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Nr. 52,
Freitag den 2. März
1894.
Amtliches.
^tadf^retö ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Am Samstag den 3. d. Mts., nachmittags von 3 Uhr ab, findet im Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichtâ L "- °" E^, zarteren etwaige StreirialeN-^, /m-^» «u zur Schlichtung anbringen können.
Hanau am 1. März 1894.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts:
Dr. Gebeschus. 2875
t Die erste Lesung des rusfischen Handelsvertrages hat im Reichstage am Montag begonnen. Zu den Tribünen fand großer Andrang statt; aber daß die Besetzung des Hauses der Wichtigkeit des Gegenstandes, der zur Berathung stand, entsprochen hätte, kann man nicht behaupten: es waren wenig mehr als 200 Abgeordnete zur Stelle. An den Bundesrathstischen war jeder Sessel besetzt; der Reichskanzler und die Staatssekretäre kamen pünktlich an, und von dm preußischen Ministem waren alle anwesend bis auf den Finanzminister, der im Abgeordnetenhause bei der Etatsberathung zu thun hatte.
Der Vizepräsident v. Buol eröffnete die Sitzung und ertheilte zunächst dem Grafen v. Mirbach-Sorquittm das Wort, der in nahezu zweistündiger Rede alle Bedenkm vorbrachte, die von den Deutschkonservativen und insbesondere von den Landwirthen des Ostms gegen den Vertrag geltmd gemacht werden. Der Redner bemühte sich, im Tone eine strenge Sachlichkeit aufrecht zu erhalten, und versicherte ausdrücklich, daß feine Partei nicht die Personen bekämpfe, die auf Befehl Seiner Majestät an ihrem Platze ständen, sondem lediglich ihre Handlungen kritisire. Wenn der Redner auch die Abneigung feiner Gesinnungsgenofsen zu unumwundenem Ausdrucke brachte, so that er doch kund, daß die deutschkonservative Partei angesichts der Verhandlungen über die hochwichtigen Tariffragm, welche gegenwärtig schweben, beantrage, die Vorlage einer besonderen Kommission zu überweisen, und zwar einer solchen von 28 Mitgliedern, der höchsten Zahl, welche die Geschäftsordnung des Reichstages gestattet.
M Staatssekretär Freiherr v. Marschall erwiderte in einstündiger Rede, die alle Gesichtspunkte zusammenfaßte, welche die Regierung bei den Vertragsverhandlungen geleitet haben, und alle wichtigen Folgen für die deutsche Industrie und Landwirthschast klarlegte. Der Staatssekretär betonte gegen Ende seiner Rede, er sei sich vollkommen bewußt mit dem, was er vertrete Md hier sage, gegen eine sehr starke Strömung in weiten Kreisen unserer landwirthschaftlichen Bevölkerung anzukämpfen. Auch sei er nicht geneigt, diese Strömung leicht zu nehmen. „Im Gegentheil — so lauteten seine Worte — wenn eine so ruhige und im besten Sinne konservative Bevölkerung, wie unsere landwirthschaftliche, sich zu einem erheblichen Theil einer so hochgradigen Verstimmung hingibt, wie das heute der Fall ist, so weist das aus eine wunde Stelle in unserm wirthschaftlichen Körper hin, dessen Pflege und Heilung die Pflicht des Staates ist. Ich finde in dieser agrarischen Bewegung den stärksten Antrieb, daß die Regierung und alle, die es mit dem Lande wohl meinen, nicht erlahmen mögen in der werk- thätigen Fürsorge für die Landwirthschaft dem Ziele zu, dessen Erreichung heute das wichtigste ist, nämlich die Erhaltung eines gesunden und kaufkräftigen Bauernstandes und eines gesunden Mittelstandes. Aber den heutigen Strömungen, über deren Endziele sich die Führer selbst nicht klar sind, nachzugeben, kann man von keiner Regierung verlangen, und die Landwirthschaft selbst würde ein schlechtes Geschäft dabei machen. Begeht die Regierung diese Schwäche, dann würden unvermeidlich die nachtheiligen Folgen eintreten, daß sie selbst aus den Kreisen für diese Folgen verantwortlich gemacht wird, die heute nicht laut genug die Nachgiebigkeit der Regierung verlangen." Dann sprach er denen, die mit Rath und That zur Seite gestanden haben, nämlich den Herren des Zollbeiraths, den Dank für die gewährte fachmännische Unterstützung aus und schloß: „Die Erfahrungen, die wir mit dieser Einrichtung gemacht, und die Erfolge, die wir damit erreicht, werden von dauerndem Werthe sein, und auch für die Zukunft die Grundlage bilden eines ersprießlichen- und vertrauensvollen Zusammenwirkens zwischen den Regierungen und den Sachverständigen der verschiedenen Erwerbszweige in allen wichtigen Fragen der wirthschaftlichen Gesetzgebung. Ich bitte Sie, den Vertrag anzunehmen; er wird — das t meine innerste Ueberzeugung — dem Lande zum Segen gereichen."
Die Rede des Staatssekretärs wurde von der überwiegenden Mehr- Heit des Hauses mit Beifall ausgenommen. Dann sprach noch namens des agrarischen Flügels der Reichspartei der Abgeordnete Gras v. Moltke- Uetersen gegen die Vorlage, und für dieselbe der Abgeordnete Rickert von der freisinnigen Vereinigung, der dabei mit einzelnen Herren von der Reckten in s-l.h-.fte ^esvnucye Auseinandersetzungen kam.
Tagesscharr.
Berlin, 1. März. Seine Majestät der Kaiser und König hörten, wie der „Reichsanz." meldet, heute Vormittag den Vortrag des Kriegsministers, Generals der Infanterie, Bronsart von Schellendorf, und arbeiteten daraus längere Zeit mit dem Chef des Militärkabinets, Generaladjutanten von Hahnke. Um 12^2 Uhr empfingen Seine Majestät die Kommandeure der Leibregimenter zur Überreichung ihrer Rapporte und frühstückten um l1/» Uhr bei dem Staatssekretär des Reichsmarineaintes, Vizeadmiral Hollmann.
Berlin, 1. März. Der Bericht der Budgetkommission über den Miliäretat ist jetzt erschienen. Es sind danach im Ganzen an den Ausgaben für die Verwaltung des Reichsheeres (ausschließlich der bayerischen Quoten) abgesetzt: 2,516,500 M. an fortdauernden Ausgaben, 2 306,600 Mark an einmaligen Ausgaben im ordentlichen Etat und 6,078,700 Mark im außerordentlichen Etat, zusammen 10,901,800 Mark.
Charlottenburg, 28. Februar. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer heutigen Sitzung beschlossen, zum Bau der Kaiser Wil- helm-Gedächtnißkirche 40,000 Mark zu schenken. (Reichsanz.)
Dresden, 28. Februar. Die Regierung beantragte, nach den „F. N.", beim Landtag einen eventuellen 20prozentigen Einkommensteuerzuschlag für das Jahr 1855, da die Bewilligung der Kosten der Heeresverstärkung durch den Reichstag unsicher sei.
Altenburg, 28. Februar. In dem wiedereröffneten Landtage theilte Staatsminister v. Helldorf mit, daß der schwere Unfall, der den Prinzen Ernst betroffen hat, nach dem Ausspruch der Aerzte eine vollständige, wenn auch langwierige Genesung hoffen lasse.
Hamburg, 1. März. Der „Hamburgischen Börsenhalle" zufolge genehmigte die heutige Generalversammlung der großen Venezuela-Eisenbahngesellschaft eine Erhöhung des Aktienkapitals um 15 Millionen, also auf 25 Millionen Mark. Der Erlös der neuen Aktien wird mit dem Bau der Unternehmung verrechnet.
Humburg, 28. Fcbrnar. Bei der Bürgerschaft ist ein Antrag eingegangen, wonach eine gemischte Kommission zur Niederlegung der ungesunden Häuser und zur Erbauung guter Wohnungen eingesetzt werden soll. Der Kommission soll ein Kredit von 10 Millionen Mark gewährt werden.
Pest, 1. März. Wie die Untersuchung ergab, enthielt die im Abgeordnetenhause gefundene Blechbüchse nur ölgetränkte Sägespähne. Der Urheber ist unbekannt.
Das schweizerische Generalstabsburea« hat nach der „Köln. Ztg." an die Bundesregierung eine Denkschrift gerichtet, worin es die Schaffung eines Luftschifferparks verlangt, der von 4 Offizieren, 37 Luft- schiffern und 33 Mann Train bedient werden soll.
Rom, 1. März. In der gestrigen Kammersitzung sagte Crispi am Schluffe seiner Rede: Italien bedarf der Konsolidirung und Festigung. Dazu ist jedoch Zeit nothwendig. Ich bitte Sie, mir in meinem Programm zu folgen. Schließen wir uns dem Könige an, er sei das Symbol unserer Einheit, er sei unser Hort. Ich sage dies heute, wie ich es 1864 gesagt habe. Nur die Monarchie bezeichnet die Einheit und die Zukunft des Vaterlandes. (Sehr richtig!) In diesem Glauben, welcher der Glaube des Vaterlandes ist, müssen wir Gefahren vermeiden, die inneren und äußeren Feinde bekämpfen und Italien zu jener Größe erheben, die wir stets angestrebt haben und ohne welche es nicht bestehen könnte. (Lang anhaltender, lebhafter Beifall.) (Rh. K.) .
Paris, 1. März. Carnot telegraphirte an dm Kaiser von Oesterreich nach Kap Martin: „Ich schätze mich glücklich, Ew. Majestät bet Ihrer Ankunft in Frankreich Willkommensgrüße zu übersenden, und ergreife mit Vergnügen die günstige Gelegenheit, die Gesühle aufrichtiger Freund- fchaft zu wiederholen." Der Kaiser erwiderte: „Tief gerührt durch die liebenswürdigen Worte Ihres Telegramms beeile ich mich, dafür zu danken. Der Aufenthalt auf Kap Martin, ich bin davon überzeugt, wird mn die