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Nr. 92.
Freitag den 20. April
1894.
Amtliches, ^taöt&rew ^anau.
Der Maurernieister Jean Wilhelm Wörner hier ist als Mitglied der Feuerdeputation für die Stadt Hanau bestellt und eidlich verpflichtet worden.
Hanau am 17.'April 1894.
Königliche Polizeidirektion.
p. 3680 I. A.: Dr. Köhler, Regierungsaffeffor.
Behufs Einbauens des Straßenfiels in der Bangertskraße ist die Absperrung dieser Straße von Montag den 23. d. Mts. an für Iben Fährverkehr angeordnet.
Hanau am 19. April 1894.
Königliche Polizeidirektion,
v. Oertzen. j --------------------------
^anö&reiö ^banau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Zur Bekämpfung der Kinder- und Wöchnerinnensterblichkeit wurden vom Vereine der Medizinalbeamten des Regierungsbezirks Düsseldorf die Flugblätter:
1) Regeln für die Pflege und Ernährung der Kinder im ersten Lebensjahre und für die Pflege der Wöchnerinnen;
2) Verhaltungs-Regeln bei Masern, Scharlach und Diphtherie, herausgegeben.
Beide Flugblätter enthalten nach dem Gutachten der Wissenschaftlichen Deputation in ungemein faßlicher Form und gedrängtester Kürze alles Wesentliche, was für obige Zwecke in Betracht kommt.
[ Dieselben wurden durch Ministerialerlaß zur möglichst weiten Verbreitung empfohlen, wobei vorzugsweise die Betheiligung der Standesbeamten, Hebammen, Frauenvereine, Lehrer und Aerzte in das Auge zu fassen sei.
Diese Flugblätter sind bei L. Schwann in Düsseldorf erschienen, inzwischen in Hunderttausenden von Exemplaren verbreitet und ebendaselbst zum Preise von 1,20, bezw. 0,80 Mk. für 100 Stück außer Porto, bei ^Bezügen von mindestens 1000 Stück mit entsprechenden Frei-Exemplaren, zu beziehen.
Cassel am 29. März 1894.
Der Regierungspräsident. Haussonville.
Wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht.
Den Herren Standesbeamten empfehle ich, einem Jeden, welcher einen Geburtsfall anmeldet, ein Exemplar der oben zu 1 genannten Schrift . einzuhändigen. Auch das Flugblatt über die Verhaltungsregeln bei Masern, '.Scharlach und Diphtherie wird den Ortspottzeibehör-en zur Anischaffung empfohlen. Die letztere Anweisung würde beim Ausbruch von ^Epidemien bezwse. bei jedem gemeldeten Krankheitsfall von Masern, Scharlach oder Diphtherie am besten in den Familien zu vertheilen sein.
Hanau am 14. April 1894.
. Der Königliche Landrath
3141 v. Oertzen.
Der Bürgermeister Ludwig Philipp Klemann zu Bergen, dessen Wahlperiode abgelaufen war, ist auf weitere 25 Jahre zum Bürgermeister gewählt und bestätigt worden.
: Hanau am 17. April 1894.
■ . Der Königliche Landrath A- 1066 v. Oertz en.
^faötßrei^ ^anaxt.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
. , Nach einer Stiftung von Chr. Weishaupt soll alljährlich ein - besonders talentvoller Goldarbeiter (Bijoutier, Graveur, Juwelier) oder Silberarbeiter, welcher noch eine Zeit lang der Fort
setzung des höheren Unterrichts in der hiesigen Akademie oder durch Privatunterricht dahier oder außerhalb sich widmen will und unbemittelt ist, ein einmaliges Stipcndiilm von 120 Mark erhalten.
Als Aufgabe für Erlangung dieses Stipendiums wird gestellt:
„Entwurf eines Damenschmuckes, bestehend in Diadem, Collier, Brosche, Armband, Haarnadel und Ring, aus Charnier in Mattgold mit Blumen in Juwelenarbeit", und sind die Arbeiten anonym, nur mit einem Zeichen oder Motto versehen, unter Beifügung des Namens des Einsenders in einem verschlossenen Kouvert mit gleichem Zeichen oder Motto, bis zum Dienstag den 9. Oktober d. Js. an Königliche Zeichenakademie dahier einzuliefern.
Wir fordern hiernach zur Bewerbung um das Stipendium aus, indem wir darauf aufmerksam machen, daß es nicht erforderlich ist, daß der Bewerber Schüler der hiesigen Königlichen Zeichenakademie war.
Hanau am 10. April 1894.
Der Stadtrath :
Dr. Gcbeschus. 5329
t Pessimismus.
I.
Zu allen Zeiten, in jedem bürgerlichen Gemeinwesen hat es Leute gegeben, die das Kritteln und Rütteln an den bestehenden Verhältnissen, an Allem, was die verantwortlichen und handelnden Stellen thun, mit aller Kraft eines zornigen oder verdrießlichen Temperamentes betreiben. Sic halten das für ihr gutes Recht, da sie doch aus ihrem Beutel zu dem beisteuern, was für allgemeine Zwecke verlangt und ausgegeben wird, und sie haben dazu die unbestreitbare Thatsache für sich, daß nichts in der Welt geschieht, das, sei es noch so gut und trefflich ausgedacht, nicht der Verbesserung fähig wäre. Ja, sie fangen damit beim Herrgott selber an; große und kleine Geister haben sich bemüht, den Pessimismus in ein wohlgeordnetes System zu bringen und preisen ihn als die höchste Weltweisheit an, die freilich nur für die ganz klugen Leute passe. Den Optimismus, der die Freude am Dasein und Wirken, den Glauben an die eigene Thatkraft und an die Zukunft nicht aufgibt, halten sie gut für Harmlose und Thoren; die Religion aber, die sich bei Kümmerniß und Sorge der gütigen Vaterhand Gottes getröstet, sei, so meinen sie, lediglich für Weiber und Kinder da.
Daß bei einem so philosophisch angelegten Volke, wie wir Deutsche es nun einmal sind, auch die Klasse der politischen Pessimisten reichlich vertreten ist, kann nicht Wunder nehmen. Sie waren zu allen Zeiten, auf allen Stufen unserer nationalen Entwicklung da, und bei der politischen Zerrissenheit, an der unser Vaterland Jahrhunderte hindurch gekrankt hat, hatten sie auch immer reichlich Gelegenheit, sich zu bethätigen. Gottlob hat es aber bei uns niemals an Männern gefehlt mit Sonnenlicht in den Augen und Sonncngluth in den Adern, die der Ration als thatkräftige Führer erstanden. Ging es hinaus in den frischen Kampf, so blieb der Pessimismus, ein grämlicher Geselle, Hinterm Ofen hocken; und er konnte erst dann wieder sein Werk sortsetzen, wenn die Sieger, die Stirn mit dem Kranze umwunden, heimkehrten und es galt, den auf der Wahlstatt errungenen Besitz in bedachtsamer Friedensarbeit zu festigen.
Die Geschichte lehrt, daß es dem Pessimismus nur zu oft geglückt ist, diese Friedensarbeit zu stören, seine Fäden als häßlichen, untüchtigen Einschlag in das Gewebe mit einzuwirken, so daß ein verschlißenes, brüchiges Gewand daraus ward statt eines guten, dauerhaften Kleides, das den Leib des deutschen Volkes schmücken und schirmen sollte nach der Absicht des Meisters. Die Geschichte eines Volkes wiegt für die Gesammtheit ebensoviel, wie die Lebenserfahrung für den Einzelnen. Wer erfahren hat, daß man begangene Fehler gut machen muß und wie schwerdas ist, wieviel Mühe und Arbeit das kostete, die man vortheilhafter hätte verwenden können, der hat aus dieser Erfahrung gelernt, künftighin Fehler zu vermeiden. Die Zeiten wirthschaftlichen und politischen Niedergangs, die' Deutschland so oft nach kurzen Perioden eines Aufschwungs erlebt hatte, der die Nachbarvölker staunen und zitterzr machte, sollte dem Volke dieselbe Lehre geben, die der Einzelne aus seiner eigenen Erfahrung zieht.
Bald ist ein Vierteljahrhundert verflossen, daß wir den großen Kampf gekämpft, der uns die Einigung und Herrlichkeit des Reiches gebracht hat. ^aben wir die Zeit, die seitdem verflossen ist, mit einträchtigem Cmne ausgenutzt zum Ausbau unserer gesetzgeberischen und wirthschastspolitischen