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Dienstag den 30. Mai

1893

RS

Landkreis Hanau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Wie Ew. Hochwohlgeboren durch Erlaß des Herrn Regierungspräsi­denten hierselbst vom 1. April 1890 ersehen haben, ist der Hessischen Brand- vcrsicheiungsanstalt von dem vorgenannten Tage ab ein Kriminalschutzmann zur Ermittelung von Brandstiftungsfällen überwiesen worden.

Die seit Jahresfrist wahrgenommene stetige Zunahme von Bränden erheischt dringend eine thunlichst schleunige Vornehme energischer Ermitte­lungen über die Entstehungsursache an Ort und Stelle, sofern muthmaß- lich irgend welcher Verdacht einer fahrlässigen oder vorsätzlichen Brend- stiftung oder der Anstiftung zu diesem Verbrechen vorliegen sollte.M-

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich daher ergebenst, die Ortspolizeibe­hörden und die Gendarwerie gefälligst in geeigneter Weise eventuell durch Bekanntmachung im Kreisblatt arweisen zu wollen, außer der Bezeichnung der zerstörten und beschädigten Gebäude und der Höhe des ungefähren Schadens auch gleichzeitig die muthmaßliche Entstehungsursache unter Hervor­hebung etwaiger Verdachtsmomente an Ew. Hochwohlgeboren einzuberichten. Euer Hochwohlgeboren ersuche ich hiernach weiter ergebenst, mir bei Er­stattung der bisherigen vorläufigen Brandanzeige gefälligst mittheilen zu wollen, ob auf Grund der oben gedachten polizeilichen Ermittelungen die Entsendung des Kriminalbeamten an Ort und Stelle anaezeigt erscheint oder nicht.

Cassel am 25. Mai 1893.

Der Landest irektor

I. A.: Dr. Knorz.

Indem ich vorstehendes Schreiben zur Kenntniß der Herren Ortsvor- stândc und der Königlichen Gendarmerie bringe, veranlass» ich dieselben, in Zukunft in den Berichten über Brände die zerstörten und beschädig­ten Gebäude (nach Nummer und Lit.) und die ungefähre Schadenshöhe zu bezeichnen, auch stch über muthmaßliche Entstehungsursache unter Hervorhebung etwaiger Ver­dachtsmomente zu äußern.

Hanau am 29. Mai 1893.

Der Königliche Landrath

V. 4578. I. V.: Schneider, Kreissekretär.

Bürgermeister Haldy zu Neuwiedermuß, bissen Wahlperiode abge- laufen war, ist auf eine weitere 8jährige Wahlperiode gtwâhlt und ver­pflichtet worden.

Hanau am 25. Mai 1893.

Der Königliche Landrath

A. 1437. v. Oertzen.

Nach Mittheilung des Großherzoglichen Kreisamts zu Büdingen ist die zu Echzell ausgebrochene Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau am 27. Mai 1893.

Der Königliche Landrath

T 4491. v. Oertzen.

Die unter der Schafheerde zu Neuses (Kreises Gelnhausen) ausge- brochenen Räude ist erloschen.

Hanau am 27. Mai 1893.

Der Königliche Landrath

4483. v. Oertzen.

Stadtkreis Hana«.

Wegen Ausführung der Sielbauarbeiten in der Kirchgaffe ist st die Absperrung der Straßenstrecke zwischen Französischer Allee und Schnurgasfe für den Fuhrverkehr vom 1. Juni d. Js. ab angeordnet.

Uebertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mark subs. 3 Tagen saft bestraft.

Hanau am 29. Mai 1893.

Königliche Polizeidirektion.

5161. J. A.: Dr. Köhler, Regierungsafsesfor.

Tages? ch an.

Berlin, 29. Mai. In ihrer Rümmer vom 27. d. Mts. bringt dieVossische Zeitung" ein Telegramm aus Belgrad, wonach Seine Majestät der Kaiser beim Empfange des serbischen außerordentlichen Ge­sandten, Obersten Pantetitsch geäußert habe:Schneidiges Unternehmen des jungen Königs, dem meine vollen Sympathien gehören! Da hat alles ge­klappt auf dem Exerzierfelde." Demgegenüber sind wir zu der Erklärung ermächtigt, daß Seine Majestät Herrn Pantetitsch lediglich beauftragt hat, den jungen König der freundschaftlichen Gesinnungen Seiner Majestät für ihn zu versichern, jedoch keines der Ihm in den Mund gelegten Worte über den serbischen Staatsstreich gesprochen hat.

Berlin, 28. Mai. Offiziös meldet dieNordd. Allg. Ztg." Die Gegner der Militärvorlage berufen sich neuerdings in Wahlaufrufen, Flugblättern u. s. w. auf die angebliche Abneigung weiter Volkskreise gegen die Militärvorlage, namentlich auch darauf, daß in zahlreichen Volksver­sammlungen Petitionen gegen die Militärvorlage beschlossen worden seien. Diese Behauptungen stehen mit den Thatsachen in Widerspruch Nach den Erklärungen des Berichterstatters, Abgeordneter Gröber, in der Reichstags­sitzung vom 6. Mai b. I. sind, wie bereits gestern kurz mitgetheilt, dem Reichstage zugegangen im Ganzen 1003 Petitionen für die Annahme der Militärvorlage und nur 247 Petitionen dagegen.

Berlin, 28. Mai. Gegenüber der kürzlich durch die Presse ge­gangenen' Notiz, daß die österreichischen Vereinsthaler und Vereins-Doppel­thaler außer Kurs gesetzt seien, macht derR.-A." darauf aufmerksam, daß sich dies nur auf Oesterreich-Ungarn bezieht. In Deutschland haben diese Münzen noch wie vor Geltung und werden an allen öffentlichen Kassen in Zahlung genommen.

Berlin, 29. Mai. S. M. KreuzerFalke", Kommandant Kor- vetten-Kapitân Becker, ist am 27. b. M. von Kamerun nach Monrovia in See gegangen.

DasKöln. Tgbl." schreibt: Vom freisinnigen Kriegsschauplatz liegt in derFreis. Ztg." folgendes Richter'sche Ultimatum vor, welches Herr Richler an die früheren Fraklionskollegen richten läßt:Die Frei­sinnige Bereinigung umfaßt zwar sehr viele Generale und Offiziere, aber nur sehr wenig Truppen. Selbst ein Theil derjenigen Truppen, die sich jetzt noch von Offizieren der Freisinnigen Vereinigung führen lassen, thut dies nur, weil sich bei der Kürze der Zeit eine andere Führung und an­dere Aufstellung für die Wahl nicht mehr ermöglichen läßt. Will aber die Berliner Leitung der Freisinnigen Vereinigung, von dem Grundsatz der Lokalifirung der Differenzen abgehend, ein Tânzlein wagen, so würde dies­seits alsbald in allen Wahlkreisen die praktische Probe darauf zu machen sein, wie viel Truppen denn eigentlich die Offiziere der Freisinnigen Ver­einigung noch hinter sich haben." Damit erscheint diefriedliche,, Scheidung ihrem Ende ziemlich nahe gekommen zu sein.

Breslau. Freiherr von Huene ist nun auch in einem zweiten Wahlkreis aufgestellt, in Glatz-Habclschwerdt, dessen Vertreter, Landgerichts­rath Sperrlich (Zentr.), die Wiederwahl abgeleht hat. Bereits 1890 wurde Freiherr von Huene hier gewählt, er verzichtete aber auf diesen Wahl­kreis und nahm das andere ihm zugefallene Mandat von Breslau-Neu­markt an. Als offizieller Zentrumskandidat gegen die Militärvorlage ist in GlatzHabelschwerdt ein Gutsbesitzer Hartmann aufgestellt.

Essen a. -. R., 29. Mai. Nach einer Mittheilung derRheinisch- Westfälischen Zeitung" beschäftigte sich die heutige Versammlung der Zechen­besitzer, welche Mitglieder des rheinisch-westfälischen Kohlenfindikates sind, mit dem von verschiedenen Zechen gestellten Antrag auf Einschränkung der Förderung. Ta der Antrag nicht formulirt, auch der Vorstand und der Beirath nicht in der Lage waren, den Antrag zu formuliren, und da die Betheiligungsz'ffern noch nicht festgesetzt sind und eine entsprechende Kon- rolle erst nach der Uebernahme des Verkaufes durch das Syndikat möglich st, unter blieb die Abstimmung, womit der Antrag erledigt ist. Nach einer Mittheilung des vorsitzenden Bergassessors Krabler ist die Uebernahme des Kohlenverkaufs durch das Syndikat frühestens am 1. August möglich.

(Fr. N.)

Bingerbrück, 29. Mai. Das TrajektbootAdler" ist/* vor 12 Uhr auf der Fahrt von Rülesheim nach Bingerbrück infolge des nied-