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Die2spalt. Zeile 20

Die Bfpalt. Zeile 30 ^.

Nr. 135.

Montag den 12, Juni

1893

M

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Infolge Ausführung der Sielbauarbeiten in der Salzgasse ist zu­nächst die Absperrung derselben zwischen der Rosenstraße und Hirschgasse für den Fuhrverkehr von Montag den 12. Juni d. Js. ab ange­ordnet.

Uebertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mark subs. 3 Tagen Haft bestraft.

Hanau am 10. Juni 1893.

Königliche Polizeidirektion.

I. A.: Dr. Köhler, Regierungsassefsor.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein 200 gr Gewicht. Ein weißer baumwollener Kin­derstrumpf. Ein neues Notizbuch. Ein Handtuch. Eine Pferdedecke mit karrirter Borde, sowie ein schwarzer Ueberzieher; Empfangnahme beider Ge­genstände bei Wilhelm Seng zu Wilhelmsbader Hof.

Verloren: Ein schwarz-seidener Damenschirm ohne Stiel. Ein Portemonnaie mit 13 Mk. (auf dem Wochenmarkt).

Zugeflogen am 8. d. Mts.: eine Brieftaube Nr. 493; Empfang­nahme bei Ludwig Raab zu Großauheim.

Hanau am 12. Juni 1893.

Stadtkreis Hanau.

Nekanntrnachunger» des Oberbürgermeisteramtes.

Die Lieferung des diesjährigen Bedarfs an Brennmaterial für die gesammte städtische Verwaltung einschließlich Schulen:

2325 Doppelwaggon Steinkohlen,

40 Meter Buchenscheitholz (I. Qualität),

. 80 Tannenscheitholz (desgl.),

wird hiermit zur Submission gestellt. Angebote mit Preisangabe für die Kohlen und die Fracht bis Bahnhof hier mit Bezeichnung der Zeche, sowie für das Holz, wolle man schriftlich und versiegelt bis zum 23. Juni cur., mittags 12 Uhr, auf dem Rathhaus abgeben.

Hanau den 1. Juni 1893.

Der Oberbürgermeister

7500 J. V.: Heraeus.

Bekanntmachung.

Das Höhenbolzen Verzeichniß über das in der Stadt Hanau ausge­führte Bolzen-Nivellement ist im Druck erschienen und von Interessenten gegen Erstattung von Mk. 1,50 auf dem Sielbaubüreau, Kanalthormühle 1, erhältlich.

Hanau den 1. Juni 1893.

Der Oberbürgermeister

7543 I. V.: Heraeus.

Aus dem DeutschenReichs"- und KSnigl. Preußischen Staatsanzeiger" vom 8. Juni 1893.

Nr. 135.

In zahlreichen Wahlflugblättern werden Behauptungen bezüglich der Militärvorlage aufgestellt, die in wesentlichen Punkten den thatsäch­lichen Verhältnissen vollständig widersprechen.

Dieser Umstand fällt umsomehr auf, als in der Militärkommission des Reichstags die einschläglichen Verhältnisfe seitens der Militärverwaltung wiederholt klar gestellt worden sind.

Zu den einzelnen besonders häufig wiederkehrenden falschen Behaup­tungen ist zu bemerken:

1. Die Angabe, daß der Reichstag wegen eines Unterschiedes von 11 000 Rekruten aufgelöst wurde, ist unwahr.

Der von den verbündeten Regierungen akzeptirte Vorschlag Huene forderte unter Wegfall von 17 500 übenden Ersatzreservisten und gleich­zeitiger Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei den Fußtruppen :c. i abgesehen von der Verstärkung des Ausbildungspersonals etwa 53000 s

Rekruten mehr als bisher, während die damalige freisinnige Partei die Be­willigung der zweijährigen Dienstzeit innerhalb der jetzigen Friedens­präsenzstärke forderte, woraus sich nur ein Mehr von 25 000 Rekruten ergab.

Allerdings sollen die Uebungen der Ersatzreservisten im bisherigen Umfange beibehalten werden.

Es handelte sich somit nicht um um einen Unterschied von 11000, sondern von 28 000 Rekruten, denn es muß jedem Laien einleuchten, daß ein nur kurze Zeit ausgebildeter Ersatzresersist nicht gleichwerthig einem zwei Jahre dienenden Mann gegenüber gestellt werden kann, ganz abge­sehen davon, daß bei den Reichstagsverhandlungen seitens der Militär­verwaltung die positive Unmöglichkeit der Beibehaltnng der Ersatzreservisten bei gleichzeitiger Einführung der zweijährigen Dienstzeit nachgewiesen worden ist.

Hieran ändert auch die beispielsweise von derFreisinnigen Zeitung" vom 6. Juni 1893 gebrachte Erklärung, der Kriegsminister von Verdy hätte die Ausbildung der Ersatzreservisten vorerst beibehalten wollen, nichts; denn dieFreisinnige Zeitung" verschweigt hierbei, daß dem Verdy- schen Projekt nicht die zwei-, sondern die dreijährige Dienstzeit zu Grunde lag.

2. Wieviel Mann wurden schon bisher (1891) zur militärischen Aus­bildung jährlich eingestellt?

Die Beantwortung Reser Frage lautet in den gekennzeichneten Flug­blättern :

a) in Deutschland: 211403 Mann

b) in Frankreich: 214 442

Auch diese Angaben treffen nicht zu.

Nach der dem Reichstag zugegangenen amtlichen Uebersicht über das Ergebniß des Ausbebungsgeschäfts im Jahre 1891 sind einschließlich aller Freiwilligen 198 500 Mann in Deutschland ausgehoben werden, wovon etwa 10 500 Mann für durch Tod, Unbrauchbarkeit u. s. w. Abgegangene als Nachersatz und 5000 für Marine abzuziehen sind, so daß für das Landheer rund 183 000 Mann, oder 28 403 Mann weniger, als jene irrelautenden Flugschriften und Zeitungsartikel behaupten, zur Aushebung gelangt sind.

In Frankreich werden bekanntlich alle Diensttauglichen eingestellt.

Nach dem amtlichen Bericht des französischen Kriegsministeriums vom 24. Juni 1891compte-rendu sur le recrutement de larmée pendant Pannéel890" wurden allein für das Landbeer einschließlich der Freiwilligen in Frankreich 226 496 Mann ausgehoben. Diesen treten noch mehrere Tausend für solche Marine-, Infanterie- und Artillerie-Truppentheile Ausgehobene hinzu, welche berufen sind, im Fall eines europäischen Krieges im Verband der Landarmee verwandt zu werden, sodaß die Gesammtaushebungsquote für das französische Landheer die Ziffer von 230 000 Mann im Jahre 1890 nicht nur erreicht, sondern noch überschreitet. Das bedeutet, daß rund 16 000 Mann im Jahre 1890 in Frankreich mehr ausgehoben sind, als jene Flugblätter angeben; der Unterschied zwischen der deutschen und französischen Aushebungsquote beläuft sich hiernach im ganzen auf ein mehr von rund 44 000 Mann zu Gunsten der französischen.

Bei den Kommissionsverhandlungen wurde dieser Gegenstand in aus­führlichster Weise behandelt, worüber Seite 10 des Gröber'schen Kom- missionsbeiichts Aufschluß gibt, der die betreffenden Ziffern auch enthält.

3. Wieviel Mann mürben künftig jährlich in Deutschland eingestellt werden?

a) nach der Forderung der Regierung laut einem freisinnig-volksparteilichen Flugblatt........ 247 403,

thatsächlich ........ 229 000 Mann,

b) nach dem Angebot der freisinnigen Volkspartei laut Wahl- fiugblâttern dieser Partei . . . 236 403,

thatsächlich kaum...... 200 000 Mann.

In beiden Fällen sind bei derthatsächlichen" Angabe die Einjäh­rig-Freiwilligen und der Nachersatz unberücksichtigt geblieben. Letzterer deshalb, weil er nur als Deckung für Abgänge dient und daher auf die Zahl der ausgebildeten Mannschaften ohne Einfluß bleibt.

5. Wie groß war die deutsche Kriegsarmee 1870/71?