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Amtliches, ^taötâreis ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Nachdem infolge Ausloosung die Herren Jakob Bier und Cäsar B ö h m aus der Deputation für Verwaltung und Verwendung der durch Ablösung an Stelle der der Altstadt Hanau zustehenden Berechtigungen getretenen Ablösungskapitalien rc. ausscheiden werden, hat zur Ergänzung der Deputation die Neuwahl von 2 Mitgliedern für die Dauer von 6 Jahren stattznsinden und sind gleichzeitig anderweit 2 Stellvertreter für die Dauer von 3 Jahren neu zu wählen.
Zur Vornahme dieser Wahlen bestimme ich Termin in den unteren Saal des Rathhauses auf
Dvnnsrstag den 12. Suli d. 5s., vormittags von 9—12 Uhr, nachmittags von 3—6 Uhr, und lade zu demselben die wahlberechtigten Bürger der Altstadt mit dem Bemerken | ein, dâtz das Verzeichnis der Wahlberechtigten bis zum Wahltermine auf dem Rathhaufe ausgelegt ist.
Die verbleibenden Mitglieder der Deputation sind neben den beiden Stadtrathsmitgliedern Herren Fr. Canthal und Fr. Jung die Bürger Herren Wilhelm Fu es und Georg Hal in.
Hanau am 19. Juni 1894.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 8133
Freitag den 29. Juni
t Der Kampf der Sozialdemokratie gegen die Berliner Brauereien
hat nicht zu dem schnellen Siege geführt, den die Parteileitung für sich erhoffte. Sie will den Kampf dadurch in die Länge ziehen, daß sie ihn über ganz Norddeutschland auszudehnen versucht. Man weiß, wie der ganze Streit anhob: die Berliner Böttchergesellen, die sich als gutgestellte Arbeiter das wohl leisten konnten, wurden ausersehen, zur Erzwingung des Maifeiertages die Arbeit niederzulegen. Der „Weltfeiertag" war die Hauptforderung, die man dem Arbeitgeberthum und damit der gesammten bürgerlichen Gesellschaft abtrotzen wollte, und diese Hauptforderung wurde mit einigen nebensächlichen — mehr Lohn und kürzere Arbeitszeit — verbrämt, damit die ganze Bewegung gewissermaßen ein besseres^ Ansehen haben solle. Jene Nebenforderungen sind aber um so weniger stichhaltig, als thatsächlich die Böttcher weder über geringen Lohn noch über Arbeits- überbürdung klagen konnten, und sie sind denn auch bald in den Hintergrund getreten.
Einen Erfolg, den die Sozialdemokratie weder gewollt noch erwartet hatte, hat sie aber mit ihrem Bierverruf erzielt: den, daß das Bürgerthum sich zur Abwehr des sozialistischen Uebermuthes vereinigte., Nicht bloß die "Brauereien haben sich zusammengethan, um einander zu stützen, auch die Wirthe schlossen sich an und dazu eine ganze Reihe von andern Gewerbetreibenden, die sich nicht verhehlen können, daß, was heute gegen das Brauereigewerbe versucht wird, morgen gegen irgend einen andern Gewerbebetrieb unternommen werden kann. Man hat eine so große Anzahl . von Sälen für die Versammlungen der Sozialdemokratie gesperrt, daß diese I fernerhin Mühe haben wird, ihre Wühlereien in die große Oeffentlichkeit zu tragen, und es sind Mittel zusammengeschossen worden, bte kleineren Wirthe und Brauereien, die in dem Bierkriege zunächst Noth leiden könnten, zu halten.
Die Kraftprobe, welche die Sozialdemokratie dem Bürgerthnm ausgedrungen hat, hat dieses aufgerüttelt. Man erkannte, daß damit nicht genug gethan sei, wenn sich unbequeme Bewegungen im öffentlichen Leben geltend machen, nach der Polizei und nach gesetzlichen Zwangsmaßregeln zu rufen, und der Erfolg wird lehren, daß grade hier, auf dem Gebiete der wirthschaftlichen Politik, die Selbsthilfe das beste und einzig nachhaltige Mittel ist. Aber auch aus die allgemeinen politischen Verhältnisse wird eine gute Nachwirkung nicht ausbleiben. Das Bürgerthum muß und wird dazu kommen, die Herrschaft, welche sich die Führer der sozialdemokratischen Arbeiterschaft anmaßen wollen, aus eigener Kraft abzuschütteln.
1894.
Wir erleben, zur Warnung aller bequemen und auch solcher Leute, die auf Grund liberalistischer und demokratischer Theorien mit der Sozial- deniokratie liebäugeln, in den gegenwärtigen Zeiten des Bierkriegs auch ein Probestückchen auf den Zukunftsstaat. Die Bierpolizei, die von der sozialdemokratischen Parteileitung eingesetzt ist, treibt es just wie die vielberühmten Wohlfahrtsausschüsse zur Zeit der „großen" Revolution und der Pariser Kommune. Die kleinen Wirthe, die auf den Verkehr des kleinen Mannes angewiesen sind, werden in unerträglicher Weise durch ein herrisches Spitzelthum, das sich als Volksbehörde breit macht, mißhandelt. Die zahlreichen Verwahrungen gegen unbegründete Angebereien, die der „Vorwärts" in seinem Anzeigentheile bringt, lassen erkennen, daß in vielen Fällen das Spitzelthum seine „Macht von Volkes Gnaden" ausnützt, um irgendwelchen persönlichen Rachegefühlen zu fröhnen. Auch hat es schon manchen Straßenauflauf in Berlin gegeben, wenn ein Wirth, des zudringlichen Fragens müde, die Bierkommissarien kurzweg an die Luft setzte. Die Sprache aber, welche das Blatt der Parteileitung gebraucht, um die Gefolgschaft zusammenzuhalten, zeigt, welch liebreiches Regiment die Demagogen führen würden, wenn sie je einmal ans Ruder kämen.
Wir hoffen, daß es, wie in Berlin, so auch in allen anderen norddeutschen Städten, wo die Sozialdemokratie den wirthschaftlichen Kampf gegen das Bürgerthum entfesselt, an einiger, entschlossener und nachdrücklicher Abwehr nicht fehlen wird. Der Sieg wird für das Bürgerthum nicht ausbleiben, und eine solche Niederlage wird für die Sozialdemokratie empfindlicher und schädlicher sein, als wenn es der Polizei und den Gerichten allein überlassen bliebe, den Kampf gegen die umstürzlerischen Bestrebungen zu führen.
Tagesschau.
Berlin, 28. Juni. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin haben Sich heute von Kiel nach Grünholz begeben, um daselbst der Taufe der jüngst geborenen Tochter Ihrer Hoheiten des Herzogs und der Herzogin Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg beizuwohnen.
Berlin, 28. Juni. Der zum Unterlieutenant z. S. ernannte Prinz Adalbert von Preußen erhält bereits regelmäßige Instruktionen durch den Korvettenkapitän von Usedom von, Marinekabinet. _ Auf, dem Gebiet der Seemannschaft wird hierzu die kleine, bei der Matrosenstation in Potsdam liegende Fregatte benutzt, an deren Bord sich der Prinz und sein Instrukteur einschifft.
Berlin, 28. Juni. Gegenüber der Meldung verschiedener Blätter, die deutsche Regierung habe einer englischen Telegraphengesellschaft oder gar der englischen Regierung die Konzession zur Anlage von Telegraphen in dem deutsch-ostafrikanischen Schutzgebiet ertheilt, bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.", hieran sei nur richtig, daß Gesuche um eine solche Konzession schon vor länger als einem Jahr von Mr. Rhodes, dem Gouverneur der Kapkolonie, durch Vermittlung deutscher Unternehmer gestellt, von der deutschen Regierung aber abgelehnt worden sind.
Berlin, 28. Juni. Von einer besonderen Einberufung des Reichstags zum Abschied vom alten Reichstagsgebäude und zur Einweihung des neuen ist, nach der „M. A.-Ztg.", Abstand genommen worden. Der Reichstag soll Mitte November zusammentreten. und zwar sofort im neuen Gebäude. Derselbe wird von Oktober an allmählich bezogen und in Gebrauch genommen werden.
Berlin, 28. Juni. Der Bundesrath stimmte dem Ausschußantrage zu dem Gesetzentwurf, betr. Aenderung und Ergänzung des Gerichtsver- fassungsgesetzes und der Strafprozeßordnung, zu und stimmte ferner der Vorlage vom 28. Mai 1894, betr. die Verzollung von Petroleum nach dem Raumgehalte, sowie der Vorlage vom 13. Juni 1894, betr. die Ab- stempelung von Genußscheinen, zu.
Berlin, 28. Juni. In der heutigen ersten Sitzung der Berliner Stadtverordneten nach dem Lyoner Attentat hielt der Vorsitzende Langer- hans eine Ansprache, welche besagte, er.glaube öffentlich dem tiefen schmerz der Bürgerschaft Ausdruck geben zu sollen über den schweren Verlust der französischen Nation. Die Versammlung hörte, nach den „Fr. R.", die Ansprache steheiid an.