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ArnLLiches Hrgcm für KLcröt- und Lanökrreis Kcrrrcru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonu- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Ä. 142.

Donnerstag den 21. Juni

1894.

Amtliches.

Oktskrmkkllllllffe Les Innbkrriscü Kanm.

Die öffentlichen Büreanstunden find:

an jedem Werktag

vormittags von 912 Uhr, nachmittags am Montag und Donnerstag von 36 Uhr, an den anderen Tagen von 24 Uhr.

Hanan, 18. Juni 1894.

Der Vorstand.

Dr. Gans.

Eine bemerkenswerthe Mahnung

an den Adel hat der Bruder der Kaiserin, der Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, auf dem deutschen Adelstag gehalten. Den Inhalt bildete eine sehr verständige Mahnung zur Reform des Geistes im deutschen Adel. Er sprach zunächst die Forderung der Verminderung des Luxus aus. Man müsse den Anschein vermeiden, daß Wohlstand vorhanden sei, wo er m Wirklichkeit nicht da sei, ebenso das Streberthum, daß Jeder mehr scheinen wolle, als er ist. Der Adel müsse praktisch und fleißig arbeiten. Herzog Ernst Günther äußerte sich auch über die landwirthschaftliche Ar­beiterfrage und bedauerte das mangelnde Interesse in der Adelsgenossen­schaft hierfür. In seiner Landwirthschaft sei ein Arbeitermangel nicht vor­handen. Er habe auf seinen Gütern in Schlesien versucht, solchen Boden, der bisher nicht von ihm bewirthschaftet sei, an die kleinen Leute zu ver­pachten und damit die Erfahrung gemacht, daß sich die Arbeiter sehr wohl halten lassen. Auf seinen Gütern sei ein Zusammengreifen der Kräfte geschaffen worden, welches ermögliche, daß erweder der Arbeiterbewegung noch der agrarischen Krise mit Angst persönlich entgegenzusehen brauche." Der Herzog ermahnt weiterhin die Mitglieder des Adels, jüngere Söhne oder auch zukünftige Besitzer selbst sollten sich die kaufmännischen und tech­nischen Kenntnisse erwerben, um selbstständig einem industriellen Etablisse­ment vorzustehen. Die Adelsgesellschast müsse ankämpfen gegen ein leider tief eingewurzeltes Vorurtheil, daß man solche Leiter von industriellen Etablissements, die aus den Reihen des Adels hervorgegangen seien,als nicht voll ansteht in sozialer Beziehung und sich daher von ihrem Verkehr zurückzieht." Ganz wie kürzlich Herr v. Hepden meint auch der Herzog, das Wichtigste zur Bekämpfung der Agrarkrise bleibedie Privatbethei­ligung, die Bewegung des Grundbesitzes von Innen heraus." Diese in derPost" ausführlich wiedergegebenen Aeußerungen erscheinen uns schon darum bemerkenswerth, weil bei dem engen persönlichen Verkehr des Kai­sers mit dem Herzog Ernst Günther anzunehmen ist, daß auch der Kaiser auf demselben Boden steht.

W .

*&'*** B Zum -eutsch-spantichen Zollkrieg.

Die anerkennenswerthe Enetgie, mit welcher die deutsche. Rerchs- »Regierung der böswilligen Verschleppung des zwischen den Regierungen längst abgeschlossenen Handelsvertrages seitens der Hochschutzzöllner im spanischen Parlament durch Aufhebung der Provisorien und Beginn des Zollkriegs ein Ende gemacht, scheint den gewünschten Erfolg zu haben. Zm spanischen Senat selbst wurde die Verschleppungspolitik der Senats­kommission getadelt und ein Antrag, der der Regierung das Vertrauen ausspricht, gestellt, und die spanische Regierung ihrerseits, welche sich m der ganzen Angelegenheit korrekt benommen, tritt nun mit aller "lachrzu Gunsten des Handelsvertrags auf; ein weiteres Telegramm besagt:Ml- uisterpräsident Sagasta gab im Senate die Erklärung ab, daß er aus der Annahme des Handelsvertrages mit Deutschland eine Kabinetsfrage mache und die Alternative zwischen einem Rücktritt und der Auflösung der KoAes füllt. Sagasta hat vergangenen Montag seine Rede beendigt. Die deutscherseits gegen Spanien auf Grund des Paragraphen 6 des Zolltaris- Sesetzes angeordneten fünfprozentigen Zollzuschläge beziehen sich auf alle wichtigeren Waaren, die Deutschland aus Spanien und den überseeischen , Maische Besitzungen bezieht, mit Ausnahme derjenigen, die m Deut ch- ' kund überhaupt keinem Eingangszoll unterliegen, wie z. B. Eisenerze, welche

gegenwärtig den wichtigsten Einfuhrartikel aus Spanien bilden. E"^ großer Theil der hiernach mit Kampfzöllen belegten Waaren besteht in Ar­tikeln, wofür Spanien gegenüber bis zum 15. Mai die Sätze des deutschen Vertragstarifs in Anwendung gekommen sind. Da diese Sätze vielfach bedeutend niedriger sind als diejenigen unseres autonomen Tarifs, die 50- prozentigen Zollzuschläge aber nach dem letzteren berechnet werden, so ist der Unterschied zwischen den Kampfzöllen und den Vertragszöllen theilweise ein recht großer. So muß beispielsweise Spanien für frische Südfrüchte jetzt 18 Mark statt des früheren Vertragssatzes von 4 Mark, für Wein­beeren 22,50 Mark statt 4 Mark, für Olivenöl 15 Mark statt 3 Mark bezahlen. Das Handelsprovisorium ist für den spanischen Ausfuhrhandel nach Deutschland außerordentlich günstig gewesen. Das beweist auch die Thatsache, daß die spanische Ausfuhr nach dem deutschen Zollgebiet in den beiden letzten Jahren im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen hat. Nach unserer Handelsstatistik hat die Einfuhr Deutschlands betragen aus Spanien 1890; 34, 1891: 35, 1892; 41 und 1893 etwa 36 Millionen Mark, aus den spanischen Antillen 1890: 14, 1891; 10, 1892; 10 und 1893; 1213 Millionen Mark. Dagegen ist die Ausfuhr deutscher Jn- dustrieerzeugnisse nach Spanien von 53 Millionen in 1890 und 491 /» Millionen in 1891 auf 40^3 Millionen Mark im Jahre 1892 gesunken und im Jahre 1893 noch weiter zurückgegangen. Abgenommen hat im letzten Jahre namentlich die Ausfuhr von Textil-, Droguerie- und Farb- waaren, auch von Eisenwaaren, am meisten aber von Maschinen. Im Verkehr mit den spanischen Antillen bleibt unsere Ausfuhr weit hinter der Einfuhr zurück; sie hat 1890: 6, 1891: 5^3 und 1892; 6 Millionen Mark betragen. Die Einfuhr Deutschlands aus Kuba und Portoriko be­steht vorwiegend in feinen Nutzhölzern, Zigarren, Rohtabak, Kaffee, alles Artikel, die von den Zollzuschlägen betroffen werden. Vergleicht man hier­nach unsere Einfuhr aus Spanien und den spanischen Kolonien mit unserer Ausfuhr dorthin, fo hat eigentlich Spanien ein viel größeres Interesse als Deutschland an der vertragsmäßigen Regelung der beiderseitigen Handels­verhältnisse. (Köln. Tbl.)

Tagesschau.

Berlin, 20. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Morgen um 7 Uhr im Neuen Palais den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets entgegen, begaben Sich um S1^ Uhr nach Berlin, besuchten die Kunstausstellung und nahmen sodann im Königlichen Schloß die Vor­träge des Reichskanzlers und des Staatssekretärs des Reichsschatzamts entgegen.

Berlin, 20. Juni. In Friesack (Westhavelland) fand heute die Grundsteinlegung zu dem Denkmal des Kurfürsten Friedrich I. von Bran­denburg statt. Der Kaiser war durch den Flügeladjutanten Oberst Scholl vertreten. Anwesend war der Oberpräsident Achenbach. Als Ehrenvor­sitzender des Komitees hielt der Landesdirektor, Reichstagspräsident v. Le- vetzow die Festrede, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. (Rh. K.)

Berlin, 20. Juni. Der Ausnahmetarif für Futtermittel tritt am 1. Juli d. J. auf den preußischen Staatsbahnen außer Kraft. Von dem gleichen Zeitpunkt ab wird auch die außerordentliche Frachtermäßigung von 25 pßt/für Streu- und Futtermittelsendungen aus den östlichen Provinzen nach den mittel- und westdeutschen Bezirken nicht mehr gewährt. * Dagegen bleibt der Ausnahmetaris für Torfstreu, Torfmull, Holzsâgespähne und Heidekraut bis zum ursprünglich festgesetzten Geltungszeitpunkt, 1. Sep­tember d. I., bestehen. r

Berlin, 20. Juni. Wie man derVoss. Ztg. _ aus Prag rele- graphirt, haben dieser Tage zwischen Vertretern der österreichischen und deutschen Forstbehörden über die Fernsprechlinie Wien-Berlin Derhandlimgen stattgefunden, welche darauf schließen lassen, daß dieselbe noch un Lause dieses Jahres eröffnet werden kann.

Berlin, 20. Juni. Gegenüber anderen Nachrichten stellt die Nationalliberale Korrespondenz" fest, daß der Abgeordnete vom Heede, der bekanntlich Selbstmord beging, in den günstigsten Vermogenoverhâiffcn lebte, so daß selbst seine Freunde keinerlei Anhaltspunkte für die Motive seiner That haben. , ,, , *

Berlin, 20. Juni. Im Laufe des 13. und 14. d. M. erkrankten im Waifenhause zu Bunzlau 24 Alumnatszöglinge, Welche verschiedenen