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Nr. 66.

Montag den 19. März

1894.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Entlaufen: Ein mittelgroßer schwarzer Hund.

Hanau am 19. März 1894.

SlcrSIKveis ^anaxt.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Die Stadt Hanau beabsichtigt in diesem Frühjahre einen tüchtigen schulmäßig gebildeten Landschaftsgärtner als Stadtgärtner anzustellen. Bewerber um diese Stelle wollen bis zum 2. April lfd. Js. ihre Zeugnisse über Bildungsgang, bisherige Beschäftigung, sowie Lebenslauf unter Angabe der Gehaltsansprüche an mich einreichen.

Hanau am 16. März 1894.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebes chus. 3759

Realschule (vom nächsten Schuljahre an Oberrealschule) zn Hanan.

I. Beginn des neuen Schuljahres: Montag den 2. April d. Js.

II. Aufnahmeprüfung: Montag den 2. April, vormittags 8 Uhr.

. III. Entgegennahme der Anmeldungen:

Dienstag den 20. und

Mittwoch den 21. d. Mts., vormittags 812 Uhr, im Realschulgebäude, Grimmstraße 25.

Hanau den 17. März 1894.

Der Realschuldirektor

Dr. Schmidt. 3737

t Die Staffeltarife von 1891.

Die Staatsregierung hat, wie schon bekannt, beschlossen, für den Fall des Inkrafttretens des deutsch-russischen Handelsvertrages und für den Fall der Aufhebung des Identitätsnachweises bei der Getreideausfuhr die allgemeinen Ausnahmetarife für Getreide und Mühlenfabrikate vom 1. Sep­tember 1891 auf den preußischen Staatsbahnen wieder auszuheben.

Diese Ausnahmetarife Staffeltarife, die mit steigender Entfernung fortschreitende erhebliche Frachtvortheile gewähren, wurden am -1. Sep­tember 1891 insbesondere wegen der ungünstigen Ernteaussichten und wegen des russischen Roggenaussuhrverbots eingeführt, um wie die Ankündigung ,, imReichsauzeiger" lauteteeine unter den zeitigen Verhältnissen etwa zu befürchtende Schwierigkeit in der Ernährung der Bevölkerung abzu- I schwächen." Maßgebend war hierbei also weniger die Absicht, für die nördlichen und östlicheu Provinzen, die mehr Getreide produziren als kon- sumiren, die Ausfuhr zu erleichtern, als vielmehr die Absicht, den anderen K Landcstheilen, welche weniger produziren als konsumiren, in der damaligen Zeit durch erleichterte Zufuhr zur Hilfe zu kommen.

Die ungünstigen Verhältnisse von damals bestehen nun schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Gleichwohl sind die Staffeltarife geblieben, da - sie sich nicht nur für die Staatskafse gewinnbringend, sondern auch für die östliche Landwirthschaft, der die Ausfuhr über See aus bekannten Gründen verschränkt war, segensreich erwiesen. Auf der anderen Seite aber er­wuchsen mit der Zeit für die westliche, sehr viel weniger für die südliche § Landwirthschast Nachtheile durch die Konkurrenz, welche die erleichterte Zu­fuhr ihren Produkten brachte. Während man im Osten für die Aufrecht­erhaltung der Staffeltarife eintrat, forderte man hier ihre Beseitigung.

l __ Diesen Gegensatz auszugleichen, bietet das Inkrafttreten des deutsch­russischen Handelsvertrages Gelegenheit. Denn durch die in diesem Vertrage vorgesehene Herabsetzung des Kornzolls auf den Satz von 3,50 Mark, der stuch den übrigen Vertragsstaaten gewährt ist, wird es möglich, der nörd­lichen und östlichen Landwirthschaft wieder die Ausfuhr über See zu er- V öffnen., Wird der Landwirthschaft des Nordens und Ostens zugleich mit der Aufhebung des Identitätsnachweises diese Möglichkeit gewährt, dann > hat sie geringeres Interesse an der Aufrechterhaltung der Staffeltarife für 1 èen Versand nach Westen und Süden.

Die Staatsregierung hat demgemäß sich zu der Beseitigung der am 1. September 1891 für Getreide und Mühlenfabrikate eingeführten Staffel­tarife entschlossen. Sie hat damit nicht etwa eine grundsätzliche Stellung gegen Staffeltarife überhaupt eingenommen und so auch nicht die preußische Eisenbahntarifpolitik nach einer bestimmten Richtung festgelegt. Ueber die Dauer der Beseitigung hat die Staatsregierung keine Entscheidung ge­troffen; ebenso wenig aber hat sie sich die Möglichkeit abgeschnitten, auf die Wiedereinführung der jetzt aufzuhebenden Tarife zurückzukommen; denn es lassen sich Fälle denken, z. B. bei ausgedehntem Mißwachs, wo ihre Wiedereinführung gerade im Interesse des Westens erforderlich ist. Die Staatsregierung konnte sich in dieser Beziehung nach keiner Seite binden; wohl aber darf sie das Vertrauen dafür in Anspruch nehmen, daß sie den Beschluß der Beseitigung in loyaler Weise ausführen wird.

Es sind in der Hauptsache preußische Interessen, die für den Be­schluß der Staatsregierung maßgebend gewesen sind. Durchaus falsch ist die Auffassung, als ob das Reich Preußen hierzugezwungen" habe: der Reichskanzler hat am Sonnabend gegen diese Unterstellung als eine durchaus unbegründete und irrige im Reichstag lebhaft Einspruch erhoben. Namentlich sind es nicht bayerische Interessen gewesen, die ausschlaggebend waren. Gerade die Erfahrungen, die Bayern mit der Wirkung der preußischen Staffeltarife gemacht hat, sind derart, daß es keinen Grund zur Klage hat: denn Bayern hat seit Bestehen der Staffeltarife erheblich viel mehr Getreide und Mehl ausgeführt, als dort eingeführt wurde. Die Aufhebung der Staffeltarife begründet sich zur Genüge aus der Lage der Dinge in den verschiedenen Landestheilen Preußens.

Tagesschau.

Berlin, 17. März. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen, wie derReichsanz." meldet, heute Vormittag im Auswärtigen Amt den Vortrag des Staatssekretärs Freiherrn von Marschall entgegen und begaben Sich von dort nach dem Palais des Reichskanzlers Grafen von Caprivi, um mit demselben zu konferieren. In das Königliche Schloß zurückgekehrt, hörten Seine Majestät den Vortrag des Chefs des General­stabs, Generaladjutanten Grafen von Schlieffen und arbeiteten anschließend daran längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets, Generaladjutanten von Hahnke.

Berlin, 17. März. Wie dieNordd. Allg. Ztg." erfährt, fuhr der Kaiser am Freitag Nachmittag beim Reichskanzler vor, um für die glückliche Durchfühung des Haudelsvertrages seinen allerhöchsten Dank aus­zusprechen. Da der Reichskanzler nicht anwesend war, kündigte Se. Ma­jestät in einem Telegramm an Caprivi unter herzlichen Worten für dessen aufopfernde durchgreifende Thätigkeit, welcher der Handelsvertrag zu ver­danken sei, die Verleihung der Kette zum Hausorden Hohenzollern an.

Berlin, 17. März. DerReichsanz." schreibt: Durch die Tages­presse läuft die Mittheilung einer Lokalkorrespondenz, die Uniformierung der Armee solle von Grund auf umgeändert werden. Es seien in Aussicht genommen kurze Waffenröcke von graugrüner Farbe, Käppis an Stelle des Helmes, Gürtel an Stelle der Offizierschärpen u. a. m. Alle diese Nach­richten sind, wie uns von zuständiger Seite mitgetheilt wird, erfunden.

Berlin, 18. März. Während des gestrigen Diners bei dem rus­sischer: Botschafter Grafen Schuwäloff brachte dieser ein Hoch auf den Kaiser aus, welches der Kaiser mit einem Hoch auf den Kaiser Alexander erwiderte. Der Kaiser verweilte bis 11 Uhr in der russischen Botschaft. Der Kaiser hat dem Kriegsminister General der Infanterie Bronsart v. Schellendorff den Schwarzen Adlerorden verliehen und ihm denselben persönlich überreicht. (Frkf. sttg.)

Berlin, 17. März. Es dürfte von Interesse sein, die landschaft­liche Vertheilung der Gegner und der Freunde des russischen, Handelsver­trages nach den namentlichen Abstimmungen im Reichstag, die wir dabei zusammenfassen, festzustellen. Königreich Preußen. In der Provinz Ost­preußen wurden, wie dieFr. N." berichten, abgegeben 5 ja, 11 nein, in Westpreußen 7 ja, 4 nein, in Stadt Berlin 6 ja, in der Provinz Bran­denburg 6 ja, 13 nein, in Pommern 2 ja, 12 nein, in Posen 11 ja, 2 nein, in Schlesien 19 ja, 15 nein, in der Provinz Sachsen 9 ja, 10 nein, in Schleswig-Holstein 7 ja, 3 nein, in Hannover 16 ja, 2 nein, in Westfalen 12 ja, 4 nein, in Hesfen-Nasfan 6 ja, 6 nein, in der Rhein-