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Nr. 25.

Dienstag den 30. Januar

1894.

Amtliches.

Landkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Von dem Königlichen 1. Hessischen Infanterieregiment Nr. 81 wird am 1. Februar d. I. ein gefechtsmäßiges Schießen mit scharfen Patronen östlich von Bergen in der Richtung nach derGroßen und Kleinen Lohe" abgehalten. Das Schießen wird vormittags um 10 Uhr beginnen und voraussichtlich bis nachmittags 2 Uhr dauern. Das Gelände, welches während des Schießens nicht betreten werden darf, wird durch die Ort­schaften BergenBischofsheimHochstadt Wachenbuchen Mittelbuchen KilianstädtenOberdorfeldenNiederdorfelden und Gronau begrenzt und durch Sicherheitsposten abgesperrt. Den Weisungen der letzteren ist Folge zu geben.

Die Herren Ortsvorstände wollen dies alsbald veröffentlichen lassen. Hanau am 26. Januar 1894.

Der Königliche Landrath.

M. 372 I. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.

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Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Wegen einer nothwendig gewordenen Reparatur in der städtischen Badeanstalt können römisch-irische sowie Douchebäder Mittwoch den 31. d. Mts. und Donnerstag den 1. Februar nicht abgegeben werden. Gewöhn­liche Wannenbäder können jedoch genommen werden.

Hanau am 29. Januar 1894.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 1369

t Die Nothstansdebatte im Reichstage.

Die Heilige Schrift erzählt von einem reichen Manne, der einem Armen dessen Lamm nahm und es schlachtete, um eine Gasterei auszurichten. Just wie der reiche Mann in diesem Gleichniß verfährt die sozialdemokra­tische Fraktion, wenn sie die Winterszeit benutzt, die naturgemäß in gewissen Betriebszweigen zeitweilige Arbeitslosigkeit mit sich bringt, um eine Noth­standsdebatte zu inszeniren. Das geschieht nun schon das dritte Mal, und jedesmal verfährt sie dabei nach einem feststehenden Programm. Sobald der strenge Frost eintritt und insbesondere die Bauarbeit stille stehen muß, ergibt sich in den Großstädten und namentlich in Berlin für die betheiligten Arbeiterkreise ein Geschäftssiillstand, und die Zahl der Beschäftigungslosen wird, wie die Erfahrung lehrt, durch den Zuzug von Landstreichern ver­mehrt, die die Kälte von der Landstraße in die Stadt hineintreibt. Daß unter diesen Leuten die Anhänger der Sozialdemokratie und des Anarchismus, wenn sie auch nicht die Mehrheit bilden, doch das große Wort führen, ist selbstverständlich; und die berufsmäßigen Parteigänger, die aus der Sozial­demokratie oder dem Anarchismus ein Gewerbe machen, finden in den Ge­müthern dieser Arbeitslosen einen leicht zu bearbeitenden Boden für die schlimme Saat ihrer Irrlehren. Die Sozialdemokratie rühmt sich der Mil­lionen, die sie aus den Pfennigbeiträgen ihrer Anhänger zusammenbringt. Das Geld gehört aber für die parteipolitische Propaganda; damit werden die' Apostel der Gleichheits- und Freiheilslehre bezahlt und die Blätter unter­halten, mit denen man Stadt und Land überschwemmt. Für die nothleiden­den Kameraden ist kein Pfennig übrig, den einen Fall ausgenommen, wenn es gilt, ausständige Arbeiter einige Zeit über Wasser zu halten; dieser Fall rechtfertigt sich ja vor dem parteipolitischen Gewissen dadurch, daß er eben wieder der parteipolitischen Propaganda dient, die ja meist um ihrer selbst willen die Ausstände frivoler Weise heraufbeschworen hat.

Also werkthätige Hülfe kann und will die Sozialdemokratie den be­schäftigungslosen Arbeitern nicht leisten; aber sie nutzt sie für ihre Zwecke aus. Die Erfahrung der letzten Winter bat gezeigt, daß der Anfang regel­mäßig den Anarchisten überlossen bleibt; sie berufen eine Versammlung ein, an die sich eine große Straßenkundgebung schließen soll: der imposante Zug derArbeitslosen" soll zeigen, wie groß die unverschuldete Noth ist und

Staat und Behörden sollen zur Abhilfe gezwungen werden. Die Versamm­lung wird auf, elèst, die Zusammenrottung der Theilnehmer auf den Straffen durch das Einschreiten der Polizei verhindert, wobei es natürlich nicht immer mit guten Worten sein Bewenden hat; kommt es zu Widerstand und ernsten Thätlichkeiten, so behauptet man kühn, die Polizei habe angefangen, oder es seien Lockspitzel gewesen, die die Menge aufgewiegelt hätten, damit es zum Blutvergießen komme. Das ist das Vorspiel; nun tritt die Sozial­demokratie, die wohldisziplinirte und wissenschaftlich geleitete, auf den Plan und veranstaltet ihrerseits Versammlungen der Arbeitslosen, in denen die brutale Vergewaltigung" des nothleidenden Volkes in wohle es,tzten Reso­lutionen an den P' anger gestellt wird. Diesmal aber sind Einberufer und Redner gewitzigte Leute, die durch die Maschen des Gesetzes und Polizei­statuts durchzuschlüpfen, Auflösung und Handgemenge wohl zu verhüten wissen. Diese Versammlungen zweiter Ordnung stehen sonach als unan­sechtbarer Beweis da, wie selbst der nothleidende Proletarier Mäßigung und Disziplin bewahrt.

Nun kommt die dritte und Hauptaktion, die Interpellation im Reichs­tage:Welche Maßregeln haben die verbündeten Regierungen ergriffen oder gedenken sie zu ergreifen, um dem notorisch vorhandenen Nothstand entgegen­zuwirken rc. rc." Reichstag und Bundesrath haben sich noch jedesmal diesen Interpellationen gegenüber sehr nachsichtig erwiesen; man ließ den sozial­demokratischen Rednern bereitwillig Raum, so viele und wie viel sie reden wollten, und ließ sich auch auf die ausführlichsten Auseinandersetzungen mit ihnen ein. Im vorigen Winter dauerte diese Notbstandsdebatte volle fünf Tage und Herr Bebel batte Gelegenheit, die ganze Theorie vom sozialistischen Zukunftsstaat zu entwickeln. Oder vielmehr, er hätte sie gehabt, wenn er über die Androhungen vomgroßen Kladderadatsch" hinausgekommen wäre; als er aber sagen sollte, wie denn die neue Weltordnung gemacht werden und aussehen sollte, da versagte seine Beredtsamkeit. Diesmal beschieden sich die Sozialisten mit. einer zweitägigen Debatte, und sie mußten ihre that­sächlichen Klagen auf dieVergewaltigung" der Arbeitslosen am 18. Januar es war nämlich an diesem Tage als dem muthmaßlichen des Ordens­festes eine Kundgebung vor dem Königlichen Schlosse beabsichtigt gewesen und auf die traurigen Zustande bei den Webern im Eulengebirge beschrän­ken. Daß man in Deutschland von einem allgemeinen Nothstände reden könne, konnten sie bei dem gegenwärtigen müden Winter noch weniger be­haupten als voriges Jahr.

Andererseits aber war der Staatssekretär des Innern in der Lage, nach Berichten, die er von sämmtlichen Bundesregierungen erhalten hat, ein allgemeines Bild über die gegenwärtige Lage des deutschen Arbeitsmarktes zu geben. Danach zeigt sich ein gewisser Nothstand lediglich in den großen Städten, und er trifft nicht allein die industriellen Arbeiter, sondern be­schwert auch die industriellen Arbeitgeber. Zu klagen haben das Baugewerk mit Ausnahme von Schlesien, Elsaß und Franken; die Ziegeleien mit Ausnahme von Ost und Westpreußen, Schlesien und Hannover; die Eisenindustrie, der Erzbergbau und die Spiegelglasfabrikation. Günstig hingegen stehen die Zuckerindustrie, die chemische und Schuhwaarenindustrie, die Brauereien, der Kohlenbergbau und die Textilindustrie da letztere mit Ausnahme der Sammt- und Seidenindustrie am Niederrhein, der mär­kischen Tuchwirkerei und verschiedener Branchen im Königreich Sachsen.

Wenn auch in einzelnen Großstädten Mangel an Beschäftigung herrscht, so kann umgekehrt in anderen Distrikten die Nachfrage nach Ar­beitern nicht befriedigt werden; so bei der Landwirthschaft in den preußischen Ostprovinzen, in der Pfalz, in Franken, Schwaben und im Königreich Sachsen; bei der Textilindustrie in Hannover, Westfalen und Württem­berg; beim Handwerk in der Oberpfalz, Württemberg, Schwaben und Lothringen.

Was die Lohvverhältnifse betrifft, so ergaben die Uebersichten der Berufsgenossenschaftcn den rechnungsmäßigen Beweis für die bekannte Thatsache, daß sich die Löhne seit Jahren auf dem aufsteigenden Ast be­wegen. 1886 betrug der durchschnittliche Einzellobn 732 Mark, 1892 aber 868 Mark; er ist in dieser Zeit um 18,5 Proz., im Durchschnitt jährlich um 9,7 Proz. gestiegen. Die Besserung in der Lebenstaltung des Arbeiterstandes ergibt sich euch in der Abnahme der Steuerrüüstände und des Leihhausverkehrs, anderseits in der Zunahme der Sparkasseneinlagen.