unrichtig. Offenbar liege eine Verwechslung mit dem auf der Heimfahrt begriffenen Lieutenant gleichen Namens vor. Für den Major v. Francois fei auch jetzt, nachdem eine weitere Verstärkung der Schutztruppe in der Ausrüstng begriffen sei, keine Veranlafiung vorhanden, die Schutzgebiete zu verlassen.
Berlin, 19. Mai. Gestern Abend fanden 9 sehr zahlreich besuchte Volksversammlungen in der Angelegenheit des über 7 hiesige Brauereien verhängten Boykotts statt. Es wurde in sämmtlichen Versammlungen eine gleichlautende Resolution angenommen, in welcher das Vorgehen des Brauereiringes als Provozirung der Arbeiterschaft bezeichnet und Wiedereinstellung aller Arbeiter, Aufrechterhaltung der Organisation, Anerkennung des Arbeitsnachweises, Lohnentschädigung für die Zeit des Ausstandes, Anerkennung des 1. Mai als Arbeiterfeiertag gefordert wird. Zur Regelung der weiteren Angelegenheiten wurde ein Boykottkomite gebildet. Der Gesammtbesuch der Versammlungen wird auf 25,000 Personen geschätzt.
Belgrad, 19. Mai. Die Haussuchungen und Verhaftungen in der gegen die Dynastie Obrenowitsch gerichteten Verschwörungsangelegenheit dauerten gestern den ganzen Tag und zwar im ganzen Lande. Die Minister machten dem König Vorschläge über Aufhebung verschiedener Gesetze, namentlich will man der Versammlungs- und Preßfreiheit sowie der Unabhängigkeit des Richterstandes zu Leibe.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
* Besichtigung. Heute Vormittag fand auf dem Exerzierplätze hier die Besichtigung des 3. Bataillons 1. Nass. Jnf.-Regts. Nr. 87 durch den Regimentskommandeur Oberst v. Klingspohr statt. Derselben wohnten bei der koinmandirende General des 11. Armeekorps, General der Infanterie v. Wittich, der Brigadekommandeur Generalmajor v. Bardeleben, Oberst v. Weise und andere Offiziere. Die genannten fremden Offiziere waren gestern Abend hier eingetroffen und im Hotel Adler abgestiegen. Die Kaserne hatte zu Ehren der Anwesenheit des komman- direnden Generals, welcher heute Mittag wieder abreiste, Flaggenschmuck angelegt.
* Beförderung. Bei der jüngsten Militärbeförderung sind die deutschen Militärattaches besonders reich bedacht; u. A. wurde dem Obersten und Flügeladjutanten v. Deines (ein Hanauer. D. R.) der Rang eines Brigadekommandeurs verliehen.
* Ordensunlegung. Dem Premierlieutenant Freiherrn v. Flatow, persönlichem Adjutanten Sr. Königl. Hoheit des Landgrasen von Hessen, ist von Sr. Majestät dem König die Erlaubniß > zur Anlegung der ihm verliehenen nichtpreußischen Insignien, und zwar des Ritterkreuzes zweiter Klasse des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmüthigen und des Kommandeurkreuzes des Päpstlichen St. Gregorius- Ordens, ertheilt worden.
* Verstorben Am zweiten Pfingsttag verschied zu Marburg in der Abendstunde der Staatsrath Karl Wilhelm Harbordt nach einer vierwöchigen schweren Leidenszeit. Er war am 13. April 1812 in Cassel geboren, wo sein Vater unter westfälischer Regierung eine Stelle im Finanzfach bekleidet hatte. In der späteren Zeit war derselbe Rentmeister in Rauschenberg und nachher in Frankenberg. Der jetzt Heimgegangene besuchte das Lyceum zu Cassel und das Pädagog, zu Marburg, studirte seit 1832 daselbst Jurisprudenz, und obgleich er in den akademischen Semestern die Freiheit des Burschenlebens genossen, hatte er doch sein Studium nicht vernachlässigt. Er besaß sehr gute Fähigkeiten. Nachdem er die vorgeschriebenen Examina bestanden und einige Jahre im Vorbereitungsdienst sich tüchtig bewiesen hatte, war er in Marburg Landgerichtsassessor. Im Jahre 1850 ward er zum Justizbeamten in Homberg ernannt, von wo er indeß nach ganz kurzer Zeit, zum Vorstand der Regierung und des Konsistoriums in Hanau versetzt, abging. Es war dies für ihn ein sehr ehrenvoller Posten. So kam es, daß ihm der Kurfürst Friedrich Wilhelm im Jahre 1865 das Ministerium des Innern übertrug, indem er ihn zum Staatsrath ernannte. Harbordt war 1866 gleichwie seine Kollegen außer Amtes gestellt, beziehungsweise pensionirt. Er zog sich nach Marburg zurück.
* Kunst-Verein. Morgen, Sonntag am 20. d. M., beginnt in der Aula der Kgl. Zeichenakademie eine 12 Tage währende Ausstellung von über 40 Oelgemälden moderner Meister. Geöffnet ist die Ausstellung täglich von 10—5 Uhr.
* Grimmdenkmal. Die Mitglieder des großen Komitee's für Errichtung eines Grimmdenkmals in Hanau waren für gestern Nachinittag zu einer Sitzung in den oberen Saal des Rathhauses eingeladen. Erschienen waren etwa 20 Herren. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Schuldirektor Jung Henn, eröffnete die Sitzung mit der Mittheilung, daß infolge Ablebens des Herrn Kommerzienrath Zimmermann eine Neuwahl des Präsidenten stattzufinden habe. In einem warmen Nachrufe gedachte er der Verdienste des Verstorbenen um die Sache des Grimmdenkmals in Hanau und forderte zum Schluß die Anwesenden auf, sich zu Ehren des Andenkens des Verblichenen von den Sitzen zu erheben. Dies geschah. Bei der darauffolgenden Neuwahl des Präsidenten wurde auf dahingehendenVorschlag einstimmig Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s gewählt. Aus dem zur Verlesung gekommenen Kassenbericht war zu ersehen, daß die Höhe des Denkmalfonds 83 645.56 Mk. beträgt. Herr Justizrath Osius rekapitulirte nunmehr kurz den Stand der Denkmals
angelegenheit, wie er aus dem gedruckt vorliegenden Briefwechsel zu ersehen ist, und empfahl, dem Künstler unter Abschluß eines gegenseitigen Vertrags eine Verlängerung der Frist für die Fertigstellung des Denkmals zu bewilligen. Die Versammlung war damit einverstanden und somit die Tagesordnung erschöpst.
)( Mittheilung der Handelskammer. Wie bereits in dem Protokoll-Auszuge der Sitzung der Handelskammer vom 25. April (. J. ergänzend 'bemerkt worden war, waren Vertreter der Handelskammer mit einem Vertreter der Direktion der Aktiengesellschaft „Mainkette", dem Inhaber der Frankfurter Agenturstelle dieser Gesellschaft und hiesigen Interessenten am 30. April zu einer Konferenz zusammengetreten, um über geeignete Maßnahmen zur Hebung des Mainschifffahrtsverkehrs zwischen Hanau und Mainz nähere Verabredung zu treffen. Nunmehr sind wir in der Lage, mitzutheilen, daß auf Grund jener Berathungen die Vereinbarung getroffen worden ist, daß in Zukunst eine wöchentlich regelmäßige Kahnschifssahrt zwischen Hanau und Mainz ausgenommen wird. Der Beginn dieser Kahnschifssahrt, welche als Unternehmer die Firma „Gebrüder Eingärtner" in Frankfurt a. M., Mainquai Nr. 40, in der Erwartung reger Inanspruchnahme dieser Gelegenheit zü prompter und billiger Beförderung von Gütern zwischen hier und Mainz zu übernehmen sich entschlossen hat, ist ab Mainz auf Samstag nächster Woche festgesetzt worden. Der Betrieb der Kahnschifssahrt hat eine Regelung in der Weise erfahren, daß in Mainz der Ladeschluß am Samstag jeder Woche erfolgt, sodaß in Hanau am Mittwoch jeder Woche die Güter, welche ankommen bezw. abgesandt werden, aus- bezw. eingeladen werden können.
Die Fracht Mainz-Hanau beträgt 40 Pfg. für 100 kg.
„ „ Hanau-Mainz „ 30 „ „ „ „
Ein- und Ausladespesen sind zu Lasten des Empfängers bezw. Versenders. Im Interesse der Sache hat sich die Firma J. A. Herold Nachf. hier- s e l b st verpflichtet, gegen eine Gebühr von 10 Pfg. für den Zentner die Einbeschaffung der Güter von dem Schiffe an die, Adressaten und vice versa zu übernehmen. Auch Güter zur direkten Beförderung von und nach sämmtlichen Rheinftationen und Holland finden nunmehr durch diese Einrichtung eine direkte vortheilhafte Verfrachtung. Das Unternehmen wird, besonders anfänglich, mit verhältnismäßig namhaften Kosten verknüpft und nur dann lebensfähig fein, wenn es vom Handelsstande thun- lichst unterstützt wird, sodaß von ihm die vom Rhein kommenden und nach dem Rhein bestimmten Güter möglichst zahlreich diesem Wasserwege überwiesen werden. Ein Bestehen des Unternehmens wird nur dann als gesichert erachtet, wenn die Schiffsladung für jede Woche durchschnittlich mindestens 300 Zentner ab Mainz bezw. Gustavsburg beträgt. Um diesen Umschlag zu ermöglichen, ist vor allen Dingen eine Konzentration der Güterbewegung erforderlich, derart, daß die von Mainz bezw. Gustavsburg nach Hanan zu verfrachtenden Unischlagsgüter an einen und denselben Spediteur in Mainz dirigirt werden, ebenso wie die von Hanau zu Thal beförderten Güter, welche an jenen Stellen umzuschlagen sind; als geeignete Speditionsfirma für Mainz wird zu diesem Zwecke seitens der Unternehmer das „Sp e- ditionsgeschäft" von Gg. Hirsch" empfohlen. Am Mittwoch und Donnerstag jeder Woche wird die Aktiengesellschaft „Mainkette" an der hiesigen Werft den Schleppdampfer anhalten lassen, um den Kahn abzulösen bezw. anzuhängen. Bei dieser Gelegenheit wird, sofern der Zug zu Berg fährt, einer der sonst mitgeführten Kähne etwaige Schiffsgüter auch nach Stationen am Maine aufwärts einladen, bezw. wenn der Zug zu Thal fährt, von dort nach Hanau bestimmte Güter an der Werst löschen können, wozu eine kurze, aber genügende Aufenthaltszeit gesichert ist. Die Vorbedingungen für eine von jetzt ab günstigere Entwickelung der Mainschifffahrt von und nach Hanau innerhalb der Grenzen der gegenwärtigen Mainschifffahrtsverhältnisfe sind hiermit nach dem Erachten der Handelskammer von der Aktiengesellschaft „Mainkette" sowie auch von den Herren Schifffahrts- und Speditions-Unternehmern in anzuerkennendem Maße geboten worden. Hoffentlich wird die im Interesse der hiesigen Geschäftswelt angebahnte Erleichterung und Sicherung des Wasserverkehrs sür Güter von dem hiesigen Handelsstande in größerem Umfange wahrgenommen werden.
t. Konzert Koczalski. Der neunjährige Hofpianist Raoul Koczalski aus Warschau, dessen Auftreten man auch in unserer Stadt mit großer Spannung entgegensah, gab gestern Abend im Saale „zum Riesen" ein Konzert. Bei dem überaus zahlreich erschienenen Publikum sand der Knabe eine an Begeisterung grenzende Aufnahme. Es liegt aber auch eine in das Reich des Wunderbaren gehörende Begabung vor. Nicht nur erscheint uns das, was der Knabe spielt, so imponirend, sondern auch die
19. Mai 1894.
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