Wahlaufruf
der nationalliberalen Partei für den Wahlkreis
Hanau-Bolkenheim-Gellihausen-Orb.
Wähler in Stadt und Land!
„Unter dem lauten Jubel unserer Feinde hat am 6. Mai eine aus dem größten Theile des Centrums und der Deutschfreisinnigen, aus Welfen, Antisemiten und sämmtliche« Sozialdemokraten zusammengesetzte Mehrheit des Reichstags die Militärvorlage zu Falle gebracht.
„Wie bekannt bezweckt die Militärvorlage den forwährenden ungeheuren, von der französischen Volksvertretung stets bereitwilligst gut geheißenen Rüstungen Frankreichs „und ebenso den steten Truppenvermehrungen Rußlands gegenüber, auch unsere Wehrkraft angemessen zu verstärken.
Wenn in Folge dessen dem deutschen Volke auf der einen Seite sehr erhebliche neue Opfer zugemuthet werden müssen, so soll auf der anderen Seite die von den Liberalen seit lange geforderte zweijährige Dienstzeit für die Fußtruppen dem Volke auch wieder eine große Erleichterung bringen und die gerechte und gleiche Verkeilung der schweren persönlichen Militärlast ermöglichen.
In Zukunft sollen im Kriegsfalle die jüngeren Mannschaften die erste Schlachtlinie bilden, die älteren meistens verheiratheten Männer aber erst den zweiten Wall im Unabhängigkeitskampfe vertheidigen. . . . „ . n r
Der Reichstag, dessen Mehrheit diese Ziele verkannt hatte, ist aufgelöst und aM 15. ^Uttt füll düs Volk selbst bUtUbet übstiMMeN, Du 6 bi. Folg.» dich- Reichst-,-b.!chluch- aus sich ne,men ober Männer in bett neuen Meichstag senden will, die dem Kaiser und dem Weiche dasjenige an Mannschaften und Geld bewilligen, was nach Ansicht berufener Sachverständiger erforderlich ist, um, wie seither, unseren Gegnern gewachsen zu bleiben und sie so zur Wahrung des Friedens zu zwingen.
Die Abgeordneten unserer Partei haben in Gemeinschaft mit den Conservativen und den wirklich Sachverständigen und Einsichtsvollen üUs den Reihen des Centrums und der Freisinnigen Mann für Mann für die Militärvorlage auf der zuletzt mit Zustimmung der verbündeten Regierungen gewonnenen Grundlage (Antrag Huene) gestimmt. Wir dürfen mit voller Zuversicht erwarten, daß alle unsere Parteigenossen diese Abstimmung dadurch gutheißen, daß sie bei der bevorstehenden Wahl nur dem Mann ihre Stimme geben, der bereit ist, für die Militärvorlage
eine
auf Grund des Antrages Huene einzutreten.
Wir Nationalliberalen, die wir von der Gründung des Reichs an bis heute die nationalen Interessen stets in erster Linie verfolgt haben, wir wollen das mit den größten Opfern an Gut und Blut und durch unvergleichliche Staatskunst Errungene sesthalten, unsere Grenzen gegen feindliche Einfälle sicher stellen, die Erhaltung des Friedens ermöglichen und vor Allem dem Auslande gegenüber den Glauben nicht au^tommen lassen, als ob wir mit unserer Leistungsfähigkeit und Opferwilligkeit für die Erhaltung des Reiches am Ende sind.
zl34to£i(|(?tt0ff £tt ♦ Nach dem seit längeren Jahren bestehenden und für die jetzige Reichstags- und die nächste Landtagswahl ausdrücklich bestätigten Abkommen mit der konservativen Partei, hat letztere für diesmal den Kandidaten zu ernennen, und werden wir sofort für ihn mit ganzer Kraft eintreten.
In einer Zeit, deren Ernst unsere Gegner sich vergeblich bemühen wegzuspotten, oder einfach zu leugnen, haben wir unsere besondere Wünsche hintanzusetzen.
Wir geben unser Programm nicht auf, aber wir denken heute nicht an das, was uns von den übrigen Anhängern der Militärvorlage trennt, sondern nur an das, was uns mit ihnen eint!
Als Kandidat der konservativen Partei ist
IS
Herr Bürgermeister W. I. Stroh von Marköbel
aufgestellt.
Seit vielen Jahren durch das Vertrauen seiner Mitbürger in den Kreistag des Kreises HaNÜU, in den KoMMUNallaNdtag und den LüN- desausschuß des Regierungsbezirks Cassel berufen, hat er vielfach Gelegenheit gehabt, sich als ein Mann mit klarer Auffassungsgabe und geradem
Sinn zu zeigen, der das aus eigener Ueberzeugung als richtig Erkannte ZU vertreten und festzuhalten Versteht.
Für diesen so bewährten Mann werben wir um Eure Stimmen. Er wird fÜT die Militärvorlage kiNtreteN, er wird aber auch für die wesentlichsten der Interessen eintreten, bereu Wahrung unsere Partei vom nächsten Reichstag weiter erwartet, den Schutz der nationalen Arbeit für Stadt und Land, Fernhaltung des Tabaksmonopols — und die Abwehr der Gefahren, mit denen eine gewissenlose Verführung der Arbeiter uns bedroht. — Wir dürfen auch mit Sicherheit annehmen, daß er sich von dem Sturmlauf fernhält, welchen eine bethörte Partei gegen die Gleichberechtigung unserer jüdischen Mitbürger zu unternehmen begonnen hat.
In unserem Wahlkreise angesessen, ist er mit den allgemeinen Interessen desselben völlig vertraut und im Stande sich von den Wünschen und Bedürfnissen der Wähler zu unterrichten, auch mit ihnen von Zeit zu Zeit persönlich Verkehr zu pflegen.
Drum Wähler in Stadt und Land, laßt uns diesem Manne Vertrauen entgegenbringen, er ist der einzige Kandidat unseres Wahlkreises der für die Militürvorlage stimmen mild. Gehen wir Mann für Mann am 15. Juni zur Wahlurne und geben unsere Stimme dem
Herrn Bürgermeister
W. J. Stroh m Marköbel.
Wer am 15. Juni zu Hause bleibt, handelt nicht besser, als wenn er einem ber Gegner seine Stimme gäbe und macht sich unwürdig die Früchte des Friedens zu genießen, die ihm sein in sicherem Schutze ruhendes Vaterland gewährt.
Hanan am 29. Mai 1893.
Der nalionaMderale Mahlvorstand
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