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Nr. 55.
Dienstag den 6. März
1894.
Amtliches.
Bekanntmachung wegen Ausreichung der Zinsscheine Reihe II zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirten 4°/otigen Staatsanleihe von 1884.
Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirten 4prozentigen Staatsanleihe von 1884 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1894 bis 31. Dezember 1903 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 1. Dezember 1893 ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92,94 unten links, vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftstage jeden Monats, ausgereicht werden.
Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungshauptkasfen, fowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasfe bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinan- weisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine nummerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Falle erhalten die Einreicher das eine Exemplar, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbefche.nigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staats- papiere sich mit den Inhabern der Z ins sch ein anweisung en nicht einlassen.
Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empsangsbeschei- nigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliesern. Formulare zu diesen Verzeichnissen find bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangnng der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zinsscheinanweisungen abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinzialkafsen mittels besonderer Eingabe einzureichen.
Berlin den 2. November 1893.
Hauptverwaltung der Staatsschulden.
I. 2338. gez. von Hoffmann.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Benierken veröffmtlicht, daß die in derselben bezeichneten Formulare von der hiesigen Regierungshauptkasse und den Steuerkassen unseres Bezirks verabreicht »erben.
Cassel den 10. November 1893.
Königliche Regierung. Haussonville.
Dienstnachrichtm aus dem greift
Entlausen: Ein kleiner schwarzer Spitz mit weißen Bruststreifen, w. Geschl. Ein weiß und schwarz gefleckter Hund (Foxterrier) mit schwarzem Kopf, w. Geschl., auf den Namen „Miß" hörend; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein grauer langhaariger Hund m. Geschl.
Gesunden: In einem Schanklokal in der Vorstadt vor ca. 14 Tagen liegen geblieben : ein Päckchen mehrere Meter blau gefärbtes Leinen.
Hanau am 6. März 1894.
t Zur ersten Lesung des russischen Handelsvertrags.
Wer die viertägigen Debatten über den russischen Handelsvertrag im Reichstage nihig und unbefangen überblickt, muß den Eindruck gewinnen, daß sie im Großen und Ganzen dem hochwichtigen Gegenstände angemessen Maren. Es war ein höherer Stil in diesen Verhandlungen, als in manchen
früheren, mehr Sachlichkeit und ernstes Bemühen, mit Gründen statt mit persönlichen Ausfällen zu wirken. Ein Redner der Linken meinte zwar, die Gegner verständen sich unter einander so wenig, als ob sie in verschiedenen Sprachen redeten, und etwas Wahres ist daran, wenn man an die Mißdeutungen zurückdenkt, denen manches frühere Wort wie das von dem Manne ohne Ar und Halm, von dem Industriestaat rc. ausgesetzt war. Aber die Debatte entwickelte sich doch in vornehmeren Formen, und gleich der erste Redner der Opposition bemühte sich, die fachlichen Fragen von den persönlichen zu trennen und sich nur an jene zu halten. Derselbe Ton wurde dann auch oom Regierungstische ausgenommen und in Reden aus dem Hause, wie deucn der Abgeordneten Grafen Moltke, Kanitz, v. Bennigsen, Lieber, Freiherrn v. Stumm und Barth fortgesetzt.
Der Reichskanzler Graf Caprivi und der Staatssekretär Freiherr v. Marschall hatten sich in der Weise in die Vertheidigung des Handelsvertrags getheilt, daß dieser die wirthschaftliche Begründung übernahm, während jenem die politischen Gesichtspunkte vorbehalten blieben. Aus Grund eines sehr umfangreichen Materials wies Freiherr v. Marschall namentlich nach, daß die Befürchtung, die Landwirthschaft werde durch den Vertrag ruinirt, hinfällig und daß es andererseits gelungen sei, der Industrie sehr erhebliche Vortheile zu sichern. Wie ein großer Theil der Blätter hervorhebt, hat ferner der Reichskanzler eine so tiefe Wirkung hervorgebracht, wie sie der Reichstag lange nicht erlebt hat, Dank der Be- - stimmtheit und dem Freimuthe, mit denen er sich über die politische Wichtigkeit des Vertrags und die Folgen einer etwaigen Ablehnung verbreitete und das deutsche Reich als die handelspolitische Vormacht hinstellte. Zugleich konnte er als der von dem Vertrauen des Bauherren gestützte Bauleiter, der nicht so leicht „vom Gerüste falle", die volle Einmüthigkeit der verbündeten Regierungen und aller Glieder des preußischen Staatsministeriums gegenüber tendenziöser Gerüchte betonen, die an einen gewissen Zwiespalt glauben machen wollten. Von den preußischen Ministern haben denn auch der Finanzminister und der Landwirthschaftsminister zu dem Vertrage das Wort ergriffen.
Ist das Endergebniß auch noch nicht sicher, so hoffen wir doch, daß sich der Reichstag schließlich für ein Werk entscheiden wird, das im Laufe des Jahrhunderts so oft vergeblich angestrebt worden ist und auf das die Feinde des Reichs im Auslande mit Neid und Mißtrauen, unsere und des Friedens Freunde aber mit Genugthuung blicken. Vor 21 Jahren sagte Fürst Bismarck im Reichstage, er und seine Nachfolger würden nicht ermüden — und wenn es noch einmal 50 Jahre dauern sollte — um mit dem großen Nachbarreiche zu einem besseren wirthschaftlichen Verhältnisse zu kommen. Unsere Getreidezollerhöhung im Jähre 1887 war wesentlich mit von dem Gedanken eingegeben, damit einen Kompensationsgegenstand für einen russischen Vertrag zu schaffen. Jetzt sind wir nach harten Mühen so weit, das lang Erstrebte zu erreichen; da wird die Volksvertretung nicht verweigern, was einem großen Theil der schaffenden Arbeit sehr nützlich, dem andern nicht schädlich ist und was auch in politischer Hinsicht günstig zu wirken verspricht.
Tagesschau.
Berlin, 5. März. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag die Vorträge des Chefs des Zivilkabinets, des komman- birenben Admirals und des Chefs des Marinekabinets entgegen.
Berlin, 5. März. Der „Reichsanzeiger" macht bekannt, daß betreffs der kaiserlichen Stiftung des Preises zur Förderung des Studiums der klassischen Kunst folgende Bestimmungen getroffen sind: Es ist eine Ergänzung des jugendlichen Frauenkopfes aus Pergamon anzusertigen, dessen verstümmeltes Marmororiginal im Berliner Museum sich befindet. Angehörige des deutschen Reiches sind berechtigt, an der Bewerbung theilzu- nehmen. Ein Abguß des Kopfes ist zum Vorzugspreise von 5 M. bei der Museumsverwaltung zu erhalten. Von dem ergänzten Original ist ein Abguß bis zum 31. Dezember 1894 mit Angabe des Namens und Wohnortes an die Museumsverwaltung in Berlin einzuliefern. Die Entscheidung des Kaisers über den Preis wird am Geburtstage des Kaisers im Jahre 1895 veröffentlicht.
Berlin, 5. März. In der Kommission des Herrenhauses für den Gesetzentwurf zur Abändernng des Gesetzes, betreffend die evangelische Kirchengemeinde- und Synodalordnung und die evangelische Kirchenversassung,