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Nr. 14.
Mittwoch den 17. Januar
1894.
Amtliches.
Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Landwirthschaftlicher Kreisverein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 20. Januar, nach- msttags 2'/? Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.
Tagesordnung:
1) Geschäftliche Mittheilungen.
2) Besprechung über die Sorten Saatfrucht, welche beschafft werden sollen (Schlußtermin zur Beteiligung an der gemeinsamen Beschaffung).
3) Vortrag des Herrn Dr. Hesse, Direktor der landwirthschafilichen Winterschule in Marburg, über: „Bau und Leben der landwirth- schaftlichen Kulturpflanze".
Bei dem großen Interesse, welches der Gegenstand dieses Vortrags bietet, sind außer den Mitgliedern des Vereins Landwirthe und Freunde der Landwirthschaft zu der Versammlung höflichst eingeladen.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschafilichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen.
Hanau am 15. Januar 1894.
Der Königliche Landrath
v. Oertzen.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein gelber Ring mit Stein. Ein silbernes Armband mit Koralle (in der Marienkirche). Ein Glacehandschuh (rechter). Ein rundes Umhängsel von weiß und hell- blauen Perlen.
Verloren: Eine goldene Broche in Blattform. Von der Dammstr. nach dem Theater ein goldene Damenuhr. Eine Brille mit Futteral; dem Wiederbringer eine Belohnung.
Entlausen: Ein Wolfsspitzhund.
Hanau am 17. Januar 1894.
Thronrede.
Berlin, 16. Januar. Die feierliche Eröffnung der beiden Häuser des Landtages wurde heute Vormittag durch Se. Majestät den Kaiser und König mit folgender Thronrede eröffnet:
„Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages I
Indem Ich Sie bei dem Beginn eines neuen Abschnittes der parlamentarischen Thätigkeit begrüße, vertraue Ich, daß das Bestreben Meiner Regierung, den Bedürfnissen des Landes gerecht zu werden, in Ihrer bereitwilligen und einsichtsvollen Mitwirkung auch ferner eine sichere Stütze finden wird. Die Finanzlage des Staates hat sich noch nicht gehoben. Die Rechnung des Jahres 1892/93 ergibt, wesentlich infolge des Zurückbleibens der Einnahmen der Staatseisenbahnen gegen den Anschlag, einen Fehlbetrag von rund 25 Millionen Mark, welcher durch eine Anleihe zu decken sein wird. Die beim Schluffe der letzten Tagung des Landtags ausgesprochene Hoffnung, daß der im Voranschläge für das laufende Jahr vorgesehene Fehlbetrag die veranschlagte Höhe nicht erreichen werde, hat fich zwar inbetreff der eigenen Einnahmen und Ausgaben Preußens bestätigt, wird jedoch infolge des Rückganges der Ueberweisungen des Reiches und der bedeutenden Steigerung der Matrikularumlagen nicht in dem er- «arteten Maße erfüllt werden.
In dem Staatshaushaltsetat für 1894/95, dessen Entwurf Ihnen alsbald vorgelegt werden wird, erweisen sich die Einnahmen des Staates wiederum als unzureichend zur Deckung des Ausgabebedarfs, und es muß dazu der Staatskredit noch in größerem Umfange in Anspruch genommen werden, als für das laufende Jahr. Dieses unerwünschte Ergebniß war, obgleich bei Bemessung des Ausgabebedarfs die strengste Sparsamkeit obge- waltet und obgleich bei den Staatsetsenbahnen für das nächste Jahr
größere Ueberschüsse in Aussicht genommen werden konnten, nicht zu vermeiden, da die Anforderungen des Reiches an die Einz-lstaaten in erhöhtem Maße gestiegen find. Die hieraus erwachsenden Schwierigkeiten können nur durch eine durchgreifende Neuordnung der finanziellen Verhältnisse des Reiches und eine angemrssene Vermehrung seiner eigenen Einnahmen gehoben werden.
Die Fürsorge der Staatsregierung für die äußere Lage der Beamten hat sich unter diesen Umständen im Wesentlichen darauf beschränken müssen, das System des Aufsteigens im Gehalt nach Dienstoltersstufen auf die höheren Beamten auszudehnen und die Mittel bereit zu stellen, um dieses System für die mittleren und unteren Beamten gleichmäßiger und durch die Mitberücksichtigung diätarischer Dienstzeit günstiger zu gestalten.
Für die Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen nichtstaatlichen mittleren Schulen soll durch eine Vorlage gesorgt werden, welche das Ruhegehalt der Lehrpersonen, sowie das Wittwen- und Waisengeld für ihre Hinterbliebenen zu regeln bestimmt ist.
Auch in diesem Jahre wird Ihnen ein Gesetzentwurf wegen Erweiterung des Staatseisen bahnnetzes durch Herstellung neuer Eisenbahnlinien zugehen. WW '
Um den Unternehmern von Eisenbahnen und Kleinbahnen den Realkredit, dessen sie bisher cntb-hrten, zu eröffnen, bedarf es eines G setzes, welches die rechtswirksame Verpfändung des Bahneigenthums ermöglicht. Der Entwurf eines solchen wird zu Ihrer Berathung gelangen.
Infolge ungewöhnlicher Dürre im verflossenen Frühjahr sind um- f(WQT£tCy€ BanWl^tlU DUH beDlDhUHrttr OUcw u^V ^ullcvm Är»nns ^ölvAfförr wo den. Zur Bekämpfung dtsfelben haben im Anschluß an die Maßnahmen Meiner Regierung die Organe der Selbstverwaltung und die landwirthschafilichen Vereine, wie Ich gern anerkenne, umsichtig und thatkräftig eingegriffen. Dank diesem Zusammenwirken und der späteren fruchtbaren Witterung ist dem befürchteten Nothstände gesteuert worden.
Mit um so schwererer Sorge erfüllt Mich die schwierige Lage, in welcher aus anderen Gründen die Landwirthschaft zu einem großen Theil sich befindet. Angesichts der hohen Bedeutung der Landwirtbschvfi für das Staatswohl erkenne Ich es als die Aufgabe Meiner Regierung, nicht nur fortgesetzt das Gedeihen der Landwirthschaft zu fördern, sondern auch eine Gestaltung der Rechtsverhältnisse des ländlichen Besitzes zu erstreben, die ihn in den Stand setzt, auch ungünstige Zeiten zu überwinden.
Ein so schwieriges Werk ist nicht durchführbar ohne die dauernde Mitarbeit selbstständiger, auf öffentlich rechtlichem Grunde ruhender Organe der Berufsgenossen, an welchen es bisher der Landwirthschaft fehlt. Die Herstellung einer allgemeinen korporativen Vertretung der Landwirthschaft ist daher der erste nothwendige Schritt zu dem bezeichneten Ziele. Diese Vertretung wird berufen sein, die Hebung der Landwirthschaft durch gemeinsame Einrichtungen zu betreiben, der Regierung als Beirath zu dienen j und bei der Vorbereitung und Durchführung der Maßregeln der Gesetzgebung und Verwaltung mitzuwirken, welche auf die Verbesserung des Kreditwesens und die Beseitigung der Nebelstände gerichtet sind, die auf der übermäßigen Verschuldung des Grundbesitzes und den ungeeigneten Formen derselben beruhen.
Zu diesem Behufe wird Ihnen der Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung von Landwirthschastskammern vorgelegt werden.
In einer Zeit, in der die Unzufriedenheit vielfach geschürt und der Kampf der Meinungen und Interessen mit zunehmender Schärfe geführt wird, gilt es, durch die versöhnende Wirkung gemeinsamer Arbeit den Ausgleich der Gegensätze zu fördern und ihn zu finden in dem aufrichtigen Streben nach dem unverrückbaren Ziele, dem Wohle des Vaterlandes.
Dazu gebe Gott Segen und Gelingen!"
Sobald die Verlesung der Thronrede beendet war, trat der Präsident des Staatsministeriums wiederum vor und erklärte auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät den Landtag der Monarchie für eröffnet.
Seine Majestät der Kaiser und König verließen hierauf unter dreimaligem Hoch der Versammlung, welches der derzeitige Alterspräsident des Hauses der Abgeordneten, Abgeordneter Dieben ausbrachte, in Begleitung Ihrer Königlichen Hoheiten der Prinzen, huldvoll nach allen Seiten grüßend, den Weißen Saal.