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Donnerstag den 24. Mai
1894.
^artö&rew ^artan.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Nach Mittheilung des Bürgermeisteramts zu Aschaffenburg ist in der Oekonomiestallung der k. Hosgärtnerei Schönbusch bei einem Ochsen die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.
Hanau am 21. Mai 1894.
Der Königliche Landrath
V. 4358 v. Oertzen.
Bekanntmachung.
Die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuerrollen für 1894/95 vom diesseitigen Kassenbezirk liegen zur Einsicht der betr. Steuerpflichtigen vom 1. bis einschließlich den 9. Juni cur. im hiesigen Kassenlokal während der Dienststunden offen.
Gleichzeitig wird die Erhebung der direkten Steuern von den Steuerpflichtigen der hiesigen Stadt pro 1. Quartal 1894/95, worüber denselben in den nächsten Tagen die Steuerzettel zugehen werden, aus den 2. bis einschl. den 9. Juni cur. verlegt.
Hanau am 21. Mai 1894.
Königliche Steuerkasse I.
f ___________________ Kiel.
t Vom deutschen Kriegerbunde.
Den Schwarzsehern, die an der Zukunft unseres Volkes verzagen möchten, weil in den parlamentarischen Erörterungen die Kämpfe zwischen einzelnen wirtschaftlichen Interessen zur Zeit vorwiegen und eine in demo- kratischeir und sozialdemokratischen Farben schillernde Agitation die Liebe zum Vaterlande, den Gehorsam gegen Kaiser und Landesherren zu untergraben sucht, solchen Schwarzsehern kann empfohlen werden, den eben erschienenen 22. Jahresbericht des deutschen Kriegerbundes aufzuschlagen. Sie werden in diesem, nach guter deutscher Soldatenart klar, frisch und anspruchslos geschriebenen Rechenschaftsbericht erkennen, daß es auch an herzerfreuenden Lichtseiten im öffentlichen Leben der Gegenwart nicht fehlt. Der deutsche Kriegerbund mit seinen mehr als 700 000 Mitgliedern und mit ihm das gesammte deutsche Kriegerwesen, dem Alles in Allem an ein- undeinviertel Millionen alte Soldaten angehören, ist zu einem der vornehmsten und wirksamsten Werkzeuge geworden zur inneren Bekämpfung der Sozialdemokratie. In den Vereinen wird nicht allein die Erinnerung an die glorreichen Kriegs- und Siegeszeiten der deutschen Heere gepflegt — ,,Hurrapatriotismus" nennen das in ohnmächtigem Aerger die »Herren Sozialdemokraten — sondern auch werkthätige Kameradschaft und Nächstenliebe. Auf Grund der trefflichen Erziehung, die die Erfüllung der ^Wehrpflicht unserer männlichen Bevölkerung gibt, schließen die Kameraden, die des Königs Rock in Ehren getragen, sich zu einem Bunde fürs Leben zusammen, in welchem der Unterschied der Stände, der Berufsarten sich : ausgleicht und Alles zusammenwirkt, einander zu helfen und zu unterstützen ‘ ist Tagen der Sorge, und sich miteinander zu erfreuen an den Segnungen, die dem deutschen Volke durch die thatkräftige Hohenzollernpolitik zu Theil geworden sind.
1 „ Der deutsche Kriegerbund vereinigt zur Zeit in 204 Bezirken und Verbänden 8666 Vereine mit 722175 Mitgliedern. Das baare Bundesvermögen beläuft sich auf 516 410 Mark. An Unterstützungen hat der Bund im Jahre 1893 an 3778 bedürftige Kameraden und Wittwen 62 672 Mark gezahlt. Die beiden Kriegerwaisenhäuser des Bundes „Glücksburg" in Römhild, im Jahre 1884 mit fünf Zöglingen, und in Ganth in Schlesien, am 15. Juli 1893 mit 26 Zöglingen eröffnet, er- K ^?kn jetzt schon 140 Kindern das Vaterhaus. Der deutsche Kriegerbund umfaßt z. Z. 317 Sanitätskolonnen, welche sich lediglich aus Vereins- kameraden zusammensetzen. Diese Kolonnen stellen. sich im Kriege zur Ver- ^fugung des Rothen Kreuzes, befähigen ihre Mitglieder aber auch im Frie- oen, bei plötzlichen Unglücksfällen willkommene Dienste zu leisten. Die Achtung des Kaiser Wilhelm-Denkmals auf dem Kyffhäuser, welche der Bund mit allen übrigen deutschen Kriegervereinen erstrebt, 3111,11111 nach wie vor seine angestrengte Thätigkeit in Anspruch; zur Zeit
fehlen von den auf 8 bis 900 000 Mark veranschlagten Baukosten noch 250 000 Mark.
Der deutsche Kriegerbund wächst mit Macht; treten ihm doch alljährlich neue Reihen von Männern bei, die ihre Dienstzeit im Heere abgeleistet haben. Seine straffe, mustergiltige Organisation macht ihn geschickt zur Lösung der Aufgaben, die er sich gestellt hat, und die hingebende Thätigkeit, die von allen Kameraden gefordert und willig geleistet wird, macht ihn auch tüchtig dazu. Alle einzelnen Wohlsahrtseinrichtungen aber, Alles, was zur Erhaltung des Zusammenschlusses unter den Kameraden, für ihr geistiges und wirthschaftliches Fortkommen aufgewendet wird, ist, wie die Leitung des Bundes selbst bezeugt, im Grunde nur Mittel zum Zweck. Und zwar ist dies ein hoher und idealer Zweck: die Zusammen- saffung der königstreuen und monarchisch gesinnten ehemaligen Soldaten aus allen Ständen, ihre Erhaltung in dieser Gesinnung, und mit ihrer Hilfe der geistige Kampf gegen die vaterlandslose Sozialdemokratie.
Tagesschau.
Berlin, 23. Mai. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin kamen in Begleitung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Heinrich heute Vormittag nach Berlin und hielten in der Singakademie die diesjährige Generalversammlung des Vaterländischen Frauenvereins ab.
Berlin, 23. Mai. Der Bundesrath überwies die Eingabe des Zentralausschusses für das elfte deutsche Bundesschießen zu Mainz im Jahre 1894, betreffend den zollfreien Einlaß von Waffen und Munition der Theilnehmer, dem Reichskanzler mit bem Ersuchen, sich mit den Bundesregierungen über die Angelegenheit in Verbindung. zu setzen.
(F. N.)
Berlin, 23. Mai. Die Kommission des Herrenhauses zur Vorbereitung des Gesetzentwurfes, betr. die Landwirthschaftskammern, nahm in der ersten Lesung die Vorlage unverändert an. — In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß nach Verständigung zwischen den Präsidien beider Häuser des Landtages der Schluß der Session Donnersiag oder Freitag nächster Woche bevorsteht. Das Abgeordnetenhaus hält in der nächsten Woche keine Sitzungen mehr. (Rh. K.)
Berlin, 23. Mai. Unter dem Vorsitze des Reichstagspräsidenten v. Levetzow fand, wie der „Rh. Kur." schreibt, heute im Reichstagsgebäude eine Sitzung des Gesammikomites für die Errichtung des Bismarckdenkmals in Berlin statt. Der Vorsitzende berichtete über die Thätigkeit des Ausschusses, betreffend die Vorbereitung der Platzfrage. Der Ausschuß hat sich für den Platz vor dem Reichstagsgebäude entschieden. Aus einem Schreiben aus dem Kabinette des Kaisers geht hervor, daß auch der Kaiser mit der Wahl des Platzes einverstanden ist. Das Gesammtkomite entschied sich hierauf für diesen Platz und beschloß, eine Konkurrenz mit Preisen auszuschreiben.
Seine Königliche Hoheit der Grotzherzog von Mecklenburg- Schwerin hat, den „Meckl. Nachr." zufolge, gestern Abend Luzern verlassen und sich zum einstweiligen Aufenthalt nach Frankfurt a. M. begeben.
Köln, 23. Mai. Im Köln-Eschweiler Walzwerk zersprang, nach den „F. N.", das Schwungrad einer Maschine; der Kessel explodirte und sieben Arbeiter wurden verbrüht, darunter einige lebensgefährlich.
Hamburg, 23. Mai. Die Blättermeldung, nach welcher der hiesige Senat gestern über einen Antrag Preußens, betr. die Abtretung von Cuxhaven zwecks Anlage eines Kriegshafens, wofür Altona an Hamburg abgetreten werde, berathen habe, wird von kompetenter Seite aufs entschiedenste dementirt.
Bremeu, 23. Mai. Kapitän von Cölln vom Norddeutschen Lloyd- dampfer „Dresden", der heute Morgen von Baltimore auf der Weser ankam, berichtete: Am 21. Mai retteten wir unweit Eddystoue den auf der Lugenkappe treibenden Kapitän Hammet von der englischen Brigantine „Evcnus" aus Newport. Die „Evenus" war am Abend vorher von einer Bark überrannt worden. Die übrige Mannschaft ist vermuthlich ertrunken.