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Nr. 23.

Samstag den 27. Januar

1894.

Zu Kaiser«

Wenn des Wintertages knappe Stundenzahl bereits sichtbarlich im Zunehmen begriffen, wenn sich durch der Januartage grau Gewölk bereits der erste Sonnenstrahl stiehlt, wenn das zagende Menschenherz bereits von neuer Frühlingshoffnung belebt ist, dann ist auch das ^ft erschienen, das jedes deutsche Herz mit Freude, mit Jubel begrüßt. Mit Jubel, denn es gilt dem Füisten, dem jedes Herz in deutschen Landen in Liebe entgegen­schlägt, dem deutschen Kaiser, dessen Szepter über dem geeinigten deutschen Reiche waltet, dem Landesvater, dessen Treue und Hingebung für seine hohe Aufgabe vom Augenblicke seines Regierungsantrittes an bis auf den heutigen Tag stets sich bewährt hat und weiter bewähren wird. Und da sich ein Jeder im ganzen Reiche dessen bewußt ist, da ein Jeder vom Höchsten bis zum Geringsten mit unbegrenzter Liebe aufschaut zu dem erlauchten Kaiser­hause, deshalb feiert auch den Geburtstag des kaiserlichen Herrn das ganze Volk mit gleicher Liebe, mit gleichem Stolze, - mit Dankbarkeit und Ver­ehrung. So wehen denn vom kaiserlichen Residenzschlosse bis in das ent­fernteste Gebirgsdorf, vom Palaste bis zur niedrigsten Fischerhütte die Fahnen und Flaggen, kündend die Festesfeier, so braust auch heute wieder der viellausendstimmige Jubelruf eines ganzen, großen, des gesammten deutschen Volkes zu des deutschen Kaiserthrones Stufen, der Jubelruf:

Es lebe der Kaiser!

An seinen Thaten ist des Menscken Werth zu erkennen." Wenn jemals dieses Wort der Wahrheit entsprochen, so findet es dem Herrscher gegenüber seine Anwendung, der auf der Menschheit Höhen wandelnd, dernoch wie kein anderer Bewohner unserer Erde dem Urtheile der Mit- und Nachwelt ausgesetzt ist. Wenigen der Fürsten nur ist es vergönnt, sich der Sym­pathien der Mitwelt und später auch der Nachwelt zu erfreuen, wenigen nur widmet die Weltgeschichte die gleichen Worte der Anerkennung, die dem Munde der Zeitgenossen lob,nd entquollen. Nur jene wenigen Monarchen, die für das Volk schaffend und ringend, mit demselben im innigen Verein das Gute, das Edle, das Schöne erstrebt und, soweit es Menschenkräften gegeben, auch erreicht haben, nur jene Fürsten, deren Thron, von des Volkes Liebe getragen, unverzagt und tapfer das eine große Ziel im Auge haben: das Glück des Volkes zu fördern und zu erhalten, nur sie haben der Fürsten schönste und erhabenste Pflicht erfüllt und auf sie paßt des Dichters hohes Wort:Wer sich selbst und wer den Besten seiner Zeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten." Und glücklich preisen darf sich unser deutsches Vaterland, daß es an seiner Spitze einen Kaiser besitzt, der seine hohe und gottbegnadete Aufgabe so voll und ganz von Anfang an und zu allen Zeiten erfaßt hat. Des Volkes Liebe, die sich überall und immerdar |

Geburtstag.

dem Herrscher gegenüber kund gibt, sie ist der beste Prüfstein für alle Zeiten, sie ist das unvergängliche Denkmal, das bei Lebzeiten bereits sich selbst zu setzen dem Monarchen vergönnt ist, ein Denkmal, das dauernder, als Stein und Erz, sich bis in die fernsten Tage erhält. Und dieses schöne Denkmal, emporgebaut aus der Liebe des Volkes, jetzt und später zierend unser Vater­land, gleich ehrend Volk und Kaiser, es zu errichten hat Kaiser Wilhelm II. verstanden.

Und daß diese Liebe zum deutschen Kaiser wirklich in den breitesten Volksmassen Wurzeln geschlagen, daß sie echt und wahr und weit erhaben über die konventionelle Lob- und Liebeshudelei, mit der in manchen anderen Staaten des ersten Mannes im Staate gedacht wird, das beweist die dies­jährige großartige und allgemeine Kaiser-Geburtstagsfeier, an der alle Stände und Berufe, alle deutsch und patriotisch gesinnten Herzen theilnehmen. Nicht eben leicht ward es von jeher, des deutschen Volkes Herzen zu gewinnen und diese Aufgabe wurde für Kaiser Wilhelm II. erst recht keine leichte. Ist schon an und für sich das Volk der Denker nicht so leicht zu gewinnen, ist es schon an sich schwer genug, die b> eiten Volksmassen Deutschlands aus ihrem zurückhaltenden Abwmten zur Antheilnahme und zur Begeisterung zu entflammen, so war diese Aufgabe um so schwerer, als die Vorgänger Kaiser Wilhelm II., zwei lichte Heldengestalten und Nationalherocn des deutschen Volkes, beständig zu Vergleichen herauszufordern schienen. Aber um so größer der Erfolg des jetzigen deutschen Kaisers, daß er, ruhig und sicher seinen Weg vorwärts gehend, diese Vergleiche nicht zu scheuen brauchte, daß er, sich sehr bald als der würt ige Nachfolger seiner großen Vorfahren zeigend, immer mehr und mehr ihnen znr Seite gestellt wurde, bis schließ­lich auch die Vorsichtigen und Abwartenden überzeugt und für ihn gewonnen wurden. Und so kommt es denn, daß gerade in diesem Jahre die kaiser­liche Geburtstagsfeier sich besonders glänzend gestaltet, daß an ihr alle Kreise, Berufe und Stände theilnehmen, daß sie als sichtbaren Ausdruck der Gesinnung des deutschen Volkes gelten kann und soll.

So mögen denn am heutigen Tage die Festeswünsche, die aus dem ganzen Reiche dem edlen Fürsten entgegentönen, den Beweis liefern, daß das deutsche Volk in unerschütterlicher Treue und Liebe zu seinem Kaiser­hause steht, so wögen die flatternden Fahnen, die Klänge der Festmustk, der Donner der Kanonen die Glückwünsche zu des deutschen Kaiserthrones Stufen tragen, so erschalle auch heute, alle diese Wünsche zusammenfassend, der donnernde Jubelruf durch das ganze weite deutsche Reich:

Heil Kaiser Wilhelm, Heil!

Amtliches.

Stadtkreis Hana«.

Polizeiverordnang.

Auf Grund der §§. 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 und der §§. 5 und ff. der Allerhöchsten Verordnung über die Polizeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen vom 20. September 1867 wird hierdurch nach Zustimmung des Stadtraths für den Bezirk des Stadtkreises Hanau Folgendes verordnet.

8- 1.

Die Besitzer von Tauben sind verpflichtet, dieselben während der Zeit der Aussaat im Frühjahr und im Herbst je einen Monat eingesperrt zu halten.

8. 2.

Der Termin des Eingesperrthaltens für die Frühjahrsaussaat wird jedesmal von der Königlichen Polizeidirektion bestimmt und im Kreisblatt verkündet, während derjenige für die Herbstaussaat ein für alle Mal auf die Zeit vom 25. September bis 25. Oktober festgesetzt wird.

8. 3.

Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung haben Geldstrafen bis zu 30 Mark zur Folge.

Hanau am 23. Januar 1894.

Die Königliche Polizeidirektion.

P. 983 J. A.: Dr. Köhler, Regierungsasfesfor.

Landkreis Hana«.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.^

Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 30. April 1887 Hanauer Anzeiger Nr. 106 bringe ich die Einrichtung in Erinnerung, daß in jedem Frühjahr und Sommer in der Baumschule zu Breitenau zur Förderung des Verständnisses und Interesses für Obstb0«mz«cht praktische Unterweisungskurse in den verschiedenen Veredelungsmethoden mit 4- bis 6tâgiger Dauer unentgeltlich statifinden.

Hanau am 16. Januar 1894.

Der Königliche Landrath.

V. 97 J. V.: Schneider, Kreissekretär.