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I - 133.
f Amtliches"
Stadtkreis Hanau.
Im Interesse der öffentlichen Sicherheit wird hierdurch für Dienstag den 13. Juni er. von 8 bis 11 Uhr abends das Fahren mit bespannten Wagen auf der Lamboystraße — von der Wilhelmsbrücke bis zum Lamboywald — bei Meidung einer Strafe bis 15 Mark fubs. 3 Tage Haft untersagt.
Hanau am 6. Juni 1893.
Königliche Polizeidirektion.
P. 5820. v. Oertz en.
Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Behufs Ermittelung des Ergebnisses der am 15. d. Mts. stattfindenden Reichstagswahl habe ich nach Vorschrift des §. 26 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 Termin auf
Montag den 19. Juni d. I., vormittags 10 Uhr, in das Landrathsamtsgebâude, Paradeplatz 1 Hierselbst — Sitzungssaal — anberaumt.
Hanau am 6. Juni 1893.
Der Königliche Landrath
- V. 4868. v. Oertz en.
Nach Mittheilung des Großherzoglichen Kreisamts zu Büdingen ist ' zu Hof Allenrod die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau am 8. Juni 1893.
Der Königliche Lanbrath
V. 4897. J. V.: Schneider, Kreissekretär.
In Altenstadt, Kreises Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau am 8. Juni 1893.
Der Königliche Landrath
V. 4951. J. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein junger braun-grauer Hund mit weißer Brust, 4 weißen Pfoten, m. Geschl.; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Keffelstadt.
Gefunden: Ein Notizbuch mit der Inschrift „Jean Kopp aus Hellstein". Ein Laib Brot.
Verloren: Auf dem Wege nach Wilhelmsbad eine silberne Nadel mit Kreuz, darauf die Aufschrift „Erna und J. H. N.".
Hanau am 9. Juni 1893.
An die Lauen und Schwankenden.
Es gibt eine Masse gutgesinnter Patrioten, die in der Noth und Ge- ; sahr nicht einen Augenblick zögern würden, Gut und Blut für das Vaterland hinzugeben. Aber diese Noth und Gefahr ist für sie erst dann vorhanden, wenn der Krieg ausbricht und die Kanonen das letzte Wort haben. Vorher sind sie für die Interessen des Vaterlandes kühl bis ans Herz hinan, sie schützen Berufsthätigkeit, Familiensorgen, vielleicht auch — wie das gegenwärtig geschieht — Mangel an Verständniß der in Rede stehenden militärisch-technischen Fragen, und was dergleichen mehr ist, vor, um ihren Mangel an Interesse, ihre Gleichgültigkeit, ihre Unthätigkeit zu begründen, und schließlich bleiben sie auch amWahltage von der Wahl- urn e fern.
Wenn doch diese Lauen und Gleichgültigen bedenken wollten, daß gerade in ihrer Hand die Entscheidung liegt! Wahrlich, die Zeiten sind ernst genug, um es zu rechtfertigen, daß sie ihre Lauheit und Gleichgültigkeit ablegen. Denn mit ihrem Verhalten arbeiten sie den geschworenen Gegnern von Staat und Gesellschaft und den Leuten, denen die Partei über dem Vaterlande steht, in die Hände, und wenn diese dann dem ’ Vaterlande die Waffen vorenthalten, die es zu seinem Schutz, zu seiner
Freitag den 9. Juni
1893
Vertheidigung, zu einem erfolgreichen Kriege bedarf, dann ist der Friede bedroht, das Vaterland gefährdet. Wollen diese Lauen und Gleichgültigen durch ihr Verhalten erst diejenige Gefahr heraufbeschwören, die sie aus ihrer Unthätigkeit herausbringen würde? Wollen sie erst opferbereit sein, wenn es gilt, die höchsten und letzten Opfer zu bringen? Jetzt haben sie es in der Hand, mit dem Stimmzettel in der Hand, die letzten Gefahren abzuwehren und ihnen vorzbueuaen, jetzt sind sie im Stande zu bewirken, daß ihnen jene letzten Opfer erspart werden; sie brauchen nur sammt und sonders sich aufzuraffen und an die Wahlurne zu treten, um von ihrer Vaterlandsliebe Zeugniß abzulegcn.
Wer das nicht thut, macht sich der g r ößten Pflichtverletz ung fchuldig. Das Vaterland rechnet bei den Wahlen nicht nur auf die Leute, die sich für Politik interessiren, es rechnet nicht nur auf gewisse Parteien, sondern auf alle seine Söhne. Wer sich der Pflicht des Wählens nicht unterzieht, begeht eine Handlung, die in ihrer Wirkung nicht besser ist als eine Abstimmung zu Gunsten der Gegner. Denn nur diese sind es, die von der Lauheit und Unthätigkeit Nutzen ziehen. Staat und Gesellschaft sind bedroht, das Vaterland ist gefährdet, wenn die Lauen und Gleichgültigen den Leuten, welche zur Unzufriedenheit hetzen und engherzige Parteiziele verfolgen, freies Feld lasien. Sollten da nicht die Lauen und Gleichgültigen ihrem Herzen einen Stoß geben und sich bereit finden lassen, den Ansturm auf die Lebensinteresien des Vaterlandes, dem sie im Herzen zugethan sind, siegreich abzuschlagen?
Aber cs gibt wohl auch Leute, welche noch nicht mit sich Eins sind, nach welcher Seite sie sich schlagen sollen. In unverantwortlicher Weise sucht man sie durch Rechenkunststücke zu blenden und ihnen vorzureden, welche Lasten und Steuern ihnen von der Militärreform erwachsen werden; ja es werden Rechnungen ausgestellt, die Einem haarklein beweisen sollen, daß man schon viel zu viel Steuern bezahlt und daß wir schon viel zu viel Soldaten haben. Möchte nicht Jeder gern billiger und besser leben, wäre^es nicht schöner, wenn wir gar keine Kriege mehr hätten und auch keine Soldaten mehr brauchten? Freilich! Aber wer sich dadurch gegen die Militärvorlage einnehmen läßt, übersieht, daß er dadurch an den Nahrungsund Lebensmittelpreisen nichts ändert, die Steuern nicht geringer macht und daß er dadurch auch nicht den schönen Traum des ewigen Friedens seiner Verwirklichung näher führt. Das Gegentheil ist der Fall! Ist Frankreich erst überzeugt, daß es der deutschen Nation zu theuer ist, ihre Einheit und das Reich zu erhalten und zu vertheidigen, dann ist uns der Krieg gewiß, alle Geschäfte werden stocken, Handel und Wandel werden unterbrochen, die Befriedigung der Bedürfnisse des Lebens aber wird immer theurer und in einem unglücklichen Kriege wird der Sieger gewiß nicht so gewissenhast sein wie unsere Regierung, zu fragen: waskann das deutsche Volk, was kann der einzelne Steuerzahler tragen? Dann erst wird man Ursache haben über die Leistungsunsähigkeit des Volks und die unerschwinglich hohen Lasten zu klagen. Wer das jetzt thut und auf Grund dessen dem Vaterlande die Vervollständigung der Rüstung, die es fordert und deren es bedarf, verweigert, der befindet sich über das, was er und das Volk tragen können, nicht nur in einem großen Irrthum, sondern der beschwört auch die Zustände herauf, welche in Wahrheit unerträglich sein werden.
Aber muß man denn Alles nur nach Ziffern und Zahlen bemessen? Fällt denn nicht auch die Ehre, das Bewußtsein, das Glück, Bürger eines einigen großen Vaterlandes zu sein, in die Wagschale, gibt es denn nicht auch eine Ehrenpflicht, für das Vaterland Alles etnzusetzen, was zu seiner Erhaltung und Vertheidigung erforderlich ist? Diese Ehrenpflicht gilt cs jetzt bei den Wahlen zu erfüllen. Da darf, da kann Niemand schwanken, da darf Niemand lau und gleichgültig bleiben. Die Wähler haben es in der Hand, das Unglück, das über das Vaterland bei einer Verwerfung der Vorlage von außen Hereinbrechen würde, abzuwehren. Der Eine muß den Anderen mit sich ziehen, Niemand darf sich der Wahl entziehen, Niemand zu Hause gelassen werden. Das Vaterland ruft!
Wahlbetrachtungen von Prof. F. Thudichum in Tübingen.
Es hat immer Leute gegeben, die an Kriegsgefahr für Deutschland nicht glauben wollen, bis sic die feindlichen Kanonen schießen hören. Am