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Donnerstag den 15. Februar
0Lr. 39.
Amtliches.
Slcröt^ois ^anau. Ausschreiben.
Am Sonnabend den 10. d. Mts. abends hat sich die Ehefrau des Goldarbeiters Friedrich Becher, Marie, geb. Silz er, von hier unter Umständen und ohne Grund aus ihrer Wohnung entfernt, welche darauf schließen lassen, daß dieselbe geistesgestört umherirrt oder sich ein Leid angethan hat. Von Aschaffenburg aus, woselbst sich dieselbe bis zum 13. d. Mts. früh aufgehalten hatte, fehlt bis jetzt jede Spur ihres weiteren Verbleibs.
Die Vermißte ist 49 Jahre alt, von kräftiger untersetzter Statur, hat stark graumelirtes Kopfhaar und war bei ihrem Weggange bekleidet mit grauem Lamakleid (sog. Hauskleid), blauer Schürze, schwarzem Regenmantel, schwarzem Kopftuch unb trägt Ehering.
Um Anstellung der eingehendsten Nachforschung nach der rc. Becher und um sachdienliche umgehende Mittheilung über den Verbleib derselben anher wird ergebenst ersucht.
Hanau am 14. Februar 1894.
Königliche Polizeidirektion.
v. O ertz en.
Das Ausschreiben vom 30. Juni v. I., J.-Nr. 6596, betreffend Auftreten eines unbekannten Schwindlers und Zechprellers in hiesiger Stadt, ist erledigt. Als Thäter ist der am 16./12. 1874 zu Laun in Böhmen geborene Ludick So alte ermittelt und zur Haft gebracht worden.
Hanau am 14. Februar 1894.
Königliche Polizeidirektion.
P. 1630 v. Oertzen.
^arvö&reiö ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 17. d. M., nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau. Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilungen.
2) Besprechung des Gesetzentwurfs über Landwirthschastskammern.
3) Weiterer Vortrag des Herrn Dr. Hesse, Direktors der landw. Winterschule in Marburg, über: „Bau und Leben der landwirthsch. Kulturpflanze".
Es wird bemerkt, daß von dem Ergebniß der Berathung zu 2. dem Herrn Landtagsabgeordneten Junghenn Mittheilung gemacht werden soll.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau am 12. Februar 1894.
Der Königliche Landrath
v. O ertz en.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein kleiner Pinfcherhund m. Geschl.
Gefunden: Zwei Damenregenschirme (in Geschäften stehen geiblieben). Gin gestreiftes Kinderhemd. Ein leinenes Taschentuch. Ein Cägegestell für Goldarbeiter. Ein Kontobuch mit einigen Postkarten. $ j
Entl aufen: Ein schwarzer Spitz mit weißen Pfoten.
Verloren: Eine gelbe Pferdedecke mit rothen Streifen.
Hanau am 15. Februar 1894.
1894.
^taötUrei^ ^anait.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Nachdem in Folge des Ablaufs der Wahlperiode des Stadtrathes Herr Friedrich Jung bezw. in Folge Ablebens Herr Georg Deines aus der Deputation für Verwaltung und Verwendung der durch Ablösung an Stelle der der Altstadt Hanau zugestandenen Berechtigungen getretenen Ablösungskapitalien ausgeschieden sind, hat zur Ergänzung der Deputation die Neuwahl von 2 Mitgliedern, welche dem Stadtrath angehören müssen, stattzufinden. —
Zur Vornahme dieser Wahl bestimme ich Termin in den unteren Saal des Rathhauses auf
Mittwoch den 21. Februar er., vormittags von 9—12, nachmittags von 3—6 Uhr, und lade zu demselben die wahlberechtigten Bürger der Altstadt mit dem Bemerken ein, daß das Verzeichniß der Wahlberechtigten bis zum Wahltermin aus dem Rathhaus (Stadtsekrekariat) ausgelegt ist.
Hanau am 23. Januar 1894.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gcbeschus. 1451
Tagesschau.
Berlin, 14. Februar. Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute im Laufe des Vormittags den Vortrag des Chefs des Ziviltabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus.
Berlin, 14. Februar. Der König von Sachsen hat, wie die „Volkszeitung" verbürgt erfährt, in engerem Kreise zu Gunsten des deutsch- russifchen Handelsvertrages das Wort ergriffen. Es war bei einer Hossest- lichkeit in Dresden, vor seiner Erkrankung, daß der König dem fürstlich reuß-plauen'schen Kammerherrn von Frege gegenüber die Nothwendigkeit der Annahme des Vertrages nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse betonte. Als darauf Herr von Frege in einer längeren Rede vom Standpunkte der „nothleidenden Landwirthschaft" auseinanderzusetzen suchte, daß die Ablehnung dieses Vertrages eine dringende Nothwendigkeit sei, habe ihm der König geantwortet: „Wollen Sie denn, daß ich und meine Regierung uns künftighin auf die Sozialdemokratie stützen?" Da sich der König darauf zu einem anderen Gaste wendete, hatte Herr von Frege keine Gelegenheit, seine Ansicht über diesm Punkt zu äußern.
Berlin, 14. Februar. Die Freikonservativen beantragen im Abgeordnetenhause, die Regierung zu ersuchen, die Entscheidung über Beibe- haltung oder Aufhebung für Getreide und Mühlenfabrikate eingeführten Tarife mit ermäßigten Streckensätzen auszusetzen bis über die zur Be- feitigung bzw. Milderung des landwirthschaftlichen Nothstandes zu ergreifenden Maßregeln Beschluß gefaßt und dem Landtage Mittheilung gemacht ist. — Die Konservativen des Abgeordnetenhauses beantragen, die Berathung des Antrages Eckel's bezüglich der Staffeltarife auf Getreide und Mühlenfabrikate auszusetzen bis der russische Handelsvertrag im Reichstage verhandelt worden ist. (F. N.)
Berlin, 14. Februar. S. M. Kreuzer „Falke", Kommandant Korvettettenkapitän Graf von Moltke (Heinrich), ist laut telegrapischer Meldung an das Oberkommando der Marine am 13. Februar in Sydney eingetroffen.
Halle a. d. S., 14. Februar. Der Kaiser hat auf die Einladung, dem im August stattfindenden Universitätsjubiläum beizuwohnen, eine zusagende Antwort für den Fall ertheilt, daß seine Zeiteintheilung die persönliche Anwesenheit gestattet. Im andern Falle werde sich der Kaiser bei dem Feste vertreten lassen.
Grevenbroich, 13. Februar. Ein entsetzliches und dabn ganz eigenthümliches Unglück ereignete sich gestern Morgen hierselbst. Ein Fabrikarbeiter, der mit seiner Tochter zur Arbeit ging, wurde sammt dieser von dem herrschenden heftigen Sturm auf das Bahngeleise geschleudert. Beide wurden von einem herankommenden Zuge erfaßt; das Mädchen wurde vollständig zerstückt und blieb sofort' todt, der Vater trug schwere Verletzungen davon. (C. Tbl.)