UronnementS- PreiS:
Jährlich 9 M Halbj.4-^ö0^.
Vierteljährlich 2-â 25^. Mr auswärtige Abonnenten mit km betreffenden Potzaufschlag.
Die einzelne Nummer 10 ,&
fi«Mller Ammer.
V Zugleich
ArntticHes Hrgan für Ktcröt- und LcrrröKreis Karrcru.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
SofertiottS- I Preis :
Die Ispaltige : Sarmondzeil« aber beten Storni 10^.
Die 1‘Âfp. Zeile 16 -4.
Die Lspalt. Zeile 20 ^.
Die Sspalt. Zeile 30 ^.
Nr. 16.
Freitag den 19. Januar
1894.
Amtliches.
Landkreis Hanan.
B-kanntmach««gen des Königlichen Landralhsamtes.
Der Rheinisch-Westfälischen Pastoralgehülfen- oder Diakonenanstalt zu Duisburg habe ich mit Rücksicht auf ihre ausgedehnte und segensreiche Wirksamkeit, zur Aufbesserung ihrer beschränkten durch den Neubau eines Krankenhauses noch besonders in Anspruch genommenen Mittel, die Abhaltung einer Hauskollekte in den evangelischen Haushaltungen des Preußischen Staats — mit Ausnahme der Provinzen Rheinland, Pommern und Schleswig-Holstein — für den Zeitraum vom 1. Juli 1894 bis dahin 1895 bewilligt.
Indem ich Ew. Exzellenz hiervon ganz ergebenst in Kenntniß setze, ersuche ich Sie, den beteiligten Behörden Ihres Verwaltungsbezirkes von der Gestattung der Kollekte gefälligst Nachricht zu geben und dieselben dahin mit Anweisung zu versehen, daß den durch Kollektonten der genannten Anstalt im Wege der Hauskollekte zu veranstaltenden Sammlungen keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden.
Die betreffenden Kollektanten werden Seitens der Direktion der Anstalt mit von der Polizeibehörde des Anstaltsdomizilortes beglaubigten Legitimationen und paginirten Sammellisten versehen werden.
Die Ausnahme der genannten 3 Provinzen beruht, wie ich schließlich bemerke, darauf, daß das Arbeitsfeld der Anstalt auf Pommern und Schleswig-Holstein sich noch nicht erstreckt, für die Rheinprovinz aber Seitens des Oberpräsidenten eine Hauskollekte bereits bewilligt ist.
Berlin den 18. Dezember 1893.
Der Minister des Innern.
gez. Graf zu Eulenburg.
An den Königlichen Oberpräsidenten Herrn Magdeburg Exzellenz zu Cassel. I. B. 8949.
Die Poliz°ibehörden und die Königl. Gendarmerie werden angewiesen, den zu veranstaltenden Sammlungen keinerlei Hindernisse in den Weg zu legen.
Hanau am 12. Januar 1894.
Der Königliche Landrath
V. 405 v. Oertzen.
Die Lieferung der Fourage für das Etatsjahr 1894/95 für die in Hanau, Bruchköbel und Dörnigheim stationirten Gendarmeriepferde soll Freitag den 26. d. Mts., vormittags 9 Uhr, aus dem land- rätdlichen Büreau verdungen werden. Reflektanten werden zur Abgabe des mündlichen Gebots hierzu eingeladen.
Hanau am 15. Januar 1894.
Der Königliche Landrath.
M. 150 I. V.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 2«. Januar, nachmittags 2^8 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.
Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilungen.
2) Besprechung über die Sorten Saatfrucht, welche beschafft werden sollen (Schlußtermin zur Betheiligung an der gemeinsamen Beschaffung).
3) Vortrag des Herrn Dr. Hesse, Direktor der landwirthschaftlichen Winterschule in Marburg, über: „Bau und Leben der landwirthschaftlichen Kulturpflanze".
Bei dem großen Jmeresfe, welches der Gegenstand dieses Vortrags bietet, sind außer den Mitgliedern des Vereins Landwirthe und Freunde der Landwirthschaft zu der Versammlung höflichst eingeladen.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau am 15. Januar 1894.
Der Königliche Landrath
v. Oertzen.
Dienstnachrichten" aus dem Kreise.
Gefunden: Baares Geld, dl' Zwei kattunene Frauenhalstücher. Vier weiße Kragen. Ein schwarzer Glacehandschuh. Ein Brief, adresstrt an Ernst Königsdorf, Braunschweig.
Verloren: Ein schwarzes Portemonnaie mit ca. 38 Mk. Inhalt (von der Altgasse nach dem Theater).
Hanau am 19. Januar 1894.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Auf der Sandelmühle, Nordstraße Nr. 12, ist ein großer gewölbter Stall und darüber befindlicher Bodenraum, ferner in der früheren Brodfabrik das I. Obergeschoß mit einem Zimmer zu vermiethen. Die genannten Räume eignen sich auch als Lager.
Näheres im Stadtbauamt, Zimmer Nr. 25.
Hanau am 16. Januar 1894.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 870
Bekanntmachung.
Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß auf dem Stadtbauamt, Neustädter Rathhaus Zimmer Nr. 24, nur von morgens 10 bis 12^2 Uhr werktäglich Latrinen gr«bene«tleerimgen ange- , meldet werden können.
Hanau am 12. Januar 1894.
Der Oberbürgermeister _______________________Dr. Gebeschus._________________ 752
NB Der Mittel- und der Arbeiterstand.
Die sozialdemokratischen Führer operiren bei ihrer systematischen Be- thörung der Massen hauptsächlich mit zwei Behauptungen. Die eine geht dahin, daß es dem Arbeiterstande bei der heutigen Produktionsweise immer schlechter gehe, die andere dahin, daß die jetzige Wirthschaftsordnung den Mittelstand völlig zerreibe und in absehbarer Zeit sich nur Grobkapitalisten und Proletarier gegenüberstehen werden. Würde den Massen klar werden, daß diese Behauptungen völlig unzutreffend sind, so würde die sozialdemokratische Führerherrlichkeit bedenklich ins Wanken kommen. Die Herren Bebel und Genossen strengen sich denn auch aufs eifrigste an, alle Thatsachen, die gegen diese Behauptungen sprechen, dem Gesichtskreise ihrer Anhänger zu entrücken. So geschieht dies neuerdings mit den Zahlen, welche die sächsische Einkommensteuerstatistik ergeben hat. Durch die letztere wird klipp und klar bewiesen, daß sich seit 1879 die Zahl der Unbemittelten (Einkommen von 300 bis 800 M.) von 70 auf 60 pCt. aller Eingeschätzten vermindert und die Zahl der zum Mittelstände gerechneten Personen mit 800 bis 3300 Mark sich von 20 aus 30 pCt. gesteigert hat. Gegen diese Zahlen ist nicht anzukämpfen. Es wird durch dieselben unwiderleglich festgestellt, daß die Einkommen des Arbeiterstandes und des Mittelstandes zunehmen, während es andererseits notorisch ist, daß die Preise der Lebensmittel so ziemlich die gleichen geblieben sind. Die sozialdemokratischen Führer geben sich denn auch keine Mühe, die Zahlen zu widerlegen. Dagegen haben sie sich zwei feine Argumente ausgesonnen, welche trotzdem für die Richtigkeit ihrer oben angegebenen Behauptungen zeugen sollen. Es ist nämlich auch festgestellt, daß in Sachsen während des letzten Jahres 30 Pferde mehr zum menschlichen Konsum geschlachtet sind, als während des vorhergehenden Jahres. Man denke ganze 30 Pferde! Und auf diesen Pferden reitet nun die sozialdemokratische Presse herum. Daß aber daneben der übrige Fleischverbrauch bedeutend gestiegen ist, wird verschwiegen^ Das andere Beweismittel ist noch „genialer". Es ist in der erwähnten Statistik festgestellt, daß in den Städten im Jahre 1892 auf den Kopf der Bevölkerung 559 Mk. Einkommen entfallen. Die Herren Sozialdemokraten verwandeln dieses Einkommen flugs in ein solches für eine Familie und jammern nun darüber, daß eine Familie doch nicht mit einem solchen^ Einkommen leben könnte. Man sieht, die sozialdemokratischen Führer können gegen die den Thatsachen entsprechenden Zahlen nichts, aber auch rein gar nichts anführen, sie greifen deshalb zu Anderem, um ihren Anhängern gegenüber im Recht bleiben zu können. Man sollte meinen, daß sich ein solches Verfahren bald rächen werde. Jedoch würde man dann den Fanatismus der sozialdemokratischen Arbeiterschaft nicht in Betracht ziehen. Dieser