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Grade der Bund der Landwirthe hat von Anfang an behauptet, daß die Veriheurer der Lebensmittel an der Produkteubörse sitzen, wo durch die gewagtesten und frivolsten Spekulationen das Getreide in die Höhe ge­trieben wird. Dadurch vertheuert sich naturgemäß für den Konsumenten das für seinen Lebensbedarf nothwendige Mehl und Brod, ohne daß auf der anderen Seite der Getreide bauende Produzent auch nur einen Pfennig Nutzen von diesen künstlich gesteigerten Getreidepreisen hqt. Deutlicher kann gar nicht bewiesen werden, wo denn die wahren Lebensmitteloertheurer zu suchen sind.

Militärisches. Auf kaiserliche Intervention sind nicht nur die ^Einbcrufuugsordres, die an die Landwehrmänner ergangen sind, die zu den zu bildenden Landwehrbataillonen einberufen waren, zurückgezogen, sondern auch alle übrigen, an Landwehrmänner, Landwehrmannschaften, Unteroffi­zieren und Offizieren, die zu den Linienregimentern einzogen waren, rück­gängig gemacht; die Uebungen fallen einfach fort. Dagegen sind die an Landwehrmänner, Offiziere rc. zum Zwecke ihrer Befördernung ergangenen Einberufung? ordres zwar auch für jetzt zurückgezogen, jedoch auf einen späteren Termin nach den Reichstagswahlen verlegt. Größtentheils sind diese Ordres den Betheiligten schon behändigt worden. Einberufungen, die vor inm Tage der Wahl erledigt werden, hat man ruhig Folge geben lassen.

t. Wünschenswert^! Die Hessische Ludwigsbahn hat auf der Strecke Hanau-Frankfurt das Halten eines Zuges auf den Stationen Wilhelmssad-Hochstadt -Dörnigheim abgeschafft, was von den diese Plätze besuchenden Frankfurtern und Offenbachern sehr bedauert wird. Es ist dies der früher ca. Wa Uhr abends in der Richtung von Hanau nach Frankfurt abgegangene Zug, der stets am Meisten frequentirt wurde. Da dieser Zug wie früher noch besteht, so wäre es sehr wünschenswerth für die Städter, daß dieser Zug auch wie früher an den vorbenannten Zwischen­stationen anhalten würde. Denn zwischen den Zügen TU101/s Uhr abends, also volle 3 Stunden, hält kein einziger Zug und das ist doch gar zu lange. An schönen Sommerabenden ist zur Heimkehr der 7 Uhrzug zu früh, der 10 Uhrzug für Viele zu spät. Abhülfe wäre sehr erwünscht.

-rr. RaDfahrspsrt. Unsere vorige Woche an dieser Stelle gr pflogene Aeußerung, Herrn M. Hert y - Klein Steinheim dieses Jahr zu den erstklassigen Rennfahrern rechnen zu dürfen, hat sich gelegentlich der am Sonntag stattgefundenen Krühjahrsrennen inDarmstadt glänzend bestätigt. Herty gewann den seither von H. Opel inne ehabten Meister­schaf t s p r e i s v o n H e s s e n, indem er seinen hauptsächlichsten Gegner Fr. i Opel sicher um drei Längen schlug. Weiter holte sich Herty an diesem ' Renntag den Führungspreis im Hauptfahren, sowie dritte Preise; im Zweiradfahren mit Vorgabe und Eröffnunasfnhren. Karl Emmrich : von hier, der an diesem Tage in Darmstaot nicht startete, fuhr in der sehr - guten Zeit von 5 Stunden 21 Minuten 123 Kilometer Strecke Frankfurt Wörth-Miltenberg und retour wofür derselbe seitens seines Klubs eine silberne Medaille erhielt.

Kursus« Der Landwirthschaftliche Zentralverein des Regierungs­bezirks Cassel beabsichtigt in der mit dem pomologiscken Garten zu Cassel verbundenen Obstverwerthungsstrtion im Laufe dieses Sommers und Herbstes einen allgemein zugângigcn Obst- und Gemüfeverwerthungskur'us unter der Leitung des Jnstitutsgârtners des pomoloaischen Gartens, Obstbau-Tech­niker Karl Huber, zu veranstalten. Der Kursus zerfällt in zwei Abschnitte von je einer Zeitrauer von 4 Tagen. Wir möchten den Besuch dieser Kurse um so angelegentlicher empfehlen, als die Obstverwerthung im All­gemeinen in Deutschland, noch sehr der Nachhülfe bedarf und die Obstver­werthungsstation zu Cassel sich Dank d r bereitwilligen Unterstützung des Herrn Ministers für Landwirthschaft rc. zu den bestausgestatteten in Deutsch­land zählen darf.

Scheu geworden. Die Pferde des gestern Nachmittag in der Grimmstraße haltenden, dem Gärtner S. gehörigen Fuhrwerks wurden scheu und gingen durch. Der auf dem Wagen sitzende Führer erlitt bei dem Herabsprinzen von demselben nicht unerhebliche Verletzungen und eine des Weges gehende Frau entging dem Ueberfahrenwerden nur durch einen glücklichen Seitensprung. Der Laternenpfahl gegenüber der Realschule wurde bei der tollen Fahrt Hingerissen.

Metzneuheit. Das auf dem Meßplatz ausgestellte Welthypodrom erfreute sich am Sonntag und gestern eines sehr regen Besuchs. Es ist etwas Neues, was hiermit geboten wird, und stundenlang kann man sich an den verschiedenartigsten und schönen Reitszenen amüsiren. Indem wir auf das Etablissement aufmerksam machen, bemerken wir noch, daß die Pferde lammfromm und gut geritten sind und von jetzt ab täglich Preis- und Champagnerreiten statlfindet.

Witterung. Seit heute Vormittag hat sich ein erquickender Regen eingestellt, der zu einem allgemeinen Landregen sich zu gestalten verspricht.

Giltigkeitsdauer der Rückfahrkarte«. Die ständige Tarif­kommission der deutschen Eisenbahnverwaltungen nahm laut einer Meldung der offiziösenBad. Korresp." mi: großer Mehrheit den Antrag Bayerns auf die allgemeine Einführung einer zehntägigen Giltigkeitdauer der Rück­fahrkarten an und wird der nächsten Generalversammlung der deutschen Eisenbahnverwaltungen einen dahin gehenden Beschluß unterbreiten.

Wiederimpfungen« Knabenmittelschule: Morgen Mittwoch, nachmittags 31/» Uhr, Impfung; Am Mittwoch den 7. Juni, nachmittags 31 /a Uhr, Revision derselben.

Für heute. Montagskasse der Preuß. Klassenlotterie zurgold- nen Zange": Abends 9 Uhr Generalversammlung.

Versteigerungs- und Verpachtung-- re. Kalender für Mittwoch den 31. Mai

Von nachmittags 2 Uhr ab werden im Hinteren Saale desNürn­berger Hof" durch den beeidigten Taxator und Auktionator Herrn Fr. Kämpfer ein großer Eisschrank, eine Lebermühle, eine Füllmaschine, eine Metzgerwiege, Hackklötze, Tafelwaagen mit Gewichten rc., ferner verschiedene Mobiliarqegenstände gegen gleich baare Zahlung versteigert.

Kesfelstadt, 30. Mai. Vorgestern fand dahier, wie wir' in voriger Nummer bereits kurz berichteten, ein stattliches Ruderfest statt. Es betheiligten sich elf Boote am Wettkampfe, der seinen Anfang in Frank­furt a. M. und sein Ende am Bootshause am Hanauer Mainkanal nahm. Die Siege vertheilten sich so: Start 3 Frankfurter Ruderklub, legte die Strecke in 1 Stunde 47 Min. zurück und gewann den 1. Preis, bestehend in 5 vergoldeten silbernen Bechern; den 2. Preis errang Start 10 Frankfurter Germania, derselbe bestand aus 5 silbernen Bechern. Nun folgten Start 2 und 4, ebenfalls Frankfurter Germania, Start 5 Sachsen­hausen II, Start 7 Offenbacher Verein, Start 8 Höchster Ruderverein, Start 11 Frankfurter Ruderverein, Start 6 Offenbacher Undine, Start 1 Sachsenhausen I Die 44 Ruderer hatten zusammen während des heißen Wettkampfes 124 Pfund an Gewicht abgenommen. Nach dem Kampfe vereinigten sich die verschiedenen Festtheilnehmer zum Mittagessen inr hie­sigen Gasthausezum Schwanen", wo Küche uno Keller so Vorzügliches und Reichhaltiges boten, daß alle Theilnehmer den Schwanen und seinen herrlichen Garten am Maine, der sich zu solchen Festlichkeiten ganz be­sonders eignet, höchst vergnügt und befriedigt verließen.

Ostheim, 29. Mai. Vor kurzer Zeit fand hier, wie bereits in Nr. 121 kurz erwähnt, die Wahl eines neuen Bürgermeisters statt. Der bisherige Bürgermeister Herr Brodt hat zum Bedauern aller rechtlich ge­sonnenen Gemeindeglieder, nachdem er 15 Jahre lang das Bürgermeister­amt in hiesiger Gemeinde verwaltet, die Niederlegung desselben erklärt. Sein Verständniß der ländlichen Verhältnisse, sein gerader christlicher Sinn und seine starke Pflichttreue, die sowohl seinen vorgesetzten Behörden als auch seinen Gemeindegliedern gegenüber sich bethätigte, haben es vermocht, daß seine Amtsführung der Gemeinde zum großen Segen gereicht hat. Bemerken wollen wir zum Schluß noch, daß auch die finanzielle Lage der Gemeinde sich durch denselben sehr verbessert hat, indem die früher be­standene bedeutende Schuldenlast sehr verringert worden ist.

Neuwiedermutz, 29. Mai. Der bisherige Bürgermeister Herr Haldy dessen Wahlperiode abgelaufen war, ist auf eine weitere acht­jährige Wahlperiode gewählt und verpflichtet worden.

Fulda, 29. Mai. Als Gegenkandidat des von der Zentrumspar­tei im Wahlkreise Fulda-Schlüchtern Gersfeld aufgestellten Kandidaten Müller ist in einer am Samstag stattgefundenen Wählerversammlung Herr Amts­rath Thaler-Weihershof bekannt gegeben werden. Derselbe wird im wesent­lichen mit dem Zentrum, aber für die Militärvorlage stimmen und sich außerdem die Vertretung der landwirthschaftlichen nnd bäuerlichen Interessen ganz besonders angelegen sein lassen.

Marburg, 29. Mai. Zu allen den vielen Vereinen, Gesellschaften und Bünden, welche in hiesiger Stadt bereits bestehen, hat sich nunmehr noch ein neuer gesellt, derSchr.eeglöckchenbund", der, nur aus Damen be­stehend, in seinen Satzungen folgenden § enthält :Wir Mitglieder des Bundes versprechen, mit Gottes Hilfe ernste Anstrengungen zu machen, um uns allen leichtfertigen Unterhaltungen fern zu halten, allem Lesen schlech­ter Schriften, allem Auffallenden im Anzug und Kopfputz, sowie jedem Vergnügen, das schädlich für unsere Einbildungskraft und unser Herz wäre, zu entsagen."

Frankfurt a« M«, 30. Mai. Der Palmengarten war am Sonn­tag nachmittags, wie sieFr. N." schreiben, anläßlich der Feier seines 25jährigen Jubiläums von zirka 30 000 Menschen besucht, einige schätzten die Zahl der Besucher sogar noch höher. Es konzertirten vier Musikkapellen, außerdem sorgten die Frankfurter Sängervereinigung, Tyroler u. a. für musikalische Genüsse. Im Neugarten sannen allerlei Wettspiele und sonstige Volksbelustigungen statt. Für die leibliche Verpflegung war durch eine An­zahl Bier- bezw. Aepfelweinhallen gesorgt, aber das große Gedränge ließ hier manchen unbefriedigt, und das gewaltige Menschengewoge trug auch die Schuld, daß das Festprogramm nicht in allen Nummern zur Ausfüh­rung gelangen konnte. Ein erst seit fünf Wochen verheiratheter Kellner ist seiner Frau mit deren Sparpfennig von 1000 Mark durchgegangen. Er soll sich nach Chicago gewandt haben.

Vom Rhein, 30. Mai. Der gegenwärtige Stand der Wein­berge ist bei uns am Rhein, wie derRH. K." schreibt, ein ganz vorzüg­licher. In den besten Lagen sind die Gescheine schon meist verblüht; in den besseren stehen sie in Blüthe und selbst in den weniger günstigen kann die Blüthe jeden Tag eintreten. Behalten wir noch zehn Tage die gute Witterung, so wird wohl allerwärts der Fruchtansatz zur Zufriedenheit der Winzer erfolgt sein. Und dies gilt nicht nur in dem gesegneten Rhein-