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ArrrMches HvAarr für Klcröt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Preis:
Die ispaltige Earmondzeile »der deren Rau»
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Die 1'^sp. Z-iL.
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Nr. 113.
Dienstag den 16. Mai
1893
Amtliches.
Bekanntmachung.
Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wild ringen eine Postanstalt mit Telegraphenbetrieb als Zweigstelle des Kaiserlichen Postamts in Wildlingen (Stadt) unterhalten werden.
Cassel am 9. Mai 1893.
Der Kaiserliche Oberpostdirektor. Frank.
Bon bcachtenswerther Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die aus der Straße feilgeholtenen Mineralwässer, wie Selterser, Sodawasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß ss kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.
Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalanzelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineralwässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel ob die Cholera droht, oder nicht, nur in einem der Trinkwassertemperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 10° Cels. abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genuste eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Biers, insbesondere aber der Mineralwasser gewarnt.
Caffel am 17. Oktober 1892.
Der Regierungspräsident.
J. V.: v. Pawel.
t Warum mutzte der Reichstag aufgelöst werden.
Durch die großen Siege über Frankreich im Jahre 1870/71 ist ein ewiges deutsches Reich begründet, die Kaiserkrone wiederhergcstellt worden. Das, was unsere Väter mit Strömen von Blut errungen haben, zu erhalten und zu vertheidigen und hierfür kein Opfer zu scheuen, ist für Deutschland das oberste Gebot, hinter welchem alle anderen Rücksichten, wie groß und wichtig sie auch sein mögen, zurückstehen müssen.
Frankreich hat seit seiner Niederlage kein anderes Ziel vor Augen gehabt, als an Deutschland Rache und Vergeltung zu nehmen, und zu diesem Zwecke fette Wehrkraft in einer Weise verstärkt, daß Deutschland trotz der mannichfachen Versuche, mit ihm Schritt zu halten, von ihm überflügelt worden ist. Das ist eine Thatsache, auf welche die höchsten militärischen Autoritäten im Gefühl ihrer hohen Verantwortung und Zukunft Deutschlands mit allem Nachdruck hingewiesen haben, und die sich durch Rechevkunststücke nicht aus der Welt schaffen läßt. Wer möchte sich diesem Urtheil gegenüber unterfangen, zu behaupten, daß Deutschland von Frankreich nicht überflügelt worden ist? Nur eine Anmaßung würde es sein, dies zu behaupten, und für das deutsche Volk verhängnißvoll, dies zu glauben.
Die Mehrheit des Reichstags hat dies behauptet, indem sie die Militärvorlage abgelehnt hat. Aber sie hat die Verstärkung des Heeres nicht nur für unnöthig, sondern auch mit Rücksicht auf die schweren Lasten, die sie im Gefolge haben würde, und auf die schlechten Zeiten für unausführbar erklärt.
Tas Urtheil der Reichstagsmehrheit über die militärische Stärke Deutschlands und Frankreichs kann ein sachlich begründetes nicht sein, weil alle Sachverständigen, insbesondere auch diejenigen, welche innerhalb des Zentrums und der Freisinnigen nach ihrer Erfahrung und ihrem Berufe allein^ etwas davon verstehen können, die unbedingte Nothwendigkeit der Verstärkung der Wehrkraft anerkannt haben. Ebenso aber ist auch das Urtheil der Reichstagsmehrheit über die Unausführbarkeit der Verstärkung wegen der schlechten Zeiten verkehrt. Wenn das deutsche Volk in seinen wirthschafilichen Verhältnissen so weit heruntergekommen wäre, daß es trotz der schlechten Zeiten nicht aufbringen könnte, was die Ehre, die Sicherheit und. die Zukunft des vor 22 Jahren aufgerichteten Reichs erfordert, dann wäre selbst das, was wir bisher für das Heer ausgegeben haben, die reine Verschwendung gewesen, und dann thäte Deutschland gut, einzupacken und sich den Nachbarn schon jetzt auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Sollen wir das? Aber wie man, um ein Unternehmen zu retten, gut thut, selbst bei den schlechtesten Zeiten noch eine größere Summe hinein- zustcckcn, so muß und so kann Deutschland auch noch die jetzt zum Abschluß
seiner Rüstung erforderliche und nothwendige, für den Einzelnen kaum in's Gewicht fallende Summe aufbringen, um so mehr als dann Vertrauen in den Frieden und in die Zukunft wiederkehren, das Geschäft sich heben, Handel und Wandel blühen und die schlechten Zeiten sich sicherlich in gute verwandeln werden: diese Einlage in den Geschäftsbetrieb des Reichs (wie wir einmal bildlich sprechen wollen) rettet alle bisher darauf verwandten Ausgaben und bürgt für die Erhaltung des Friedens, für die Sicherheit und den Bestand des Reichs in den Zeiten der Gefahr, die uns nicht erspart bleiben wird.
Die Reichstagsmehrheit war so blind und kurzsichtig, dies nicht anzuerkennen. Sie wollte freilich die zur Erleichterung der mit der Rüstung verbundenen Lasten angebotene zweijährige Dienstzeit annehmen, aber nicht die Verstärkungen, ohne welche die zweijährige Dienstzeit das Heer geschwächt, die Wehrkraft zerstört hätte. Zweijährige Dienstzeit ist — wie schon vor dreißig Jahren anerkannt wurde — nur mit Ausgleichsmaßregeln, die ihren schädigenden Einfluß hindern, möglich. Diese Ausgleichs- Maßregeln verweigern — und das hat die Reichstagsmehrheit gethan — ist der beste Beweis von dem völligen Mangel an Verständniß.
Sollte das deutsche Reich, sollten der Kaiser, die verbündeten Regierungen, das deutsche Volk sich einem solchen mangelhaften Urtheil unter- werfen? Das hätte den Verzicht auf die Früchte der Siege von 1870/71, die Preisgabe des Reichs, bedeutet. Dem nationalen opferfreudigen Sinne des Volks konnte jener Beschluß des Reichstags ebensowenig entsprechen wie den wahren Interessen des Vaterlands, und so war die Auflösung eine Nothwendigkeit. Das deuische Volk wird jetzt dafür zu sorgen haben, daß eine Mehrheit in den Reichstag kommt, die die Interessen des Reichs besser zu wahren versteht und die Opfer bringt, welche die Ehre und die Sicherheit Deutschlands erfordert.
Tagesschau.
Berli«, 15. Mai. Der „Reichs- und Staatsanz." vèi öffentlicht: 1) Gesetz, betreffend die Feststellung eines zweiten Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für das Etatsjahr 1892/93. Vom 10. Mai 1893. 2) Gesetz, betreffend die Feststellung eines Nachtrags zum Reichshaus- Haltsetat für das Etatsjahr 1893/94. Vom 10. Mai 1893.
Berlin, 15. Mai. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Köniz ernannte den Grafen v. Kanitz, den seitherigen Hofmarschall des Prinzen Leopold, zu seinem Vize-Oberzcromonieumeistcr und den Generalmajor Nickisch-Roseneck zum Hofmarschall des Prinzen Friedrich Leopold.
Berlin, 15. Mai. Gestern Abend begaben Sich Seine Majestät der Kaiser und König zu den Beisetzungsfeierlichkeiten nach Bückeburg, wo Allerhöchstdieselben heute Morgen 9 Uhr wohlbehalten eingetroffen sind. Heute Abend gedenken Seine Majestät wieder nach Berlin zurückzukehren.
Berlin, 15. Mai. Die „Kreuzzeitung" veröffentlicht eine berichtigende Zuschrift des Reichskanzlers, welche die Blättermelduno, daß von dem Reichskanzler den dissentirenden Freisinnigen gewisse Zusicherungen über den Gang der allgemeinen Politik und die Steuern gemacht worden seien, als jeder thatsächlichen Begründung entbehrend erklärt.
Berlin, 15. Mai Nach einem Telegramm des deutschen Konsulates in Kapstadt meldete der Hauptmann Franeois dortbin, daß Hornkranz am 12. April erstürmt worden, von deutscher Seite der Gefreite Sokolowski todt, Bartsch, Hermann und Dietrich verwundet seien. Der Verlust der Witbois betrage achtzig Todte und hundert Verwundete. (F. N.)
Berlin, 15. Mai. Ueber die Frage wegen Wiedereinführung der Berufung gegen Entscheidungen der Strafkammern erfährt die „Voss. 3-,": Der Gesetzentwurf über die Wiedereinführung der Berufung, der im preußischen Justizministerium vorbereitet wird und als Antrag der Regierung beim Bundesrath eirgebracht werden soll, wird voraussichtlich erst im Herbst an den Bundesrach gelangen. Die Berufungen sollen den Oberlandesgerichten übertragen werden.
Berlin, 15. Mai. S. M. Schiffsjungenschulschiff „Gueisenau", Kommandant Korvettenkapitän Stubenrauch, ist am 12^ Mai von Havanna aus nach Newport (Rhode Island) — Vereinigte Staaten — in See gegangen. — S. M. Kanonenboot „Wolffs Kommandant Kapitân- lieutenant Kretschmann, ist am 13. d. M. in Shanghai eingetroffen.