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Beilage zu Nr. 122 des Hanauer Anzeiger.

Hanau den 27. Mai 1893.

t Die drei Gegner der Militärvorlage.

III.

Während sich in der ehemaligen freisinnigen Partei und im Zentrum eine kleinere Anzahl von Männern fand (dort 6, hier 12), die sich ihrer freien Ueberzeugung folgend dem Fraktionsbann entzogen, stimmte die sozialdemokratische Fraktion Mann für Mann gegen die Vorlage und gegen den Antrag Huene.

Von den anderen Genossen im Bunde gegen die Militärreform unter- ' schieden sich die Sozialdemokraten wesentlich dadurch, daß sie die politischen Gründe, die uns zur Verstärkung unserer W-hrkraft nöthigen, die Gefahren , von rechts und von links, unsere unglückliche geographische Lage, die Re­vanchesucht der Franzosen, den panslavistischen Drang nach dem Westen, die Schwere eines Zukunftskrieges an und für sich vollkommen anerkannten. Der Abg. Bebel hat diese Dinge gar nicht übel anseinandergesetzt. Gerade darum ak er ist das Verhalten der Sozialdemokraten nur um so schlim­mer und verwerflicher. Was haben sie denn für Gründe, dem Deutschen Reiche zu verweigern, was, wie sie nicht leugnen können, zu dessen gesichertem Fortbestehen, zur Ueberlegenheit der deutschen Waffen über seine Feinde erforderlich ist?

Da stoßen wir zunächst auf den Haß gegen den „Militarismus".

Was sie darunter verstehen, ist mehr als die alte demokratische Feindschaft gegen das Heer, dem wir unsere nationale Existenz und die Erhaltung des Friedens verdanken; — es ist vor Allem die ingrimmige Abneigung gegen Zucht, Ordnung, Gehorsam, Vaterlandsliebe, die sich in unserem Volke in Waffen verkörpern. Angeblich wollen die Sozialdemo­kraten das Reich nicht wehrlos machen, die Durchführung der allgemeinen Dienstpflicht erscheint ihnen sogar als eine gerechte Forderung. Aber sie wollen nur ein Milizheer und das bedeutet nichts mehr und nichts weniger . als den Verzicht auf jedes wirksame Mittel, einen uns anfgenöthigten Krieg mit Ehren und Erfolg zu besitzen.

Milizen sind Truppen, die nur kurze nach Monaten bemessene Zeit dienen; die Zahl der Friedensstärke des Heeres kann dann natürlich auch nur gering sein. Zur Miliz übergehen hieße ungefähr unsere Sol- . daten beim stehenden Heere in lauter Ersatzreservisten d. h. höchst noth- dürftig ausgebildete Leute verwandeln. Ein solches Heer ist allenfalls in ier kleinen Schweiz möglich, die von der Natur und mehr noch durch ihre von allen Mächten anerkannte neutrale Stellung geschützt wird. Was sollte aber das große, zwischen mächtigen Gegnern eingekeilte, an feinen Grenzen meist offene deutsche Reich mit einem Milizheere ausrichten? Der Uebergang zn diesem System enthielte die Aufforderung an die Franzosen, über uns herzufallen und sich den verlorenen Kriegsruhm möglichst schnell und billig wiederzugewinnen. Große Haufen von Menschen sind noch lange keine Heere, mit denen sich Schlachten gewinnen, Kriege siegreich führen lassen. Das haben wir ja alles 1870/71 erlebt. Der Diktator Gambetta stampfte Riesenheere aus dem Boden, die vor unseren an Zahl geringeren Truppen an der Lisaine rc. schließlich wie Spreu vor dem Winde zerstoben. An Muth hat es ihnen wahrhaftig nicht gefehlt, dafür aber an der sorg­samen Schulung, die den tüchtigen Soldaten macht. Es war eine Grau­samkeit, diese Menschenhaufen, die nicht zu marschiren und nicht zu schießen gelernt hatten, der deutschen Armee entgegenzustellen.

In Wahrheit ist das Milizheer der Sozialdemokraten nur das Feigenblatt fürihreu Mangel an Vaterlandsliebe. So beschränkt ist keiner und am wenigsten sind es die sozialdemokratischen Führer, daß sie im Ernste glauben, mit einem Volksaufgebot — sozusagen mit Dresch­flegel und Sense — könne man heute noch ein feindliches Herr waffenge­übten Soldaten aus dem Lande jagen. Wenn es selbst möglich wäre, welche Unsummen von Blut und Gut, von Jammer und Elend würde das e r st kosten? Nein, den Sozialdemokraten ist das deutsche Reich, wie es ist, ganz und gar gleichgiltig, sie brauchen den allgemeinen „Kladdera­datsch" in Europa, weil sie meinen, daß aus ihm eine allgemeine Völker- republik hervorgehen werde. Sie wollen die Zertrümmerung der bestehen­den Kultur, weil nur dann ihr erträumter Zukunftsbau einer kommuni­stischen Gesellschaft möglich erscheint. Durch ihre republikanischen Ideen > haben sie mit aller Geschichte, durch den widernatürlichen Unsinn eines Zu- I

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standes allgemeiner Gleichheit aller Menschen Haven sie mit dem gesunden Menschenverstände gebrochen — was kommt da noch auf Vaterlandsliebe und nationale Gesinnung an? Das sind die Bundesgenossen der freisin­nigen und der Zentrumsdemokratie gegen die nothwendige Verstärkung un­serer Wehrkraft!

Litterarisches.

Auch diese Woche liegt uns die bekannte Fachzeitschrift des Radfahr­sports „Das Stahlrad" (C. Grumbach's Verlag, Redaktion: Willy Werner) wieder in einer sehr reichhaltigen Nummer vor. Wie es ja naturgemäß ist, treten jetzt die Renntage, Ausschreibungen.und Renn­ergebnisse in den Vordergrund des allgemeinen Interesses, die Distanz Rad­fahrt Wien Berlin nicht zu vergessen, und wir begrüßen es daher mit Freu­den, daß die Redaktion des „Stahlrad" diesen Rubriken eine ganz beson­dere Aufmerksamkeit widmet, trotzdem aber die Leser auch über alle andern sportlichen Ereignisse, welche von nur einigem Interesse sind, in der ein­gehendsten Weise unterrichtet. Durch Einschaltung ansprechender Humores­ken, hübscher Illustrationen, wirkungsvoller Kouplets, sowie durch kleine humoristische Einlagen hat die Redaktion es verstanden, das Blatt noch ab­wechselungsreicher zu gestalten, sodaß wir jedem Radfahrer und überhaupt jedem Sportsfreunde ein Abonnement auf „Das Stahlrad" nur auf das Angelegentlichste empfehlen können. Der Preis beträgt pro Semester Mk. 5, wofür jeder Abonnent außerdem gegen alle Unfälle, die ihm beim Tou­renfahren zustoßen sollten, in der Höhe von Mk. 2500 versichert ist..

Börsennachrichten.

N—r. Hanau, 26. Mai 1893.

Die Feiertage haben in dieser Woche das ohnehin geringe Geschäft noch weiter reduzirt. Neue Meldungen von Bedeutung sind nicht einge­laufen und da das Publikum fortdauernd große Zurückhaltung beobachtet, so war die Börse gewissermaßen sich selbst überlassen. Es haben denn auch die Kursbewegungen sehr enge Grenzen nicht überschritten. So weit eine Tendenz überhaupt bemerklich war, ging die Neigung nach oben, ohne jedoch hinreichende Kraft zu haben, erhebliche Erfolge herbeizuführen.

Frankfurter Kurse

am 18. Mai

am 25. Mai

4°/o Preuß. Consols

107.—

106.90

SW/o „ „

100.70

100.40

3% „

86.75

86.65

Oesterr. Goldrente

96.85

97.20

„ Krcditaktien

273^2

2757/s

Ungar. Goldrente

94.80

95.30

5°/o Argentiner

50.—

51.10

3°/o Portugieser

22.—

22.50

Hessische Ludwigsbahnaktien

111.30

110.70

Gotthardbahnaktien

157.30

157.60

Disconto Comm.-Anth.

182.—

183.60

Laurahütte

100.40

101.40

Patent-Ertheilungen.

Nr. 69 693. Grünmalz - Wendeapparat, G. Eisner in Hanau a. M., Fallbachstraße 2, vom 22. November 1892 ab. Kl. 6.

Nr. 69 660. Dampfüberhitzer mit Gleichstrom im ersten und Gegen­strom im zweiten Theile; Zusatz zum Patente Nr. 59 992, W. Schmidt in Wilhelmshöhe bei Cassel, vom 29. Mai 1892 ab. Kl. 13.

Nr. 69 600. Bruchband, E. Dufft in Cassel, vom 24. August 1892 ab. Kl. 30.

Nr. 69 593. Selbstdichtender Vertheilungshahn für zwei Ableitungs­wege ohne völligen Abschluß des Durchganges, G. Scheld in Cassel, Orleanstr. 32, vom 21. Juni 1892 ab. Kl. 47.

Gebrauchs-Mu st er.

Nr. 13 781. Halsketten aus ösenartigem Gehänge Ochs u. Bonn in Hanau. 24. April 1893. — O. 165. Kl. 44.

Schöne Bohnenstangen und Baumpfähle.

6737 August Maret.

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