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Samstag den 20 Mai
1893
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Zum WuMDv 1893.
Zwar ist es üblich, das heilige Osterfest als das Fest des Frühlings zu verherrlichen, allein das wirkliche Fest des blüthenprangenden, blumen- dustigen Lenzes ist doch das liebe Pfingstfest. Was das Osterfest, oft in Schnee- und Hagelschauern, uns zu versprechen gewillt ist, das hält das Pfingstfest. Denn erst, wenn unter dem warmen, belebenden Sonnenstrahl auch der letzte Rest der Angedenken des Winters hoch oben von den Bergen hinweggefegt ist, wenn die munteren Bächlein leise rauschend und murmelnd dahin fliesten durch grünende Wiesen und blumige Auen, wenn in frisches, saftiges Grün Bäume und Sträucher sich gekleidet haben und des Lenzes Boten, die flinken Schwalben, ihre anmuthigen Kreise in den Lüften ziehen, wenn hoch zum blauen Aether die Lerche empor steigt, frohe Dankeshpmnen dem Herrn der Schöpfung darbringend, dann erst ist der wirkliche Frühling ins Land gezogen und mit ihm das Pfingstfest, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes auf das Menschengeschlecht. Jenes göttlichen Geistes, der noch immer lebendig waltet auf Erden, jenes Geistes Gottes, der heute noch über uns schwebt, mahnend, tröstend, erhebend, wie er sich vor mehr denn achtzehnhundert Jahren auf die Jünger ergoß, ihnen die Kraft gebend, die Lehre Christi hinauszutragen in alle Lande und kühn und freudig Gottes Wort zu künden der sündigen Menschheit.
Wohl sind alle Feste der Christenheit schön und veredelnd für das Mrnschengcmüth; aber nicht umsonst heißt Pfingsten das „liebliche" Fest. Keines erscheint in so Hellem Glar ze, mit so lieblichen Gaben, so beglückend die Glücklichen, so tröstend die Einsamen, so erhebend die Menschheit, wie das Pfingstfest. So ist es denn erklärlich, daß der beglückende Otem der Freiheit, der in dem Pfingstfeste lebt und webt, die Menschheit hinaustreibt in die freie Natur, flm Geist und Körper zu baden in dem erquickenden Frühlings-Aether, um in Gottes freier Natur zu vergessen der kleinlichen Sorgen des Lebens. Und wie der balsamische, heilkräftige Frühlingshauch des Pfingstfestes von dem Schöpfer der ganzen Erde gegeben, daß er erfrischend zutheil werde Jung und Alt, Arm und Reich, Kranken und Gesunden, so werden sie auch alle, seien sie welches Standes sie wollen, der Fürst wie der Bettler, gleich in Gottes großer Schöpfung, sie alle nur Menschen unter Menschen.
Nicht jeder ist sich der hohen, sittlichen Bedeutung des Pfingstfestes bewußt, nicht jeder weiß die stumme und doch so beredte Sprache des Lebens und Webens in der Natur zu verstehen, gar viele gehen achtlos ihren Weg und das lebendige Buch der Natur ist ihnen ein Buch mit
Amtliches.
Landkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes. Jmpfordnung
für die diesjährigen Impfungen in den nachstehenden Gemeinden: Langenselbold: Wiederimpfung am 31. Mai, vormittags 7 Uhr, Erstimpfung „ 31. „ „ 8 „
Revision für Wiederimpflinge 7. Juni, Vorm. 7 Uhr, „ „ Erstimpflinge 7. „ „ 8
(im Rathhaussaale.)
Hüttengesäß: Impfung am 30. Mai, vormittags 8 Uhr,
Revision am 6. Juni, „ 8 „
(im Saale des Gasthauses „Zur Krone").
Neuwiedermuß: Impfung am 30. Mai, vormittags 10 Uhr, Revision am 6. Juni, „ 10 „
(im Schulsaale).
Die Herren Ortèvorstände der vorstehend genannten Orte mache ich auf die für die Ausführung des Jmpfgeschäftes vom Bundesrath getroffenen Vorschriften (Amtsblatt 1866, S. 105) aufmerksam und erwarte insbesondere genaue Befolgung der zu Anlage II daselbst für die Ortspolizeibehörden gegebenen Vorschriften.
Hanau am 18, Mai 1893.
Der Königliche Landrath
A. 1370. v. Oertzen.
sieben Siegeln. Wer aber mit offenem Auge und offenem Herzen hinaus- geht in die freie Natur, wer empfänglich ist für das geheimnißvolle Rauschen der Bäume und ihre Sprache verstehen kann, wer das Wort Gottes lebendig erschallen hört aus dem Flüstern und Lispeln der Gräser, aus dem Sprudeln der Quelle und aus dem Jubelton der kleinen gefiederten Sänger, der ist auch für die Lehren empfänglich, die uns das Pfingstfest gibt. Und diese Lehren, sie sind keine anderen, als jene, die des Erlösers Mund den Jüngern und der ganzen Welt gepredigt, sie sind dieselben, die todesmulhig die Apostel gelür det, dieselben, die noch heute alle die beredten Mundes verkünden, die von Gottes Geist erfüllt worden. Diese Lehren aber, sie alle fisten sich zusammen in der großen Lehre des göttlichen Dulders, der Lehre von der Nächstenliebe. So soll denn auch das heutige Pfingstfist, wie alle die Merksteine des Christenthums, die wir festlich begehen, eine Mahnung sein zur Liebe und Verträglichkeit, zum Wohlthun und zur Barmherzigkeit, zur Frömmigkeit und Gottvertrauen. Wie zu jener Zeit, da die Jünger, von dem Geiste Gottes durchdrungen, sich zusommcnscharten und die erste christliche Gemeinde bildeten, so soll auch heute noch der Mensch zum Menschen stehen und um alle sich das Band echter Humanität, Vaterlands- und Gerechtigkcitsliebe schlingen. So wird auf Erden jene Glückseligkeit entstehen, tue jeder gute Mensch anstrebt, das Glück, soweit es unserem unvollkommenen Erdenleben beschieden. In diesem Sinne sei auch diesmal das Pfingstfest gefeiert!
Jedes christliche Fest ist ein Fest der Familie und erst recht Pfingsten. Nicht umsonst lockt der goldige Sonnenschein, die balsamische Früh- lingsluft ins Freie und es entspricht ganz dem Sinne des Frühlingsfestes, wenn alles, was nur irgendwie abkommen kann, hinausfliegt in Berg und Thal, in Wald, Feld und Flur, in das weite Reich der Freiheit. Nicht asketisch und starrem Formelwesen ergeben sollen die christlichen Feste gefeiert werden, sondern freudig und lebensfroh; der Gaben, die der Schöpfer so reichhaltig ausgestreut über das liebe Pfingstfest, wir sollen uns ihrer erfreuen und nicht achtlos an ihnen vorübergehen. Unser Wunsch aber ist cs, daß allen unseren lieben Leserinnen und Lesern das diesjährige Pfingstfest eine richtige Psingstfreude sein möge, daß sie alle des echten und rechten Pfingstjubcls theilhaftig werden mögen und daß ihnen allen das Wetter gnädig sei für ihre Festtagswünfche und Entwürfe. Ihnen allen wünschen wir von ganzem Herzen
Recht frohe, ««getrübte Feiertage!
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Spazierstock. Ein silbernes Armband mit Kugel.
Entlaufen: Ein weißer halbgeschorener Scidenpinscher.
Verloren: Am 19. d. Mts. ein Portemonnaie mit ca. 274 Mk.;
dem Wiederbringer 25 Mk. Belohnung.
Aufgef anq en: Ein Spanferkel.
Hanau am 20. Mai 1893.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Wählerlisten zu den durch Kaiserliche Verordnung angeordneten Rseich stags Wahlen liegen vom
18. Mai ds. Js. ab
8 Tage Im g — einschließlich der Pfingstfeiertage — im Neustädter Rathhaus Bureau der Steuerkommisston, Zimmer Nr. 13/14, (1 Stiege hoch rechts) während der Büreaustunden vormittags von 8—12 und nachmittags von 2—6 Uhr, zu Jedermanns Einsicht aus.
Einsprachen sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei dem Stadtrath anzubringen.
Nur diejenigen Personen sind zur Theilnahme an der Wahl berech- I tigt, welche in die Wählerliste ausgenommen sind.