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Nr. 130.

Mittwoch den 6. Juni

1894.

Amtliches.

^anö^retö ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Der Metzger Jakob Lapp zu Dörnigheim beabsichtigt auf dem Ge­höfte der Ehefrau des Philipp Lapp III., Karte Nr. 3 Brandver- sicherungs-Nr. 10 der Frankfurter Straße zu Dörnigheim die Anlage und den Betrieb einer Schlächterei.

Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage, zu welcher die Zeichnungen und Be­schreibungen im Kreisausschußbüreau hier offen liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier an­zubringen sind.

Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf

Montag den 25. Juni er., vormittags 10 Uhr", m das Bureau des Kreisausschusses hier anberaumt und werden der Unternehmer und die Widersprechenden mit der Verwarnung vorgeladen, daß im Falle ihres Ausbleibens gleichwohl mit der Erörterung der er­hobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.

Hanau am 4. Juni 1894.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses

A. 1544 v. Oertzen. 7487

Der Metzger Friedrich Karl Grammig zu Großkrotzenburg beab­sichtigt auf seinem Grundstück Karte 0. Nr. 331/32 Brandversich erungs- Nr. 86 zu Großkrotzenburg die Anlage und den Betrieb einer Schlächterei.

Es wird dies mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen gegen die Anlage, zu welcher die Zeichnungen und Beschreibungen im Kreisausschußbüreau hier offen liegen, binnen 14 Tagen, vom Tage des Erscheinens dieser Bekanntmachung an gerechnet, hier an­zubringen sind.

Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf

Montag den 25. Juni er., vormittags 11 Uhr", in das Büreau des Kreisausschufses hier anberaumt und werden der Unternehmer sowie die Widersprechenden unter der Verwarnung vorgeladen, daß im Falle ihres Ausbleibens gleichwohl mit der Erörterung der er­hobenen Einwendungen vorgegangen werden wird.

Hanau am 4. Juni 1894.

Der Vorsitzende des. Kreisausschusses

A. 1544 v. O ertz en. 7488

Dienstuachrichten aus dem Kreise.

G efunden: Ein Notizbuch (hebräische Uebersetzung). Ein deutsches Lesebuch für Vorschulen höherer Lehranstalten. Ein Vorräuber von einem Chaisengedeck. Eine Korallenkette. Ein blecherner Federkasten mit Inhalt. Ein hellgrauer Damenhandschuh (linker). Ein Sparkassenbuch Nr. 96 (König von Schweden). Eine gelbe Kette mit 2 Schlössern.

Entflogen: Ein Kanarienvogel.

Verloren: Eine goldene Hcrrnvorstecknadel mit Perle.

Hanau am 6. Juni 1894.

Tschechische Wirthschaft.

Das herausfordernde Treiben der die Prager Gemeindevertretung beherrschenden Jungtschechen scheint die schier endlose Langmuth der öster­reichischen Regierung nun doch erschöpft zu haben, denn von mehreren Seiten wird übereinstimmend gemeldet, daß die Auflösung der Gemeinde­vertretung und die Einsetzung eines kaiserlichen Kommissars unmittelbar bevorstehe. Daran ist nichts erstaunlich, als höchstens der Umstand, daß mit dieser längst gebotenen Maßregel so lange zugewartet worden ist. Mit der kerndeutschen Stadtvertretung von Reichenberg hat man seiner Zeit weit weniger Geduld gehabt. Der gegen sie bestehende Verdacht, über die Grenze zu schieleu", und die thatsächlich unbegründeten Klagen einiger zugewanderten tschechische« Agents Provokateurs überVergewaltigung" eines in Wirklichkeit gar nicht vorhandenen Tschechenthums in Reichenberg genügten als Grund für die Auflösung der Stadtvcrtretung und Einsetzung

eines Regierungskommissars. Zu Prag, wo die tschechische StadtvertretuNg nicht erst seit der letzten Zeit, sondern bereits seit einem Menschenalter die altansässige, durch Bildung, Betriebsamkeit und Steuerkraft hervorragende deutsche Bevölkerungsmindcrheit in der schlimmsten Weise drangsalirt und verhöhnt, hat man Alles gehen lassen, wie es den Herren Tschechen be­liebte. Erst jetzt, da der Straßentafelfeldzug der tschechischen Stadtvcr­tretung auch vor Gebäuden der Kriegsverwaltung nicht Halt macht, scheint man sich in Wien des standalösen Schauspiels bewußt zu werden, das Prag, diese Schöpfung deutscher Kulturarbeit, seit der Vertschechung seiner Gemeindeverwaltung der Welt bietet. Selbst den alttschechischenHlas Naroda", dessen Partei an Deutschenbedrückung während der Zeit ihrer Herrschaft doch auch Beträchtliches geleistet hat, wandelt neuestens ein tiefes Bangen vor dem Treiben der nur allzu gelehrigen Schüler deralten" Meister an. Vorgestern veröffentlichte er, vermuthlich nachdem er von dem bevorstehenden Einschreiten der Regierung Witterung bekommen hatte, einen Artikel voll Klagen über die in der Prager Rathsstube eingerissene Miß­wirthschaft, worin er u. A. aussührte: Der Ort, wo früher mit voller Umsicht im Hinblicke auf die große Verantwortlichkeit über die Verwaltung der Hauptstadt des Königreichs Böhmen verhandelt und die Interessen der Steuerträger berücksichtigt worden seien, sei in ein Versuchsfeld für die jungtschcchische radikale Politik umgewandelt worden. Durch Pression und Terrorismus werde in den wichtigsten Sachen im Sinne der Jungtschechen entschieden, die brennendsten Fragen, deren Erledigung im Zuge sei, wür­den aufgehalten, bei dem herrschenden Chaos und der bestehenden Verwir­rung wüchsen die Hindernisse, statt von Handlungen und Thaten höre man in den Sitzungen im Rathhause nur Anträge und Phrasen. Eine lehr­reiche Illustration zu diesen beweglichen Klagen, die sich freilich im Munde desHlas Naroda" merkwürdig genug ausnehmen, bildet der jüngste Be- schluß des Stadtraths, dem jungtschechischen StudentenvereinSlavia" die Miethe für feine in einem städtischen Gebäude befindlichen Vereinsräume von 6500 auf 2200 Fl. zu ermäßigen. Das ist nur ein Beweisfall von hunderten, wie leichtfertig mit dem Gemeindevermögen gewirthschaftet wird, wenn es die Förderungnationaler" Zwecke gilt.

t In Sachen des Berliner Bierverrufs

ist mitzutheilen, daß sich mit einer einzigen Ausnahme, derjenigen des Münchener Brauhauses", nunmehr sämmtliche Berliner Brauereien mit den von der sozialdemokratischen Parteileitung geächteten für solidarisch erklärt haben. Die bisher einigen Schaden haben, sind einzelne Wirthe, welche von den nach Art einer Vchmc arbeitendenGenossen" einer geheimen Bierkontrollc unterstellt sind. Da das Weiter wieder wärmer geworden ist, so steht ein nahes Ende desBierkriegs" um so mehr in Aussicht.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, daß die Sozialdemokratie ver­sucht, durch Ausstand und Verrufserklärungen in einem einzelnen Gewerbe denWeltfeiertag" zu erzwingen. Im Mai 1890 spielte sich zu Hamburg in einer großen Werft Aehnliches ab, wobei nach und nach noch andere Fabriken hereingezogen wurden. Die Hamburger Arbeitgeber haben da­mals nicht nachgegeben, und der Erfolg hat bewiesen, daß die bürgerliche Gesellschaft fest genug gefügt ist, um solchem Anstürme erfolgreich wider­stehen zu können, wie ein solcher Massenausstand ihn darstellte. Und die Arbeiter? Jahrelang haben sie an den Folgen dieser unbesonnenen Ar­beitsniederlegungen zu leiden gehabt, Millionen haben sie an Arbeitslöhnen zugesetzt, Hunger und Elend erlitten, alle ihre Habe ins Leihhaus getragen. Das feste Zusammenhalten der Berliner Brauereien trägt auch diesmal die Gewähr des Sieges in sich. Den Arbeitern gönnt gewiß jeder Mensch die Erfüllung gerechter Ansprüche und Forderungen; um solche handelt es sich jedoch im Bierkricge nicht. Dem Machtkitzel der sozialistischen Führer und den: blinden Darauflosgehen der Arbeitermassen muß stets das feste Zusammenhalten aller Elemente der bürgerlichen Gesellschaft entgegengestellt werden.

Tagesschau.

Berlin, 5. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Militär- kabinets und des Ministers des Königlichen Hauses entgegen und empfingen den Obermarschall Grafen zu Eulenburg-Prasse« in Audienz.