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Nr. 83.

Dienstag den 10. April

1894.

Amtliches.

Stcrölkveis ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Diejenigen Personen, welche Forderungen aus Lieferungen für die Stadt an dieselbe haben, werden ersucht, ihre Rechnungen stets viertel­jährlich in der ersten Hälfte des ersten Monats des Quartals einzureichen, sofern solche nicht sofort nach der Lieferung präsentirt werden. Die Rech­nungen für die Zeit bis Ende März bitte ich demnach bis zum 15. d. Mts. gefälligst einzureichen.

Hanau am 4. April 1894.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 4790

Die vom Stadtrathe und Gemeindeausschusse geprüften Rechnungen:

1) der Stadtkasse, Abtheilung I, pro 1892/93,

^) M lf 'M II B/ M

4) Armenkasse . . .

5) städt. Badeanstalt . .

6) de Bannos- und Beaux'schen Stiftung pro 1893,

7) Begräbnißkasse . . pro 1892/93,

8) des städt. Gaswerks . .

9) der Handelsschule . .

10) Schlachthofkasfe . .

11) Kleinkinderschule . .

12) des städt. Wasserwerks . .

13) Stadtschlosses . . werden nach §. 90 der Gemeindeordnung zur Einsicht der Gemeindeglieder vom 11. d. Mts. an acht Tage lang im Rathhause offen liegen.

Die Gemeindeglieder können zu diesen Rechnungen Bemerkungen bei­fügen, von welchen der Gemeindeausschuß geeigneten Gebrauch machen wird. Hanau am 6. April 1894.

Der Ausschußvorstehcr-Stellvertreter

Nickel. 4840

Städtische Handelsschule.

Beginn des Unterrichts

a. für die Oberklasse: Montag den 16. April, vormittags 6®/»

Uhr, im Realschulgebäude, Zimmer Nr. 13;

b. für die Unterklasse: Dienstag den 1. Mai, vormittags 6^4 Uhr, im Altstädtex Rathhause.

Anmeldungen nimmt der Unterzeichnete täglich von 1112 Uhr im Realschulgebäude, Zimmer Nr. 14, entgegen.

Hanau den 10. April 1894.

Der Dirigent der Handelsschule

Dr. Schmidt. 4844

t Silber und Gold.

Um in dem heftig hin und her wogenden Währungsstreite zu einem klaren Standpunkte zu kommen, ist es nöthig, eine Rcih^ thatsächlicher Voraussetzungen aufzuklären. Dahin gehören auch die Magen, welche Vorräthe an Gold jährlich zu Tage geschafft werden, und in wie weit ans eine gewisse Stetigkeit in der Gewinnung dieses Edelmetalles gerechnet werden kann. Bekannt ist das Wort von der Decke, die einmal zu knapp werden könnte; das will sagen: hält die Goldproduktion mit dem Goldbe- darf für Münzzwecke nicht gleichen Schritt, gründen immer mehr Staaten ihr Währungsspstem auf Gold, ohne daß die Goldgewinnung ausgedehnt »der der Baarbedarf an Goldmünze durch wirthschaftliche Einrichtungen (vermehrten Check-Wechselverkehr) eingeschränkt wird, so entsteht die Gefahr einer Goldtheuerung und damit einer Verschiebung der Schuldverhältnisfe und der Waarenpreise in den Goldwährungsländern.

Die Silberproduktion ist im letzten Jahrzehnt ganz riesig gestiegen; es sind Verfahren für die Silbergewinnung erfunden worden, welche die Produktion selbst bei den außerordentlich gesunkenen Silberpreisen einer Folge der vermehrten Leichtigkeit der Silbergcwinnnng noch lohnend ^machen. Im vergangenen Jahre wird sich die Silberproduktion bei einem

Silberpreise von nur 32 Pence noch auf der vorher erreichten Höhe von

800 bis 850 Millionen Mark . erhalten haben. Bei den neueren Ver­hüttungsmethoden werden viele von der Natur bevorzugte Gruben in Amerika und Australien auch noch bei einem weiteren Rückgänge des Silberpreises mit Vortheil arbeiten können. In diesem Steigen der Silber­produktion liegt eine auch von den Bimetallisten nicht verkannte große Schwierigkeit, ein festes Werthverhaltniß zwischen Gold und Silber gesetz­lich herzustellen.

Früher glaubte man, daß mit der Erschöpfung der Alluviallager die Golderzeugung bedeutend zurückgehen werde. Indessen auch hier trat die Technik siegreich auf; sie brachte es durch Vervollkommnung der Methode, Gold aus Schwefelkiesen auszuziehen, dahin, daß ein blühender Quarz­bergbau entstand. Schon jetzt ist die transvaalsche Republik nahe daran, Kalifornien den Rang abzulaufen. Transvaal hatte 1893 ein Jahreser­zeugniß an Gold von 115 Millionen Mark. Dazu werden in absehbarer Zeit noch Produktionsmengen der Gebiete zwischen dem Limpopo und Zam- besi hinzukommen mit sehr ausgedehnten Goldlagerstätten iit. Maschona- und Matabeleland. In den Vereinigten Staaten von Amerika hat sich die Goldproduktion seit 1887 stetig um 33 Millionen Dollars jährlich bewegt. In Australien sind die tiefer liegenden Waschgoldlager noch bei Weitem nicht erschöpft, und viele Gruben stehen dort für den Quarzbergbau zur Verfügung. Für Rußland rechnet Dr. Lexis, eine Autorität auch für die Bimetallisten, in einem Artikel der Conrad'schen Jahrbücher noch für eine lange Reihe von Jahren auf eine Produktion von durchschnittlich mindestens 90 Millionen Mark.

Lexis schätzt für die nächsten fünfzig Jahre den Werth der jährlichen Golderzeugung auf etwa 580 Millionen Mark, das ist mehr als in den glänzendsten Zeiten des kalifornischen Bergbaues in den fünfziger Jahren geliefert wurde. Weiter berechnet man den industriellen Bedarf an Gold auf höchstens 280 Millionen Mark, für die Zukunft vielleicht auf, 300 Millionen Mark, und den mit der Bevölkerung wachsenden Bedarf der gesetzlich oder faktisch nach Gold rechnenden Staaten auf etwa 200 Mil­lionen Mark, so daß jährlich 80 Millionen Mark zu Goldprägungen an­derer Staaten übrig bleiben würden. Lexis schließt hieraus, daß die Staaten, die bereits im Besitze der Goldwährung sind, jedenfalls keinen Grund haben, Goldmangel und also auch Goldvertheuerung und Sinken der Waarenpreise als vorhanden anzunehmen oder zu befürchten. Wie es nach fünfzig oder hundert Jahren um die Goldproduktion bestellt sein wird, läßt sich nicht voraussehen. Selbst eine weitsichtige Politik wird sich aber nicht auf die Bedürfnisse späterer Jahrhunderte einzurichten brauchen. In demselben und zum Theil noch höherem Grade besteht die Möglichkeit, daß die Menschheit nach ein oder zwei Jahrhunderten um Kupfer, Blei, Kohle rc. in Ver­legenheit gerathen kann. In dieser fernen Zeit würde natürlich auch, das fortschreitende Schwinden der Goldgewinnung vorausgesetzt, die Doppel­währung mit einem festen Verhältniß zwischen Gold und Silber ebenso unmöglich sein als die Goldwährung.______________________

Tagesschau.

Berlin, 9. April. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin ver­brachten am Sonntag, wie derReichsanz." aus Abbazia meldet, die Morgenstunden im Park. Um 11 Uhr wohnten Ihre Kaiserliche Majestät mit den Kaiserlichen Prinzen und dem Hofstaat dem in der Villa Amalia abgehaltenen Gottesdienst bei und unternahmen nachmittags mit sämmt­lichen Prinzen und der Suite eine Spazierfahrt in der Richtung nach Medua.

Berlin, 9. April. Der Kaiser stellte den Herzog der Abruzzen durch Kabinetsordre â la suite der kaiserlichen Marine. , Stad) aus Loanda am 9. April eingetroffenem Telegramm hat Major LeutwM den Häuptling der sogenannten Khauas-Hottentotten, Namens Andreas Lambert, gefangen genommen und wegen des an Händler Krebs 1893 verübten Mordes kriegsrechtlich erschießen lassen. Der ganze Stamm wurde ent­waffnet. Lamberts Nachfolger erkannte die deutsche Hoheit an. Gy'- N.)

Berlin, 9. April. DieNordd. Allg. Ztg? erfährt, daß der Direktor des Reichsschatzamtes, Aschenborn, zum Unterstaatsfekretär er­nannt ist. v .

Breslau, 9. April. Die hiesigen Großhändler erhöhten vcm heute ab die Preise für Walzeisen um 10 Mark pro Tonne, die Preise für Fein­bleche um 5 Mark pro Tonne.