Einzelbild herunterladen
 

Stimmen aus Frankreich.

Ebenso schwarz, wie das „Petit Journal" (gestrige Nummer unseres Battes. Die Red.), malt die „Petit e Presse" vom 18. Mai 1893 die Zukunft Deutschlands, indem sie ausführt:

„England wird nicht mehr lange mit Deutschland liebäugeln, weil es sieht, daß die furchtbare, vom eisernen Kanzler auf den Trümmern Frankreichs errichtete Machtstellung sehr bedeutend ge­schwächt ist."

Noch schärfer geht das „XIX. Siécle" vom 11. Mai 1893 ins Zeug, das folgendes ausführt:

„Wenn die Deutschen nicht eine so heillose Angst wegen des Ver­brechens (!) hätten, das ste durch die gewaltsame Wegnahme von Elsaß- Lothringen begangen haben, wenn das Schreckbild der Revanche nicht ihren Schlaf störte, wenn sie nicht fest an das Auftauchen unserer Rothhosen in ihren Grenzen glaubten, so würde Wilhelm II. in den Lüften den starken Hauch verspüren, der der Vorläufer der Revolu­tionen ist."

In der „Estafette" vom 8. Mai 1893 liest man wörtlich:

„Unsere militärischen Einrichtungen sind so vollständig und so voll­kommen, als sie nur sein können. Unser Parlament hat niemals mit der Regierung um die Mittel und Hilfsquellen gemarktet oder ge­feilscht, welche diese als für die Landesvertheidigurg nothwendig er­achtet hat. Und bei uns würde kein ultramonianer Abgeordneter cs wagen (wie es der Zentrumsmann Dr. Lieber gethan hat!) die Existenz seiner Partei über die Existenz Frankreichs als große Nation zu stellen."

Und in einem von den französischen Bauern massenhaft gelesenen Blatte, der „Gazette du Billage" (vom 14. Mai 1893), sagt der französische Unterstaatssekretär Delcasfö:

„Unsere Hilfsquellen erlauben uns, jede Ausgabe für das Kriegs­wesen zu leisten, wie es noch kein Volk zu keiner Zeit gethan hat. Und der französische Patriotismus wird kein Opfer ver­weigern, wird niemals gegen die Forderungen der Regierung der Republik für die Verstärkung unserer Heeresmacht stimmen, namentlich wenn es sich darum handelt, Deutschland die Spitze zu bieten.

Wie die Franzosen künftig den Krieg führen wollen, das sagte vor 3 Jahren ein militärisches Fachblatt ,,le Progrés militaire“. Dieses Blatt schrieb unter dem 4. Juni 1890:

„Wenn unsere Reitergeschwader sich über die Fluren jenseits des Rheines ergießen, so werden sie alle Regeln des Gehorsams, der Dis­ziplin und der sonst auch dem Feinde schuldigen Mensch­lichkeit vergessen und nur Ruinen hinter sich lassen."

L K g S s s ch Ä S*.

Berkin, 20. Juni. Seine Majestät der Kaiser und König begaben Sich, wie aus Kiel gemeldet wird, heute Vormittag um 91/* Uhr auf den Exerzirplatz der Flotte, besichtigten an Bord des Flaggschiffs „Baden" die EinzelschWübungen und kehrten nachmittags in den Hastn zurück.

Berlin, 20. Juni. An den Stichwahlen sind, dem „Reichsanz." zufolge, nach amtlichen Ermittelungen beiheiligt: Konservative 51, Reichs­partei 23, Nationalliberale 74, Zentrum 34, Freisinnige Vereinigung 12, Freisinnige Volkspartei 31, Sozialdemokraten 82, Süddeutsche Volks­partei 10, Polen 11, Welfen 9, Antisemiten 16, Elsässer 2, bei keiner Fraktion 5.

Berlin, 20. Juni. Herr Liebermann von Sonnenberg fordert in einer öffentlichen Eiklärung alle Antisemiten auf, bei den Stichwahlen, bei denen sie nicht selbst betheiligt sind, unter Zurückdrängung aller partei­politischen Erwägungen Mann für Mann für denjenigen Kandidaten zu stimmen, der sich verpst-chret, für die Heeresvorlage zu stimmen.

Berlin, 20. Juni. In dem heutigen Prozeffe gegen Bankier- Schulze und Genossen wegen unordentlicher Führung der Geschäftsbücher und Depotunterschlagungen in 88 Fallen, Untreue in 12 Fällen, Vor­spiegelung falscher Thatsachen in 2 Fällen wurden, nach der „Fr. N.", Bankier Viert zu achtjährigem Gefängniß und achtjährigem Ehrverlust, Bankier Schulze zu fünfjährigem Gefängniß und fünfjährigem Ehrverlust verurtheilt. Beiden wurde die sechsmonatliche Untersuchungshaft angerechnet. Der Angeklagte Treutler wurde freigesprochen.

Berlin, 20. Juni. Der langjährige Zeichner des „Kladderadatsch", Wilh. Scholz, ist heute gestorben. (Rh. K.)

Schneidemühl, 20. Juui. Die durch den Brunnenbau hervor­gerufene Erdsenkung beträgt, wie der „Reichsanz.", meldet, bereits mehr als 1 in. Zerstört sind bis jetzt 23 Häuser; achtzig Familien mußten ihre Wohnungen räumen. Pioniere sind zur Hilfeleistung eingetroffen. Heute früh gegen 4 Uhr stürzte das Straubel'sche Haus in sich zusammen, und jeden Augenblick erwartet man den Einsturz von anderen Häusern in der Großen und Kleinen Kirchenstr.

Köln, 20. Juni. In der vergangenen Nacht ist das oberste Stock­werk der Irrenanstalt in Eichsberg (Rheingau) abgebrannt; mehrere Kranke werden vermißt. (Fr. N.)

Straßburg, 19. Juni. Ueber die Wahlergebnisse im Elsaß

schreibt man dem „Schwab. M.": Angesichts der von den Sozialisten un­ternommenen Wühlereien, die vom Auslande her noch unterstützt wurden, hat der Wahlausfall in Elsaß-Lothringen die kühnsten Erwartungen über­troffen. Voran zu erwähnen ist die Wahl des Prinzen Alexander von Hohenlohe, der, ohne sich selbst um das Mandat zu bewerben, mit 13 085 Stimmen in Hagenau-Weißenburg gewählt wurde. Man darf erwarten, daß der Prinz die auf ihn gefallene Wahl annehmen wird. Sein Gegner, der klerikale Rentner Bachmann, erhielt nur 5952 Stimmen. Sodann ist zu erwähnen die Wahl im Kreise Schlettstadt, welche mit 6539 Stimmen auf den Kreisdirektor Pöhlmann gefallen ist, während der Pfarrer Glöckler nur 4770 Stimmen erhielt. Zum erstenmale werden vom Reichslande zwei Altdeutsche in den Reichstag entsandt. Drittens ist hervorzuheben die Wahl im Landkreise Straßburg, welche auf den der Militärvorlage günstig gesinnten Bürgermeister Dr. Bostetter gefallen ist. In diesen drei Kreisen, welche bisher durch die Herren von Dietrich, Dr. North und Lang vertreten waren, ist also ein entschiedener Fortschritt der deutschen Sache durch die vorgestrige Wahl bewiesen. Daneben sind die Ab­geordneten Baron v. Bulach und Dr. Höffel wieder gewählt worden, ersterer mit 11 589, letzterer mit etwa 6000 Stimmen, und in Straßburg Stadt wird es hoffentlich gelingen, Dr. Petri in der Stichwahl durchzu­bringen.

Das „Köln. Tgbl." schreibt: Der frühere Hamburger So­zialistenführer Hartmann hat soeben eine Broschüre veröffentlicht, die viel­leicht noch rechtzeitig erscheint, um für die bevorstehenden Stichwahlen Man­chem die Augen zu öffnen. Sie richtet sich gegen die bekanntesten Führer der deutschen Sozialdemokratie, Bebel, Liebknecht, Auer u. A. und läßt die Uneigennützigkeit derselben in bedenklichem Lichte erscheinen. Für einen erheblichen Theil dieser bemerkenswerthen Enthüllungen werden Belege bei­gebracht.

Wien, 20. Juni. Der „Wiener Ztg." zufolge ernannte der Kaiser den Fürstbischof von Breslau Dr. Kopp zum Stellvertreter des Landes­hauptmanns beim schlesischen Landtage.

Bern, 19. Juni. Einheimische Arbeiter versuchten heute, italienische Arbeiter mit Gewalt von den Bauplätzen zu vertreiben. Es kam hierbei zu heftigen Zusammenstößen, bei welchen 5 Italiener verwundet wurden, 13 Personen wurden verhaftet. Gegen Abend sammelte sich vor dem Haft­lokal eine große Menge, richtete gegen dasselbe einen lebhaften Steinhagel und versuchte, die Thüre zu erbrechen. Die Polizei, die wiederholt Aus­fälle machte, wurde hierbei von der Menge mit Steinwürsen empfangen. Hierauf hieben die Polizeimannschaften mit dem Säbel ein und verwun­deten zahlreiche Tumultamen.

Bern, 20. Juni. Bei dem gestrigen Zusammenstoß zwischen ein­heimischen und italienischen Arbeitern wurden etwa 50 verhaftet und gegen 100, darunter mehrere schwer, verwundet. Aus Luzern wurde Militär requirirt, welches nachts eingetroffen ist. (K. Tgbl.)

>-Dus Frankreich sollen jetzt in Petersburg vertrauliche, aber doch rechr»stimmte Vorstellungen eingegangen sein, weshalb der Erwiderungs­besuch' für die französische Flottenvistte in Kronstadt unterbleibe. Es wird darauf hingewiesen, daß das Unterbleiben des Gegenbesuches unter der französischen Bevölkerung allerlei peinliche Muthmaßungen hervorgerufen, die geeignet seien, in wenig erfreulicher Weise zu wirken. Dec Zar soll den Gegenbesuch zugesagt haben, aber erst für die Zeit nach den franzö­sischen Kammerneuwahlen.

Paris, 19. Juni. Dèroulède erklärte gestern in der Deputirten- kammer, Clèmenceau habe auf Vorschläge angespielt, die man ihm machte, bevor er Deputirter war. Clèmenceau solle doch die Rednerbühne nicht besteigen, um glauben zu machen, er habe noch irgend welchen Einfluß auf die Kammer. Dèroulède rief, als Clèmenceau sprach: Das ist ein Agent des Auslandes! Clèmenccau hat nach Schluß der Kammer Dèroulöde und Millevoye seine Zeugen geschickt. Dèroulède verweigerte Genugthuung, obschon er Clèmenceau in der Kammer einen Vaterlandsverräther und eng­lischen Söldling genannt hat. Millevoye betrachtet sich als den beleidigten Theil und hat Clemenceau seine Zeugen geschickt.

Paris, 20. Juni. Die Renngesellschaft in Auteuil macht bekannt, daß der Besitzer des Pferdes „Funny Face", der preußische Lieutenant v. Eynard, Reugeld bezahlte. (Rh. K.)

Bremen, 20. Juni. Der Dampfer des Norddeutsche Lloyd „Trave" ist gestern in New-Aork und der Dampfer „Habsburg" vor­gestern in Genua eingetroffen.

Triest, 19. Juni. Der Lloyddampfer „Poseidon" ist, aus Kon- stantinopel kommend, vorgestern hier eingetroffen.

Netv Uork, 20. Juni. Der Dampfer „Didam" der Nieder­ländisch-Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist gestern hier einge­troffen.

Reichsgerichts-Entscheidungen.

Die Bestimmung des § 117 der Preußischen Gesindeordnung : „Ohne Aufkündigung kann eine Herrschaft ein Gesinde sofort entlasten: wenn das­selbe die Herrschaft oder deren Familie durch Schimpf- und Schmähwörte . . . beleidigt" — setzt, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, VI. Zivil­senats, vom 13. März 1893, Schimpf- oder Schmähworte von einiger Er-