Rom, 5. Mai. Der „@f er cito Jtaliano" vernimmt, das 4., 8. und 9. Armeekorps erhielten die Anweisung, zu bestimmen, wieviel und welche Offiziere der Kavallerie und Artillerie sich mit dem Grafen von Turin zur Theilnahme an den großen Manövern in Deutschland begeben sollen. ~ (F. N.)
Madrid, 5. Mai. Der Senat nahm ohne Debatte einen Gesetzentwurf an, wonach die MunizPalwahlen bis zum 1. Januar 1894 verschoben werden.
Eine in Madrid eingetroffene Depesche des Generalgouverneurs von Cuba meldet, daß sich die stärkste Jusurgentenschaar unterworfen habe. Damit sei der Aufstand als beendet zu betrachten. Nach einer den New- Iorker Blättern zugegangenen Depesche aus Havanna haben sich die Aufständigen auf Cuba in der Gegend von Holguin ergeben.
Paris. Der „Jntransigeant" veröffentlichte ein Interview, das gewaltiges Aufsehen erregt. Dasselbe rührt von dem Dr. Ward, einem Reisegefährten des Afrikareisenden Mizon, her und enthält die Behauptung, Mizon habe die französische Regierung schamlos betrogen, indem er ihr falsche Berichte über seine Erfolge in Afrika sandte. So wäre der Mißerfolg Mizon's bei dem Sultan von Zola, mit dem er angeblich einen Vertrag abgeschlossen hatte, ein endgültiger. Der eben dem Ministerium übersandte Vertrag mit dem Sultan von Mouri wäre ohne allen Werth, da der Sultan schon vor einigen Jahren den gleichen Vertrag mit England abgeschloffen hatte, das daselbst eine Garnison von 400 Mann unterhält. „Mizon", fügt Dr. Ward hinzu, wußte um diesen Vertrag, da der Sultan von Mouri sich erbot, ihm denselben zu zeigen, um ihn von seiner Aufrichtigkeit zu überzeugen und ihm zu beweisen, daß er in Wirklichteit den Vertrag unterzeichne, den er schon mit England abgeschlossen hatte." Schließlich behauptet Dr. Ward, Mizon, der auch mit seiner Haudelsmission gescheitert sei, habe seine Entlassung als Missionschef eingereicht.
Paris, 5. Mai. Die siamesische Gesandtschaft erklärt die Nachrichten Les „Matin" über eine Offensivbewegung der siamesischen Truppen nach der Anamgrenze für ganz unbegründet und drückt gleichzeitig die Ansicht aus, die Grenzbestimmungen zwischen Siam und den französischen Besitzungen werde nächstens eine freundschaftliche Regelung finben. (Fc.N.)
London, 4. Mai. Das „R. B." meldet aus Aden: Der am 12. April von Bombay nach Djeddah abgegangene Dampfer „Khiva" ist verbrannt. Der Dampfer erreichte jedoch noch, bevor er vom Feuer vollständig ergriffen wurde, Ras Mirbat an der arabischen Küste zwischen Aden und Muskat und landete daselbst alle Mekkapilger, von denen er etwa 900 an Bord hatte, sowie die Mannschaft. Ein Dampfer mit Lebensmitteln für die Geretteten, welche Entbehrungen ausgesetzt sind, wurde nach Muskat abgesandt
New-Uork, 5. Mai. Einem Telegramm der New-Dorker „Times" aus Havanah zufolge befindet sich das Fort von Gibarra im Bentz von 1100 Josurgenten. In Jamana und San Domingo sollen Fllibustier- Expeditionen ausgerüstet werden. Die hiesigen Cubaner Klubs unterstützen die Rebellen mit Geldmitteln. Nach dem „Herald" hofft die cubanische Regierung die Erhebung bald unterdrücken zu können. Zwei Rebellenführer hätten sich bereits übergeben. Nachrichten aus Bey West dagegen melden, daß die Rebellen in Kurzem 15 000 Mann zur Verfügung haben werden. (K. Tbl.)
New York, 5. Mai. Eine große Fmersbrunst äscherte auf der Insel Manilla 4000 Häuser ein. Eine Menge Personen sind umge- kommen. Tausende sind obdachlos und nothleidend. (K. Tbl.)
Brrmeu, 5. Mai. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Stuttgart" ist gestern in Baltimore und der Dampfer „Havel" vorgestern in New - Jork eingetroffen.
Hamburg, 4. Mai. Der Postdampfer „Bavaria" von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, gestern in St. Thomas eingetroffen.
Loudon, 4. Mai. Der Union-Dampfer „Durban" ist aus der Ausreise gestern in Capetown angekommen.
New Uork, 3. Mai. Der Dampfer „Edam" der Niederländisch-Amerikanischen Packetfahrt-Aktiengesellschaft in Amsterdam ist gestern wohlbehalten hier eingetroffen.
Depeschen-Bureau „Herold".
5. Mai, abends 9 Uhr:
Deutscher Reichstag.
Militärvorlage.
Abg. v. Manteuffel (kons.) bezeichnet die gestrige Rede Richters als eine Wahlrede und polemisirt gegen die elsässischen Abgeordneten, welche gegen das Gesetz stimmen wollen, das zum Schutze des eigenen Landes bestimmt sei. Die Konservativen stimmten dem Antrag Huene zu, weil sie die Verantwortung für eine Ablehnung nicht tragen könnten. Seiner Partei ständen die Ehre und Wehrhaftigkeit des Vaterlandes höher als wirthschaftliche Interessen.
Abg. Lieber (Zentrum): Seine Freunde könnten mit gutem Gewissen die Verantwortung einer Ablehnung tragen. Redner verwahrt sich gegen die vorgestrigen Angriffe des Reichskanzlers. Niemand wisse, ob die jetzige Vorlage wirklich für die Sicherheit des Reiches das bedeute, was
die Militärautoritäten behaupten. Man möge nicht mit einem Konflikt drohen, im deutschen Reichstage dürfe nicht einmal der Gedanke eines Ver- fassungsbruches ausgesprochen werden.
Reichskanzler Graf v. Caprivi: Seine Polemik sei weder gegen die Vorlage, noch gegen die katholische Kirche, nur gegen den Abgeordneten Lieber gerichtet gewesen. Leider habe im Zentrum in der letzten Zeit die demokratische Richtung die Oberhand gewonnen. Er habe die Vorlage der Regierung aufs äußerste vertheidigt und niemals gesagt, daß er um höhere Ziele willen nicht zu Konzessionen bereit sei, wenn nur der Zweck der Vorlage erreicht werde. Er erkläre nochmals, die Ehre, das Dasein und die Zukunft des Vaterlandes seien von der Vorlage abhängig.
Abg. v. Bennigsen (natl.): Seine Freunde würden ausnahmslos für den Antrag Huene stimmen, er hoffe, daß die Majorität noch nicht ausgeschlossen sei. Sie hätten auch für die Regierungsvorlage gestimmt, wenn der Antrag Huene nicht eingebracht worden wäre. Es sei bedauerlich, daß das deutsche Parlament seinen ursprünglichen Einfluß verloren habe. „Wir müssen ängstlich einen inneren Kampf vermeiden, welcher die innere Macht schwächt und die Feinde zum Angriff lockt." Die Auflösung und die Neuwahlen wünscht im Hause wohl Niemand.
Abg. Payer (Volksp.) begründet den ablehnenden Standpunkt der Partei und verweist auf die bedenklichen Konsequenzen bei der Annahme der Vorlage. Die Undurchführbarkeit der Vorlage folge schon aus der ungeheuren finanziellen Belastung derselben.
Abg. Komierowski (Pole) tritt namens seiner Fraktion für den Antrag v. Huene ein. Die Vorlage sei militärtechnisch nothwendig und für Polen besonders wichtig.
Abg. von der Decken (Welfe) stimmt für den Antrag Preysing.
Abg. Winterer (Elsässer) wendet sich gegen die heutigen Ausführungen Manteuffels und erklärt, es möge jeder nach bestem Wissen und Gewissen stimmen.
Samstag 11 Uhr: Militärpensionsgesetz und Militärvorlage.
Berlin, 5. Mai. Im Ministerium sind die Vorarbeiten für die ReichstagSneuwahlen bereits fertiggestellt. Sämmtliche Depeschen an die Landrâthe und Oberbürgermeister derjenigen Städte, die selbstständige Kreise bilden, liegen zum Absenden bereit.
Berlin, 5. Mai. Die Fraktionen haben vereinbart, morgen vor der Fortsetzung der Militärvorlage die zweite und dritte Lesung des Militärpensionsgesetzes zu erledigen. Sinnesänderungen der Fraktionen für die Militärvorlage sind demnach ausgeschlossen.
Leipzig, 5. Mai. Der zurückgekehrte Afrikareisende Dr. Karl Peters theilte dem hiesigen Verein für Handelsgeographie und Kolonialpolitik mit, er beabsichtige, sich um ein Reichstagsmandat zu bewerben. — Die große Chromopapierfabrik Leutzsch bei Leipzig hat ihre Zahlungen eingestellt, was großes Aufsehen erregt.
München, 5. Mai. Der Prinzregent reist Mitte Mai zu vierzehntägigem Besuche seiner Schwester, der Herzogin von Modena, nach Wien.
München, 5. Mai. Das Schwurgericht verurtheilte Therese Granawetvogel von Schöffau wegen Ermordnung des Bauern Joseph Walch zum Tode und ihre Schwester wegen Beihilfe zu zehn Jahren Zuchthaus.
Freiburg i. B.^ 5. Mai. Der Kaufmann Willmann in Riegel erschoß seine vierzehnjährige Tochter und dann sich selbst.
Budapest, 5. Mai. Der Kultusminister Csaky wurde gestern vom Kaiser empfangen. Der Minister benachrichtigte den Kaiser, daß er in den nächsten Tagen die Vorlage über die freie Religionsausübung im Reichstaae einbringen werde.
Kopenhagen, 5. Mai. Vom 26. bis 29. April kamen hier 100 Jnfluenzafälle vor.
Paris, 4. Mai. Der „Figaro" veröffentlicht einen Brief aus Rom, wonach der Papst seine große Zufriedenheit aussprach über die zarte Rücksicht des Kaisers, der bei der Besprechung alle streitigen Punkte zu berühren vermied.
London, 5. Mai. Die „Times" hebt den Kontrast zwischen der gemäßigten Haltung des Reichskanzlers v. Caprivi und der Sensationspolitik, welche Fürst Bismarck in der gegenwärtigen Lage verfolgt hätte, hervor, um durch alarmistische Nachrichten die Annahme der Militärvorlage herbeizuführen. Das Blatt erklärt, daß nichts vorliege, was eine Aenderung in der Haltung der Majorität im Falle der Reichstagsauflösung vor- herzuseben gestatte.
Odessa, 5. Mai. Die Schwarzmeer- und Donaudampsschifffab/.W- Gesellschaft des Fürsten Gagarin hat ihr Kapital von 2 200 000 Rubel auf 1 295 000 Rubel ermäßigt.
6. Mai, vormittags 9 Uhr:
Schwerin, 6. Mai. Wegen der bekannten Soldatenmißhandlungen wuroen 3 Unteroffiziere zu 1 bis 2l/e Jahren Gefängniß ver- urkheilt.
Hamburg, 6. Mai. Die Untersuchung gegen die Eisenbahnschaffner nimmt große Dimensionen an. Es wurden bereits 17!, Personen verhaftet.