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Nr. 60.

Montag den 12. März

1894.

Amtliches,

^anö&rcißs ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

I. Die Herren Standesbeamten des Kreises ersuche ich ergebenst, gemäß §. 8 des Reglements zur Ausführung des Reichsimpfgesetzes vom 4. März 1875, Amtsblatt Seite 118, in den vorgeschriebenen Formu- laren, welche demnächst übersandt werden, die Nachrichten über die im Jahre 1893 geborenen und noch am Leben befindlichen Kinder in die Rubriken 1 bis 5 einzutragen und die aufgestellten Listen demnächst an mich zurückzuschicken.

II. Die Herren Schulvorsteher ersuche ich gemäß §. 8 obigen Reglements ergebenst, in den vorgeschriebenen Formularen, welche demnächst über­sandt werden, die im Jahre 1882 geborenen Zöglinge in die Rubriken 15 einzutragen und die aufgestellten Listen demnächst an mich zurück­zuschicken, sowie vier Wochen vor Schluß des Schuljahres ein Ver- zeichniß derjenigen Schüler gefälligst einzureichen, für welche der Nach­weis der Impfung nicht erbracht ist.

Hanau am 8. März 1894.

Der Königliche Landrath

A. 714 v. Oertzen.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Am 11. ds. Mts. auf dem hiesigen Friedhof eine silberne Remontoiruhr mit Goldrand mit der Fabriknummer 63822. Ein goldenes Reifarmband; dem Wiederbringer eine Belohnung.

Zugelaufen: Ein kleiner rehbrauner Hund m. Geschl. mit neuem ledernen Halsband; Empfangnahme bei Schneidermeister Georg Ludwig zu Niederrodenbach.

Gesunden: Eine Peitsche. Einige Briefmarken (auf der Post). Ein Stoßkarren (auf dem Neustädter Markt stehen geblieben).

Vertauscht am 11. d. Mts. in der kath. Kirche: ein Regenschirm von Köperseide, am Stiel die Figur eines Hundekopfes, gegen einen minder- werthigen mit W. G. roth gezeichnet.

Hanau am 12. März 1894.

Slctdlkvois ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Die Militärpflichtigen hiesiger Stadt werden hierdurch aufgefordert, ihre Loofungsfcheine binnen 8 Tagen auf dem hiesigen Meldeamte in den Sprech­stunden vormittags von 8 bis 12'/- und nachmittags von 56 Uhr abzuholen.

Hanau am 10. März 1894.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

Tagesschau.

Berlin, 10. März. Seine Majestät der Kaiser und König ar­beiteten im Laufe des heutigen Vormittags zunächst mit dem Chef des Militärkabinets, Generaladjutanten von Hahnke, und empfingen hierauf dm Minister des Königlichen Hauses von Wedel mit dem Dombaumeister, Geheimm Regierungsrath Raschdorff, zum Vortrag.

Berlin, 10. März. Das Mausoleum in Charlottenbnrg bei Ber­lin war gestern, der Wiederkehr des Sterbetages Kaiser Wilhelm I., in seinen oberen Räumen mit Myrthenbäumen und blühenden Azaleen ge­schmückt. Um 10 Uhr erschien das Kaisersaar, der Kaiser in Husaren­uniform, die Kaiserin in Schwarz; die Majestäten legten einen Kranz aus weißen Hyazinthen, weißen Rosen und Veilchm, auf dessen weißer Atlas- schleife die goldenen Initialen des Herrscherpaares mit der Krone sich be­fanden, am Sarkophage nieder und verweilten einige Zeit in stiller Andacht in der Gruft. Eine Stunde später trafen der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich ein. Weitere Blumenspenden waren eingegangen von der Groß­herzogin von Baden, Erbprinz und Erbprinzessin von Meiningen, Erb- großherzog und Erbgroßherzogin von Baden re. Ferner legten am Grabe des hohen Verblichenen Kränze nieder: Das Offizierkorps des 1. Garde­

regiments zu Fuß, des Füsilierbataillons vom Regiment Elisabeth, der Bonner Husaren, die Generale â la suite und die Generaladjutanten Kaiser Wilhelms I., Kriegervereine rc.

Berlin, 10. März. Der hiesige Botschafter der bereinigten Staaten von Amerika hat der Kaiserlichen Regierung im Auftrage des Präsidenten Cleveland die Anerkennung der Regierung und des Volks der Vereinigten Staatm für die großartige Betheiligung Deutschlands an der Weltaus­stellung in Chicago zum Ausdruck gebracht. Gleichzeitig hat der Botschafter unter Mittheilung eines diese Anerkennung billigenden Kongreßbeschluffes, ebenfalls im Auftrage des Präsidenten der Union, der hohen Werthschätzung gedacht, mit welcher Regierung und Volk der Vereinigten Staaten die freundschaftliche Mitwirkung der Kaiserlichen Regierung zur Sicherstellung des Erfolgs der Ausstellung empfinden.

Berlin, 10. März. DieN. A. Ztg." erfährt zuverlässig, daß zwischen Deutschland und Griechenland Verhandlungen eingeleitet sind, um die Vortheile des griechischen Markenschutzgesetzes auch dm deutschen Reichs­angehörigen zugänglich zu machen. Deutsche Marken würden jetzt schon in Griechenland angenommen und in die Register eingetragen.

Berlin, 10. März. DieN. A. Ztg." ist in der Lage, gegenüber der Annahme, die Regierungen würden für die laufende Session darauf verzichten, die dem Reichstag gemachten Steuervorlagm durchberathen zu sehen, aus bester Quelle versichern zu tönnen, daß die Regierungen unter allen Umständen darauf bestehen, nicht nur über die Steuervorlagen, sondern auch über das Finanzreformgesetz von dem Reichstage bestimmte Antwort zu erhalten.

Berlin, 10. März. Laut telegraphischer Meldung an das Ober­kommando der Marine ist S. M. KanonenbootIltis", Kommandant Korvettenkapitän Graf von Baudisfin, am 8. März in Hankow ange- kommen und beabsichtigt, am 20. d. M. nach Shanhai in See zu gehen.

Dann a. Eifel. Wie man derRh. Wests. Ztg." berichtet, trat dieser Tage zu dem Gendarmen Brill in Utzerath ein Arbeiter heran und sagte:Sie können sofort 300 Mark verdienen, ich bitte, mich zu ver­haften. Ich hatte 7 Jahre Zuchthaus in Ziegenhain abzubrummen, brach 1878 mit einem Gefährten aus, wir entkamen nach Frankreich und dienten in der Fremdmlegion. Nach dem Tode meines Freundes hielt ich es in Algier nicht aus, ich desertirte, kam nach Deutschland und hielt mich hier unter falschem Namen auf. Jetzt bin ich dessen auch müde und will wieder ins Zuchthaus. Es sind auf meine Ergreifung 300 Mark Belohnung ge­setzt und die sollen Sie verdienen." Sprachs, ließ sich verhaften und die Geschichte stellte sich als wahr heraus.

Hamburg, 10. März. DerBörsenhalle" zufolge beschloß der Nordatlantische Rhedereiverband den Zwischendeckpassagierpreis um zwanzig Mark zu ermäßigen. Die Herabsetzung tritt sogleich in Kraft und dürfte bis nächstes Frühjahr dauern.

Zum Tode verurtheilt wurde von dem Schwurgericht in Tü­bingen der 18 Jahr alte Bäckergeselle Adolf Pius Diemer von Neckar- fulm, der seit 9. September 1893 bei dem Bäcker August Bertsch in Reut­lingen in Diensten stand und geständig war, in der Nacht vom Samstag den 11. auf Sonntag den 12. November 1893 die kinderlosen Bertsch'- schen Eheleute in ihrer Wohnung mit einem Beile erschlagen und sie ihres Geldbesitzes von etwa 520 Mark beraubt zu habm. Die Ehefrau Bertsch ist bereits am 15. November gestorben, ohne wieder zum Bewußtsein ge­kommen zu sein, der Ehemann Bertsch hatte einen doppelten Schädelbruch erlitten und ist in Folge hiervon am 3. Dezember gestorben.

Wien, 10. März. DerPol. Korr." wird von ihrem Peters­burger Korrespondenten angeblich authentisch gemeldet, die Behauptungen desGaulois" über das Bestehen einer Militäkonvention zwischen Ruß­land und Frankreich entbehrten jeder Begründung.

Paris, 10. März. Im Ministerrath erklärt Dubost, die Gerüchte, daß Anarchisten von Kapitalisten und Priestern Unterstützungen erhieltm, für unbegründet. heilte Vormittag wurden sechs Anarchisten ver­haftet. (F. N.)

Bremen, 10. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Trave" ist gestern in New-York und der DampferKarlsruhe" vor­gestern in Singapore eingetroffen.

Hamburg, 9. März. Der PostdampferCheruskia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetsahrt-Aktiengesellschaft ist von Hamburg gestern in St. Thomas angekommen.