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9tr. 58.

Freitag den 9. März

1894.

Amtliches.

Slâölkreis ^anaxt.

Das Ausschreiben vom 5. d. Mts., P. 2247, Hanauer Anzeiger- Nr. 56, betreffend den zu Darmstadt entsprungenen Steinmetz Johannes Hehr von Geresheim, ist erledigt.

Hanau am 7. März 1894.

Königliche Polizeidirektion.

P. 2341 I. V.: Schneider.

Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.

Zugeflogen: Ein zahmer Staar.

Gefunden: Zwei weiße Handtücher. Ein gelber Glacehandschuh (rechter).

Hanau am 9. März 1894.

Tagesschau.

Berlin, 8. März. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute im Laufe des Vormittags zunächst den Vortrag des Reichskanzlers in dessen Wohung entgegen, empfingen hierauf, in das Königliche Schloß zurückgelehrt, den Kriegsminister, General der Infanterie Bronsart von Schellendorf, zum Vortrag und arbeiteten, daran anschließend, längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets, Generaladjutanren von Hahnke.

Berlin, 8. März. Ein Privattelegramm desB. Tagebl." aus Königsberg meldet, der Kaiser habe, wie derAllg. Ztg." glaubhaft ver­sichert wird, den Grafen Dönhoff zu seiner Haltung gegenüber dem Han­delsvertrag mit folgendem Telegramm beglückwünscht:Bravo! recht wie ein Edelmann gehandelt."

Berlin, 8. März. DieNordd. Allg. Ztg." führt aus, die Be­fürchtungen, daß Deutschland durch Art. 1 des russischen Handelsvertrags einer Masseneinwanderung russischer Juden preisgegeben werde, sei durch­aus unzutreffend. Im Gegentheil gewähre die Bestimmung des Artikels eine Verbesserung des bisherigen Zustandes, indem Deutschland binnen Monatsfrist auch die aus dem russischen Unterthanenverbande entlassenen Juden abschieben könne. Diese Konzession erfahre noch eine wesentliche Erweiterung durch das am 10. Februar d. I. imReichsanzeiger" ver­öffentlichte Separatabkommen, wonach beide Theile verpflichtet seien, frühere Unterthanen, welche die alte Staatsangehörigkeit verloren hätten, ohne eine neue erworben zu haben, zu übernehmen.

Berlin, 8. März. Laut telegraphischer Meldung an das Ober­kommando der Marine sind S. M. S.Stein", Kommandant Kapitän zur See von Wietersheim, und S. M. S.Stosch", Kommandant Kapi­tän zur See Rittmeyer, am 6. März auf den Azoren angekommen. Ersteres wollte am 7., letzteres will am 10. März die Heimreise über Plymouth fortsetzen. (Reichsanz.)

Der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, Herr von Köller, ist durch einen Unfall seines ersten Stellvertreters, des (Freiherrn von Heereniann, verhindert worden, an den Sitzungen des ' Pommer'schen Provinziallandtages in Stettin Theil zu nehmen. Herr von Heereniann hatte das Unglück, im Berliner Monopolhotel, wo er wohnt, , auf der Treppe auszugleiten, und sich beim Falle auf die Marmorstufen eine Verletzung am Hinterkopfe zuzuziehen, die ihn für die nächste Zeit verhindern wird, an den Sitzungen des Hauses Theil zu nehmen. Gefahr für den Patienten ist indessen glücklicherweise nicht vorhanden, die Wunde erfordert vor allen Dingen zu ihrer Heilung das, daß der Kranke sich vorläufig ruhig im Bette verhält. (K. Tbl.)

Neisse, 8. März. Die Ortschaft Preiland, die erst kürzlich größten- theils niedergebrannt ist, wurde gestern wieder von einem großen Brand­unglück heimgesucht. Viele Gebäude wurden eingeäschert; es liegt bös­willige Brandstiftung vor.

Köln, 8. März. Wie dieKöln. Ztg." meldet, schlägt die Feuer­versicherungsgesellschaftColonia" 50 Prozent Dividende vor. Für Rück­versicherung zahlt die Gesellschaft keine Dividende.

Düsscldors, 8. März. Amtlicher Bericht. Auf dem Kohlenmarkt nehmen die Abschlüsse mit dem Kohlensyndikat einen regelrechten Verlauf. Auf dem Eisenmarkt ist die Nachfrage nach Roheisen stetig bei festen Preisen, während für fertige Fabrikate die Beschäftigung stellenweise zu wünschen übrig läßt. (F. N.)

Bern, 8. März. Für die eidgenössische Anleihe sind, nach dem Nh. K.", statt der ausgeschriebenen 15 Mill. 371 Millionen gezeichnet worden.

Rom, 8. März. Auf dem Montecitorio fand vor dem Kammer- gebäude eine Stunde nach dem Sitzungsschluß eine Bombenexplosion statt. Die Detonation war sehr stark und wurde in nieten Stadtpunkten gehört. Die Explosion verursachte, nach denF. R.", die Zerstörung innerer und äußerer Fenster des Kammergebäudes und Umgebung. Es waren nur wenige Deputirte noch im Kammergebäude. Polizisten und Militär entferntet! die auf dem Montecitorio angesammelte Menge und besetzten die Zugänge. Vier Passanten wurden verletzt, wovon zwei leicht und zwei schwer. Unter den Verhafteten befindet sich ein Verwundeter, welcher als der Urheber gehalten wird.

Paris, 8. März. Der Minister des Innern ließ Jaures wissen, er könne heute dessen Anfrage betreffs der Unterstützungen, welche den Anarchisten von Kapitalisten und Priestern gewährt mürben, nicht an­nehmen, da die bezüglichen Angaben nicht auf zuverlässigen Thatsachen zu beruhen schienen. Die Interpellation Jaures, betreffend die den Anar­chisten gewährten Subventionen, wurde mit 278 gegen 238 Stimmen auf einen Monat vertagt. Eine von Turrel eingebrachte und von der Regierung angenommene Ermäßigung der Weinsteuer, Unterdrückung der Steuer­hinterziehungen und Weinfälschungen, die Reform der Getränkegesetzgebung verlangende Tagesordnung wurde genehmigt, nachdem die Regierung die Einbringung des Gesetzentwurfes zur Begünstigung der Weinausfuhr und Weinbereitung versprochen hatte. (F. N.)

Paris, 7. März. Ein Offizier, der gestern mit dem aus dem Senegal kommenden PacketbootStamboul" in Marseille eintraf, erzählt, König Behanzin habe, als seine Anhänger ihn im Stiche gelassen hatten, und er keine Rettung mehr vor sich sah, seine alte Mutter zu sich kommen lassen und zu ihr gesagt: Ich muß mich dem König der Franzosen unter- wer-fen, aber ich wünsche, daß mein Vater Glè-Glä davon in Kenntniß gesetzt werde; es ist nun Deine Sache, Du mußt zu ihm reisen. Als Behanzin so gesprochen hatte, ließ es seiner Mutter den Kopf abhauen und wohnte, ohne eine Miene zu verziehen, das Kalumet im Munde, ihrem Tode bei.

London, 7. März. Der Herzog von Devonshire, Haupt der liberalen Unionisten, erklärte gestern in einer Rede zu Aevoil, seine Partei werde Lord Rosebery nur mäßige Opposition machen, in Betreff der Ho- merulefrage werde die Opposition jedoch unversöhnlich sein; die Unionisten werden Lord Rosebery bei finanziellen Maßnahmen und bei Verstärkung der Marine unterstützen.

Petersburg, 8. März. DasFinanzblatt" meldet: Die Re­gierung gestattet die unbehinderte Einfuhr ausländischer Gewächse, Früchte und Gemüse, welche für die internationale, im Herbste in Petersburg statt­findende Ausstellung dieser Artikel bestimmt find. Die Einfuhr von Wein­stöcken, sowie Kartoffeln amerikanischer Herkunft ist nicht gestattet.

Chrisiianssand, 7. März. Das SchiffTwe Gebroders", Ka­pitän H. Kok Hanwink, in Ballast von Harlingen nach Cristianssand unterwegs, ist, nach demReichsanzeiger", gestern Nacht unter dem Leucht­thurm von Songvar gescheitert. Das Schiff ist wrack; der Kapitän, der Steuermann und der Kajütsjunge sind umgekommen.

Bremen, 8. März. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd Hohenstaufen" ist vorgestern in Adelaide angekommen.

Hamburg, 8. März. Der PostdampferThuringia" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- Aktiengesellschaft ist von Hamburg vorgestern in St. Thomas angekommen.

New-York, 6. März. Der DampferMaasdam" der Nieder­ländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist gestern hier einge­troffen.

ÜE7' Fortsetzung der Tagesschau in der Beilage^ "WE Depeschen-BureauHerold".

8. März, abends 9 Uhr:

Deutscher Reichstag.

Marincetat.

Singer (Soz.) geht auf das Unglück an Bord der Brandenburg ein und tadelt die unzulängliche Beaufsichtigung beim Bau von Schiffen.

Staatssekretär Hollmann betont, er habe in der Kommission zum Brandenburgunglück nur seine persönliche Ansicht zum Ausdruck gebracht.