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Mittwoch den 28. Februar

1894.

Amtliches.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Kinderhandschuh (rechter). Ein Barbierstreich- vicmen. Ein gestreifter Beutel mit einigen Parisern. Ein Paar weiße Glacehandschuhe mit der Inschrift „Semmler".

Z u g e f l o g e n: Eine Feldtaube.

Zugelaufen: Ein hellbrauner Spitzhund m. Geschl. Ein schwarz- schäckiger Pudel w. Geschl.

Hanau am 28. Februar 1894.

^fadf&ret# ^anaxt.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Stadtkaffe.

Alle Diejenigen, welche mit Umlage und Schul­geld noch im Rückstände find, werden an alsbaldige Zahlung mit dem Bemerken erinnert, daß bis 10. März d. I. Zahlung bis März einschließlich zn leisten ist nnd daher vom 12. März an die Bei­treibung aus die Monate Januar bis einschließlich März 1894 sich erstrecken wird.

Hanau am 26. Februar 1894.

Stadtkasse. 2776

Tagesschau.

Berlin, 27. Februar. Seine Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag um 10 Uhr den Vortrag des Chefs des Militâr- kabinets, Generaladjutanten von Hahnke, entgegen. Um 12V2 Uhr em­pfingen Allerhöchstdieselben den Militär-Attache bei der österreichisch-un­garischen Botschaft, Obersten Freiherrn von Steininger, nahmen darauf militärische Meldungen entgegen und ertheilten dem Flügeladjutanten Seiner Königlichen Hoheit des Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha, Prinzen von Ratibor, Audienz.

Berlin, 27. Februar. Vom Kaiserbesuche beim Fürsten Bismarck verlautet nachträglich, daß der Monarch sowohl als seine Umgebung sich hoch befriedigt über das geradezu prächtige Aussehen des Fürsten Bismarck ausgesprochen haben; seit dem 26. Januar hat dieser sich zusehends erholt; er war von der größten Regsamkeit.

Berlin, 27. Februar. Die gegen die Zusammensetzung der Wäh­rungskommission von» bimetallistischer Seite erhobenen Vorwürfe, als ob das Prinzip der Unparteilichkeit dabei keine gebührende Würdigung ge­funden, werden von sachkundiger Seite als unbegründet zurückgewiesen. Im Gegentheil, es wird betont, die Frage der Silberentwerthung sei eine so ernste und weittragende, daß sich bei deren Behandlung dringend strenge Sachlichkeit empfiehlt; der Erfolg hänge lediglich davon ab, ob von irgend einer Seite Vorschläge gemacht werden, die im internationalen Verkehr erfüllbar erscheinen. Die Gelegenheit zur erfolgreichen Begründung solcher Vorschläge sei jedem einzelnen Mitgliede der Kommission gegeben. Durch den Druck der stenographischen Berichte der Kommission wird schließlich für die uneingeschränkte Veröffentlichung ihrer Verhandlungen gesorgt werden.

Berlin, 27. Februar. Die Strafkammer verhandelte heute, nach den „F. N.", gegen Paasch und Genossen wegen Beleidigung des Aus­wärtigen Amtes und hoher Reichsbeamten, namentlich des früheren Ge­sandten Brand in China, begangen durch Veröffentlichung von Broschüren. Aus der im Juni des Vorjahres vertagten Sache ist inzwischen Paasch als Angeklagter ausgeschieden, weil er nach ärztlichen Gutachten an chro­nischer Verrücktheit leidet. Nachdem der Staatsanwalt gegen die drei Druckereibesitzer Niemann, Badelli und Hille Freisprechung gegen Buch­händler Minde 9 Monate, gegen Buchhändler Wesendonck 3 Monate Ge- ängniß beantragt hatte, bieten diese beiden einen neuen Entlastungsbeweis rn. Der Gerichtshof vertagre deshalb die weitere Verhandlung.

Siegen, 27. Februar. Der Bankvereinsprozeß wurde vertagt, da Mächst Berliner Bankiers vorgeladen und vernommen werden sollen, velche mit den Angeklagten Differenzgeschäfte machten. (F. N.)

Die „Magdeburger Zeitung" theilt mit, daß Bennigsen gar nicht daran denke, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen.

Hamburg, 27. Febrnar. Zwei Fabrikgebäude des Vereins deutscher Oelfabriken sind heute Nacht infolge einer Explosion niedergebrannt. Zwei Personen werden vermißt. Man vermuthet, daß dieselben in den Flammen umgekommen sind.

Wien, 27. Februar. Das Telegr. Korresp.-Bureau meldet, die im Auslande verbreiteten Nachrichten über angebliche militärische Vorbereitungen an der ungarisch-serbischen Grenze beruhten offenbar auf der bereits wider­legten Bemerkung eines ungarischen Blattes lind seien insgesammt will­kürliche Erfindungen. (Rh. K.)

Wien, 26. Februar. Auswärtige Blätter, insbesondere französische, hatten allerlei Schlußsoluerungen an die willkürlich angenommene Thatsache geknüpft, daß der Kaiser auf der Reise nach der Riviera italienisches Ge­biet vermeide. Das „K. K. Telegraphen-Korrespondenz-Bureau" erklärt diese Kombination für vollkommen hinfällig, da der Kaiser, Allerhöchst- welcher sich zunächst nach München zum Besuch der Prinzesiin Leopold begibt, gemäß dem festgestellten Reiseprogramm von dort die Reise über die Gotthardbahn und sodann auf dem italienischm Gebiet über Alessandria fortsetzt.

Luzern, 27. Februar. Von Chiasso durch Landjäger transportirt, langten hier Freitag früh zu Fuß 25 aus Italien ausgewiesene Deutsche an, welche über Schaffhausen an die deutsche Grenze gebracht werden sollten, alle in jämmerlicher Kleidung. Mit Recht beklagt die hiesige Presse, daß die Schweizer Behörde den Italienern Leute in solch menschenunwür­diger Verfassung abnahm, anstatt auf wmigstens einigermaßen ausreichen­der Bekleidung zu bestehen. (K. Tbl.)

Paris, 27. Februar. Der Ministerrath beschloß einen Kredit von 17,000 Franks zu verlangen, um die durch die anarchistischen Attentate am 12. und 20. Februar betroffenen Opfer schadlos zu halten und zu unterstützen. (F. N.)

Paris, 27. Februar. Der Schwurgerichtshof verurtheilte, nach den „F. N.", den Anarchisten Marpeaux zu lebenslänglicher Zucht­hausstrafe; derselbe hatte den Polizeiagenten, welcher Marpeaux wegen Diebstahls verhaften wollte, getödtet.

London, 27. Februar. Nach dem Blatte „Financial News" hat gestern Gladstone der Königin die Mittheilung gemacht, daß er sich dem­nächst einer Augenoperation unterziehen müsse, und gebeten, daß er zeit­weilig durch Lord Rosebery vertreten werden möge.

Triest, 26. Februar. Der Lloyddampfer „Hungaria" ist gestern aus Konstantinopel hier eingetroffen.

New-Uork, 26. Februar. Der Dampfer „Amsterdam" der Nieder­ländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist gestern hier einge­troffen.

Depeschen-Bureau „Herold".

27. Februar, abends 9 Uhr:

Deutscher Reichstag.

Russischer Handelsvertrag. Die Tribünen sind überfüllt, der Sitzungssaal ist ziemlich gut besucht. Am Bundesrathstische sitzen Caprivi, v. Marschall, v. Bötticher, Miquel u. a.

Kardorff (dks.) begründet seinen neben dem Handelsvertrag auf die Tagesordnung gesetzten Antrag aus Einführung der gleitenden Zoll­skala. Der Vertrag werde in dem Moment illusorisch, wenn die Valuta im Sinken sei. Unsere Ostprovinzen eigneten sich vor allem zum Roggen- bau und würden sich beim Aushören der Roggenkonsumtion in Wildnisse verwandeln. Der Schutzzöllner Melinc sei der klügste und bedeutendste lebende Staatsmann.

Reichskanzler Caprivi hebt hervor, der vorliegende Vertrag em­pfehle sich von sich selbst aus wirthschaftlichen Gründen und bedürfe nicht der Unterstützung aus politischen Gründen. Alle Behauptungen über Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten auch im preußischen Ministe­rium und bezüglich der Währungsfrage seien durchaus unbegründet. Die Politik des Dreibunds sei nach wie vor friedlich, auch dieser Vertrag fei ein Werk des Friedens; er beweise, daß wir auf 10 Jahre an die Er­haltung des Friedens glauben. Caprivi zitirt sodann den Bismarck'schen Ausspruch vom Jahre 1879, worin dieser sagt, er werde nicht Massen nach einem Handelsverträge mit Rußland zu streben und wenn es 50