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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die 2spalt. Zeile 20 A

Die Zspalt. Zeile 30

Nr. 141.

Mittwoch den 20. Juni

1894.

^artö&rew ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Wegen Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche unter dem Rind­vieh unterbleibt bis auf Weiteres die Abhaltung von Viehmârkten in Aschaffenburg.

Hanau am 16. Juni 1894.

Der Königliche Landrath

V. 5161 v. Oertzen.

Dienstmlhrilhten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine weiße Serviette mit Monogramm. Ein Porte­monnaie mit Geld. Eine Hundekette mit Schloß. Ein goldener Man­schettenknopf.

Hanau am 20. Juni 1894.

^taötßrei# Hartem.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Für den am 12. Dezember 1877 in Orb, Kreis Gelnhausen, ge­korenen Johann Daus dahier ist um Entlassung aus dem Staatsverband mchgesucht worden.

Hanau am 19. Juni 1894.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebefchus.

Oeffenitilke Sijung lies Gemein cke-Russlkujseg

Donnerstag den 21. Juni, nachm. 5 Uhr.

Berathungsgegenstände:

1. Abschluß der Stadt gegen Hochwasser. Kostenanschlag Mk. 75 000. 2. Abänderung des Alignements vom Sandeldamm nach der Nordstraße. 3. Desgl. des Bebauungsplans über das Gebiet an der Lambopstraße.

4. Vermiethung von Stall und Bodenraum in der Sandelmühle.

5. Abänderung des Alignementsplanes im Schwingefort.

6. Abänderung des Waffergeldtariss für Wohnungen.

7. Desgl. für Viehhaltung.

8. Mittheilungen.

9. Weiterverpachtung des Grundstücks D. D. 54.

10. Nachverwilligung von M. 152.89, Tit. II b des Etats der gewerb­lichen Fortbildungsschule pro 1893/94.

11. Desgl. von M. 110.64, Tit. V w. Gesundheitspolizeiliche Ein­richtungen pro 1893/94. ,12. Desgl. von M. 109.28, Tit. 74*

13. Desgl. von M. 109.29, Tit. II a 33. Jnvaliditäts- und Alters­versicherung pro 1893/94.

14 Miethsfestsetzung der Wohnung Erbsengasse 1. 8062

* GrklmnkcMlft des Landkreises Kanm.

Die öffentlichen Büreaustunden sind: an jedem Werktag vormittags von 912 Uhr, nachmittags am Montag und Donnerstag von 3-6 Uhr, an den anderen Tagen von 24 Uhr.

Hanan, 18. Juni 1894.

Der Borstand.

Dr. Gans.

t Zu den tolonialpolitischen Kämpfen.

Seitdem wir in Deutschland eine Kolonialpolitik haben, sind auch siichr oder weniger heftige Meinungskämpfe sowohl über ihre Richtung im gemeinen als auch über einzelne Thaten oder Unterlassungen auszu­

fechten gewesen. Auf der einen Seite sah man eine Schaar von Enthu­siasten, denen nicht genug Länder auf dem Papier annektirt werden konnten, und die sich über die politischen Widerstände und die praktischen Schwierig­keiten der Kolonisation leicht hinwegsetzten; auf der anderen Seite standen die entschiedenen Gegner jeglicher kolonialen Entwickelung des Reichs, deren Wahlspruch bei jeder Unternehmung zur Erwerbung und Ausbeutung von Schutzgebieten war: Haltet die Taschen zu! Man darf wohl behaupten, daß einerseits viele Feuergeister etwas Wasser in ihren Wein gethan haben und andererseits mancher Befürworter einer Politik kolonialer Enthaltsam­keit zu einer freundlichern Meinung über die Aussichten unserer Schutzge­biete gekommen ist, daß also jetzt auch die große Mehrheit des deutschen Volkes auf dem Standpunkt steht: wir wollen behalten, was wir haben, und in der eingeschlagenen Richtung besonnen vorwärts schreiten.

Woher konimen trotzdem die Angriffe einer Anzahl deutscher Blätter auf die Kolonialpolitik des neuen Kurses? Aus den alten kolonialen Gegensätzen allein sind sie nicht zu erklären; die fortwährende Lobpreisung des alten Kurses gegenüber den Verträgen, die unter dem neuen Kurs geschlossen worden sind, deutet vielmehr darauf hin, daß hier eine gewisse ungerechte Parteileidenschaft, gegen den neuen Kurs überhaupt mit thätig ist. Denn in Wirklichkeit hat sich kaum irgendwo mehr als gerade in der Kolonialpolitik der neue Kurs auf der Linie des alten bewegt. Wie oft hat der frühere Reichskanzler beklagt, daß sich das deutsche Kapital. in unzureichendem Maße an Unternehmungen in den Schutzgebieten betheilige, und daß die Vertretung der Ration keineswegs geschlossen hinter ihm stehe! Auf der anderen Seite ist der alte Kurs stets von dem weisen Grundsätze ausgegangen, daß unsere'besten Kräfte in Europa festgelegt seien und wir uns deshalb besonderer Vorsicht gegen die Gefahr zu befleißigen hätten, in fremden Erdtheilen in opfervolle Kämpfe, beispielsweise zur Eroberung der muhamedanischen Staaten am Tschadsee, hineingezogen zu werden. Ebenso vergessen die Kritiker des neuen Kurses sehr oft, wie heftig gerade der alte Kurs in den Jahren 1888 und 1889 von übereifrigen Kolonial­schwärmern wegen angeblich zu nachgiebiger und unentschlossener Haltung angegriffen worden ist. Es ließe sich fast bei jedem einzelnen Beschwerde­punkte gegen unsere neuern Verträge, so in Bezug auf die vermeintliche Preisgabe" von Uganda,Abtretung" der Insel Zanzibar, Uebervor- thcilung im fernen Hinterlande von Kamerun, nachweisen, daß überall schon feste Grundlinien vom alten Kurse, und zwar aus sehr weisen Gründen, gezogen waren.

Um so bedauerlicher ist die Erscheinung, daß die gegenwärtig zur Leitung der deutschen Politik berufenen Männer in einem Zeitpunkte, in dem sie Schritte zur Wahrung der internationalen Vertragstreue gegen das zwischen England und dem Kongostaate geschloffene Uebereinkommen unter­nommen haben, von einer allerdings nur geringen Anzahl besonders un­besonnener Blätter aus einer Leidenschaft, deren Beweggründe zum Theil auf anderen Gebieten liegen, angefallen werden, und daß man versucht, sie als schwach bloßzustellen. Der Inhalt der schwebenden Verhandlungen und der Nachdruck, mit dem die deutsche Regierung Einspruch erhoben hat, sind zur Zeit nicht authentisch bekannt und können es nicht sein. Man vergleiche aber, wie wenig der Berliner Korrespondent der LondonerTimes" den Eindruck von Unentschlossenheit oder Schwäche erhalten hat. Er schreibt seinem Blatte u. A.: Der Kaiser und der Kanzler, obgleich sie ernstlich wünschten, in der gegen England freundlichen Politik zu beharren, seien fest entschlossen, daß in dieser Angelegenheit Deutschlands Stimme gehört und seine Interessen geachtet werden sollten. Was den Kongostaat betreffe, so gebe es offenbare Mittel, durch welche Deutschland sein Miß­vergnügen einem Staate zeigen könne, dessen Bestand thatsächlich von der Anerkennung seiner Neutralität abhänge. Und auch ix der Rüstung Eng­lands fehle es nicht an schwachen Punkten, wo vielleicht der Verlust von Deutschlands moralischer Unterstützung sich sehr rasch empfindlich fühlbar machen würde.

Unter solchen Umständen ist es eine bedenkliche, der Wirkung nach unpatriotische Anmaßung, wenn jene Blätter unter fälschlicher Berufung auf den alten Kurs eine vorlaute unsachliche Kritik üben. Die inneren kolonialpolitischen Streitigkeiten sollten besonders in einem Augenblicke zurücktreten, da wir bestimmte eigene Rechte und anerkannte internationale I Grundsätze nach außen zu vertreten haben.