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Montag den 19. Juni
1893
Amtliches.
Steckbrief.
Der unten näher bezeichnete Rekrut Valentin Meinrad Zimmermann des Landwehrbezirks Darmstadt entzieht sich der Kontrole.
Sämmtliche Militär- und Zivilbehörden werden ersucht, nach demselben zu fahnden, ihn im Ergreifungsfalle zu arretiren und an die nächste Militärbehörde abzuliefern.
Signalement: Familiennamen: Zimmermann, Vorname: Va- I ent in Meinrad, Geburtstag: 15. August 1872, Geburtsort: Bischofsheim a. d. RH., B.-A. Neustadt a./S., Religion: katholisch, Gewerbe: Taglöhner, Größe: 1 m 64 cm, besondere Kennzeichen: Keine.
Darmstadt den 12. Juni 1893.
Stamm, Oberstlieutenant z. D. und Kommandeur des Landwehrbezirks I Darmstadt.
Stadtkreis Hanau.
Infolge Fortschreitens der Sielbauarbeiten ist die Absperrung der Bebraer-Bahnhofstraße zwischen Schäfergasse und Stadtgraben und der Grimmstraße zwischen Gärtnergasse und Stadtgraben von Montag den 19. d. M., sowie der Bleichstraße von Mittwoch den 21. d. M. ab für den Fuhrverkehr angeordnet.
Uebertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mark subs. 3 Tagen Haft bestraft.
Hanau am 17. Juni 1893.
Königliche Polizeidirektion.
J. A.: Dr. Köhler, Regierungsassesfor.
Landkreis Hanan.
Bekanntmachungen des Königlichen Sandrathsamtes.
Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste, werden hierdurch wiederholt bekannt gemacht.
Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Militärpflichtjahres zu erbringen.
Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der Prüfungskommission, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist, spätestens bis zum 1. Februar des ersten Militärpflichtjahres schriftlich zu melden.
Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst.
Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Frühjahrs- prüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüfung spätestens bis zum 1. August eingereicht werden.
Hanau am 17. Juni 1893.
Der Königliche Landrath.
M. 3174 I. A.: Dr. Köhler, Regierungsassesfor.
Auf zu den Stichwahlen!
In sehr vielen Wahlkreisen wird eine Stichwahl erforderlich sein. Für diese gilt nun in erhöhtem Maße, was bei den allgemeinen Wahlen in Betracht kam, leider aber hie und da außer Acht gelassen wurde: Einigkeit der Parteien, welche dasselbe Ziel wollen!
Man kann wohl begreifen, daß das Jnteresfe an der Parteifarbe oft zu Gegensätzen führt, die nicht leicht überwunden werden können. Wir wollen'auch zugeben, daß die Scheidung und Absonderuug in Gruppen nach gewissen politischen Grundsätzen dem politischen Leben zuträglich sein und zu einem der Sache selbst nützlichen Wettstreit führen kann. Aber die verschiedenen Parteischattirungen haben keine Berechtigung mehr, wo es sich um die Erreichung großer, Allen gemeinsamer Ziele handelt. Wir sprechen nicht davon, daß man künstlich z. B. den Gegensatz von demokratisch und konservativ verwische. Was sich Feuer und Wasser scheidet, kann nicht vereinigt werden. ' Der Kampf, um den es sich bei den Wahlen gebandelt hat und bei den Stichwahlen handelt, ist ja im Grunde nur ein Kampf 1
dieser beiden Gegensätze, deren einer Theil gerade das will, was der andere nicht will: die Verstärkung der Wehrkraft zum Zweck der Erhaltung des Friedens und der Sicherstellung des Reichs gegen Kriegsgefahr. Zwischen diesen Grundsätzen ist eine unausfüllbare Kluft. Aber wenn dieser Kampf einen günstigen Ausgang haben soll, dann ist es Gebot und Pflicht, daß alle Parteien, die dem gleichen Ziele der Erhaltung des Friedens und der Sicherung des Vaterlandes zustreben, die sonst trennenden Unterschiede zeitweilig aufgeben und sich mit ganzer Energie gegenseitig unterstützen und vereinen.
Nehmen wir einmal an, daß in einem Wahlkreise ein Freisinniger mit einem Konservativen in Stichwahl gekommen wäre. Dann wäre es nahezu Verrath an der eigenen Sache, wenn nicht die Nationalliberalen ihre ganze Macht aufböten, um den Konservativen, d. h. doch in diesem Falle der Militärvorlage, die sie selbst für nothwendig halten, zu Hilfe zu kommen. Von den Konservativen ist umgekehrt dasselbe zu verlangen. Prüfstein für die Stellung bei der Stichwahl darf einzig und allein die Stellung zur Militärvorlage sein; alle anderen politischen Erwägungen, Bedenken und Rücksichten, die sich aus den sonstigen Parteigrundsätzen herleiten lassen, müssen zurücktreten.
Es mag das Manchem eine gewisse Ueberwindung kosten, aber es ist patriotisch und in einem Augenblicke, wo es sich um die höchsten Lebensfragen unserer Nation, um Sein oder Nichtsein, um ihre Ehre und Zukunft handelt, darf nur der reine, wahre, uneigennützige, von Parteiinteresfen unabhängige Patriotismus das Wort führen.
Der Gesammteindruck des Ergebnisses vom 15. Juni wäre noch günstiger, wenn sich die dasselbe Ziel erstrebenden Parteien bei Zeiten geeinigt und das Opfer gebracht hätten, den Gegnern durch Aufstellung nur eines Kandidaten die Spitze zu vielen. Das Geschehene läßt sich sitzt in den Wahlkreisen, wo eine Stichwahl erforderlich ist, ungeschehen wachen : hier zwingt das Entweder-Oder des Wahlgesetzes zur Einigkeit. Aber sie muß auch durch Eifer, durch Hingebung bethätigt, jede Lässigkeit oder sogar Stimmenthaltung vermieden werden; der in der Stichwahl stehende Anhänger der Militärvorlage muß auch von denjenigen Parteien, zu denen er nicht unmittelbar gehört, mit dem Aufgebot aller Kräfte unterstützt werden, als wenn es sich dabei um einen der Ihrigen handelte.
So mögen denn die Stichwahlen die günstigen Aussichten für das Gelingen der Militärvorlage im neuen Reichstage verwirklichen. Nur die Stellung zur Militärvorlage gebe Ausschlag: dieser eine große Mehrheit im Reichstage zu verschaffen, liegt im höchsten Interesse des Vaterlandes! Diejenigen, welche das Vaterland sichern, den Frieden schützen wollen, müssen jetzt noch mehr als bei den ersten Wahlen, ihre Opferbereitschaft bethätigen und Alles daran setzen, um die Gegner unschädlich zu machen! Sonst könnte sich die schadenfrohe Prophezeiung der Franzofen von dem „Koloß mit den thönernen Füßen", von dem „giftigen Thier, das an seinem eigenen Gift verendet", bewahrheiten. Frankreich lauert auf einen ungünstigen Ausfall der Wahlen: hat die deutsche Nation hierfür kein Verständniß? Die Stichwahlen müssen diese Hoffnung zu Schanden machen!
T K g s s ? ch K N°
Berlin, 17. Juni. Der „R - u. St. A." veröffentlicht: Gesetz, betreffend die Geltung des Gerichtsverfassungsgesetzes in Helgoland. Vom 4. Juni 1893.
Berlin, 17. Juni. Der Bundesrath ertheilte in der am Donnerstag unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten des Staatsministeriumß, Staatssekretärs des Innern Dr. von Boetticher abgchaltenen Plena, sitzung dem Anträge des Ausschusses für Handel und Berkehr, betreffend den Verkehr mit Sprengstoffen, und dem Zusatzabkommen zu dem internationalen Vertrage wegen Unterdrückung des Branniwinhandels unter den Nordsee- fischern auf hoher See die Zustimmung. Sodann wurde die erforderliche Ersatzwahl eines nichtständigen Mitgliedes des Reichsversicherungsamts aus der Mitte des Bundesraths vorgenommen. Endlich wurde über mehrere Eingaben in verschiedenen Angelegenheiten Beschluß gefaßt. — Heute vielten die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr eine Sitzung.