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Nr. 121.
Freitag den 26. Mai
1893
Amtliches.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, in deren Gew inden bezw. Gutsbezirken Einkommensteuer-Zu- und Abgänge für 1893/94 bis dahin vorgekommen sind, wollen mir die diesbezüglichen Auszüge aus den Kontrollen alsbald einreichen.
Hanau am 24. Mai 1893.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis Hanau St. 2077. I. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Auf Grund der allgemein ertheilten höheren Ermächtigung wird hierdurch für Sonntag den 28. Mai und Sonntag den 4. Juni d. I. eine vermehrte Beschâftigungszeit für alle Zweige des Handelsgewcrbcs in der Stadt Hanau mit der Maßgabe gestattet, daß die Beschäftigung um 7 Uhr abends einzustellen ist.
Während des Gottesdienstes, sowohl des vor- als des nachmittägigen und zwar in der Zeit von V2IO bis 11 Uhr vormittags und von 2 bis 3 Uhr nachmittags, ist selbstverständlich jede Art der Beschäftigung ausgeschlossen.
In Betreff des Offenhaltens der Verkaufsbuden auf der hiesigen Frühjahrsmesse bleiben die seitherigen Bestimmungen unberührt, nur ist den Verläufern von Verzehrungsgegenständen als Konditorei- und Backwaaren an den beiden vorbenannten Sonntagen ebenfalls das Feilhalten bis 7 Uhr abends gestattet.
Hanau am 25. Mai 1893.
Königliche Polizeidirektion.
P. 5036. J. A.: Dr. Köhler, Regierungsassessor.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Auf dem Wege von Hanau nach Bruchköbel: Eine seidene und eine wollene gestreifte Tuchmütze. Ein Kinderschuh.
Zugeslogen: Ein Kanarienvogel.
Hanau am 26. Mai 1893.
Tagesschau.
Berlin, 25. Mai. Der Kaiserliche Gesandte in Brüssel, Wirkliche Geheime Rath von Alvensleben, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten kurzen Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit sungirt der Lega- lionsralh Prinz von Thurn und Taxis als Geschäftsträger.
Berlin, 25. Mai. Der „RH. Kur." erhält folgende telegraphische Mittheilung: Dem Vernehmen nach gelangte in der heutigen Sitzung der „Neuen Fraktion" des Herrenhauses der Zwischenfall Baumbach-Herbette zur Erörterung. Ein Theil der Fraktion sprach sich auf das entschiedenste gegen das Verhalten Dr. Baumbachs aus, verlangte dessen Ausschluß aus der Fraktion und drohte event, mit dem eigenen Austritt. Ein anderer Theil mißbilligte zwar das Verhalten Baumbachs, erblickte aber darin keinen Verstoß gegen die Fraktionssatzungen. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt.
Berlin, 24. Mai. Das Antisklavereikomitee läßt in ber „Nat.- Ztg." verkünden, daß es noch über recht erhebliche Mittel verfüge und auch nach Abgabe des Wißmann-Unternehmens und der sehr umfangreichen Bestände desselben an das Reich noch über genügende Mittel verfügen werde, um seine Arbeiten im nördlichen Theile des Schutzgebietes und besonders am Viktoriasee ungestört aus längere Zeit sortsetzen zu können, ohne dieserhalb auf die Flüssigmachung neuer Geldmittel angewiesen zu sein.
Berlin, 25. Mai. S. M. Fahrzeug „Loreley", Kommandant Kapitän-Lieutenant Grolp, ist am 23. Mai iu Beirut eingetroffen und beabsichtigt, am 27. d. M. nach Smyrna in See zu gehen. S. M. SchiffsjungenSchulschiff „Gneisenau", Kommandant Korvetten-Kapitân Stubenrauch, ist am 22. Mai in Newport eingetrosien und beabsichtigt, am 21. Juni die Heimreise anzutreten.
Die „N. 3t," schreibt: An maßgebender Stelle scheint man, wie eine steuerpolitische Kundgcbuug im „Reichsanz." muthmaßen läßt, dem Gedanken einer wirksamen Besteuerung des Luxus näher getreten zu sein. Der „ Vorwärts "geräth darob ganz aus dem Häuschen, woll jedenfalls, weil seine hochmögenden Gönner, der Millionär Singer, der Rentier Bebel, der Zehntausendmarkproletarier Liebknecht 2C., nach Durchführung einer wirksamen Besteuerung des Luxus für die Verthcuerung einer ganzen Anzahl ihrer nothwendigsten Lebensbedürfnisse fürchten. Darum auch wohl behandelt der „Vorwärts" die Stelle des Zentrumswahlaufrufs, welche von den Lrxusstcuern handelt, so geringschätzig. Dasselbe Blatt, welches sonst tag aus tag ein die großkapitalistische Bourgeoisie in Austern, Kaviar und Champagner „schlampampen" läßt, erklärt jetzt eine scharfe Besteuerung dieser und ähnlicher Objekte für „Läppereien, die keinen Pappenstiel werth sind." Dann muß doch wohl der Konsum jener Artikel in den erwähnten Gesellschaftskreisen nicht der Rede werth sein, der „Vorwärts" seine Leser also systematisch angelogen haben — oder das Blatt zieht aus egoistischen Beweggründen gegen die Luxussteuer zu Felde.
St. Ingbert, 24. Mai. Ueber eine Explosion auf der Pulverfabrik der Gebrüder Martin geht der „Pf. Pr." folgender Bericht zu: Gestern Abend gegen 7 Uhr fand in hiesiger Pulverfabrik eine Explosion statt, deren Wirkung ganz schrecklich war. Nicht weniger als sieben Arbeiter, darunter der Werkmeister, fanden sofort den Tod. Die Leichname waren meist entsetzlich verstümmelt und eine große Strecke weggeschleudert worden; so soll man im Felde einen Rumpf ohne Kopf und Beine gefunden haben. Die Arbeitshütten wurden gänzlich zerstört und die Maschinen zertrümmert. Die umgebende Kiefernanpflanzung gerieth zum Theil in Brand. An Rettungsarbeiten war bei der großen Gefahr nicht zu denken, da in der Fabrik viel Pulver und Dynamit lagert. Die meisten der verunglückten Arbeiter waren verheirathet. Drei derselben sind von hier, einer aus Obermiesau; auch ein pensionirter Lehrer aus Rheinpreußen, der wohl einst bessere Tage gesehen hat, befindet sich darunter. Der entstandene materielle Schaden ist jedenfalls sehr bedeutend. Aus allen Ortschaften der Umgegend eilen die Leute schaarenweise zur Unglücksstätte. Kurze Zeit nach der ersten Explosion erfolgte eine zweite, durch welche jedoch nur einige Personen leicht verbrannt wurden, einige andere wurden durch den Luftdruck umgeworfen. Ueber die Ursache der Explosion wird sich kaum Näheres festellcn lassen.
Jauer, 24. Mai. Der verstorbene Pfarrer Muche vermachte laut eröffnetem Testament der Stadt Jauer 700 000 M. zur Unterstützung von Schülern und Studenten katholischer, evangelischer und jüdischer Religion.
Schul Pforta, 25. Mai. Die 350jährige Jubelfeier der Begründung der Landesschule Pforta wurde heute Vormittag durch einen Fest- gottesdienst in der Anstallskirche eröffnet. General-Superintendent Dr. Textor hielt die Festpredigt im Anschluß an das seit Jahrhunderten als Losung des Stiftungsfestes übliche Wort: „Hier ist nichts Anderes, denn Gottes Haus und hier ist die Pforte des Himmels." Die Zahl der zur Jubelfeier erschienenen ehemaligen Pförtner beträgt, wie „W. T. B." berichtet, weit über 600; das herrlichste Wetter begünstigte die Feier.
Leipzig, 25. Mai. In der heutigen, letzten Plenarversammlung des Lehrertages sprachen der Abgeordnete Rickert und Lehrer Tews-Berlin über die Stellung, welche die Lehrerschaft zu den freiwilligen Bildungsbestrebungen und Veranstaltungen der Gegenwart einnchmcn soll. Die von beiden Referenten aufgestellten Thesen wurden einstimmig genehmigt. Der letzte Antrag der Tagesordnung, betreffend die Fortbildungsschule, wurde zurückgezogen, und der Lehrerlag mit Gesang und einem enthusiastischen Hoch auf den Kaiser geschlossen. (Fr. N.)
München, 25. Mai. Der Magistrat bewilligte der hiesigen Künstlergenossenschaft 30 000 Mark Garantiefonds, den Sezessionisten 20 000 Mark.
Ueber das Schicksal Emitt Paschas bringt ein hiesiges Blatt eine Meldung aus Uganda, welche die Nachricht vom Tode Emins entschieden dementirt. Selim Bey habe mitgetheilt, daß er einen Brief von Reban Aza, Befehlshaber des Forts am Albert-Nyanza, erhalten habe. Der Häuptling Masamhoni sei zu Rehan Aga gekommen und habe Letzterem mitgetheilt, daß keinerlei Nachricht über die Ermordung Emins vorliege: