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Dienstag denH10. Juli

Nr. 158.

Amtliches. ^anö^retö ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Die Ferien des Kreisausschusses beginnen am 21. Juli und endigen am 1. September.

Während der Ferien dürfen Termine zur mündlichen Verhandlung der Regel nach nur in schleunigen Sachen abgehalten werden.

Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.

Hanau am 7. Juli 1894.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

A. 1908 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister ein gefangen: Ein gelber Hund w. Geschl.

Zu geflogen: Ein Kanarienvogel.

Gefunden: Eine lederne Pferdedecke. Ein Paar schwarze Gla^ö- handschuhe. Ein Hundemaulkorb. Eine Mütze mit der AufschriftMarine". Ein Notizbuch nebst Zigarren.

Hanan am 10. Juli 1894.

^taöt^retö ^anaxt.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Nach §. 9 des Gesetzes vom 26. Juni 1840, betreffend die Be­schränkung des Haltens der Hunde, besteht die Vorschrift, daß in der Zeit vom 15. Juli bis 15. August j. Js. alle Hunde ein Kon- trolzeichen von Blech, welches als Nachweis der erfolgten Zahlung der Hundesteuer dient, sichtbar tragen müssen. Diese Hundezeichen werden auf der hiesigen Stadtkasfe bei Entrichtung der Hundesteuer ausgegeben und können daselbst auch für die steuerfreien Hunde in Empfang genommen werden.

Indem wir auf die genaue Befolgung der vorerwähnten gesetzlichen Bestimmung hierdurch besonders aufmerksam machen, bemerken wir, daß alle Hunde, welche in der Zeit vom 15. Juli bis 15. August d. Js. ohne Kontrolmarke betroffen werden, vom Wasen­meister eingefangen und getödtet werden.

Hanau am 2. Juli 1894.

Der Stadtrath.

gez. Heraeus. 8797

t Der Berliner Bierkrieg

ist in ein neues Stadium eingetreten. Die von der sozialdemokratischen Bierkommission den Genossen verstatteten untergährigen Biere werden von Tag zu Tag schlechter, die Weißbierbrauereien vermögen den Bedarf an trinkbarem Stoff nicht zu decken, und so wird die Zahl derer, die sich dem besseren Gebräu der verrufenen Brauereien wohl oder übel zuwenden, f immer größer, denn Hitze und Durst steigen unerbittlich. Die Kommission hat eingesehen, daß sie ihr Verbot trotz aller aufgewandter Mittel nicht " mc^r aufrecht erhalten kann, und darum ist Herr Auer, alsUnversöhn­licher", vom Vorsitz zurückgetreten und hat ihn Herrn Singer überlassen, der eher zu Friedensverhandlungen geneigt ist. Lolche anzubahnen und zu vermitteln, hatte zuerst derVerband der Gast- und Schankwirthe von Berlin" versucht, dann der Vorsitzende des Berliner Gewerbegerichts. Der Einladung des Letzteren zu einer Vorbesprechung leistete denn auch der Verein der Brauereien Folge. Die Vertreter der Sozialdemokraten zeigten sich bereit, hinter der Forderung, daß die entlassenen Arbeiter wiedereinge­stellt würden, ihre anderen Forderungen nämlich Entschädigung der Entlassenen, Anerkennung des sozialdemokratischen Arbeitsnachweises und der Arbeiterorganisationen, endlich Freigabe des 1. Mai einstweilen zurückzustellen. Die Brauereivertreter lehnten es aber ab, das Wörtlein einstweilen" gelten zu lassen; wenn die Sozialdemokraten nicht ihre übrigen Forderungen endgültig zurückzögen, könnten sie sich aus Verhandlungen über die Wiedereinstellung der Arbeiter nicht einlassen. Die Arbeitgeber

1894.

blieben also auf ihren von Anfang an den Arbeitern gestellten Bedingungen bestehen. Das scheint auch der richtige Weg, wenn die politischen Macht­gelüste der Sozialdemokratie, um die es sich hier in Wirklichkeit handelt, gebrochen werden sollen. Diese Machtgelüste würden sich sonst bei nächster bester Gelegenheit anderswo bethätigen.

Ein Helles Licht auf das ganze Wesen der sozialdemokratischen Wühlereien warf eine Bemerkung, die Herrn Singer entschlüpfte. Danach wäre die sozialdemokratische Parteileitung sehr wohl in der Lage gewesen, durch ihren Einfluß den Verruf über die Rixdorser Vereinsbrauerei, mit dem der ganze Krieg bekanntlich anfing, rückgängig zu machen; aber so setzte Herr Singer hinzu die Parteileitung habe keine Veranlassung gehabt, von diesem Einfluß Gebrauch zu machen. Im Zusammenhalt damit ist daran zu erinnern, daß der kürz­lich hier abgehalteneBund deutscher Brauergesellen" die Angriffe der Sozialdemokratie gegen die Berliner Brauereien für ungerechtfertigt und verleumderisch erklärte. Diesem Bunde gehört die größere Hälfte der Ber­liner Brauergesellen an, die demnach nicht sozialdemokratisch gesinnt ist. Diese Arbeiterschaft, die auskömmlich und gut gestellt ist, wird ebensogut wie das Unternehmerthum von der Sozialdemokratie bekämpft; sie soll ins Proletariat herabgedrückt und auf diese Weise den sozialdemokratischen Zwecken willfährig gemacht werden. Ein Berliner Blatt erinnert mit Recht an den letzten großen Buchdruckerausstand. Auch in diesem handelte es sich um eine gutgestellte Arbeiterschaft, in der sich in entsprechendem Maße mehr und mehr die Empfindungsweise desBourgeois" ausbreitete. In­dem man sie in den von vorneherein ganz aussichtslosen Ausstand ver­wickelte und Existenzen, diesatt und behaglich" zu werden drohten, zer­rieb oder mindestens wirthschaftlich schwächte, bekämpfte man eine für die Sache der Sozialdemokratie bedenkliche Entwicklung innerhalb eines Theiles der Arbeiterschaft und suchte die Buchdruckerschaft in einen festeren Zu­sammenhang mit dem Proletarierempfinden und der Proletarierarmee zurück­zutreiben.

Dasselbe Spiel will die sozialdemokratische Partei jetzt mit ihrem Bierverruf wiederholen. Wenn also mit aller Entschiedenheit dahin ge­arbeitet werden muß, daß die Sozialdemokratie im Bierkriege unterliegt, so wird damit nicht etwa bloß das Interesse der Brauereibesitzer und des Unternehmerthums gefördert, sondern ebenso auch das der Arbeiterschaft. Alle verständige Sozialpolitik steuert dahin, daß die Klasse der Besitzlosen und Schlechtgelohnten verringert, die Klasse der Besitzenden und Gutge­lohnten vermehrt werde. Es wäre beklagenswerth, wenn es der Sozial­demokratie gelänge, die gutgestellte Arbeiterschaft des Brauereigewerbes zu proletarisiren, die sich bisher weigerte, nach der sozialdemokratischen Pfeife zu tanzen.

t Der Deutsche Zentralausschuß sür Jugend- und Volksspiele

hat am 30. Juni zu Thale unter Vorsitz des Landtagsabgeordneten von Schenckendorfs getagt. Aus den Mittheilungen des Vorsitzenden ergab sich, daß die Bewegung für allgemeinere Einführung der Spiele guten Fortgang nimmt, insbesondere auch durch die wohlwollende Förderung seitens der Staats- und Gemeindebehörden. Der Zentralausschuß gedenkt künftig in regelmäßigen Zwischenräumen öffentliche Versammlungen in verschiedenen Theilen Deutschlands zu veranstalten, bei denen zugleich öffentliche Spiele vorgeführt werden sollen. Mit Genugthuung wurde von dem Erlaß des Unterrichtsministers Dr. Bosse vom 28. Mai d. J. Kenntniß genommen, worin den Oberpräsidenten die Bestrebungen des Zentralausschusses empfohlen werden. Stadtschnlrath Platen-Magdeburg sprach über die Sonntagsspiele der gewerblichen Jugend. Es wurde empfohlen, Ausschüsse aus Vertretern der Kausteute, Handwerker, Beamten, Geistlichen, Turnvereine u. a. zu bilden, die Jnnungsvorstände für die Sache zu interessiren und die der Schule entwachsenen jungen Leute heran- zuziehen. Auf Vorschlag des Turninspektors Böttcher-Hannover wurde beschlossen, zur Pflege des Spiels für Erwachsene neben den Einrichtungen, welche für die Betreibung der Spiele an den Sonntagen getroffen sind, auch ähnliche Einrichtungen an bestimmten Wochentagen zu schaffen, um solchen Erwachsenen, deren bürgerliche Berufsthätigkeit früh genug am Nachmittag abschließt, Gelegenheit zum Spielen zu geben.