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AmlttcHes Organ für Staöt- unö Landkreis Kanan.
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Montag den 29 Mai
1893
Amtliches.
Warnung.
In Läden und Geschäften, welche als Lotterie-Komtor, Lotterie- Einnahme oder Lotterie-Kollekte bezeichnet sind und deren Inhaber sich als Lotterie-Einnehmer resp. Kollekteur bezeichnen, werden Loose der Preußischen Klassen-Lotterie und Antheilscheine auf solche Loose, oft unter Benennung als Antheilloose, für Preise angeboten, welche die im Lotterieplan bestimmten Preise sehr weit übersteigen und ferner noch dadurch erhöht werden, daß in den Antheilscheinen selbst die Verkäufer derselben hohe Gewinnabzüae für sich ausbedingen.
Die Antheilscheine begründen niemals Ansprüche an die Lotterie-Verwaltung aus Loosèerneuerung und auf Gewinnzahlung.
Vielfache gerichtliche Verurtheilungen von Loosantheilschein-Verkäufern haben herausgestellt, daß solche Verkäufer häufig betrügerisch verfahren, indem sie die Loose, auf welche sie Antheile verkaufen, nicht besitzen oder auf wirklich besessene Loose viel mehr Antheilscheine ausgeben, als der Umfang ihres Loofebesitzes erlaubt, oder indem endlich sie ihrerseits erhobene größere Gewinne unterschlagen und mit denselben verschwinden.
Zur Unterscheidung der Loosantheilscheine von den ächten Loosen machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren stets einen Stempel mit der inneren Umschrift „Koen. Pr. Gen. Lotterie-Direktion" tragen.
Zur Unterscheidung zwischen den sich als „Lotterie- Einnehmer" benennenden und ihr Geschäft als „Lotterie- Einnahmen" oder „Lotterie-Komtor" bezeichnenden Pri- vatverkäufern von Loosen einerseits und den Königlichen Lotterie Einnehmern andererseits aber machen wir darauf aufmerksam, daß die letzteren allein als „Königliche Lotterie-Einnahmen" oder „Königliche Lotterie-Einnehmer" sich namhaft machen.
Berlin am 8. Juli 1882.
Königliche General-Lotterie-Direktion. Dammas. Liliental.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen am 25. d. Mts.: ein werthvoller schwarz- und weiß- getiezerter Jagdhund, glatthaarig, m. Geschl.; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Oberdorfelden.
Gefunden: Ein Kinderschuh. Eine Brille mit Futteral. Eine lederne Schürze. Ein Geldstück. Eine kleine Gießkanne.
Hanau am 29. Mai 1893.
Ein ehrliches Geftändnitz
legt der bisherige freisinnige Abgeordnete Th. Barth in einem Artikel der „Nation" ab, in dem die Militârvorlagc besprochen wird. Wir entnehmen den Ausführungen dieses gewiß liberalen Mannes folgende Sätze und wünschten, daß jeder im Parteifanatismus verharrende und sich darum wahrhaft männlich denkende liberale Wähler sie lese, ehe er zur Wahlurne tritt: „Militärkonflikte haben bisher stets zu einer Schwächung des Liberalismus geführt. Der Berlanf wird diesmal schwerlich ein anderer sein, einerlei wie der nächste Reichstag zusammengesetzt ist." Eine Opposition, die Erfolg versprechen solle, könne diesmal nur mit dem Zentrum zusammen durchgeführt werden. Die Zentrumsabgeordneten hätten sich aber, in das Land zurückgekehrt, überzeugt, daß ein starres Festhalten am bisherigen Standpunkt nicht möglich sei, und so suche man denn schon jetzt nach dem erlösenden Wort, das den Zentrumsabgeordneten ihre Bewegungsfreiheit wiedergebe. Gefunden wird dieses Wort werden, denn der Macht der Thatsachen läßt sich nicht trotzen, und so zeigt sich denn, eine wie gebrechliche Politik — auch allein vom taktischen Standpunkt aus — es gewesen wäre, die Zukunft des Liberalismus vorbehaltlich in einem Kampf auf's Spiel zu setzen, der nach der Wahl sich nur durchführen läßt, wenn der katholische Bundesgenosse treu auszuharren bereit wäre. Was hat eine liberale Partei von einer derartigen Kraftprobe zn erwarten? Wie will sie mit Bundesgenossen, mit denen sie im übrigen keinerlei innere Gemeinschaft verbindet, einen oppositionellen Kampf durchführen in einer Frage, die mit den Gr undsätzen des Liberalismus ansich gar nichts
zu thun hat? In kenum anderen Lande der Welt ist man jemals auf ; die Idee verfallen, das Schicksal des Liberalismus mit der Zahl der jähr- - lich einzustellenden Rekruten und der Summe der Miiiiärausgaben zu ver- ; knüpfen. Das Gefühl, daß in der Militârvorlaee ein magerer Vergleich f besser sei als ein fetter Prozeß, greift jetzt schon um sich. Ter Versuch, ; die Formel der Innehaltung der gegenwärtigen Frndenspräfenzstärke zu einem Parteidogma zu machen, hat sofort die freisinnige Partei auseinander s gesprengt, und jeder Tag, der weiter ins. Land geht, zeigt deutlicher, daß jene Formel als Wahlparole keine Zugkraft besitzt. Man bleibt auf der Formel stehen, weil man dieselbe e-nmal verfochten hat und sich einredet, es sei ein Zeichen von Karakterfestigkeit, an jener Stelle stehen zu bleiben, an welcher man einmal gekämpft hat. Aber an sich ist diese Bewillnungs- grenze genau so willkürlich gezo- en wie jede andere, und deshalb kann keine volksthümliche Bewegung an diese Formel anknüpfen. Was etwa volks- thümliches in ihr steckt, läßt sich in den Schmerzensschrei zusammenfassen: keine neuen Soldaten und keine neuen Steuern! Als die Militärvorlage zuerst aus der Bill fläche erschien, war die öffentliche Meinung von diesem Gefühl so erfüllt, daß ein sofort veranstaltetes Plebiszit die Bmlage einfach weggeschwemmt haben würde. Aber man müßte blind sein, Wollte man nichtjsehe«, daß sich inzwischen ein Umschwung vollzogen hat."
t Was man von den Sozialdemokraten lernen kann, das ist die außerordentliche Rührigkeit in der Vertheilung von Flugblättern. Ter Partei stehen wie k iner anderen freiwillige und zuverlässige Kräfte in größter Zahl zur Versüßung, die sich von den Städten aus über ganze Wahlkreise hin von Ort zu Ort zerstreuen und überall die Parteiflagblätker I vertheilen. In einem Wahlkreise, dessen „Bearbeitung" sich die Sozialdemokraten vorgenommen haben, kann man darauf rechnen, daß nicht nur vor jedem Ha se, sondern auch vor jeder Wohnungsthür ein Flugblatt abgegeben oder niedergelegt wird. Während der Pfingsttage sah man in vielen Dörfern der Mark die fozialdemokratischen Sendlinge Flugblätter auf den Wegen und Höfen vertheilen. Sind die Bauern, Handwerker, Kaufleute 2C. auch im Allgemeinen vei ständig genug, nicht darauf hineinzufallen und den Agitatoren energisch die Thür zu weisen, so bleibt doch da und dort etwas von der sozialdemokratischen Verhetzung hängen. Denn darauf geht der Hauptinhalt dieser Flugblätter; von den Gefahren für das Reich und erst recht von den wahren Zielen der Sozialdemokraten, der Entziehung alles Eigenthums an Grund und Boden, Gerâtbcn, Arbeitsmitteln rc., der Auflösung alles Familienlebens 2C. erfährt der Leser nichts. Die anderen Parteien, die für den Schutz des Besitzes, der Familie, der Religion, des freien Erwerbs einlreten, dürfen deshalb die sozialdemokratische Agitation nicht unterschätzen und müssen alle Kräfte anspannen, um es in der Rührigkeit den Feinden der bestehenden Ordnung gleich zu thun nnd deren verderbliche Lehren um den Erfolg zn bringen.
T »r g e s f ch K u.
Berlin, 27. Mai. Seine Majestät der Kaiser haben auf die Einladung des Senats von Bremen zu der im Herbst d. I. dort in Aussicht genommenen Feier der Enthüllung des Denkmals für den hochseligen Kaiser Wilhelm I. nach der „Wes.-Ztg." folgendes Antworischreiben erlassen: „Das gefällige Schreiben des Senats der freien Hansestadt Bremen vom 21. v. M. habe Ich erhalten und gern von seinem Inhalt Kenntniß genommen. Die freundliche Einladung, der am 18. Oktober d. J. stattfindenden Enthüllungsfeier des Reiterstandbildes Meines in Gott ruhenden Herrn Großvaters, des Kaisers und Königs Wilhelm I. Majestät, beizuwohnen, nehme Ich mit Freuden an, und wird es Mir zum Vergnügen gereichen, wieder in Ihrer Stadt zu weilen, an welche sich aus der Zeit Meiner Anwesenheit im April des.Jahres 1890 die angenehmsten Erinnerungen knüpfen. Zugleich benutze Ich diesen willkommenen Anlaß, um die freie Hansestadt Bremen Meiner ihr allezeit gewidmeten wohlwollenden Gesinnungen zu versichern. Neues Palais den 20. Mai 1893. Wilhelm I. R."
Berlin, 27. Mai. Die Tagesordnung für die 79. Plenarsitzung des Hauses der Abgeordneten am Dienstag, 30. Mai, mittags 12 Uhr, lautet: 1) Verlesung der Interpellation des Abg. Douglas, betreffend die