mich in der Mehrzahl persönlich kennen, nicht zu vertheidigen. Einer Presse gegenüber, die jeden Gegner der von Dr. Lieber vertretenen Richtung als unzuverlässigen Katholiken zu brandmarken sucht, verzichte ich ohne weiteres auf irgendwelche Erörterung. Wer in der Frage der Erhaltung und Vei- theidigung des Vaterlandes den ausgesprochenen Feinden jeder gläubigen Richtung, den Freisinnigen und Sozialdemokraten sowie den franzosenfreundlichen Elsaß-Lothringern die Hand reicht, hat keinenfalls die Berechtigung, die politische Richtung glaubenstrxuer Katholiken zu verdächtigen, deren Vaterlandsliebe nicht an der Grenze eines einseitigen Parteistandpunktes Halt machen will. (Herr von Schorlemer ist im letzten Frühjahr vielen unseren Lesern persönlich durch sein Auftreten in Versammlungen des „Main- und Kinziggaubauernbundes" bekannt geworden. D. R.)
Das „Kölu. Tbl." schreibt: Wie nachträglich bekannt wird, hat der Kaiser bei dem Gastmahl, welches in Danzig nach dem Stapellauf des Kreuzers „Gefion" stattfand, auch einen Trinkspruch ausgebracht. Der Monarch betonte, daß sich heute ein neues Band der Freundschaft und Kameradschaft um seine Marine und seine Armee geschlungen, und sprach die Hoffnung aus, daß, wenn die Armee und die Marine eine gleichmäßige Würdigkeit unter einander fänden, er keine Besorgnisse für die Zukunft bätte. Die Grundpfeiler des Staates feien die Armee und Marine. Der Kaiser gedachte des Wahlspruchs des verstorbenen Prinzen Friedrich Karl von Preußen: „Durch!" Dieser Prinz sei das Vorbild eines Reiteroffiziers gewesen, und an dessen Wahlspruch halte er auch fest. Die beste Parade sei der Hieb. Die ersten Tugenden des Soldaten seien Treue und Gehorsam, an weiter nichts solle er sich kchren. Schließlich trank der Monarch auf sein tapferes Offizierkorps.
Kreuznach, 4. Juni, 1.35 N. Bei einem Pulvertransport, der gestern Abend unsere Nachbarstadt Kirn unangemeldet passirte, explodirten 5 Zentner Pulver. Zwei Menschen wurden getödtet, viele verletzt, darunter drei schwer, und 30 Häuser beschädigt. Fahrlässigkeit hat den schrecklichen Unfall verschuldet. (Fr. Ztg )
Wien, 3. Juni. Der Ausschuß der ungarischen Delegation für das Auswärtige eröffnete heute die Berathung des Budgets des Aeußeren mit einem Referate des Abgeordneten Falk, welcher hervorhob, b'e Nichterwähnung des Dreibundes in der Ansprache des Kaisers sei wohl eine Folge der Selbstverständlichkeit des Fortbestandes des feststehend gewordenen Bündnisses, zugleich aber ein Anzeichen, daß das ehemalige Mißtrauen gegen die nur sriedliche Tendenz des Bundes und die damit zusammenhängende Gegenströmung nachgelassen habe. (Rh. KJ
Brüssel, 3. Juni. Dem „Patriote" zufolge wird auch Deutschland in offizieller Weise auf der Antwerpener Weltausstellung vertreten sein. Die amtliche Zusage wird jedoch erst nach den Reichstagswahlen erfolgen.
Rom, 2. Juni. Heute früh 6 Uhr 45 Minuten wurden am Aetna starke Erdstöße in der Richtung von Südosten nach Nordwesten verspürt; die Bewohner der «Gegend haben ihre Behausungen verlassen. In Giarre wurden um 7 Uhr 3 Minuten Erdstöße von Nordosten nach Südwesten, in Catania um 8 Uhr 43 Minuten und um 11 Uhr 46 Minuten solche in der Richtung von Norden nach Süden beobachtet.
N»mes, 3. Juni. Beim Exerziren des 19. Artillerieregiments im Feuer platzte, nach den „Fr. N.", ein Bronzegeschütz älteren Systems beim sechsten Sckuß; 2 Offiziere wurden dabei getödtet.
In St. Petersburg ist vergangenen Freitag die erste allrussische Hysieneausstellung in Gegenwart ves Großfürsten Paul Alexandrowitsch sowie des Ministers des Innern Durnowo und zahlreicher Würdenträger eröffnet worden.
Minsk (Rußland), 2. Juni. Die groß n Kronwälder bei Bory- sow brennen seit einigen Tagen und sind trotz der Bemühungen des requi- rirten Miliiärs und der Bauern unrettbar verloren. Der Schaden wird nach Millionen Rubel berechnet; der Gouverneur von Minsk und andere höhere Beamte befinden sich am Ort der Katastrophe.
Nctvpork, 3. Juni. Der „Newyork Herald" meldet aus Valparaiso: Der Präsident Montt betonte bei der gestern stattgehabten Eröffnung des nationalen Kongresses, die Beziehungen Chiles zu allen Ländern seien befriedigende. Er bedauere, daß Peru sich weigere, das von Chile, Frankreich und Großbritannien unterzeichnete Protokoll zu ratifiziern, um die Obligationen einzulösen, die zur Zahlung der aus dem Kriege zwischen Chile und Pe>u entstandenen Schulden ausgegeben wurden. Die Aussichten des Landes in jedem Industriezweig seien vortrefflich.
Chicago, 3. Juni. Es ist der Plan angeregt worden, die Chicagoer Ausstellung in San Francisco fortzusetzen und zu Weihnachten zu eröffnen. 3000 Aussteller hätten bereits erklärt, sich nach Schluß der Ausstellung in Chicago nach San Francisco zu begeben.
Bremen, 3. Juni. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Hohenzollern" ist gestern in Aden angekommen.
Hamburg, 2. Juni. Der Postdampfer „Flandria" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, gestern in New Orleans eingetroffen.
London, 3. Juni. Der Castle - Dampfer „Roslin Castle" ist auf der Ausreise gestern in Durban angekommen.
Philadelphia, 2. I mi. Der Postdampfer „British Prince" von der American Linie in Liverpool ist gestern wohlbehalten hier angekommen.
Depefchen'Burea« „Herold".
3. Juni, abends 9 Uhr:
Berlin, 3. Juni. Die Zentrumspartei in Berlin erläßt einen Wahlaufruf an die Katholiken Berlins, indem dieselben zur Betheiligung an der Wahl durch Abgabe ihrer Stimmen für den in allen sechs Wahlkreisen ausgestellten Legationsrath Kehler aufgefordert werden.
Kissingen, 3. Juni. Fürst Bismarck trifft Mitte Juli zur Kur hier ein.
Nürnberg, 3. Juni. Die königliche Bank hat für die Heßlein'- schen Wechsel volle Deckung, die hiesige Vereinsbank, deren Pfandbrief- Verkaufsstelle die Firma Heßlein war, erleidet ebenfalls keinen Verlust.
Prag, 3. Juni. In der gestrigen Parteiversammlung der Jung- czechen wurde beschlossen, die jungczechischen Abgeordneten zu beauftragen, bei den Verhandlungen über das Heeresbudget den Standpunkt des czechischen Volkes zu vertreten, die czechische Frage wieder aufzurollen und gegen den Dreibund Stellung zu nehmen.
Pest, 3 Juni. In Mohacs wurde beim Ausladen eines Kohlenwaggons eine Dy mmitbombe gefunden, welche explodirte; ein Arbeiter wurde schwer verletzt. Die Bombe wurde von Streikenden unter den Kohlen versteckt.
Paris, 3. Juni. Trotz der gegentheiligen Gerüchte kehrt der französische Gesandte in Berlin, Herbette, mit Instruktionen über die Abgrenzung der Operationen in Kamerun versehen, auf seinen Posten zurück.
Arras, 3. Juni. Durch das Umfallen einer Lampe entstand in der Kirche von (Sommecourt eine Feuersbrunst, wodurch dieselbe vollständig zerstört wurde.
London, 3. Juni. Zwei englische Kriegsschiffe, „Cleopatra" und „Buzzard", gingen nach St. Johns (Neufundland) ab, woselbst Streitigkeiten zwischen einem französischen Schiffskapitän und den Behörden wegen der Weigerung des ersteren, die zur Verpackung der Fische dienenden Waaren zu verzollen, entftanbm sind.
London, 3. Juni. Bei Gelegenheit der 74. Geburtstagsfeier der Königin ist eine große Anzahl von Mitgliedern der Presse mit hohen Auszeichnungen bedacht. Der Chefredakteur der „Daily News" wurde zum Ritter, der Besitzer der „Jllustrated London News" zum Baronet ernannt.
Petersburg, 3. Juni. In der Kreisstadt Serpuchar wüthete eine furchtbare Feuersbrunst 67 Häuser wurden eingeäschert, mehrere Personen kamen in den Flammen um.
5. Juni, vormittags 9 Uhr:
Berlin, 4. Juni. Die unabhängigen Sozialisten hatten heute in Rixdorf eine Versammlung einberufei, die von 400 Personen — zwei Dritttheilen Fraktionellen und einem Dritttheil Unabhängigen — besucht war und einen sehr stürmischen Verlauf nahm. Der Anarchist Bisenthal nannte die Redakteure des „Vorwärts" und die Führer der Fraktionellen Hallunken und Betrüger. In dem hierauf entstandenen Tumulte wurde die Versammlung polizeilich ausgelöst.
Köln, 5. Juni. Die Zentrumspartei proklamirte wieder den seitherigen Vertreter als Kandidat, nachdem derselbe erklärt hatte, gegen die Militärvorlage zu stimmen.
Köln, 5. Juni. Eine zahlreich besuchte Versammlung reichstreuer Wähler stellte den Eisenbahndirektionspräsidenten Renner als Kandi- didaten auf.
Offenburg, 5. Juni. Auf dem gestern stattgehabten Verbandstag des badischen Militärvereins-Verbandes hielt der Großherzog von Baden eine hochpolitische Rede, welche unter anderem besagt: „Gehen Sie den geraden Weg der Ehre und wählen Sie nur Männer, welche die Kraft und die Macht des deutschen Reiches höher stellen, als den Parteigeist und welche in der Militärvorlage den Weg erkennen, auf dem Deutschland vor jeder Demüthigung zu bewahren ist." Nach dieser Rede folgte stürmisches Bravo der Anwesenden. Auf Antrag des Großjerzogs wurde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser abgesandt.
Brünn, 5. Juni. (Velozipedwettfahren.) Die Meisterschaft für Oesterreich auf dem Hochrad gewann Beyschlag, die auf dem Niederrad Opel; im Hochradhauptfahren und Vorgaberennen blieb Beyschlag, im Niederradhauptfahren Opel Erster. Im Tandemfahren errangen die beiden Genannten zusammen den ersten Preis.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Kleinere den Thatsachen entsprechende Mittheilungen über Vorkommnisse in hiesiger Stadt und deren Umgebung finb^ stets willkommen und werden entsprechend vergütet.)
Zur Wahlbewegung.
K^Wie es die Herren Sozialdemokraten machen, wenn man sie in Versammlungen anderer Parteien zuläßt, davon hat die nationalliberale Partei in unserer Nachbarstadt Frankfurt a. M. recht erbauliche Dinge erlebt. Am Mittwoch und Freitag waren öffentliche Wâhlerversammlunzen von der nationalliberalen Partei anberaumt, aber schon die erste wurde durch beständige Zwischenrufe der Sozialdemokraten
5. Juni 1893.