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Freitag den 1. Juni

1894.

Amtliches, ^anö^ret^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Der Zimmermeister und Bauunternehmer Philipp Heinrich Craß in Fechenheim ist als Mitglied der dortigen Feuerdeputation an Stelle des verstorbenen Zimmermeisters Andreas Craß III. bestellt und verpflichtet worden.

Hanau am 29. Mai 1894.

Der Königliche Landrath.

V. 4505 I. V.: Schneider, Kreissekretär.

LandwirthslhaWHer Kreisverein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 2. Juni, nachmittags 2V2 Uhr, im Gastharls zum goldenen Löwen in Hanau. Tagesordnung:

1) Geschäftliche Mittheilungen.

2) Die Polizeiverordnung, betreffend das Einsperren der Tauben.

3) Bericht über den Stand der Saaten. Referenten: die Herren O. Hain-Großauheim, R. Wittmer-Dottenfelderhof, Bürger­meister Laubach-Eichen, Fried. Bauscher-Langenselbold.

4) Vortrag über den Anbau des Hafers, der Gerste und der Bohnen von Herrn Dr. Schacht, Landwirthschaftslehrer aus Hofgeismar.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekannt­machung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.

Hanau am 26. Mai 1894.

Der Königliche Landrath

v. Oertzen.

^taöt^reis ^anait.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeister«» mtes.

Laut Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten ist an Stelle des nach Berlin versetzten Regierungsraths Dr. Holtermann

der Regierungsasscssor von Heinz in Cassel zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts der Hessen-Nassauischen landwirth- schaftlichen Berufsgenossenschaft zu Cassel

für den Stadtkreis Hanau zu Hanau ernannt worden, was hiermit veröffentlicht wird.

Hanau am 26. Mai 1894.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 7140

Der russische Beamtenukas.

In den Berichten über die kürzlich entdeckte Verschwörung gegen den Kaiser von Rußland mag Vieles aufgebauscht und sensationell ausgeschmückt sein, daran aber, daß ihnen ein sehr ernster Thatbestand zu Grunde liegt, kann füglich nicht mehr gezweifelt werden. Den vollgiltigsten Beweis da­für hat man in dem im vorgestrigen Blatt mitgetheilten Beamtenukas zu er- tennen, einer außerordentlichen Maßregel, die nur durch außerordentliche Vorgänge, non denen die amtliche russische Berichterstattung bis zur Stunde freilich nichts erwähnt hat, zu erklären ist. Der Kaiser entzieht seinen unmittelbaren Berathern, den Ministern, das Recht, Beamte zu ernennen und zu verabschieden, und übernimmt selbst die Kontrole hierüber. Es ist dies eine Maßnahme, die in parlamentarisch regierten Ländern den Rück­tritt der Minister zur Folge haben müßte. Aber es ist ein mißlich Ding um Analogien zwischen westeuropäischen und russischen Dingen, und wenn­gleich dieTimes" bereits zu melden wissen, die russischen Minister hätten unter dem niederschmetternden Eindruck der kaiserlichen Verfügung sofort ihren Rücktritt beschlossen, so darf man zunächst doch noch Zweifel hegen, ob es wirklich dazu kommen werde. Die nächste Wirkung der Entdeckung des neuesten nihilistischen Planes wird, wie dies wohl selbstverständlich ist, ein strafferes Anziehen der Zügel in der Verwaltung sein und der Be­amtemikas bezeichnet wohl nur den ersten Schritt auf diesem Wege. Vielleicht wird sich aber auch eine andere, sympathischere Wirkung einstellen. Alle Berichte über die letzte Verschwörung stimmen darin überein, daß zu

deren werkthätigsten Theilnehmern grade solche Stockrussen gehörten, die an die Stelle der aus National- und Glaubenshaß aus ihren Beamtenstellen vertriebenen Deutschen und Polen gesetzt worden waren. Das ist leicht erklärlich. Nichtrussen in das Geheimniß einer derartigen Verschwörung einzubeziehen, müssen deren Leiter stets Bedenken tragen und muß schon aus sprachlichen und sozialen Gründen große Schwierigkeiten bereiten, die Beamten russischen Stammes gegenüber wegfallen. Die früheren Zaren wußten gar wohl, welch zuverlässiges Beamtenmaterial sie insbesondere an den Deutschen besaßen, und wenn sie diese planmäßig zum großen Verdruß der Slavophilen bevorzugten, so geschah dies gewiß nicht aus Vorliebe für das Deutsche, sondern in der richtigen Erkenntniß der politischen Zuver­lässigkeit und größeren Vertrauenswürdigkeit der Deutschen. (Nichts ist in dieser Hinsicht bezeichnender als die von Louis Schneider in seinen Me­moiren berichtete Geschichte, wonach Kaiser Nikolaus sich einst von König Friedrich Wilhelm dem Vierten zwei preußische Gardeunteroffiziere zu einer körperlichen Hülfeleistung erbat und auf die Frage des Königs, weshalb er dazu nicht seine russischen Diener verwende, erwiderte:Soweit ich sie sehen kann, recht gern, aber im Rücken möchte ich mich von ihnen doch lieber nicht behandeln lassen". Thatsächlich sind denn auch zwei Unter­offiziere von Berlin zu dem angegebenen Zweck nach Petersburg gegangen.) Diese Erkenntniß ist in den letzten Jahren den leitenden russischen Kreisen abhanden gekommen, der Deutsche wurde ebenso planmäßig bei Seite ge­schoben, wie er früher bevorzugt worden war. Eine der unausbleiblichen Folgen dieser kurzsichtigen, von nationalen Wahnideen eingegebenen Methode der Verwaltung hat sich jetzt gezeigt und es ist nicht ausgeschlossen, daß Zar Alexander mit seinem scharfen, aufs Praktische gerichteten Blick diesen schwachen Punkt des bisherigen Regierungsspstems herausfindet und Ab­hülfe schafft. Es wäre das im Interesse Rußlands selbst wie seiner Deutschen auf das Lebhafteste zu wünschen. (Köln. Tbl.)

t Margarine und Naturbutter.

Aus landwirtschaftlichen Kreisen ist neuerdings um Verschärfung der Bestimmungen des Gesetzes vom 12. Juli 1887 über den Verkehr mit Ersatzmitteln für Butter gebeten worden, damit die Naturbutterpro­duktion vor der unlauteren Konkurrenz mit Margarineerzeugnissen wirk­samer geschützt werde und das Publikum vor den immer mehr überhand nehmenden Butterverfälschungen besser bewahrt bleibe. Vor Kurzem hat nunmehr der Reichskanzler für den Umfang des ganzen Reichsgebiets Erhebungen über den gegenwärtigen Stand der Margarinesabrikation und deren Einfluß auf den Handel mit Naturbutter sowie über die bisher in den einzelnen Bundesstaaten gemachten Wahrnehmungen über die Wirk­samkeit und etwaige Abänderungs- oder Ergänzungsbedürftigkeit des ge­dachten Gesetzes eingeleitet, auch die Bundesregierungen um Aeußerung über die Ausführbarkeit und Zweckmäßigkeit der von den Vertretern der Landwirthschaft befürworteten Verschärfungsmaßregeln ersucht.

Tagesschau.

Berlin, 31. Mai. Seine Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute Morgen nach dem Stadtschloß in Potsdam, woselbst um 9^2 Uhr die Einstellung des Prinzen Adalbert in das Erste Gardercgiment z. F. stattfand. Im Anschluß hieran hielten Seine Majestät, begleitet von Seiner Majestät dem König von Sachsen, im Lustgarten die Frühjahrs- parade der Potsdamer Garnison ab.

Berlin, 31.' Mai. Ueber die Einstellung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Adalbert bei dem Ersten Garderegiment z. F. wird demReichsanz." aus Potsdam von heute berichtet: Das Regiment war im Lustgarten dem Schloß gegenüber im Karr« aufgestellt. Seine Majestät der Kaiser und Köuig, umgeben von den beiden Söhnen Seiner König­lichen Hoheit des Prinzen Albrecht sowie von Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit dem Kronprinzen und Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Eitel-Friedrich, hielten in der Mitte des Karrès eine Ansprache, nach welcher Prinz Adalbert in die 1. Kompagnie des Regiments eintrat. Hierauf brachte Oberst von Kessel ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser aus, in welches die Truppen mit dreimaligemHurrah" einstimmten. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin sahen vom Fenster des Stadt­schlosses dem militärischen Akte zu.

Berlin, 31. Mai. Nach derKreuz-Ztg." hat sich am Samstag eine Deputation der hessischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses zum Finanzminister Dr. Miquel mit einer Petition begeben, in welcher die