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Samstag den 30j Juni ;
1894.
Amtliches.
^anö&reis ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises mache ich hiermit auf meine Verfügungen vom 2. Mai v. J. V. 3638, vom 23. Mai v. I. V. 4253, 6. September v. J. V. 7591 II Ang. und vom 4. Januar d. I. V. 242 aufmerksam, wonach wegen der außerhalb der Irrenanstalt lebenden Geisteskranken am 1. Juli eines jeden Jahres anher zu berichten und außerdem dem Königlichen Kreisphpsikus eine namentliche Nachweisung der Geisteskranken einzusenden ist.
Ich ersuche, die genannten Verfügungen bei Erledigung der Angelegenheit genau zu beachten. Die betr. Aerzte sind gemäß der Verfügung vom 6. September v. I. V. 7591 II Ang. darauf hinzuweisen, daß eine Angabe über die Art, wie die Kranken untergebracht seien und verpflegt würden, in den desfallsigen Berichten enthalten sein müsse.
Hanau am 29. Juni 1894.
Der Königliche Landrath.
V. 5550 J. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Eine Peitsche. Zwei Scheeren. Eine Mütze.
$ Verloren: Ein goldener Trauring, M. 8. 1843 eingravirt.
Entlaufen: Ein gelbes und ein graues Huhn.
Zugelaufen: Ein französischer Stallhase. Ein röthlicher großer Bernhardinerhund m. Geschl. Ein rothbrauner Pinscher.
Hanau am 30. Juni 1894.
Handelskammer zu Hanau.
Oeffentliche Sitzung der Handelskammer am Donnerstag den ö. Juli 1894, nachm. 4Vi Uhr, im Büreau der Korporation (Stadtschloß).
Die Handelskammer.
Canthal. Ines.
8495 Der Sekretär: Steller.
Bekanntmachung der Ortskrankenkaffe.
Nach diesseits gemachten Wahrnehmungen sehen wir uns veranlaßt, allen Betheiligten in Erinnerung zu bringen, daß
„alle männlichen und weiblichen Gehülfen und Lehr- „linge, welche in einem Gewerbe- oder Handels- „betriebe beschäftigt sind, gesetzlich bezw. statutarisch „der Krankenversicherungspflicht unterliegen"
und deshalb bei Aufnahme der Beschäftigung im Stadtkreis Hanau der unterzeichneten Kasse Paradiesgasse Nr. 2 mittelst der vorgeschriebenen Lnmeldezettel zu melden sind.
Nicht meldepflichtig sind:
1 1. diejenigen, welche nachweisbar Mitglied einer „Eingeschriebenen Hülfskasse" sind,
2. diejenigen, welche keinerlei Vergütung für ihre Arbeit erhalten (Lehrlinge ohne Kost und Logis sowie Volontaire rc.),
3. Betriebsbeamte, Werkmeister, Techniker, Handlungsgehülfen und Lehrlinge, welche mehr als 62/s Mark pro Arbeitstag bezw. mehr als 2000 Mark pro Jahr an Gehalt oder Lohn beziehen.
Bezüglich der Mitglieder der genannten Hülfskassen dürfte es für die Arbeitgeber sehr zu empfehlen sein, deren Bücher in kurzen Zwischenräumen, mindestens alle 14 Tage, zu prüfen, da diejenigen, welche aus einer Hülfs- kasse freiwillig oder unfreiwillig ausscheiden, mit dem Tage dieser Ausscheidung bei der Ortskrankenkasse anmeldepflichtig werden
Schließlich wird noch darauf hingewiesen, daß die Versäumniß der Anmeldepflicht Strafen nach sich ziehen kann und die Arbeitgeber außer den ^chznzahlendcn Beiträgen alle Aufwendungen zu erstatten haben, welche
die Kasse in einem vor der Anmeldung durch die nicht angemeldete Perso" veranlaßten Unterstützungsfalle zu madjen hat.
Hanau am 30. Juni 1894.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse. Schwind,
Vorsitzender. 264
Tagesschau.
Berlin, 29. Juni. Gestern Abend 7*0 Uhr ertheilten Seine Majestät der Kaiser und König an Bord Allerhöchstihrer Aacht „Hohen- zollern" dem französischen Botschafter Herbette die erbetene Audienz. Heute früh segelten Seine Majestät nach Travemünde und gedenken abends nach Kiel zurückzukehren.
Berlin, 29. Juni. Der Kaiser beauftragte, nach den „Fr. N.", den deutschen Botschafter, Graf Münster, mit seiner Vertretung bei dem Leichenbegängniß Carnot's und wies den Botschafter an, in seinem Namen einen Kranz am Sarge Carnot's niederzulegen.
Berlin, 29. Juni. Die „Voss. Ztg." erfährt, der Kultusminister erlangte die Zustimmung des Finanzministers zur Einstellung einer entsprechenden Summe für die Errichtung eines Lehrstuhles der Elektrochemie an den technischen Hochschulen in Berlin, Hannover und Aachen in den nächsten preußischen Etat.
Berlin, 28. Juni. Angesichts der erschütternden Vorgänge in Frankreich werden die in Kiel beabsichtigten Festlichkeiten auf kaiserliche Anordnung ein stilleres Gepräge erhalten. Von zuverlässiger Seite wird mitgetheilt, daß der Kaiser am Montag Vormittag, als er die Nachricht von der Ermordung des Präsidenten erfuhr, aufs Schmerzlichste ergriffen wurde und längere Zeit sehr erregt war. Er äußerte während des Tages wiederholt seine Trauer über das tragische Geschick des hochverdienten Präsidenten. Der geplante, auf dem Panzerschiff „König Wilhelm" zu veranstaltende Festball dürfte fortfallen; statt dessen wird eine bescheidenere Festlichkeit in den Räumen der Marineakädemie stattsinden.
Berlin, 29. Juni. Nach'sehr erregten Debatten hat gestern die Stadtverordnetenversammlung die Vorlage über die elektrische Hochbahn, geplant von der Firma Siemens und Halske, nochmals einem Ausschuß überwiesen. Sehr viele Stadtverordnete sprachen sich gegen die Ueber- gabe eines derartigen Riesenunternehmens an eine Privatgesellschaft aus.
Berlin, 29. Juni. Der Kassirer der Halver Volksbank, deren Zusammenbruch der durch Selbstmord geendete Abgeordnete van Heede verschuldete, ist in Untersuchungshaft genommen worden, v. Heede, der, wie das „Köln. Tbl." meldet, seinen Mitdirektor bei der Halver Volksbank, mit der Pistole in der Hand, zur Herausgabe von Depots zwang, hatte etwa 400 000 Mark Spareinlagen veruntreut. Auch Berliner Bankfirmen sind betheiligt. Die Aktionäre der Halver Volksbank verlieren nicht nur ihr Aktienkapital, sondern müssen noch 50 Prozent hinzuzahlen.
Habersleben, 29. Juni. Der Bürgermeister ist gestern nach Kiel befohlen worden, um dem Kaiser über die Ausweisung der dänischen Schauspieler zu berichten.
Hamburg, 29. Juni. Der deutsche Schriftstellertag wurde heute Vormittag mit einem Festakt eröffnet. Der Präsident der Bürgerschaft Hinrichsen brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Der Bürgermeister Dr. Möuckeberg hielt eine herzliche Begrüßungsansprache. Hinrichsen dankte für das entgegengebrachte Interesse des Senats. Ernst Wichert-Berlin dankte dem Senat und der Bürgerschaft für die gastliche Aufnahme und schloß mit einem Hoch auf die Stadt Hamburg. Redakteur Singer verlas ein Schreiben von Wildenbruch, welcher der Hoffnung Ausdruck gibt, es möge gelingen, eine feste Vereinigung zu erzielen. Um 1202 Uhr begannen die Berathungen. Bunkiflg wurde zum Vorsitzenden, Brackeuhöft zum Schriftführer gewählt. Nachmittags 3 Uhr fand eine Fahrt- auf der Elbe statt. (RH. K.)
Eisenach, 29. Juni. Heute wurde der 22. deutsche Aerztetag eröffnet. Etwa 100 Delegirte aus ganz Deutschland sind erschienen. Die Verhandlungen betrafen erst Geschäftliches, sodann das Verhältniß der Aerzte zu den Lebensversicherungsbanken und Berufsgenossenschaften.
Das „Köln. Tbl." schreibt: Die Wahl Casimir Peners zum Oberhaupt der französischen Republik hat überall den besten Eindruck ge-