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der Fahrt dorthin ließen Seine Majestät Sich heute Morgen um 6V2 Uhr von dem Chef des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Ratb Dr. Lucanus Vortrag halten. Nach der Ankunft in Kiel, die um 7^2 Uhr erfolgte, nahmen Allerhöchstdieselben an Bord S. M. Dacht „Hohenzollern" Wohnung, schifften Sich demnächst an Bord S. M. Panzerschiffs „Sachsen" ein, gingen mit der Flotte in See und wohnten einer Schieß­übung bei.

Berlin, 19. Juni. Die nächste Sitzung des Hauses der Abgeord­neten ist auf Dienstag, 27. Juni, mittags 12 Uhr, anberaumt.

Berlin, 18. Juni. Die Nachricht, daß am Wahltage die Gar­nisonen von Berlin und einigen benachbarten Orten in den Kasernen kon- signirt gewesen seien, wird jetzt amtlich als falsch bezeichnet. Kein einziges Regiment hat eine Abweichung vom gewöhnlichen Dienstplan der Wahlen wegen zu begehen gehabt, oder ist gar in der Kaserne zusammengchalten. Vielmehr hatten Kavallerie und Infanterie, wie gewöhnlich bei großer Hitze, früh ihren Felddienst, während nachmittags Turnen, Schwimmen, Schießen im Stand und Kammerarbeit stattfanden. Die Artillerie hingegen befand sich auf dem Marsche zu den großen Schießübungen.

Das Märchen von der steuerlichen UeberbÄrdnng des deutschen Volkes scheint bei den diesmaligen oppositionellen Wahlsiegen mächtig gewirkt zu haben. Deshalb sei im Hinblick auf die kommenden Stichwahlen nochmals festgestellt, daß in keinem Lande weniger Steuern gezahlt werden als in Deutschland, obwohl cs in wirtschaftlicher Beziehung viel leistungsfähiger ist, als andere Länder. Der Deutsche zahlt an in­direkten Steuern 15 Mk. gegen 49 Mk., die der Franzose, 36 Mk., die der Engländer, 25 Mk., die der Italiener, und 22 Mk., die der Oester­reicher zahlt. Vorgeredet aber soll uns werden, gerade unsere Lebensbe­dürfnisse seien durch diese indirekten Steuern sehr belastet. Das ist nicht wahr! Weiter heißt es, Deutschland habe zu viel Schulden. Das ist ebenso wenig wahr! Damit fällt der Hauptgrund gegen die neue Militär- vorlage in sich zusammen. Deutschland ist Gott sei Dank noch reich genug, um die Mehrkosten der geplanten Heeresverstärkungen mit rund eine Mark auf den Kopf der Bevölkerung tragen zu können. Es kann sich lediglich darum handeln, diese so durchaus erträgliche Mehrbelastung gerecht zu ver­theilen und auf die kräftigsten Schultern zu legen.

Das „Köln. Tbl." schreibt: Die Urtheile der ausländischen Presse, namentlich der französischen, welche Deutschland schon am Rande des Abgrundes sieht, über die Reichstagswahlen gehen meist von der Ansicht aus, daß die Annahme der Militärvorlag absolut ausgeschlossen ist. Der sozialistische Zuwachs wird gleichfalls außerordentlich überschätzt, Pariser Zeitungen sprechen sogar von hundert sozialdemokratischen Abgeordneten im neuen Reichstage. Man wird ja sehen, wie es bei den Stichwahlen kommt.

Potsdam, 19. Juni. Heute Nacht ist das neue Proviantamt der hiesigen Garnison niedergebrannt. Etwa 600 Zentner Brod sind ver­brannt, sowie ein großer Posten Heu. Der Schaden ist ziemlich bedeutend. Die hiesige Feuerwehr war in Thätigkeit bis morgens 5 Uhr. Darauf rückte zur Hilfeleistung eine Kompagnie Gardejäger auf die Brandstelle.

Breslau, 18. Juni. Gestern in später Abendstunde fanden in der Mathiasstraße Zusammenrottungen statt, welche einen drohenden Ka- rakter annahmen. Eine Anzahl Burschen wollte einen Laden stürmen und empfing die Polizei, welche einschritt, mit einem dickten Steinhagel und Revolverschüssen. Die Polizei ging nunmehr mit blanker Waffe gegen den auf etwa 100 Personen angewachsenen Haufen vor und verhaftete 23 Tumultanten. Eine Abtheilung Militär sprengte schließlich die Menge. Die Zusammenrottungen wurden nach einem späteren Telegramm desselben Bureaus dadurch hervorgerufen, daß die Polizei einen Ruhestörer ver­haftete. Ein Fleischermeister leistete der Polizei hierbei Hilfe und zog sich dadurch den Zorn der Menge zu, worauf sich die gemeldeten Vorgänge abspielten. (Reichsanz.)

Köln, 19. Juni. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus London: Es steht nunmehr eudgiltig fest, daß der russische Großfürst-Thronfolger anfangs Juli zur Theilnahme anIder Hochzeit des Herzogs von Dork in London eintrifft.

Straßburg, 19. Juni. Die von der Staatsdepositknverwültung der öffentlichen Vorschußkasfen zur Verfügung gestellten Betriebsmittel sollen zu Darlehen an kleine Landwirthe zum Futterankaus verwendet werden. (Fr. N.)

Leipzig, 19. Juni. Die 2500 Menschen fassende Tribüne des Sportplatzes i|t bis auf die Umfassungsmauern abgebrannt. Es wird Brandstiftung angenommen.

Wien, 19. Juni. Die meisten Blätter besprechen das Wahl­resultat in Deutschland und konstatiren übereinstimmend dte Gefahren, welche durch das rapide Anwachsen der Sozialdemokratie den anderen ge­sellschaftlichen Klaffen drohen. Die „N. Fr. Pr." sagt am Schluffe eines längeren Artikels: Die Wahlen in Deutschland sind eine dringende Mah­nung an die Konservativen aller Länder, denn nur sie haben den So­zialismus gefördert, und wenn sie im letzten Augenblick sich nicht ihrer Pflicht bewußt werden und nicht zur Besonnenheit und Selbstbeherrschung zurückkehren, so wird im Kriege der Parteien das ganze Volk bis in's

daß seit 1871 12 Milliarden Mark für das deutsche Heer ausgegeben; worden sind. Die nothwendige Gegenrechnung jedoch, die in der Erhaltung = des Friedens, in dem Schutz aller Erwerbsthätigkeit vor Kriegsgefahr, in t der vom Heere an Millionen von Menschen geleisteten Kulturarbeit gegeben ist, die wird den Wählern gewöhnlich ganz unterschlagen. Diese 12 Mil­liarden sind aber gänzlich verschwendet gewesen und ebenso viel Mil­liarden mindestens kostet es uns auf einem Brett, wenn uns einmal der Krieg ins Land kommt und das Heer nicht stark genug ist, unsere Grenzen zu schützen.

Wird die Militärvorlage abgelehnt, so bleibt die dreijährige > Dienstzeit bestehen. Bestehen bleibt auch die schwere unbillige Härte, | daß im Kriegsfälle jüngere kräftige Leute zu Hause bleiben und dafür j Familienväter vor den Feind in die Feldschlacht müssen. Wird die i Militärresorm durchgeführt, so können über eine halbe Million j L an dw e hr le u te, die nach dem gegenwärtigen Stande der Dinge sofort i marschigen müßten und mit deren Tod oder Sicchthum jedes Mal ein - ganzer Hausstand ruinirt wird, daheim bleiben oder nur im Besatzungs- ■ dienste verwendet werden.

Wer am Stichwahltage einen Richterschen Volksparteiler, einen So- j zialdcmokraten oder einen Zentrumsdemokraten wählt, der stimmt der Wir- ; kung nach gegen den Frieden, gegen die wirtschaftliche ! Besserung, gegen die zw ei jährig e Di enst zeit und gegen 1 die Scko n ung unserer Familienväter im Kriege.

Wählt darum nicht den Gegner, sondern den Mn ; Hänger der Militärvorlage! —

Stimmen aus Frankreich.

Der französische Generalstabshauptmann M o l a r d, früher Lehrer j an der Kriegsschule, schreibt in seinem im Frühjahr dieses Jahres mit Ge- ; nehmignng des französischen Ministeriums des Innern herausgegebenen j Buch: „Die Militärmachl der europäischen Staaten":

„Die rationale Politik in Frankreich hat heute kein anderes Ziel, i „als die R ü ckeroberung der von der deutschen Rasse geraubten ; französischen Länder des linken Rhein users." „Für Frankreich! bleibt der Erbfeind stets derjenige, der im Besitze des linken• Rhein ufers sich befindet." i

Wenn früher in Frankreich die Parole gewesen, „stets an das J schreckliche Jahr 1870/71 denken, nie davon sprechen," so ist es heute , Pflicht der französischen Jugend diese schreckliche Zeit stets vor Augen ; zu führen und sie zu lehren, daß Verträge, welche die Völker frei- ; willig schließen, heilig gehalten werden, daß aber die mit den Waffen - erzwungenen Verträge nur gelten, bis man sie brechen kann." ; Man hat behauptet, daß der Krieg eine Unmöglichkeit geworden sei. ; Diese Auffassung wäre eine Feigheit, weil sie den Glauben erweckt, als > würde Frankreich vor der Gefahr zurückweichen; sie wäre eine Feigheit, ' weil man damit Diejenigen preisgibt, welche sich selbst niemals aufge- s geben haben (Elsaß), weil die Franzosen hiermit den Frankfurter Frieden : anerkennen würden. Eine solche Auffassung ist, solange deutsche Soldaten in den Vogesen stehen, eine doppelte Feig­heit."

Zum Schluß sagt Molard:

„Behalten wir unsere Begeisterung und unsere Triumphzüge nicht etwa den Urhebern von tollen Streichen vor, sondern denen, welche unser Ziel von gestern, von heute und von morgen erreichen und unsere Fahnen am Rhein anfpflanzen."

Nach der Ablehnung der Militärvorlage und der Auf­lösung des Deutschen Reichstags am 6. Mai 1893 lassen sich französische Zeitungen in folgender Weise aus: Der „Petit Cap oral" vom 11. Mai 1893 schrieb wörtlich folgendes:

„Das neue teutonische Reich wäre also am Wendepunkt seiner Macht angelangt, und die eben erfolgte Abstimmung bildet den Anfang seines Niedergangs. Warten wir, bis der partikularistische Geist in Deutschland die Gestalt eines unüberwindlichen Widerstandes gegen die rückschrittliche, von den Preußen gestützte Politik des Kaisers annimmt. Wenn dieser Kampf erst recht heiß entbrannt ist, iwird Oesterreich ohne Zweifel aus dem Dreibund treten und die kleineren Bundesstaaten ver­anlassen, das preußische Joch abzuschütteln. Bleiben wir also ruhige Zuschauerder unvermeidlichen Wirren, die Deutsch­land in Stücke zerreißen werden."

Das verbreitetste Blatt Frankreichs, das „Petit Journal", sagt in seiner Nummer vom 10. Mai 1893 :

„Ernstlich kommt in Betracht, daß Deutschland die fortwährenden Zugeständnisse, die seinem Patriotismus abgeschwindelt (!) werden, so satt hat, um die preußische Hegemonie abzuschütteln. (!) Wir haben nur kalt und ruhig den deutschen Hexenkessel sein Schicksal ausbrodeln zu lassen."

Tagesschau.

Berlin, 19. Juni. Gestern wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin dem Gottesdienst in der Garnisonskirche zu Potsdam bei. Abends gegen 11 Uhr reisten Seine Majestät der Kaiser nach Kiel. Auf