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)ir. 116.

Montag den 21. Mai

1894.

Amtliches.

^atx^vrevs ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. §mpforörmng für die diesjährigen Impfungen in den nachstehenden Gemeinden:

5, Jnni, nachm. 2 Uhr, für die Impflinge von Grotzanheim, 5 der K. Pulverfabrik in

der alten Schule zu Großauheim.

6. Juni, nachm. 5 Uhr, Impfung in Großkrotzenburg.

Nachschau am 12. Juni, nachm. 2 bezw. 4 Uhr, in Gros;anheim.

13. 5 Uhr, in Großkrotzenburg.

Die Herren Ortsvorstände der vorstehend genannten Orte mache ich auf die für die Ausführung des Jmpfgeschäftes vom Bundesrath getroffenen Vorschriften (Amtsblatt 1866, S. 105) aufmerksam und erwarte insbesondere genaue Befolgung der zu Anlage II daselbst für die Ortspolizeibehörden gegebenen Vorschriften.

Hanau am 18. Mai 1894.

Der Königliche Landrath

: A. 1414 v. Oertzen.

Die Königliche Regierungshauptkasse ist angewiesen worden, die von der Jsteinnahme an Einkommen- und Gewerbesteuer für 1893/94 mit 2% zu berechnenden Veranlagungskosten an die einzelnen Gemeinden durch 11 Vermittelung der Königlichen Steuerkassen zu zahlen.

Die Herren Ortsvorstände setze ich hiervon zwecks alsbaldiger 7 Abhebung der Beträge in Kenntniß.

Hanau am 18. Alai 1894.

Der Königliche Landrath

" St. 1725 v. O ertz en.

Dienstnachrichtm aus dem Kreise.

? Gefunden: Ein Schiffchen von einer Nähmaschine. Ein rothes Frauenhalstuch mit Franzen. Ein Zollstock. Ein kleiner Hundemaulkorb. Eine Kravatte. Ein Portemonnaie mit einigen Pf.

Verloren: Am 19. ds. Mts. auf dem hiesigen Wochenmarkt ein Portemonnaie mit einigen Mark nebst Notizbuch mit dem Namen Katharina Meschel. Ein fast neues kath. Gesangbuch.

Hanau am 21. Mai 1894.

^taö f^ret0 ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Die beschlossene Neudeckung von Dachflächen auf dem Mar­stallgebäude des Stadtschlosses dahier soll vergeben werden.

Plan, Arbeitsauszug und Bedingungen liegen von heute an im 0 Stadtbauamt, Zimmer Nr. 24, zur Einsicht auf.

4 , Angebote sind verschlossen mit der AufschriftDacharbeit Stadtschloß" bis zum Samstag den 2. Juni er., vormittags 11 Uhr, im Stadtbauamt, Zimmer Nr. 25, einzureichen, woselbst um diese Zeit die Eröffnung der­selben im Beisein etwa erschienener Bewerber stattfinden wird.

Hanan am 17. Mai 1894.

Der Oberbürgermeister

11 Dr. Gebeschus. 6745

Ursachen und Bedeutung des brasilianisch-portugiesischen Konfliktes.

Die Portugiesen hatten bekanntlich während des Bürgerkrieges in der Bap vor Rio de Janeiro zwei kleine hölzerne Kriegsschiffe von geringer Stärke, auf welchen sie nach der Niederlage der Insurgenten dem Admiral 3 Da Gama und seinen Leuten Zuflucht gewährten. Diese Handlungsweise verstieß bereits gegen das Völkerrecht. Doch in Anbetrach? des stark auf- tretenden gelben Fiebers, sowie zur Vermeidung eines Ausbruchs von Feindseligkeiten zwischen Brasilien und Portugal vielleicht auch auf M m^ ee$ geheimen Uebereinkommens erlaubte die brasilianische Re- Slmill9 die Abfahrt der in Rede stehenden zwei Kriegsschiffe. Ein paar

Kanonenschüsse hätten genügt, dieselbe zu verhindern. Völkerrechtlich wären nun die Portugiesen verpflichtet gewesen, die in ihren Händen befindlichen brasilianischen Insurgenten nach einem portugiesischen Hasen zu bringen. Es scheint aber, daß unter den Flüchtlingen das größte Elend herrschte. Für die vielen Leute war nicht genug Proviant und Kleidung vorhanden. Hauptsächlich deshalb wohl versuchte der Kommandant, in Montevideo an­zulaufen, was ihm aber nicht gestattet wurde. Dennoch gelang es unge­fähr 20 Mann, zu entkommen und sich wieder den Insurgenten anzu­schließen. Hierauf begaben sich die beiden portugiesischen Kriegsschiffe in argentinische Gewässer. Dort charterten sie ein Kauffahrteischiff (Pedro III.), um dasselbe als Transportschiff für die gefangenen zu benutzen und unter ihrer Aufsicht nach der portugiesischen Insel Ascension zu bringen, wo sie ein größeres portugiesisches Kriegsschiff in Empfang nehmen sollte. Aber mit Hilfe von Freunden am Lande gelang es sowohl dem Admiral Da Gama, wie ca. 280 Mann der Jnsurgentenflotte, nach Buenos Apres zu entkommen. Mit Ausnahme des Admirals sind die meisten der Leute wieder bei den Aufständischen und kämpfen gegen die Regierung. Alle diese Thatsachen verstoßen gegen das Völkerrecht, und die brasilianische Regierung verlangt daher mit vollem Rechte Genugthuung für diese Unbill. Worin diese Genugthuung bestehen soll, ist nicht bekannt. Da nun Portugal vor­läufig keine Genugthuung leisten kann oder will, so erhielt der portugie­sische Geschäftsträger in Rio seine Pässe, und der brasilianische Gesandte in Lissabon wurde zurückberufen. Lange wird dieser Bruch wohl nicht dauern, denn es liegt in dem eigenen Interesse der Portugiesen, sich mit den Brasilianern zu vertragen. Ganz Portugal lebt von dem in Brasi­lien verdienten Gelde. Daß es Portugal jetzt so schlecht geht, hat haupt­sächlich seinen Grund darin, daß die Portugiesen ihr in Brasilien befind­liches Geld wegen des hohen Agios nicht nach der Heimath herüber bringen können. Wenn ein Portugiese reich werden will, so geht er nach Brasilien. In Rio allein befinden sich über 100 000 Portugiesen, und ein Viertel der Landbevölkerung gehört gleichfalls dieser Nation an. Portugal hat somit das größte Interesse an einem guten Einvernehmen mit Brasilien, und es kann sich nicht lange weigern, das Geschehene durch Leistung einer Genugthuung wieder gut zu machen.

Der internationale Bergarbeiterkongretz in Berlin.

In der Pfingstwoche ist in Berlin ein internationaler Bergarbeiter­kongreß abgehalten worden. Es war die erste internationale Arbeiterver- sammlung, welche die Reichshauptstadt gesehen hat. Durch einige 80 Delcgirte waren angeblich über eine Million britische, französische, belgische, deutsche und österreichische Bergarbeiter vertreten; an 40 englische Dele- girte vertraten allein 680,000 Landleute. Aeußerlich stellte sich^die Ver­sammlung als eine sozialdemokratische Veranstaltung dar; der Saal war mit rothen Bannern, Kreidebildern von Marx, Lassalle rc. und In­schriften wie dem bekanntenProletarier aller Länder vereinigt Euch" ge­schmückt. Dagegen darf über den Verlauf des Kongresses die internationale Sozialdemokratie keine ungemischte Freude empfinden.

Es traten nämlich und das ist das bemerkenswertheste an dem ganzen Kongreß ziemlich starke Unterschiede in den Grundanschauungen der praktischen Engländer und der revolutionären Theoretiker aus Frank­reich und Deutschland zu Tage. Nachdem die Versammlung von dem sozialdemokratischen Abgeordneten Singer und zwei Gewerkschaftsführern aus Hamburg und Berlin begrüßt worden war, erklärte der englische De- legirte Pickard, er wolle die Bedeutung des Abgeordneten Singer nicht unterschätzen, aber ihm habe doch die Begrüßung der beiden deutschen Ge­werkschaftsvertreter besser gefallen. Die Engländer seien nicht hierher ge­kommen, um eine Klasse gegen die andere auszuhetzen und Neid zu erregen. Gerade das aber ist das eigenste Geschäft der Führer der deutschen So­zialdemokratie und ihrer französischen Verbündeten. Ein anderer Engländer, Burt, der Mitglied der von unserem Kaiser einberusenen Arbeiterschutzkonferenz gewesen war, erinnerte an die Bedeutung dieser Konferenz, der namentlich die Verminderung der Kinderarbeit in den Fabriken in ganz Europa zu danken sei, und bezeichnete die als die schlimmsten Feinde der Arbeiter, die zu That-en der Gewalt aufreizen wollten. Wie wenig unserezielbe­wußten" Sozialdemokraten von dieser Wahrheit durchdrungen sind, geht aus ihrem Aerger darüber hervor, daß ein Bursche jener Art, der ehe