Spanien unb Deutschland sind seit Beginn des Zollkrieges beträchtlich zurückgegangen und dürften jetzt, da dieser Zustand in absehbarer Zeit nicht aufhören sinn, noch einen stärkeren Rückgang erfahren. Den Hauptvortheil davn hat und verdient Italien, soweit auf spanischer Seite insbesondere Win und Südfrüchte in Betracht kommen. Für andere Artikel kommt Portgal hervorragend in Betracht, das unter Hinzuziehung seiner Kolonien infast allen Artikeln mit Spanien konkurrirt, die wir bisher von dort bezog« Bekanntlich schweben gegenwärtig Vertragsverhandlungen zwischen Dttschland und Portugal, anläßlich der auch der Zollbeirath bereits befragt vorden ist. In industriellen Kreisen will man bemerkt haben, daß diese 8erhandlungen nicht mit der wünschens- werthen Energie geführt werde; wie auch der Zollbeirath abermals verspätet berufen worden ist. Es ist bekannt, daß sich auch in Portugal konkurrirende Einflüsfe gegen eten Vertrag mit Deutschland geltend machen. Unter den heutigen Verhâltnisn würde Portugal von einem Vertrag mit Deutschland so außergewöhnli e Vortheile haben, daß es nicht unmöglich sein sollte den Abschluß zu Eande zu bringen. Deutschland wäre dadurch in der Lage, die Folgen des Zollkrieges mit Spanien zu paralysircn und zugleich einen Druck auf dieoortige Volksvertretung auszuüben.
Köln, 16. Juli. W die „Kölnische Zeitung" aus Mailand meldet, gelang es der Polizei am Amstag zu später Abendstunde in einer Weinschenke vor der Porta Romno eine anarchistische Versammlung von dreißig Personen aufzuheben und die Theilnehmer zu verhaften. Unter diesen durchgehends jungen Leute' von 17 bis 22 Jahren befanden sich mehrere